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Die
Kunſtdenkmäler
der
Provinz Brandenburg.
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Herausgegeben
vom
Brandenburgiſchen Provinzialverbande.
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Band VI, Teil 3
Weſtſternberg.
Berlin.
Im Kommiſſionsverlage der Voſſiſchen Buchhandlung.
1913.
Die Hunſtdenkmäler
des Hreiſes Meſeſternberg.
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Unter der Schriftleitung
des
Provinzialkonſervators Theodor Goecke
bearbeitet
von
Architekt Dr. phil. Wilhelm Jung und Profeſſor Dr. Willy Spatz.
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Mit 2 Karten, 10 Tafeln, 216 Abbildungen im Text.
Berlin.
Druck von Meiſenbach Riffarth & Co.
1913.
Bisher find erſchienen:
Band J. Teil 2 Oſtprignitz 1907.
„ I. „ 1 Weſtprignitz 1909.
WI. 1 Lebus 1909.
„ II. „ 3 Stadt und Dom Brandenburg 1912.
„ VI. „ 2 Stadt Frankfurt a. O. 1912.
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„ , Weſthavelland 1913.
In Vorbereitung:
Band I. Teil 3 Ruppin.
„ II. „ 2 Oſthavelland.
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Inhaltsüberſicht.
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Seumftgeichichtliche Überfichte: 2 une 2 0 XIV
Beſchreibung der Kunſtdenkmäler 1
Ortſchaftsverzeichnis . 221
Verzeichnis der Textabbildungen. 222
Verzeichnis der Karten und Tafeln . 225
Verzeichnis der Familien, Stifter uſw. 226
Meiſterverzeichnis 230
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Vorwort.
Ziemlich gleichzeitig mit dem 1. Teile des II. Bandes folgt der den Kreis Weſt—
ſternberg umfaſſende Teil 3 des VI. Bandes, auch dieſer zunächſt unter Verzicht auf die
geographiſch-geologiſche Einleitung, die dem Teil Oſtſternberg vorbehalten bleibt, da
Herr Profeſſor Dr. Solger erſt im Laufe des Jahres aus Peking zurückkehrt. Die
kunſtgeſchichtliche Überſicht ſowie das eigentliche Denkmalverzeichnis und die zuge—
hörige baugeſchichtliche Darſtellung, die Zeichnungen und die photographiſchen Auf—
nahmen einſchließlich der farbigen Tafeln ſind wieder vom Architekten Dr. phil. Jung
geliefert worden, während die geſchichtlichen Einleitungen der Feder des Herrn
Profeſſor Dr. Spatz entſtammen. Für die überaus eifrige Mitarbeit auch an dieſem
Bande ſei Herrn Hoffmann in Frankfurt a. O., gedankt, insbeſondere für die ſorg—
fältige Durchforſchung der Archive, vornehmlich des Regierungsarchivs in Frankfurt a. O.
ſowie der Archive zu Droſſen und Reppen.
Ferner ſei den Behörden und Körperſchaften, namentlich dem Landrat Herrn
Grafen v. Finckenſtein, ſowie den Herren v. Kaphengſt CH), v. Pappritz, Pfarrer Koll—
mann u. a. m. für die vielfache freundliche Unterſtützung vielmals gedankt.
Druck, Broſchur und ſämtliche Kliſchees zu den Textabbildungen ſowie die
Lichtdrucke und farbigen Tafeln ſind von der Firma Meiſenbach Riffarth & Co.
in Berlin-Schöneberg ausgeführt worden.
Berlin, im März 1913.
Goecke
Provinzialkonſervator.
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Die Kunstdenkmäler der Provinz Brandenburg. VI. 3. Weststernberg.
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SD Dörfer mit Kirche Bergwerk
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Dörfer ohne Kirche, Bauernschaften Schleuse
Provinzial - Chaussee Zweigleisige Hauptbahr.
Kreis- Chaussee, Eingleisige Hauptbahn
Gebaute Straße Neben-oder Kleinbahn
Gebesserter Weg projektierte Eisenbahn
Feldweg mie: Provinz - Grenze
RE KHreis- Grenze
1:200 000.
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Lith.Anstx. Bogdan Gisevius, Berlin W.
Quellen.
Archivalien (Urkunden, Akten u. dgl. m.).
Die bodenſtändigen Archivalien ſind, zum Teil auch infolge feindlicher Einfälle
und verheerender Brände, nur geringfügig: Urkunden und Akten in Droſſen reichen
knapp bis ins 16. Jahrhundert zurück; auch in Reppen, Göritz, ſowie in den
Dörfern ſind keinerlei nennenswerte Beſtände vorhanden. In den Pfarrarchiven
finden ſich nur vereinzelt Materialien aus der Zeit der Reformation (jo zu Reppen)z
über die Kriege — beſonders 1756 bis 63 — enthalten mehrere Kirchenbücher Auf—
ſchlüſſe (Pinnow, Tornow, Ziebingen). In den Gutshäuſern lagern nur ausnahmsweiſe
Urkunden aus dem 16. oder gar dem 15. Jahrhundert (Radach, Matſchdorf).
Von auswärtigen Archiven kommen vornehmlich in Betracht:
J. Stadtarchiv zu Frankfurt a. O.:
Reicher Beſtand an mittelalterlichen Urkunden (die von den Markgrafen im
14. Jahrhundert hier niedergelegten wurden 1912 an das Geh. Staatsarchiv abge—
liefert); Annalen des Pfarrers Heinſius (Mitte des 17. Jahrhunderts).
II. Regierungsarchiv zu Frankfurt a. O.:
Akten und Pläne der früheren Kriegs- und Domänenkammer zu Cüſtrin, 18. Jahr—
hundert (3. B. „Nachrichten von den Dörfern u. ſ. f. des Kreiſes“ von 1785); Beſtand—
teile des fruͤheren Johanniterordensarchivs zu Sonnenburg, 16. bis 19. Jahrhundert,
betr. z. B. Ordensamt Rampitz (vgl. v. Pflugk-Harttung, Anfänge des Johanniterordens
in Deutſchland, Berlin 1899, S. 136 ff.); Akten der nach 1810 neugebildeten Regierung
63. B. Indaganda von 1814).
III. Geh. Staatsarchiv zu Berlin:
1. Urkunden aus dem 13.— 17. Jahrhundert;
a) Templerurk., 1229 —1311,
b) Johanniterurk., Anfang des 14. bis Anfang des 19. Jahrhunderts,
c) Urk. märkiſcher Ortſchaften, betr. z. B. Hochſtift Lebus, ferner einzelne
Orte wie Groß-Gandern u. a. m.
Kurmärkiſche Lehnskopiarien (Rep. 78) und Kopiarbücher des Johanniter—
ordens (Prov. Bröbg., Rep. 9), 15.—18. Jahrhundert;
3. Landbuch Kaiſer Karls IV., um 1375;
4. Catastrum ecclesiae Lubucensis: Kataſter der Lebuſer Kirche, begonnen um
1405 (Verzeichniſſe der Kirchen, Regiſter des Landes Sternberg von 1161);
5. Aktenvolumina in Rep. 21, 16.— 18. Jahrhundert (betr. z. B. Droſſen);
6. Aktenvolumina in Rep. 22 (Lehnſachen der adligen Familien);
4
Kunſtdenkm. d. Prov. Bröbg. VI. 3. Weſtſternberg. II
Il Weſlſlernberg.
7. Beſtandteile des früheren Johanniterordensarchivs zu Sonnenburg (vgl.
Überſicht bei v. Pflugk-Harttung, a. a. O., S. 136 f.);
S. Rep. 92, Beckmanns Nachlaß, etwa 1713—1756 (mit den vornehmlich
durch die Geiſtlichen erfolgten Beantwortungen der durch die beiden
Beckmann geſtellten Fragen).
Damit iſt bei weitem noch nicht die Fülle des Materials erſchöpft. So enthält
Prov. Brobg., Rep. 16 (II. c, y 1) Philippis Nachrichten von den Städten im
Regierungsbezirk Frankfurt; ferner betreffen Akten des Generaldirektoriums Neumark
Amterſachen des 18. Jahrhunderts (Amt Frauendorf u. a. m.).
IV. Königliches Konſiſtorium zu Berlin:
Kirchenbauſachen in Balkow (1815), Bottſchow (1853), Döbbernitz (1815), Lau—
bow (1833), Sandow (1812), Wildenhagen (1817) u. a. m.
Lileralur.
Wie für die geſamte Mark iſt auch für Weſtſternberg Riedels Codex diplo—
maticus Brandenburgensis von größter Bedeutung; der 19. Band (Berlin 1860)
bringt auf S. 124— 173 die wichtigſten Urkunden aus der Zeit von 1241-1539;
ferner verdienen der 20. und 23. Band wegen der Frankfurter und Oſtſternberger
Urkunden beſondere Berückſichtigung.
Die in Sonderheit das Land Sternberg betreffende Literatur iſt nicht reich. Noch
immer die beſten, auf Urkunden zuverläſſig gegründeten Angaben finden ſich in Wohl—
brücks Geſchichte des Bistums Lebus (3 Bände, Berlin 183032), umfaſſend das
11.— 16. Jahrhundert; hier ſind auch die ſpätmittelalterlichen Chroniken wie Dlugoß,
Historia Poloniae, und Krantz, Vandalia, berückſichtigt. Wedekind, „Sternbergiſche
Kreis-Chronik“ (Zielenzig 1853, 367 Seiten) und W. Freier, „Das Land Sternberg“
(Zielenzig 1892, 780 Seiten) bieten nur hie und da verſtreut zweckdienliche Daten.
Die Epoche der Koloniſation behandelten neuerdings ausgezeichnet Breitenbach „Lebus
unter den Piaſten“, und, in weit umfaſſendem Rahmen, P. v. Nießen, „Die Neumark,
im Zeitalter ihrer Entſtehung und Beſiedlung (vgl. auch Kunſtdenkmäler, „Frankfurt“,
S. VI). Zur Geſchichte des Johanniterordens vergleiche man A. v. Winterfeld, Geſchichte
des Ordens mit befonderer Berückſichtigung der Ballei Brandenburg (Berlin, 1859).
Eine Fülle von geſchichtlichem und ſtatiſtiſchem Material bieten Büſching, Erd—
beſchreibung, 8. Bd. (1791), S. 575 f.; Bratring, Beſchreibung der Mark, 3. Bd.
(Berlin 1809), S. 259— 295; Berghaus, Landbuch der Mark, 3. Bd. (Brandenburg
1856), S. 242— 308; Gemeindelexikon für das Königreich Preußen. Statiſtika betr.
die neueſte Zeit verdanke ich den Mitteilungen des Kgl. Landratsamts zu Reppen.
Eine Karte des Sternbergſchen Kreiſes entwarf D. F. Sotzmann (Berlin 1795).
Eine Sammlung von Siegelabdrücken befindet ſich im Geheimen Staatsarchiv
in den Kollektaneen Hupps, des Verfaſſers von „Die Wappen und Siegel der deutſchen
Städte“ (Provinz Brandenburg, im 1. Bd., 1. Heft, 1894, Frankfurt a. M.).
III
Geſchichtliche Einleitung.
Grenzen und Bodengeſtaltung.
Der Kreis Weſtſternberg gehört mit einem Umfang von 1142 qkm = 20,8 Quadrat-
meilen ſeiner Flächenausdehnung nach zu den mittleren Kreiſen der Provinz; in der
Dichtigkeit ſeiner Bevölkerung, die knapp 40 Einwohner auf den Quadratkilometer be—
trägt, bleibt er hinter dem Durchſchnitt von über 80 Einwohnern weit zurück. Die
Grenzen des in ſeinen Umriſſen — abgeſehen von einer Ausbuchtung im Südweſten —
einem unregelmäßigen Viereck vergleichbaren Gebiets ſind nach Weſten hin das Oder—
tal, im Norden der Warthebruch im weiteſten Sinne des Wortes. Im Süden jenſeits
der Pleiske ſchließt ſich das vom Mittelalter an im großen und ganzen eine ge—
ſchloſſene Einheit bildende Herzogtum Croſſen an, dagegen verdankt die Grenze nach
Oſten erſt der modernen Verwaltung ihre Entſtehung.
Im Kreiſe wechſeln fruchtbare Striche mit unergiebigen Sandflächen. Zu Körner—
und Rübenbau ſind infolge der Eindeichung der Oder die Niederungen geeignet, die
ſich die Oder entlang von Rampitz bis nach Göritz hinaufziehen. Ferner iſt auch die
waldarme Hochfläche um Kohlow herum nahe Droſſen ertragreich. Geringeren Boden
dagegen weiſen beſonders die Feldmarken im Südoſten (FLeichholz u. a. m.) in der Nach—
barſchaft von Oſtſternberg und Schwiebus auf, ebenſo wie auch das Höhenland, das
die Oderniederungen begleitet, vornehmlich im Süden vielfach nur ſandig, mit niedrigem
Holz beſtanden iſt. Für Fiſcherei eignet ſich beſonders die Oder mit ihrem vielfachen
Wandlungen unterworfen geweſenen Bett, ſowie der an Seen und Bächen reiche
Einſchnitt, der ſich in der Oſthälfte des Kreiſes von Norden an (Lenzeniederung
mit Droſſen) über Reppen (Eilangtal) bis zum Pleiskegebiet bei Sandow hinzieht.
Alteſte Geſchichte.
Ein Blick auf die Zwillingskreiſe Weſt- und Oſtſternberg in ihrer Geſamtheit
erweiſt, daß ſie nach Oſten hin völlig ungeſchützt liegen; nach Weſten dagegen bildet
das weite, ehedem von Sümpfen und „faulen Waſſern“ angefüllte Odertal eine
ſehr ſchwer zu überſchreitende Grenzlinie. Das Verhängnis wollte es nun, daß die
hauptſächlichſten kulturfördernden Einflüſſe von Weſten her kamen, während von Oſten
her nur allzuoft kulturvernichtende ſich nahten. Erſt die Entwicklung in allerneueſter
Zeit hat mit Schaffung einer feſten, durch die Provinz Poſen gebildeten Vormauer
hierin Wandel geſchaffen.
Aus der Zeit vor dem 12. Jahrhundert liegen keinerlei Sondernachrichten über
die an der mittleren Oder, füdlich des Einfluſſes der Warthe gelegenen Lande vor.
Bis zur Zeit der Völkerwanderung wohnten hier deutſche Stämme, vom 5. Jahrhundert
an erfolgte ſodann eine Überflutung durch die Slawen, die ſich bis zur Zeit der
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IV Weſlſlernberg.
Ottoniſchen Kaiſer ungeſtört behaupteten. In dieſe Frühzeit der deutſchen Reichs—
geſchichte hat die legendariſche Überlieferung, im Lande Sternberg von beſonderer
Zähigkeit, die Anfänge der auf literariſchen Quellen begründeten Lokalgeſchichte zu
verlegen geſucht; ſchon damals, um und nach 966, ſeien das Bistum Lebus, die
Städte Droſſen und Reppen emporgewachſen! Dagegen ſei betont: Urkunden und
Chroniſten jener Zeit berichten nur von der Begründung einer Oſtmark durch den
gewaltigen Gero, von der Errichtung des Erzbistums Magdeburg und der ihm unter—
geordneten Bistümer wie Brandenburg, Havelberg, Meißen, und endlich von ein—
zelnen, wenigen Zügen deutſcher Herrſcher in die Lande zwiſchen Oder und Weichſel —
wobei genauere Ortsbezeichnungen faſt ganz ausfallen. Feſt ſteht endlich, daß es
den Deutſchen damals noch nicht gelang, Polenfürſten wie z. B. Miesco (Miſeko),
der 966 das Chriſtentum angenommen und im Jahre darauf das Bistum Poſen ge—
gründet hatte, oder gar Boleslav Chrobry gegenüber zu dauernd vorwaltendem Einfluß
im Lande Sternberg und ſeinen Nachbargebieten zu gelangen. Die polniſche Kirche
hat hier zu Lande freilich nichts von Bedeutung geſchaffen, und Anklänge an jene
polniſch-ſlawiſchen Zeiten finden ſich nur auf dem Gebiete der Ortsnamen, in denen
ſich die gens Sclavorum ultra Albiam, wie es in Urkunden des 10. Jahrhunderts
heißt, bis auf den heutigen Tag verewigt hat. Die Namen der drei Städte Weſt—
ſternbergs ſind ſicherlich ſlawiſch, der Dörfer zum überwiegenden Teil. So ſind Otſcher
(einſtmals Ovezar) und Zweinert (Swynar) von den Bezeichnungen für Schaf und
Schwein herzuleiten. Ausgeſprochen ſlawiſches Gepräge tragen Balkow, Bottſchow,
Leiſſow, Lübbichow, Storkow und Tſchernow, Döbbernitz, Grimnitz, Kloppitz, Kunitz und
Rampitz, ferner die urſprünglich einſilbigen Drenzig, Kohlow, Läſſig, Reipzig, Stenzig und
Zohlow, endlich Görbitſch, Polenzig, Schmagorei und noch manche andere. Von befonderem
Intereſſe iſt der dem Deutſchen angepaßte Ortsname Kirſchbaum, früher Cerßboum, ferner
Gohlitz, früher Goles- oder Bolescoviz. Deutſchen Urſprungs find nur Buchholz, Frauen—
dorf, Hildesheim, Klauswalde, Kunersdorf, Matſchdorf, Neuendorf und Wildenhagen.
Deutſche Koloniſation.
Im Jahre 1133 erſcheint urkundlich der erſte Biſchof von Lebus, Bernardus
episcopus Lubucensis. Etwa zwei Menſchenalter darauf gelang es ſchleſiſchen Herzögen,
das Gebiet rechts und links der mittleren Oder bis zur Warthemündung, die „terra
Lubus“, ihrem Einfluß zu erſchließen. Doch auch ſie mußten um 1250 wiederum
vor den askaniſchen Markgrafen Johann J. und Otto III. und dem Magdeburger Erz—
biſchof zurückweichen. Von nun an ergoß ſich ein unwiderſtehlicher Strom deutſcher
Koloniſten von Oſten her in den rechts der Oder gelegenen Teil des Landes Lebus,
für den es damals noch keine Sonderbezeichnung gab; zumeiſt nahmen die Zuzügler
wohl den Weg über das ſeit 1253 unter askaniſchem Schutz immer mehr empor—
ſtrebende Frankfurt, denn hier allein bot ſich Gelegenheit zum Überſchreiten der Oder.
Auf faſt jungfräulichem Boden durften die Deutſchen wirken und ſchaffen, denn weder
die ſchleſiſchen Herzöge noch das ſchleſiſche Kloſter Leubus, ſeit etwa 1236 im Beſitz
Gejchichtliche Einleitung. V
von Rampitz, hatten weiterreichenden Einfluß gewonnen, und auch der Templerorden,
ſo mächtig er ſeit 1235 im Lande Cüſtrin, ſeit 1244 in Zielenzig und Umgegend da—
ſtand, hatte in Weſtſternberg nur geringfügigen Beſitz, u. a. Buchholz und Laubow.
In dem halben Jahrhundert von 1250 — 1300 erhielt nun der Weſtſternberger
Kreis oder auch „das blaue Ländchen“, wie man ihn in ſpäterer Zeit wegen ſeiner vielen
Waldungen nannte, das Gepräge, das ihm bis auf den heutigen Tag geblieben iſt: die drei
kleinen, von vornherein beſcheiden zugeſchnittenen und auch noch heute wenig volkreichen
Städte entſtanden, unter denen das dem Biſchof von Lebus zuſtehende Droſſen zuerſt ge—
nannt wird, und zwar in einer Urkunde von 1252. Alle noch heute beſtehenden dörflichen
Ortſchaften wurden angelegt. Etwa in vier Gruppen laſſen ſie ſich ſcheiden: die mit
gutem Acker ausgeſtatteten Dörfer auf der ebenen Hochfläche um Kohlow-Drenzig
herum, die Walddörfer mit geringer Ackerfläche im Süden und Oſten (Gräden, Matſch—
dorf, Reichenwalde, Döbbernitz), die ſehr großen Ortſchaften wie Ziebingen oder
Tſchernow, dort gelegen, wo der Kreis ſich zur Oder- und Wartheniederung herab—
ſenkt, mit weit ausgedehnten, z. T. auf der Höhe, z. T. in der Niederung gelegenen
Ackerflächen. Endlich Oderdörfer wie Aurith, Kunitz, Reipzig, mit einer hauptſächlich
auf Schiffahrt oder Fiſcherei angewieſenen Einwohnerſchaft. Alle dieſe verſchiedenen
Abarten von Ortſchaften beſtanden um 1300 und beſtehen noch heute, und wenn
man von vereinzelten Arbeiterkolonien (Friedrichswille) abſieht, iſt auch keine neue
hinzugekommen; andererſeits iſt die Zahl der wüſt gewordenen Dörfer auffallend gering:
zu ihnen find Barſchſee (nahe Leichholz), Wyſtock bei Sandow und Pamezyn bei
Frauendorf zu rechnen. Wie auch im Kreiſe Lebus und anderwärts in der Mark iſt
für viele Dörfer die Normalausſtattung mit 64 Hufen — darunter 4 Pfarrhufen —
charakteriſtiſch, z. B. Bottſchow, Klein-Kirſchbaum, Kohlow, Lieben, Schmagorei, Wilden—
hagen, Zerbow. Abgeſehen von den Kietzen fehlen die ‚Wendendörfer, slavicales
villae, gänzlich.
Die Markgrafen und die Kirche.
Mit den hochſtrebenden Askaniern, die mit ihren Rittern kraftvoll den Grenz—
ſchutz von Zielenzig aus gegen die polniſchen Herzöge zu Meſeritz zu wahren verſtanden,
konnten die Erzbiſchöfe auf die Dauer nicht gleichen Schritt halten. Zu Beginn des
14. Jahrhunderts waren die Markgrafen die unbeſtrittenen Herren über das ganze
Land Lebus, links wie rechts der Oder, und nur eine, freilich recht bedeutungsvolle
Tatſache erinnert noch heute an die Prälaten, nämlich der Name des rechts der Oder
gelegenen Teiles. Man darf wohl annehmen, daß er auf den Magdeburger Erz—
biſchof Conrad (1266 —1277), einen geborenen Grafen von Sternberg aus weſtfäliſch—
lippiſchem Geſchlecht zurückgeht, der vielleicht als Erbauer des Schloſſes Sternberg
dem ganzen Ländchen den Namen gegeben hat; auch hat Paul v. Nießen mit Recht
auf die auffallende Namensgleichheit zwiſchen Weſtſternberger Dörfern und Orten
nahe Magdeburg, z. B. Bergen, Sandow, hingewieſen.
Die kirchliche Organiſation, im engſten Anſchluß an die Laienkoloniſation ent—
ſtanden, war in den Grundzügen um 1300 ſchon feſtgelegt, wenn auch erſt ein Lebuſer
VI Weſlſlernberg.
Bistumsregiſter aus dem Anfang des 15. Jahrhunderts hierüber Auskunft gibt.
Der biſchöfliche Sprengel von Lebus zerfiel in mehrere Bezirke, ſog. „Sitze“. „Ad
sedem Osnen“ gehörten folgende Kirchen: Goricia, Sebitz, Czernow, Radekow
(Radady), Grunow, Stentz (Stenzig), Spudlow, Sefelt, Swyner (Zweinert), Czerbow,
magna Radow, parva Radow (Groß- und Klein-Rade), Leſsk (Läſſig), Frawendorff,
Belitz, Lissow, Cunradstorff, Ripschitz (Reipzig), Bischovisse, Storkow, Kawl
(Kohlow), major Lubechyn (Groß-Lübbichow), Drentzk, Czawl Gohlow), Olsna,
Cirſsbowm, Smogarya, Lybnow (Lieben), Lubna (Xaubow), Clawswalde, Polentzk,
Bebirtich. Zum Reppener Bezirk gehörten, „Subscripte ecclesie adiacent Rippin“:
Ryppin, Wildenhagen, Hildbrandfsdorff (Hildesheim), Gorbitz, Gandir, Richin-
walde, Syrtzik, Czebingen, Balkow, Matzdorff. Von Zielenzig, „Czelentzk“, endlich
hingen Pynnow, Botczow, Belitz und Tornow ab. Reicher Privatbeſitz eignete dem
Biſchof von Lebus, denn laut Schutzbrief, den Biſchof Stephan II. am 3. Februar 1317
von den Markgrafen Johann und Waldemar erhielt, beſaß das Stift außer „Goricz“
noch die zehn Dörfer „Golitz, Lesk, Ottezar, Groß- und Klein-Radowe, Sabyz,
Seveld, Spudlowe, Stanck und Swinar“: alle dieſe Ortſchaften ſind in der oben
erwähnten Urkunde von 1252 noch nicht genannt, vielleicht war Droſſen von den
Markgrafen gegen ſie eingetauſcht worden.
Fluctuat nec mergitur.
Über die von 1250 bis 1300 feſtgegründeten Gewalten brachen im 14. Jahr—
hundert verheerende Stürme herein: „heftig ſchwankt das Schiff, doch es geht nicht unter“
(fluctuat nec mergitur). Das Jahr 1312 ſah das grauenvolle Ende des Templerordens.
1320 erloſch das askaniſche Haus, und damit verlor das Land Lebus ſeine unermüd—
lichen Schirmherren. Die Wittelsbacher Markgrafen waren durch ihren Streit mit dem
Papſt oft gelähmt, der polniſche König dagegen wurde im Lande öſtlich der Oder immer
mächtiger. Der Lebuſer Biſchof mußte mit anſehen, wie der markgräfliche Hauptmann
Wulkow nicht allein ſeine Kathedrale in Göritz, ſondern auch viele aus Stein
erbaute Kirchen (ecclesias lapideas) gänzlich zerſtörte. Wie ſich die Zeiten geändert
hatten, erfuhren die Landbewohner 1325, als Polen, Litauer, Reußen und Walachen
auf Antrieb des Königs Wladislaus Lokietek das Land Lebus diesſeits und jenſeits der
Oder verwüſteten und dabei 140 Dörfer ſamt ihren Kirchen in Aſche legten. Heftige
Vorwürfe machte Kaiſer Ludwig 1328 dem Papſte Johann XXII., die Slawen zu
dieſem Einfall angeſtiftet zu haben, ſodaß noch jetzt, wie er ſagte, die Einwohner der
Mark die ihnen von fremden Barbaren infolge dieſer Schandtat des Papſtes ge⸗
ſchlagenen Wunden beweinten. Die Johanniter, die den Beſitz vieler Templergüter
angetreten hatten — 1322 überließ ihnen beiſpielsweiſe Herzog Heinrich von Schleſien
Zielenzig — haben in dieſem Kriege ſich weder zu Gunſten der einen noch der andern
Partei eingemiſcht.
Mit neuer Heftigkeit loderten die Kämpfe zur Zeit des falſchen Waldemar auf.
Damals, 1351, nahm den Lebuſer Biſchof Apetzko einer der Mannen der Wittelsbacher
Geſchichtliche Einleitung. VII
Markgrafen, Henzlin v. Waldow, gefangen. Zwei Jahre darauf wurde Waldow mit der
Vogtei Droſſen betraut und ſomit als Wahrer der Rechte des Markgrafen, als Hüter
der öffentlichen Ordnung an die Spitze des Gebiets rechts der Oder geſtellt, während
Heinrich v. Eichendorf zur ſelben Zeit die Vogtei von Lebus verſah.
In welchem Maße das Land Sternberg ſich zur geſchloſſenen Einheit heran—
entwickelt hatte, lehrt das um 1375 entſtandene Landbuch Kaiſer Karls IV. Das
„territorium Sterneberg“, das hier ſcharf von dem Lande Lebus, „territorium
Lubucense“ geſchieden wird, gehörte zur Mark jenſeits der Oder (Marchia Trans-
oderana) und zwar bildete „der große Warthefluß“ eine Scheidelinie, die den größeren
nördlichen Teil dieſer „Marchia“ von dem kleineren nach Oſten — versus orien—
tem — gelegenen, alſo unſerem Lande Sternberg, abtrennte.
In Sonderheit in Weſtſternberg werden als feſte, dem Markgrafen gehörige Plätze
Droſſen und Reppen genannt, zu Sandow ſaß der markgräfliche Lehnmann Johannes
Sack, zu Rampitz der v. Oinitz. Göritz gehörte dem Biſchof, Drenzig dem mark—
gräflichen Vaſallen Petz v. Loſſow, ebenſo waren die Loſſow zu Bottſchow und
Radach anſäſſig. Alſo zählte der Kreis nicht weniger als acht „municiones et opida“,
die vielleicht zum Teil erſt in den vorhergehenden unruhevollen Zeiten von Rittern
auf eigene Fauſt, ohne Befragung des Landesherrn, angelegt worden waren. Welche
Gefahr ſolche Burgen unter einem ſchwachen Landesherrn wie Markgraf Jobſt in fich
bargen, erwieſen die erſten Jahre des 15. Jahrhunderts, als Petz v. Loſſow von ſeiner
Burg Bottſchow aus derart die Umgegend beunruhigte, daß die Bürger von Droſſen
und Reppen ſich mit den Frankfurtern verbündeten, um die „municio“ zu zerſtören.
Petz gelobte Beſſerung, und ähnlich den Quitzows in der Prignitz hat ſich ſein Geſchlecht
noch Jahrhunderte lang im Lande Sternberg in anſehnlichem Beſitz behauptet.
Vaſallen und Johanniterorden im erſten Jahrhundert der Zollernherrſchaft.
Im Sommer 1412 erſchien Burggraf Friedrich von Nürnberg perſönlich in
Droſſen und Reppen, um die Huldigung entgegenzunehmen. „Unſern Frieden innen und
außer Landes ſoll jedermann halten,“ gebot er 1414. Er und ſeine Nachfolger beſaßen
die Kraft, dieſen Worten Geltung zu verſchaffen. Wenn man von dem Einfall des
händelſüchtigen Herzogs Hans von Sagan, dem es 1477 vor Droſſen ſchlimm genug
erging, und von gelegentlichem Aufflackern ritterlicher Fehdeluſt abſieht, durfte ſich
Sternberg nunmehr über zwei Jahrhunderte lang ungeſtörter Ruhe erfreuen. Jetzt
beginnt die Zeit, wo Ritterbürtige mehr und mehr bodenftändig wurden und ſich auf
dem platten Lande ausdehnten. Die meiſten dieſer adligen Geſchlechter ſtammten aus
den Landen an der mittleren Elbe: ſo die Winning aus Winningen nahe Aſchersleben;
die aus Schleſien ſtammenden Löben bildeten eine Ausnahme. Manche hatten in mehreren
Orten Ritterſitze oder Gerechtſame: die Loſſow beiſpielsweiſe außer zu Bottſchow noch
zu Gandern, Wildenhagen, Drenzig und Kohlow, die Grüneberg zu Klein-Kirſchbaum,
Radach und Reichenwalde. Weniger umfangreich war der Beſitz der Ihlow (oder Illo)
zu Buchholz, ſpäter auch Schmagorei, oder der Buntſch zu Biberteich, deren einer, Kaſpar,
VIII Weſtſlernberg.
1502 vom Kurfürſten Joachim J. den Auftrag erhielt, mit ſeinen Reiſigen Kaufleute
und Frachtwagen ſchirmend durch das Land zu geleiten.
Viele Adlige ſtanden im Lehnverhältnis zum Kurfürſten, einige waren Lehnträger
des Johanniterordens. Weit veräſtelt war der Beſitz dieſer ritterlichen, mehr auf
Ausdehnung und Nutzung ihrer Güter als auf Kampf gegen Feinde des Chriſtentums
bedachten Genoſſenſchaft. Nachdem ſie ſich 1426 in Sonnenburg feſtgeſetzt, erwarb
ſie 1431 Rampitz, Kloppitz, Melſchnitz, Matſchdorf und Gräden; Johanniter legten
wahrſcheinlich auch Leichholz an. Kurfürſt Friedrich II. verpfändete dem Orden ſogar
1447 — ganz ähnlich wie es 1408 Markgraf Jobſt bereits getan — die Vogtei im
Lande Sternberg, die Stadt Reppen, Einkünfte aus Droſſen, ferner die Berechtigung,
die zum Patronat des Landesherrn gehörenden geiſtlichen Stellen zu beſetzen.
Die Reformation und Hans von Cüſtrin.
Als die Tage der Reformation anbrachen, war der Beſitz des Lebuſer Biſchofs—
und Domkapitels beſonders im Norden des Kreiſes feſt begründet und abgerundet:
hatte doch noch beiſpielsweiſe Biſchof Friedrich Seſſelmann 1465 einen Anteil an
Tſchernow von einem Frankfurter Bürger erkauft. Die neue Lehre fand an dem
Markgrafen Hans von Cüſtrin einen tatkräftigen, rückſichtsloſen Förderer. Schon
lange bevor in der eigentlichen Kurmark die neue Richtung zum Siege gelangte, hatte
der Prediger Mangold 1538 in Droſſen den Kirchenheiligen den Krieg erklärt. Bald
darauf ordnete Markgraf Hans eine Viſitation „im Lande Sternberg“ an; heftig erhob
Biſchof Georg v. Blumenthal dagegen Einſpruch. Die Wallfahrten nach der vor dem
Tor gelegenen Reppener Kreuzkirche, wo noch lange nachher viele Krücken zu ſehen
waren, hörten jetzt auf. Als Hans erfuhr, daß noch mit dem Marienbilde in Göritz,
zu dem viel „Zulauf aus Polen“ war, „allerlei Abgötterei“ getrieben wurde, veran—
laßte er die Droſſener, das Bild nach Güftrin zu ſchaffen. Hierhin wurde auch viel
Kirchenſilber gebracht, und als der Herrſcher daranging, die Feſte Cüͤſtrin auszubauen,
mußten die Stiftsuntertanen an dem Wall acht Tage arbeiten. K
Die Umwandlung der biſchöflichen Güter zum Domänenamt Lebus vollzog ſich nach
dem Tode des Biſchofs Horneburg 1555 allmählich und ohne Schwierigkeit. Die
Gemahlin des Markgrafen, Katharina, trug auch noch durch Ankauf verſchiedener
Dörfer und Vorwerke zur Vermehrung des Domanialbeſitzes bei. Auf ſie geht der
Erwerb von Neuendorf zurück, wo ſie eine große Brauerei anlegte. Ganz anders wie
ihr harter Gemahl, ſtand ſie noch jahrhundertelang beim Volke wegen ihrer großen
„Pietät, Juſtiz und veconomifchen Prudentz“ im beſten Andenken.
Recht unbequem war dem Markgrafen Hans der Johanniterorden mit feinem
reichen Beſitz. Doch die Herrenmeiſter wußten geſchickt vorzugehen. Veit v. Thuͤmen
ſtellte bereits 1538 einen evangeliſchen Prediger in der Sonnenburger Ordenskirche
an; Joachim v. Arnim ſchwur 1544 dem Markgrafen Johannſen als feinem gnädigſten
Landesherrn gehorſam und treu zu fein. Der Herrenmeiſter Franz Neumann bekam
ja freilich die ganze unerbittliche Tatkraft des Hohenzollern zu fühlen, doch trotz allem
Geſchichtliche Einleitung. IX
hat der Johanniterorden feinen geſamten Beſitzſtand über die Reformation hinaus ge—
rettet. Als ſein Lehnsträger ſaß ſeit 1540 zu Matſchdorf der friſch ins Land
gekommene Kanzler Dr. Wolfgang Kettwig. Da zwiſchen ihm und den Reppenern
Streitigkeiten ausbrachen, geboten Kaſpar v. Waldow, Hauptmann des Landes Stern—
berg, und Andreas v. Schlieben, Komtur zu Lagow, als „verordnete Commiſſarien“
Stillſtand; die Zeit der Fehden war vorüber! 1608 ſtellte der Landreuter feſt, daß
nur noch zwei „Schloſſer und Flecken“ vorhanden waren, nämlich „Goritz, ins Ampt
Lubus gehörig,“ und „Sandow, denen v. Winterfeldt gehörigk.“
Kriegsleiden im 17. Jahrhundert.
Das Vorſpiel zum Großen Kriege war eine verderbliche Münzverſchlechterung,
und gerade in Droſſen wurden in der ſog. Kipperzeit viele dieſer berüchtigten Geld—
ſtücke geprägt. 1627 rückten kaiſerliche Völker von Süden her in den Kreis ein, und
der Amtsſchreiber des Johanniterordens Hille zu Rampitz berichtete von vielen „Schaden,
Exceſſen und Inſolentien“. Wallenſteinſche Wallonen, „lahmes, böſes, abgeriſſenes
Geſindel“, niſtete ſich in Droſſen ein. 1630 begannen die Durchzüge der Schweden,
da Landsberg ſowie Frankfurt für ſie wichtige ſtrategiſche Plätze waren. 1637 richtete
General Banner auf ſeinem Marſche große Verwüſtungen an; Rathaus und Kirchen
in Reppen wurden erbrochen und „alle vornehmſten Sachen hinweggeriſſen“. Manche
Kirchenbücher, z. B. zu Pinnow, berichten ergreifend von Kriegsleiden; in Görbitſch
kam es dahin, daß alle Bewohner flüchtend das Dorf verließen. Der Peſt fielen
1634 in Reppen 700 Perſonen zum Opfer.
Das Sternberger Land war inſofern in einer beſonders ſchlimmen Lage, als
es auch nach 1648 nicht zur Ruhe kam. 1655 und 1656 überſchwemmten polniſche
Söldner die Grenze, und nur mit Mühe feste die in Croſſen reſidierende Kurfürſtin—
Witwe Eliſabeth Charlotte beim König Caſimir einen ſich auch auf Sternberg er—
ſtreckenden Schutzbrief durch.
Von 1650 bis 1800.
Trotz aller Bemühungen von oben her ging es im Kreiſe, ſelbſt nachdem der
Große Kurfürſt den dauernden Frieden wieder hergeſtellt hatte, nicht recht vorwärts.
Es fehlte ein Verwaltungsmittelpunkt, ähnlich wie Cüſtrin, oder ein Brennpunkt des
geiſtigen Lebens, etwa wie Frankfurt. In keiner der Weſtſternberger Städte entwickelte ſich
die Induſtrie ſo wie in Cottbus. Zudem lag hier kein einziges landesherrliches Schloß.
So war ein gänzlicher Mangel an bedeutſamen Entwicklungsmöglichkeiten. Der Verkehr
zu und von den Frankfurter Meſſen flutete freilich hindurch, doch ohne befruchtend
zu wirken. Dazu kam, daß das Land Sternberg weit über das Durchſchnittsmaß
hinaus unter dem Siebenjährigen Kriege zu leiden hatte; faſt als einziges Gebiet
unter allen „Staaten“ des Großen Königs war es ſchutzlos dem Feinde preisgegeben;
die Ruſſen erdroſſelten, wie Friedrich dem Prinzen Heinrich am 1. September 1758
ſchrieb, Frauen und Kinder; ähnlich wie die Franzoſen einſt in der Pfalz, ſuchten ſie
X Weſlſlernberg.
das Land „inutile“, d. h. nutzlos für den eigenen Herrn zu machen. Mehrfach hat
Friedrich der Große unſern Kreis berührt: den 19. Auguſt 1758 brachte er in Ziebingen zu;
ein Jahr darauf war er am 11. Auguſt, kurz vor dem Unglückstag von Kunersdorf, in
Biſchofſee. Das Reppener Kirchenbuch weiß von dieſem Sommer Schlimmes zu be—
richten. Schon nach der Niederlage Wedels bei Züllichau am 20. Juli ſchrieb der Pfarrer:
„Von da an ging es an ein erſchreckliches Brandſchatzen, Plündern und Fouragieren,
alſo daß das übrige vom Jahre nichts anders als Flüchten, Ach und Weh! Geſchrey
hierherum geweſen und die armen Einwohner dies Landes inſonderheit von denen
Coſacken und Calmücken auf eine erſchreckliche Art mitgenommen wurden.“ Und als
der Große König mit knapp 3000 Mann nach dem Kunersdorfer Tage bei Stſcher
über die Oder zurückgehen und das Land Sternberg alle Hoffnung auf Hilfe auf—
geben mußte, verzeichnete er: „Über 6000 Thaler haben wir an Brandſchatzung erlegen
müſſen, kein Pferd oder Stück Vieh hat niemand behalten, denn was nicht geraubt
ward, mußte an der vom Feinde mitgebrachten Seuche crepiren; denen armen Ein—
wohner wurde das letzte bißel Brod aus dem Maule gerißen.“ Frau v. Holle auf
Pinnow ſchrieb klagend: „Es iſt bekannt, daß der erſte Angriff bei Pinnow ge—
ſchehen von den Koſacken oder Ruſſen; dort ſtand 2Mal ihre Wagenburg, ich bin
zu ken Malen ausgeplündert und beraubt und dazu übel tractiret am Leibe. Hier—
durch bin ich in große Schuld und Armut geraten; ich habe müſſen vor das Dorf
leiden und bezahlen.“ Des Großen Königs Geſtirn ging auch nach dem Unheiljahre
nicht unter, doch das Sternberger Land vermochte ſich ſchwer von dieſer Zeit zu erholen!
Beſitzverhältniſſe um 1800.
Überſchauen wir die Zuſtände um 1800, ſo ergibt ſich, daß in den anderthalb
Jahrhunderten nach dem 30 jährigen Kriege der Domanialbeſitzeine weitere bedeutende
Verſtärkung durch die 1746 erfolgte Erwerbung von Frauendorf erfahren hatte, das
zum Mittelpunkt des umfangreichſten Amts im ganzen Kreiſe ward; Göritz und viele
Dörfer des Amtes Lebus wurden dazugeſchlagen. Von geringerem Umfange als
die Frauendorfer Herrſchaft war das Amt Neuendorf Biſchofſee.
Dank ſeiner innigen Verbindung mit dem regierenden Hauſe, deſſen Prinzen
oft die Herrenmeiſterwürde bekleideten, hatte der Johanniterorden recht gut abge—
ſchnitten. Schon gleich nach dem 30 jährigen Kriege begann fein weiterer Aufſtieg.
Am 15. Juni 1652 ward Graf Johann Moritz von Naſſau zum Herrenmeiſter erwählt.
Während ſeiner 27 jährigen Regierung verſammelte er achtmal das Kapitel um ſich
und ſetzte durch, daß die Ordensgüter wieder bevölkert und angebaut wurden. Beſonderen
Segen brachte das Wirken des weltkundigen Mannes, der auch als Statthalter um
das Aufblühen der niederländiſchen Kolonien in Pernambuco ſich vorzüglich verdient
gemacht hatte, der Stadt Sonnenburg. Rampitz zuſammen mit Schenkendorf war um
1800 zur Zeit des Herrenmeiſters Prinzen Ferdinand, des juͤngſten Bruders des Großen
Königs, das kleinſte der ſechs Ordensämter, aus denen der Herrenmeiſter ſeine über
66000 Taler betragenden Einkünfte bezog; hier belief ſich der Jahresertrag auf
etwa 3000, beim Ordensamt Sonnenburg dagegen auf weit über 25000 Taler.
Geſchichtliche Einleitung. XI
Der Orden und der Staat florierten alſo als Großgrundbeſitzer, doch mit dem
Landadel ſtand es nicht gut. Bezeichnend iſt, wie ſchon 1644 in der Neumärkiſchen
Lehnregiſtratur vermerkt wird: von den Löben zu „Radichow“, den Loſſow zu Groß-Gandern,
Kohlow und Wildenhagen ſei niemand zur Huldigung erſchienen; vielleicht, daß ſie
ſich in Polen, „weil ſie ſehr umb das ihrige gekommen“, aufhielten. Das Elend
nach dem Siebenjährigen Kriege erhellt aus den „Originalverzeichniſſen von den Ver—
mögensumſtänden der Vaſallen von 1767“. Beiſpielsweiſe hatte der Landrat Hans
Friedrich v. Winning auf Reichenwalde ein Gut im Werte von 17000 Talern, an
Barvermögen 7232 Taler, an Schulden 18585 Taler 20 Groſchen, und Ernſt Diederich
Chriſtian v. Slow, deſſen Gut Klein-Kirſchbaum 13000 Taler wert war, hatte faſt
12000 Taler Paſſiva. Zieht man zu allem noch die furchtbaren Blutopfer in Erwägung,
die der Adel in den ſchleſiſchen Kriegen gebracht, ſo wird begreiflich, daß kurz vor der
Franzoſenzeit auch keine einzige der im Mittelalter hier begütert geweſenen adeligen
Familien mehr anſäſſig war! Selbſt in Oſtſternberg war es beſſer, wo die Waldows
ſich von 1367 an behauptet hatten, von den Kreiſen der Mittelmark ganz zu ſchweigen.
Die neuen Beſitzer gehörten z. T. dem norddeutſchen Uradel an, wie die Tauentzien
zu Balkow, Oppen zu Groß- und Klein-Gandern, Winterfeld zu Görbitſch, Burgs—
dorf zu Ziebingen, z. T. waren es bürgerliche Staatsbeamte wie Pappritz zu Radach,
Ordensrat Kuhlwein zu Biberteich, Geheimer Juſtizrat Buſch zu Klauswalde.
Was endlich den Bauernſtand anbelangt, ſo ergeben die Angaben des Sta—
tiſtikers Bratring im 3. Bande feiner Beſchreibung der Mark (erſchienen 1809), daß
doch im allgemeinen eine erfreulich große Anzahl von Bauern und Koſſäten — etwa je
Sbis 40 — in den meiſten Dörfern ſaß. In manchen Orten war genau der alte Beſtand
vorhanden, ſo in Tſchernow, wo um 1800 ebenſo wie um 1500 zwölf Bauern waren.
Die Einwohnerzahl belief ſich durchſchnittlich auf etwa 200 wie bei Döbbernitz,
einſchließlich der Büdner und Einlieger. Weit über den Durchſchnitt hielten
ſich die meiſten Dörfer nahe der Oder, wo Seelenzahlen wie 559 bei Aurith keine
Seltenheit waren. Beſonders klein waren Bergen, Biſchofſee, Hildesheim, Klein—
Lübbichow, Zerbow, Zweinert mit nur etwa 100 Einwohnern. Neue Ortſchaften waren,
abgeſehen von dem „Etabliſſement“ Friedrichswille mit einigen Einliegern, nicht
hinzugekommen — recht im Gegenſatz zu dem Oſtſternberger Lande mit ſeinem
Warthebruch.
Wenig Veränderungen hatten ſich im großen und ganzen in den Städten zu—
getragen. Droſſen und Reppen hatten um 1800 noch nicht 3000 Einwohner, Göritz
unter 1000. Die Stadt Frankfurt befand ſich wie von altersher im Beſitz der Dörfer
Kunersdorf, Kunitz, Reipzig und Trettin.
Wandlungen in der Zeit nach den Befreiungskriegen.
Viele Tafeln, die man in den Kirchen zur Erinnerung an die 1813, 1814 und
1815 Gefallenen aufgehängt hat, erweiſen, wie die vaterländiſche Begeiſterung auch
die Bewohner unſeres Kreiſes ergriffen hatte; der Schmuck der Schützengilde zu
XII Weſtſlernberg.
Droſſen, gehenkelte Goldſtücke, war dem Vaterlande dargebracht worden, in mancher
Gemeinde wie z. B. Laubow traten ſämtliche Männer der Landwehr bei.
Die Zeit vor und nach dem Kriege ſah einen Umſchwung in den Beſitzver—
verhältniſſen von nie erlebter Plötzlichkeit und außerordentlichem Umfange. Am
30. Oktober 1810 wurde der Johanniterorden all ſeiner Güter, von denen ihm einige
über 57 Jahrhunderte gehört hatten, für verluſtig erklärt, da der Staat der aus dem
Verkauf oder der Verpachtung zu erzielenden Gelder zur Beſtreitung der Kriegsſchulden
bedurfte. Ferner verkaufte der Staat ſein wertvollſtes Beſitzſtück, das Amt Frauen—
dorf mit 11 Dörfern für 312000 Taler an den Baron de la Nivalliere, der ſich um
das Königshaus in ſchwerer Zeit gewiſſe Verdienſte erworben hatte; 1844 wurde
dann, nachdem der „Baron von Frauendorf“ bereits 1821 geſcheitert war, die Herr—
ſchaft zur Bildung eines Familienfideikommiſſes für die Königlichen Prinzen ange—
kauft. Bifchoffee und Neuendorf, ſowie der Reppener Forſt, den einſt Markgraf
Hans der Stadt genommen, ſind noch heute fiskaliſch; auch in Aurith, das dem
1815 ſäkulariſierten Kloſter Neuzelle gehört hatte, iſt eine Domäne.
An dritter Stelle nach dem Prinzlichen Fideikommiß und dem Staate ſteht die
Fürſtlich-Hohenzollernſche Familie, die zu dem in Folge einer Heirat bereits gegen
Ausgang des 18. Jahrhunderts erworbenen Teilgut Leichholz auch noch 1871 Groß—
Gandern, Döbbernitz und Leichholz hinzukaufte. In feſte Verbindung mit dem Kreiſe
kamen die auch in Lebus zu Alt-Madlitz und Reitwein begüterten Grafen Finck von
Finckenſtein, beſonders ſeitdem ſie 1857 Ziebingen endgültig erkauft und 1869 Matſch—
dorf ererbt hatten: der Begründer des märkiſchen Zweiges dieſer altpreußiſchen Familie
war der tapfere General Albrecht Conrad, dem Friedrich Wilhelm I. die Erziehung
des jungen Fritz anvertraut hatte. Seit 1802 ſitzen auf Radach, ſodann auch auf Klein—
Kirſchbaum die Pappritz (1902 geadelt), ſeit etwa derſelben Zeit zu Sandow die Freiherren
Senfft v. Pilſach aus ſüddeutſchem Uradel, ſogar ſchon ſeit friderizianiſcher Zeit die
pauly zu Stſcher. Die 1746 geadelten v. Riſſelmann ſind ſeit 1827 zu Görbitſch
begütert, die dem Prignitzer Uradel angehörigen v. Kaphengſt ſeit 1836 zu Kohlow,
die 1660 in den rittermäßigen Reichsadel erhobene Gräflich-Haslingenſche Familie end—
lich etwa ſeit 1842 in Reichenwalde. Viele Bürgerliche erwarben nach 1810 Groß—
grundbeſitz, jo die ſeit mehreren Generationen zu Schmagorei ſitzenden Bohtz.
Weſtſternberg in neueſter Zeit.
Vom Jahre 1815 an hat der Kreis, wenn man von den Truppenauszügen 1866
und 1870 abſieht, ein ungeſtörtes Stilleben geführt. Von großer Wichtigkeit wurden
die beiden 1854 durch den Kreis hindurchgelegten Chauſſeen, von denen die eine dem
Zuge der alten Poſtſtraße folgte und von Frankfurt über Zohlow nach Droſſen und
Zielenzig führte, die andere ſich bei Neu-Biſchofſee von dieſer „Steinſtraße“ ab—
zweigte und über Reppen nach Schwiebus zog. Im Gegenſatz hierzu diente die große
Bahnlinie Berlin-Poſen, 1869 eröffnet, hauptſächlich nur dem Durchgangsverkehr, da
ſie keine Stadt unmittelbar berührte. Droſſen, lange Zeit abſeits vom Schienenver—
kehr gelegen, erhielt 1890 Bahnverbindung, Göritz ſchon etwas früher, dank der den
Geſchichtliche Einleitung. XIII
Kreis durchquerenden Breslau-Stettiner Bahn. Als vierte Bahnlinie geſellte ſich 1907
die Kleinbahn von Kunersdorf nach Ziebingen zu. Die in alten Zeiten wichtigſte
Verkehrsader, die noch auf der Generalſtabskarte verzeichnete ſog. „Polackenſtraße“,
die von Frankfurt ſüdlich Kunersdorf über Reppen, Biberteich, Lindow nach Meſeritz
führte, wird heute nur noch wenig begangen.
Der neuzeitliche Verkehr hat den Weſtſternberger Kreis, der, ſeit 1873 von dem
Oſten des Sternberger Landes getrennt, eine beſondere Verwaltungseinheit bildet und
deſſen Landratsamt ſeit 1904 in Reppen iſt, nicht umzugeſtalten vermocht. Wie im Zeit—
alter der deutſchen Koloniſation iſt ſein Charakter auch heute noch vorwiegend agrariſch.
Zahlen führen in dieſem Falle eine beredte Sprache. Mit ſeinen 3 Städten, 62 Land—
gemeinden und 39 Gutsbezirken zählte der Kreis 1871 43442 Einwohner; dieſe Zahl
ſtieg bis 1885 auf 45533, bis 1895 auf 45562, um von da an auf 44028 im
Jahre 1900 und auf 43667 (darunter 691 Katholiken und 80 Juden) im Jahre 1905
zu ſinken. Bis zum Jahre 1910 vermehrte ſich die Bevölkerung im ganzen auf 44027
(freilich auch nur infolge der Eröffnung des Provinzialheims in Eilanghof), ſank aber
in den Städten von 11602 auf 11576. So iſt alſo der ſelbſt in der Mark unge—
wöhnliche Fall feſtzuſtellen, daß etwa 75%, der Bevölkerung auf dem platten Lande
wohnen; im Kreiſe Oſtſternberg ſteht es ganz ähnlich. Weſtſternberg beſitzt — ab—
geſehen von dem Droſſener Lehrerſeminar — keine höhere Bildungsanſtalt, hat auch
feine Garniſon. Dörfer mit 3—400 Seelen herrſchen vor; vielfach, beſonders im
Südweſten, zeichnet ſich der Kreis durch wurzelechte bäuerliche Bevölkerung aus.
it der
ſation.
XIV Weſlſlernberg.
Kunſtgeſchichtliche Überſicht.
Mag auch die im Jahre 1873 vorgenommene Trennung des Landes Sternberg
in die beiden Kreiſe Weſt- und Oſtſternberg hauptſächlich aus verwaltungstechniſchen
Rückſichten erfolgt ſein, ſo zeigt doch ein jedes der beiden Gebiete im Hinblick auf
ſeinen Beſitz an Kunſtdenkmälern für ſich ſo viele bemerkenswerte Eigentümlichkeiten,
daß auch bei dieſem Teil des Werkes die Voranſtellung einer zuſammenfaſſenden
Überſicht geboten erſcheint. Von einer kunſtgeſchichtlichen Entwicklung dagegen muß
ähnlich wie beim Lebuſer Kreis in erſter Linie deshalb abgeſehen werden, weil
ſonſt die Gefahr vielfacher Wiederholungen bei den folgenden Bänden nicht zu um—
gehen ſein dürfte. i
Wie im Kreis Lebus, ſo ſind auch im Weſtſternberger Kreis als älteſte Reſte
menſchlicher Bautätigkeit aus der geſchichtlichen Zeit die erſten chriftlichen Kirchen zu
verzeichnen, die etwa um die Mitte des 13. Jahrhunderts ebenfalls unter dem Einfluß
der deutſchen Koloniſation errichtet wurden. Waren es jedoch dort die Templerkirchen
mit dem eigenartigen, im Grundriß halbkreisförmigen Ausbau an der Oſtfront des noch
romaniſch angelegten Chorteils, die den älteſten Typus der Gotteshäuſer im Kreiſe
darſtellten, ſo ſteht die Kirche zu Kohlow mit ihrem dem Langhaus breit vorgelagerten,
das Schiff auf beiden Seiten überragenden Weſtturm und dem eingezogenen, gerade
geſchloſſenen Chor dem Arensdorfer Kirchengrundriß (vgl. Kreis Lebus) am nächſten.
Wenn die eben geſchilderte Anlage mit Rückſicht auf den ſchon durchweg verwendeten
Spitzbogen zeitlich jünger als die noch im Übergangsſtil verharrenden Templerkirchen
des Lebuſer Kreiſes angenommen wurde, ſo dürfte im Weſtſternberger Kreis zum mindeſten
das Gotteshaus zu Groß-Rade trotz der ebenfalls großen Verwandtſchaft feiner Grundriß—
anlage mit dem Arensdorfer Typus zeitlich den Templerkirchen zu Heinersdorf oder
Tempelberg nahe ſtehen. Läßt doch, außer dem noch völlig romaniſchen Altarraum, der
mächtige Weſtturm mit feinen etwa 2,5 m ſtarken Umfaſſungsmauern auf eine Erbau—
ungszeit ſchließen, in der wegen der noch großen Unſicherheit des eben erſt der Koloni—
ſation erſchloſſenen Gebietes ein ſolcher Schutz geboten war.
Von anderen älteren Kirchen find, abgeſehen von den beiden ſpäter vollig ver—
änderten Stadtkirchen zu Droſſen und Reppen, gleichfalls wegen jüngerer, durchgreifend
vorgenommener Umbauten u.a. bei den Gotteshäuſern von Drenzig und Stenzig nur noch
wenige ältere Reſte nachzuweiſen, die alle jene für das 13. und die erſte Hälfte des
14. Jahrhunderts charakteriſtiſchen Merkmale zeigen. In auffallendem Gegenſatz zu
der mit Rückſicht auf den ſchwer zu bearbeitenden Findling gebotenen größten Einfach—
heit in der Formbehandlung ſteht der reichere Schmuck der auf der Südſeite des
Kunſtgeſchichtliche Überjicht. XV
Chores angelegten Pforte der Kohlower Kirche. Zeigt doch dieſes Portal über dem,
ähnlich wie bei der Dahmsdorfer Kirche des Lebuſer Kreiſes, den Spitzbogen des
abgetreppten Gewändes umziehenden einfachen Profil ein aus ſauber bearbeiteten
Granitfindlingen aufgemauertes Kreuz, das dieſen Eingang vor den übrigen Zugängen
als Prieſtertür kennzeichnet. Endlich läßt uns u.a. die Kohlower Kirche dadurch,
daß die mittlere Lichtöffnung ſich weit über das Hauptgeſims bis hinein in den Dach—
boden erſtreckt, auf eine maſſive Deckenbildung in Geſtalt eines Tonnengewölbes
ſchließen, wie es u. a. auch die älteſten Bauteile der bereits im Jahre 1225 ge
weihten Kloſterkirche zu Zinna heute noch in zwei von ihren vier noch romaniſch
geſtalteten Nebenapſiden beſitzen. So dürfte alſo auch der Kohlower Kirche neben
dem Gotteshaus von Groß-Rade unter den oben erwähnten Kirchen mit verwandtem
Grundriß ein weit höheres Alter zuzuſprechen fein, als ſelbſt der Droſſener Jakobi—
kirche, wenn das uns als Zeit der Fundation dieſer Stadtkirche überlieferte Jahr
1298 den Tatſachen entſpricht. Über die weitere ehemalige Geſtaltung des Auf—
baues der Gotteshäuſer aus dem 13. und der erſten Hälfte des 14. Jahrhunderts,
deren Dachdeckung aus eichenen Schindeln beſtanden haben dürfte, können wir ähnlich
wie bei dem Lebuſer Kreis wieder Schlußfolgerungen ziehen im Hinblick auf etwa
gleichzeitige Bauten in anderen, von ſpäteren Zerſtörungen weniger betroffenen Gebiets—
teilen. Erwähnt ſei nur, daß u. a. die die Satteldächer abſchließenden, ebenfalls aus
Findlingen aufgeführten Giebel einer großen Anzahl von Kirchen im Luckauer Kreis
Abtreppungen zeigen, deren Stufenhöhe der Höhe der zum Bau verwendeten Granit—
findlinge entſpricht. Von dem einzigen noch erhaltenen Ausſtattungsſtück des Kirchen—
innern gehen die noch vielfach erhaltenen, maſſiv aufgemauerten Altartiſche zumeiſt
in dieſe frühe Zeit zurück. Auch die älteſten Sakramentsniſchen dürften kaum
anders ausgeſehen haben, als die entſprechenden Wandvertiefungen in den zwar
jüngeren, aber noch mittelalterlichen Gotteshäuſern wie z. B. zu Leiſſow.
Von den inſchriftloſen Glocken, deren ſchlanke bienenkorbartige Form wohl
gleichfalls auf jene früheſte Zeit der Koloniſation hinweiſt, mögen ſich noch Beiſpiele
u. a. in den ſpäter völlig umgebauten Kirchen zu Balkow und zu Säpzig bis auf
unſere Zeit herübergerettet haben.
Leichter als im Lebuſer Kreis wird die Beantwortung der Frage im Weſtſtern—
berger Kreiſe nach der Art der Beſchaffenheit der älteſten Profanbauten. Zwar
haben ſich auch hier irgend welche Reſte aus der früheſten Zeit der Koloniſation wegen
der Vergänglichkeit des verwendeten Bauſtoffes nicht erhalten; aus den in größerer
Anzahl jedoch aus ſpäteren Jahrhunderten ſtammenden Fachwerkbauten iſt es möglich,
mit großer Wahrſcheinlichkeit Rückſchlüſſe zu ziehen auf die urſprüngliche Geſtaltung
ihrer Vorgänger, andererſeits aber finden ſich in Urkunden mehrfache Hinweiſe, daß
ſelbſt die älteſten Befeſtigungswerke nicht wie die oben erwähnten monumental
angelegten älteſten Kirchen aus dem unvergänglichen Granitmaterial erbaut waren. Ein
Beiſpiel hierfür bietet Droſſen, das noch bis in das 15. Jahrhundert hinein von Mauern
„aus Lehm“ umgeben war. Vielleicht ſind auch unter den die Stadt Reppen noch
im 18. Jahrhundert einſchließenden Paliſaden Befeſtigungen zu erblicken, die im engen
. und 15.
hundert.
XVI Weſlſlernberg.
Anſchluß entſtanden waren an die die Stadt wohl in der älteſten Zeit umgebenden
Holzwehren. Auch die feſten Herrenſitze, wie das 1402 zerſtörte Schloß des Peter
v. Loſſow mögen aus dem gleichen vergänglichen Material erbaut geweſen ſein.
Seltener iſt im Weſtſternberger Kreis die Verwendung des Backſteins, die
jenſeits der Oder von der Mitte des 14. Jahrhunderts ab anſtelle des ſchwer zu be—
Abb. I. Nordſeite der Jakobikirche zu Droſſen.
arbeitenden Granitfindlings nachweisbar iſt. Die Urſache mag darin zu ſuchen ſein,
daß der für die Koloniſation weniger günſtige Südoſten infolge der geringen Er—
giebigkeit des Bodens erſt in letzter Linie für die Beſiedelung Berückſichtigung fand.
Daraus erklärt ſich vielleicht das Überwiegen der Fachwerkbauten anſtelle von monumen—
taleren Gründungen, Wo man jedoch bei ſpäteren Umbauten, wie z. B. bei der Droſſener
Jakobikirche zum Backſtein griff, wurde auch hier der ehemals rechteckig angelegte Oſtteil
polygonal geſtaltet und vermöge der größeren Freiheit in der Formgebung eine reichere
Kunſtgeſchichtliche Uberjicht. XVII
Gliederung der Fenſter und Türleibungen, ſowie das Durchbrechen der Mauermaſſen durch
ſchlanke, häufig wieder in ſich gegliederte Lichtöffnungen durchgeführt. Außerdem hat man
mit Rückſicht auf das von nun ab bisweilen gewölbte Innere eine Verſtärkung der Um—
faſſungsmauern durch Strebepfeiler und damit eine reichere Gliederung der Faſſaden vor—
genommen. Auch unter den kleineren Landkirchen ſind Beiſpiele von Umbauten aus dieſer
TUE A
—
*
|
0
=
Abb. II. Kirche zu Reipzig.
Zeit, wie das Gotteshaus zu Polenzig zeigt, vorhanden. Selbſt für die Abänderung der
zweitürmigen Weſtfront des bei älteren Monumentalanlagen üblichen Grundtypus,
wie wir ihn ſchon u.a. an der Falkenhagener Kirche im Lebuſer Kreis oder an den
beiden älteſten Gotteshäuſern zu Frankfurt, der Nikolai- und der Marienkirche, nach—
Kunftdenfm. d. Prov. Brdbg. VI. 3. Weſtſternberg. III
XVIII Weitjternberg.
weiſen konnten, bietet die Jakobikirche ein treffendes Beiſpiel. Zeigt doch dieſes Gottes—
haus zu beiden Seiten des nachträglich in der Achſe der Weſtfront errichteten, im Grundriß
rechteckigen Turms noch jene Backſteinverzahnung, aus der ſicher auf einen vor der ganzen
Weſtfront urſprünglich beabſichtigten doppeltürmigen Baukörper geſchloſſen werden kann
vgl. Abb. I, rechts oben). Dieſe Neuerungen laſſen ſich bis in die ſpätere mittel—
alterliche Zeit ſelbſt bei kleineren Stadt- und Landkirchen nachweiſen; ſo ſind z. B.
die Kirchen von Gohlitz, Kunersdorf, Reipzig (Abb. II), Säpzig, Wildenhagen, Ziebingen
und nicht zuletzt die Stadtkirche zu Göritz mit einer eintürmigen Weſtfront geſchmückt.
Wie ſehr die Stiftung Karls IV. an der Frankfurter Marienkirche Bewunderung
fand und, wenn auch in beſcheidenerem Maße, ſelbſt bei weniger bemittelten Gemeinden
zur Nachahmung anregte, dafür bietet die von der ehemaligen Reppener Katharinen—
kirche noch am beſten erhaltene Südkapelle ein treffendes Beiſpiel.
Wie u. a. in Frankfurt der maſſive Ausbau der Hoſpitalkirchen auf den wachſen—
den Wohlſtand der Bevölkerung im ſpäteren Mittelalter zurückzuführen ſein dürfte, begann
man auch in den Städten des Weſtſternberger Kreiſes die Hoſpitalkirchen dem Zeit—
geſchmack entſprechend und, wie ein Vergleich der Gertraudenkirche zu Droſſen mit
dem faſt in allen Einzelheiten und Abmeſſungen übereinſtimmenden mittelalterlichen
Reſt der Kirchhofskapelle zu Reppen zeigt, genau nach denſelben Geſichtspunkten maſſiv
auszubauen.
Konnte im Lebuſer Kreis ebenſo wie in der Stadt Frankfurt im Hinblick auf
den für das 14. Jahrhundert typiſchen, in den charakteriſtiſchen gotiſchen Majuskeln
abgefaßten Glockenſpruch: „O REX GEORIE CHRISTE VENI Cd PACE“ eine
ziemlich ſichere Datierung der mit dieſer Inſchrift geſchmückten Glocken vorgenommen
werden, jo iſt das Vorkommen dieſes Glockenſpruches in der angeführten Schreibweiſe
im Weſtſternberger Kreis heute nicht mehr zu verzeichnen, dafür ermöglichen die
Majuskel M, als Hinweis auf den Namen der Himmelskönigin auf den Glocken
zu Kunersdorf und Klein-Rade, ebenſo wie die von nun ab häufig auftretenden
kleinen runden Medaillondarſtellungen von Begebniſſen aus dem Leben und Leiden
des Herrn jeweils eine genauere Zeitbeſtimmung.
Die von dem Markgrafen Jobſt im Jahre 1403 dem Biſchof von Lebus erteilte
Erlaubnis, in Reppen ein feſtes Schloß zu bauen, darf vielleicht als Beiſpiel angeführt
werden für das Beſtehen eines maſſiv ausgebauten Profanbaues, der jedoch in den
folgenden Zeiten wieder eingegangen iſt. Im übrigen werden wir ſelbſt bei Droſſen
erſt ſpät über den maſſiven Ausbau der erſt im letzten Viertel des 15. Jahrhunderts in
Angriff genommenen Verſtärkung der Befeſtigungswerke, die hauptſächlich
aus Findlingen beſtanden und mit Weichhäuſern und Türmen aus Backſtein verſehen
waren, unterrichtet. Zu den wenigen, in dieſer Hinſicht bemerkenswerten Ausnahmen
unter den mittelalterlichen Städten zählt Reppen, das ſeine uralte, nur aus Holzwehren,
wahrſcheinlich mit Erdfüllung beſtehende Verſchanzung nach wie vor beibehielt.
In auffallendem Gegenſatz zu dem heute noch häufigen Vorkommen von beweg—
lichem Kunſtbeſitz aus dem Jahrhundert vor der Reformation in vielen anderen Kreiſen
der Provinz ſteht das faſt völlige Fehlen ſpätmittelalterlicher Ausſtattungsſtücke in den
Kunſtgeſchichtliche Uberſicht. XIX
verſchiedenſten Kirchen des Weſtſternberger Kreiſes. Wohl laſſen die Gotteshäuſer
von Grunow (Abb. III), Seefeld und Gohlitz mit ihrem für die angegebene Zeit
typiſchen Maßwerkgiebel an der Oſtfront oder der durch eine heute zerſtörte Inſchrift
für das Jahr 1520 beglaubigte Bau der Laubower Kirche mit den reichen Netzge—
eu lee
=
Abb. III. Kirche zu Grunow.
wölben, ſowie die Erweiterungsbauten an der Droſſener Jakobikirche und nicht zuletzt
das für das ausklingende Mittelalter charakteriſtiſche ſchlechte Findlingsmauerwerk
vieler Landkirchen, wie des Wildenhagener Gotteshauſes, den berechtigten Schluß zu,
daß auch in dem heutigen Weſtſternberger Gebiet im 15. und im Anfang des 16. Jahr—
hunderts eine rege Bautätigkeit herrſchte; auch geben eingehendere Berichte wie bei der
III*
XX Weſlſlernberg.
Laubower Kirche anſchauliche Schilderungen von der Farbenfreudigkeit bei der
inneren Ausſtattung der Bauten aus dieſer ſpäten Zeit. Von Ausſtattungsſtücken
jedoch wie ſpätgotiſchen Flügelaltären, die wir im Lebuſer Kreis noch vielfach
verhältnismäßig unverſehrt in verſchiedenen Kirchen verzeichnen konnten, ſind uns
mit Ausnahme des einzigen, durch ſpäteres Übertünchen jedoch beinahe völlig zerſtörten
Flügelaltars zu Reichenwalde nur noch ſpärliche Figurenreſte in den Kirchen zu
Klein-Gandern und Kunersdorf erhalten. Andere figürliche Schnitzereien haben
bei jüngeren Altaraufbauten, wie z. B. in den Kirchen zu Polenzig oder Groß-Gandern
Verwendung gefunden. Baureſte aus vergänglichem Bauſtoff ſind vielleicht nur
noch in den ſpätgotiſch profilierten Deckenbalken, z. B. in der Kirche zu Trettin
nachweisbar.
Die urkundlich überlieferte Nachricht von der Überführung des vorreformatoriſchen
Kirchenſchatzes der Droſſener Jakobikirche nach Güftrin läßt vermuten, daß auch viele
Dorfkirchen frühzeitig ſchon ihres Beſitzes an mittelalterlichen Altargeräten aus Edel—
metall verluſtig gingen. Es iſt daher nicht zu verwundern, wenn anläßlich der In—
ventariſation im Weſtſternberger Kreis nur noch vereinzelt vorreformatoriſche Kelche
wie zu Kohlow und Droſſen aufgefunden werden konnten. Selbſt ſchmiedeeiſerne
Türbeſchläge ſowie ſämtliche Grabſteine, wie ſie vielleicht noch bis zur letzten In—
ſtandſetzung die Stadtkirchen zu Droſſen und Reppen beſeſſen haben mögen, find dem
Vandalismus der ſpäteren Zeiten zum Opfer gefallen.
Dagegen beſitzt der Kreis noch einen auffallend großen Reichtum an Glocken
aus der ſpäten Zeit; ſie ſind, wie z. B. bei einer Glocke zu Klein-Kirſchbaum,
an den nur dekorativ verwendeten Minuskeln oder an dem in der gleichen Schriftart
abgefaßten, jetzt häufig wiederkehrenden Glockenſpruch: ave maria gracia plena etc.
(vgl. Glocken zu Reichenwalde und Klein-Lübbichow) zu erkennen und tragen von
nun ab auch, wie in Zerbow und Seefeld, die in deutſcher Sprache abgefaßte Auf—
ſchrift: „Maria hilf und berat“. Sicherer jedoch als dieſe Hinweiſe auf die Ent—
ſtehungszeit ſind die von jetzt ab mehrfach nachweisbaren Datierungen. So trägt
eine Glocke zu Polenzig die Jahreszahl 1427. Eine Glocke zu Groß-Rade aus dem
Jahre 1489 iſt überdies noch wegen der eigenartigen Datierungsweiſe bemerkenswert
(ogl. Seite 150). Zwei ebenfalls noch dem 15. Jahrhundert angehörige Ausſtattungs—
ſtücke dieſer Art mit den typiſchen ſpätgotiſchen Zahlzeichen hängen in den Kirchen
zu Zerbow (1471) und Reichenwalde (1490). Nicht weniger wichtig als dieſe Feſt—
ſtellung iſt der Nachweis von Gießernamen auf Glocken aus dem vorreformatoriſchen
Jahrhundert. In dieſer Hinſicht übertrifft der Weſtſternberger Kreis den Lebuſer
Kreis. Denn während hier erſt im Jahre 1567 der Meiſter Michael Keßler ſich auf
einer Glocke zu Neuendorf nennt, goß ſchon im 15. oder ſpäteſtens im Anfang des
16. Jahrhunderts nach den ſpätgotiſchen Minuskeln zu urteilen ein Meiſter mit dem
Vornamen Herrmann eine Glocke zu Bottſchow und ein zweiter mit dem Vornamen
Lorenz zu gleicher Zeit etwa eine Glocke zu Klein-Kirſchbaum. Leider ſind die beiden
Zunamen, die offenſichtlich ebenfalls beigefügt ſind, in nicht verſtändlicher Weiſe
wiedergegeben. Selbſt über Stiftungen von Privaten und Köͤrperſchaften, Elends—
Kunjfgejchichtliche Uberſicht. XXI
gilden und Zünften, die zum größten Teil zur Errichtung von Nebenaltären, in größeren
Stadtkirchen wie z. B. zu Droſſen Verwendung gefunden haben, ſind wir nur durch
ſpärliche urkundliche Überlieferungen unterrichtet.
Von dem reichen Kranz der Droſſener Befeſtigungen abgeſehen, die wie er—
wähnt im 15. Jahrhundert erſt ausgebaut wurden und von denen wir uns neben den er—
haltenen Reſten an der Hand der Merianſchen Aufnahmen ein anſchauliches Bild machen
können, würde nichts von der Profanbautätigkeit aus dieſer ſpäten Zeit Zeugnis
ablegen, wäre uns nicht das Bild des alten Droſſener Rathauſes auf der Schützen—
ſcheibe vom Jahre 1841 erhalten. So künſtleriſch unvollendet dieſes Bild auch genannt
werden mag, ſo liefert es uns doch einen deutlichen Beweis dafür, daß die Droſſener
Bürger bei dieſem Bau ſelbſt mit den Frankfurtern zu wetteifern ſuchten. Einer
zweiten ſicher weit großartigeren, ſchon im 17. Jahrhundert faſt völlig verſchwun—
denen Anlage, dem Biſchofsſitz zu Göritz, wird in den Annalen des Frankfurter
Paſtors Heinſius Erwähnung getan.
Mit welcher Gründlichkeit man bei der Einführung der Reformation mit allen
aus der katholiſchen Zeit ſtammenden Erinnerungsſtücken aufräumte, davon legt uns
nicht nur die geſchilderte Armut, ſondern auch der geſchichtliche Bericht von der Zer—
ſtörung der Altäre, Heiligenbilder u. ä. m. in der Droſſener Jakobikirche nach der erſten
evangeliſchen Predigt im Jahre 1538 Zeugnis ab. Was auf der einen Seite zerſtört
wurde, erſetzte man jedoch auf der anderen Seite durch Neuſchöpfungen. Im allge—
meinen erübrigte zwar die gegen das Ende des 15. und Anfang des 16. Jahrhunderts
herrſchende rege Bautätigkeit die Errichtung völlig neuer Gotteshäuſer, ſo daß man
ſich mit dem Neubau von Vorhallen wie zu Gohlitz oder mit Inſtandſetzungsarbeiten
wie bei dem auf „italieniſche Art“ ausgebauten Turm der Jakobikirche zu Droſſen
begnügen konnte. Auch die Beſeitigung der älteren Bilder und ihr Erſatz durch
Darſtellungen, die den neuen Anſchauungen mehr Rechnung trugen, kann nicht von
ſo weitreichender Bedeutung geweſen ſein, als die Anderungen, die mit Rückſicht auf
die in den Vordergrund tretende Predigt vorgenommen werden mußten. An Neu—
ſchöpfungen, wie Emporeneinbauten und Kanzeln, erinnern daher auch noch die
von ſolchen Ausſtattungsſtücken ſtammenden Renaiſſancereſte in den Kirchen zu Spudlow
und Radach. Nicht vergeſſen ſeien die auch ſchon im Lebuſer Kreis nachgewieſenen
hohen Renaiſſanceaufſätze der Altäre, die anſtelle der vielen Heiligenfiguren
mittelalterlicher Klappaltäre von nun ab bis tief ins 18. Jahrhundert hinein die faſt
regelmäßig wiederkehrende, aus der Darſtellung des Abendmahls, der Kreuzigung, der
Himmelfahrt oder des Auferſtandenen beſtehende Bilderfolge, wie zu Laubow, zeigen.
An den Kirchen im Weſtſternberger Kreis iſt jetzt ein völlig neuartiger Bauteil zum
erſtenmal nachweisbar, der jedoch ſicher ſchon in unſerem Gebietsteil ältere Vorbilder
hatte. Abweichend von dem jenſeits der Oder faſt regelmäßig wiederkehrenden Dachauf—
bau über der Weſtfront vieler meiſt im 17. Jahrhundert umgebauter Gotteshäuſer findet
man im Weſtſternberger Kreis häufig einen ſelbſtändigen, oft in einer kleinen Ent—
fernung von dem Hauptbau errichteten verbretterten Holzturm. Als älteſter nach—
weisbarer Vertreter dieſer Art von Türmen wurde im Jahre 1546 nach einer Aufzeichnung
Das Jahr-
hundert der
Reformation.
und un⸗
Ibar nach
1
Frieden
1648.
XXII Weſlſlernberg.
des Laubower Kirchenbuches der ſpäter wegen Baufälligkeit jedoch wieder nieder—
gelegte Holzturm der dortigen Kirche errichtet.
Die meſſingenen Taufſchüſſeln weiſen in der Tiefe, wie zu Kunersdorf
oder Klein-Rade, meiſt die Verkündigung der Maria auf. Eine Ausnahme bildet
das Taufbecken zu Drenzig mit Simſon und dem Löwen; ferner möge von den noch
gotiſch profilierten meſſingenen Altarleuchtern wie zu Biberteich und neben dem
frühen Renaiſſancekronleuchter zu Polenzig auf den ſpäteſtens dem 16. Jahr—
hundert angehörigen Altarleuchter zu Säpzig, wegen des am Fuße angebrachten
Meiſterzeichens, hingewieſen werden. Als bemerkenswerte Taufe endlich ſei der reich—
verzierte, freilich erſt dem Jahre 1600 angehörige Renaiſſancetaufſtein in der Kirche
zu Droſſen erwähnt.
Wenn auch die mit Rückſicht auf die neue kirchliche Lehre jetzt in größerer Menge
angefertigten heiligen Geräte ſich von den älteren nicht durch eine völlig neue
Form unterſcheiden, ſo ſind ſie doch wegen der neuartigen, ſchmückenden Beigaben
erwähnenswert. Denn abgeſehen davon, daß ſich von nun ab, wie z. B. auf dem Kelch
zu Klein-Kirſchbaum, die Stifter inſchriftlich nennen, oder daß, wie zu Grunow, an
Stelle der Maria und des Johannes der adlige Patron unterm Stamm des Kreuzes ab—
gebildet wird, weiſen auch die Spruchinſchriften auf die durch die neue Lehre weſentlich
veränderten Anſchauungen hin. So trägt der aus dem Jahre 1597 ſtammende, ſilber—
vergoldete Kelch zu Klauswalde neben der von nun ab typiſchen Kelchinſchrift IN RI
den auf die Abendmahlshandlung bezugnehmenden Spruch: „Das Blut Jeſu Chriſti
unſeres Herrn reiniget uns von allen Sünden.“ Nicht unerwähnt ſei, daß auf dem—
ſelben Kelch auch zum erſtenmal ein Meiſter durch die Anfangsbuchſtaben D. F.
genannt wird. Nicht ſo günſtige Ergebniſſe wie im Lebuſer Kreis ſind rechts der
Oder hinſichtlich der Feſtſtellung von Glockengießernamen aus dem Reformationsjahr—
hundert zu verzeichnen. Eine einzige Glocke zu Wildenhagen, deren ſonſtiger inſchrift—
liche Schmuck: „JESVS ANNA MARIA OSANNA IN EXCELSIS“ übrigens noch
an die alte Heiligenverehrung erinnert, nennt uns einen Meiſter namens Huſeler.
Zu günſtigeren Ergebniſſen dagegen führt die Frage nach Bauten aus dem
Gebiet der Profankunſt. Zwar ſind wir auch hier vielfach auf urkundliche Über—
lieferungen oder aktenmäßige, ſpätere Aufzeichnungen angewieſen, und nur ſpärlich
ſind die Reſte von noch erhaltenen Baudenkmälern. Aufzeichnungen im Frankfurter
Regierungsarchiv jedoch unterrichten eingehend über die jetzt vollſtändig verſchwundene
Schloßanlage der Johanniter zu Rampitz. Nach Beckmanns Nachlaß im Geheimen
Staatsarchiv und Holtzingers Aufzeichnungen zu Droſſen wurde das dortige Rathaus
in den Jahren 1543 und 1544 umgebaut und 1599 neu gewölbt. Die typifchen
Merkmale eines Bürgerhauſes aus dem 16. Jahrhundert endlich zeigt heute noch trotz
der ſpäteren barocken Veränderung neben Fachwerkhäuſern zu Reppen und Droſſen
vor allem das Gaſthaus zum Löwen in Droſſen.
Welch hoher kirchlicher Sinn die Bevölkerung im 17. Jahrhundert beſeelte, beweiſt
die Opferwilligkeit, mit der man ſelbſt während den ſchwerſten Zeiten des Dreißig—
jährigen Krieges zur Ausſchmückung der Gotteshäuſer bereit war. Beiſpiele wie der
Kunſtgeſchichtliche Uberficht. XXIII
völlige Umbau der St. Jakobikirche zu Droſſen und die prächtige Ausſchmückung dieſes
Gotteshauſes dürfen, wie heute noch trotz ihrer neuerdings vorgenommenen ſchlechten
Wiederherſtellung die beiden Hauptausſtattungsſtücke beweiſen, ähnlichen Leiſtungen des
baufreudigen Mittelalters ohne weiteres au die Seite geſtellt werden. Aber auch die
Landbevölkerung blieb in dieſer Opferwilligkeit nicht zurück. So iſt der Turm von Klein—
Rade, wie u. a. auch die Jahreszahl 1643 in der Wetterfahne bezeugt, noch während
der ſchlimmen Kriegsjahre entſtanden.
des Großen Kurfürſten die Baufreudigkeit auch rechts der Oder in unvermindertem
Maße an, da von nun ab infolge der fortſchreitenden Ausbildung der abſoluten
Fürſtengewalt der Einfluß von ſeiten des Staates ſich in ſteigendem Maße Geltung
verſchaffte. Eine große Anzahl von Turmfahnen aus dieſer Zeit tragen inſchriftlich
das Jahr der Erneuerung, z. B. bei der Kirche zu Klein-Lübbichow (1669), zu
Grunow (1672), zu Reppen und Laubow (1693), zu Klauswalde (1699), zu Klein—
Kirſchbaum (1701) und endlich zu Reichenwalde (1712). Neben jenen bereits ange—
führten, ſelbſtändigen Holztürmen kommen aber auch im 18. Jahrhundert, wie zu
Reichenwalde und Radach, die aus Fachwerk errichteten Dachaufbauten vor, wie ja auch
dieſe beiden eben erwähnten, dem Anfang des 18. Jahrhunderts angehörigen Gottes—
häuſer noch eine auffallende Verwandtſchaft in ihrer Grundrißanlage aufweiſen, da
ſie durch eine Reihe von Mittelſtützen gewiſſermaßen in zwei Schiffe geteilt werden.
Von Baumeiſtern aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wird bei der Jakobi—
kirche zu Droſſen im Jahre 1684 Tobias Hermann und laut Inſchrift im Balkenwerk
der Kirche zu Klauswalde 1699 Georg Neumann genannt.
Beſonders charakteriſtiſch für dieſe Zeit iſt von nun ab auch die häufige Verwendung
einer beſtimmten, ſchmückenden Beigabe bei der inneren Ausſtattung der Kirche. Während
früher die mit Rollwerk und Kartuſchen geſchmückten, von reichverzierten, die ſchweren
Geſimſe tragenden Säulchen geſtützten Aufbauten der Altäre und der Kanzeln von
einem Chriſtus Triumphator oder von einem Pelikan bekrönt wurden, tritt vom An—
fang des 18. Jahrhunderts ab bei Gotteshäuſern, die dem königlichen Patronat unter—
ſtanden, an Stelle dieſes bekrönenden Schmuckes das Monogramm des Landesfürſten.
Vorbildlich hierfür dürften die bisweilen ſchon früher an den Altar- und Kanzelauf—
bauten angebrachten Wappen und Namen der Patrone, wie zu Klein-Lübbichow, geweſen
fein. Ein weiteres, jedoch bedeutend jüngeres Beiſpiel dieſer Art mag auch die bereits
im Jahre 1653 geſtiftete Kanzel der Johanniterkirche zu Rampitz mit dem im 18. Jahr—
hundert hinzugefügten bekrönenden Namenszug des Ordensmeiſters Prinz Ferdinand bilden.
Eine Ausnahme von der von nun ab bei den Altaraufbauten üblich werdenden
Reihenfolge der Darſtellung des Erlöſungswerkes, wie u. a. zu Lieben, zu Groß-Luͤbbichow
oder zu Klein-Lübbichow, machte einſt, wie noch der Altarreſt in der Kirche zu Läſſig
zeigt, der dortige Aufbau mit ſeinem im Hauptfeld ſitzenden Abendmahlsbild.
Der Taufengel, der im Anfang des 18. Jahrhunderts als neuer Aus—
ſtattungsgegenſtand bereits im Lebuſer Kreis nachgewieſen werden konnte, hat ſich aus
der Barockzeit u. a. in den Kirchen zu Klein-Kirſchbaum, Matſchdorf, Tſchernow und
XXIV Weſtſternberg.
Zohlow herübergerettet. Der prächtige Taufſtein zu Biberteich aus dem Jahre 1733,
ſowie die hölzerne, etwas ältere Taufe zu Buchholz beweiſen jedoch, daß beide Aus—
ſtattungsgegenſtände in der erſten Hälfte des 18. Jahrhunderts üblich waren.
Während das Gotteshaus zu Klein-Rade an feinem Geſtühl in den aufgemalten
Namen der Bauernfamilien einen eigenartigen Schmuck von ortsgeſchichtlicher Be—
deutung aufweiſt, ſo beſitzen wieder andere Kirchen, wie die zu Gräden, zu Klein—
Kirſchbaum oder Ziebingen, in den Epitaphien der Patrone manchen wertvollen Hin—
weis für die Familiengeſchichte der betreffenden Geſchlechter. Das Bennewitzſche
Epitaph in der Kirche zu Polenzig bietet ein Beiſpiel für die Ehrung des Geiſtlichen
durch ſeine Gemeinde. Als einziges Stück von den, wie uns die Aufzeichnungen bei
Beckmann beweiſen, früher in großer Anzahl in den Gotteshäuſern, vor allem in der
Jakobikirche zu Droſſen, aufgehängten Votivtafeln hat ſich die von dem Pfarrer Jäger
und zwei Kirchenvätern im Jahre 1625 geſtiftete Tafel zu Stenzig herübergerettet.
Das im Lebuſer Kreis nach dem Dreißigjährigen Kriege beobachtete Vor—
kommen von auffallend vielen zinnernen Altargeräten findet im Weſtſternberger
Kreis keine Beſtätigung. Wohl mußten auch hier eine große Anzahl der anſcheinend
abhanden gekommenen älteren Geräte wegen Mangels an Geldmitteln durch ſolche
aus Zinn zunächſt erſetzt werden, wie z. B. eine zinnerne Deckelflaſche zu Klauswalde
und Klein-Rade bezeugt; auch Reipzig beſitzt neben einem Zinnkelch aus dem Jahre
1651 eine ebenſo reich ornamentierte zinnerne Deckelkanne aus dem Jahre 1638,
daneben aber ſind noch in überwiegender Anzahl ſilbervergoldete Geräte aus dem
17. und Anfang des 18. Jahrhunderts zu verzeichnen. So ſchenkt die Witwe M. v. Ihlow
1654 einen prächtigen Kelch der Kirche zu Lieben. Barockkelche aus dem Anfang
des 18. Jahrhunderts beſitzen Klein-Lübbichow, Reichenwalde, Gohlitz und Zerbow.
Endlich weiſt der aus dem Jahre 1582 ſtammende, im Jahre 1650 erneuerte Kelch zu
Reipzig auf die Leiden des Dreißigjährigen Krieges hin. Goldſchmiedenamen aus dieſer
Zeit ſind uns z. T. durch die Anfangsbuchſtaben ihrer Namen, z. T. aber auch durch ihre
vollſtändige Namensaufſchrift bekannt. Es arbeitet u. a. der Berliner Meiſter J. C. M. für
Klein-Lübbichow, der Meiſter B. O. 1693 für Läſſig, der Meiſter O. Tile, deſſen Wirkungs—
ſtätte nicht verzeichnet iſt, um dieſelbe Zeit etwa für Groß-Rade, und endlich der Berliner
Meiſter O. M. fuͤr Droſſen. Bemerkenswerte Aufſchriften auf zinnernen Taufbecken
finden ſich ebenfalls, jo zu Leichholz der Spruch „ecce agnus dei qui tollit peccata
mundi“; mehrere Bibelſtellen, die auf die Taufe Bezug nehmen, zeigen die beiden aus
dem Jahre 1693 ſtammenden Taufſchüſſeln zu Droſſen und Seefeld und auf einem
kupfergetriebenen Taufbecken des Jahres 1640 zu Radach lieſt man die Inſchrift:
„Kommt her, ihr Geſegneten meines Vaters, ererbet das Reich Gottes“.
Meſſingene Kronleuchter mit dem für das 17. Jahrhundert typiſchen Doppel—
adler als Bekrönung finden ſich zu Balkow, Seefeld, Tſchernow und Zweinert.
Ein ebenſolches Ausſtattungsſtück aus dem Jahre 1667 beſitzt die Kirche zu Meppen.
Die anſcheinend umfaſſendſte Tätigkeit als Glockengießer übt für den Weſt—
ſternberger Kreis im 17. Jahrhundert der Frankfurter Meiſter Franz Voillard aus.
So beſitzen von ihm Arbeiten die Gotteshäuſer zu Gräden, Grunow, Laubow, Neuen—
Kunſtgeſchichtliche Überſicht. XXV
dorf und Droſſen. Von anderen Gießernamen ſeien genannt zu Rampitz 1626 M. Pauſt
aus Prag, zu Gohlitz und Spudlow 1721 und 1722 G. Hofmann aus Frankfurt, zu
Groß⸗Lübbichow der Berliner C. H. Heintze, zu Radach 1725 Joh. Friedrich Thiele,
zu Trettin J. F. Schramm 1737. Eine nicht näher datierte Glocke zu Wildenhagen
iſt von Jacob Zunkel gegoſſen, während für Ziebingen 1710 Joh. Jac. Schultz aus
Berlin, für Zohlow 1648 Dietrich Besler aus Cüſtrin und 1649 Samuel Fincke und
Lorentz Köckeritz aus Stettin 1678 Glocken lieferten. Von eigenartigen Sprüchen in
lateiniſcher und deutſcher Sprache ſeien herausgegriffen zu Groß-Lübbichow: „ad res
divinas populo pia classica canto soli deo gloria“, zu Neuendorf: „Heller als die
Zymbeln klingen, will ich meinen Schall erſchwingen“, in Radach neben dem ſchon im
Mittelalter vorkommenden Spruch: „soli deo gloria“ die Inſchrift: „Ich laſſe meinen
Schall zu Gottes Ruhm und Ehre und derer Menſchen Nutz in Radach täglich hören“.
Endlich tragen die Glocken zu Trettin und Zohlow die Inſchriften: „Gott gib Fried
in deinem Lande, Glück und Heil zu allem Stande“, „aus dem Feiwer flos ich“
und „vigilandum et orandum“.
Dem Vorgehen des Großen Kürfürſten und mehr noch ſeines prunkliebenden
Sohnes folgte der Landadel bei der Inſtandſetzung ſeiner Herrenhäuſer. Man er—
kennt die Erbauungszeit dieſer charakteriſtiſchen, meiſt eingeſchoſſigen Bauten ſofort an
dem gebrochenen Manſarddach und nicht zuletzt an ihren, wenn auch noch ſo beſcheidenen
Stuckverzierungen im Innern. Vielleicht waren nicht die Berliner Bauten oder die
Frankfurter Patrizierhäuſer hierfür in erſter Linie vorbildlich, ſondern die von König
Friedrich auf dem Lande errichteten Jagdhäuſer, wie zu Neuendorf. Eine weitere
Gruppe dieſer Bauten bilden die Herrenhäuſer zu Bottſchow, Hildesheim und Wilden—
hagen. Von den Profanbauten in den Städten in dieſer Zeit find uns nur noch
wegen der ſpäteren häufig ausgebrochenen Feuersbrünſte ſpärliche Stuckdeckenreſte in
dem Gaſthaus' zur Sonne zu Droſſen erhalten.
An Stelle dieſer meiſt einfacheren eingeſchoſſigen Gutshäuſer traten bald die zwei—
ſtöckigen Bauten aus der Zeit Friedrichs des Großen, deren Faſſaden meiſt von
durchgehenden Liſenen gegliedert waren; das gebrochene Dach verſchwand allmählich, wo
ein völliger Neubau aufgeführt wurde und machte einem einfachen Satteldache Platz. Cha—
rakteriſtiſche Beiſpiele hierfür finden ſich u. a. zu Balkow, Görbitſch und allerdings etwas
früher zu Sandow. Auch die innere Ausſtattung mancher nachträglich umgebauter Herren—
häuſer geht heute noch, wie verſchiedene Rokokoſchränke zu Kohlow beweiſen, auf jene Zeit
zurück. Aber auch in den Städten, wie zu Droſſen, treten infolge der durch die Erteilung
von Bauprivilegien angeregten Bauluſt an Stelle der alten Fachwerkhäuſer mit ihren feuer—
gefährlichen Strohdächern maſſive Putzbauten der erwähnten Art. Neugründungen
von Dörfern und deren Beſiedlung mit Koloniſten ſind zwar mit Ausnahme von Fried—
richswille nicht wie in dem Oſtſternberger Kreis im Weſtſternberger Kreis nachzuweiſen,
dagegen ſorgte der Große König nach dem Siebenjährigen Kriege für ſeine notleidende
Bauernbevölkerung durch materielle Unterſtüͤtzung. Daß aber keine umgeſtaltenden Bau—
vorſchriften für die Landbevölkerung erlaſſen wurden, beweiſt die Tatſache, daß nach wie
vor die überwiegend den wendiſchen Blockhaustypus zeigende ſüdliche Hälfte des
Frideri⸗
zianiſches
Barock.
XXVI Weititernberg.
Weſtſternberger Kreiſes fich Scharf abhebt von dem Fachwerkbau der nördlichen Hälfte
mit der über die ganze Giebelſeite nach der Straße ſich hinziehenden Laube.
Wie die ſtädtiſchen Profanbauten, ſo werden auch die Landkirchen entweder
glatt verputzt oder durch Putzquader- und Liſenengliederung reicher geſtaltet. Als
Beiſpiel dieſer Art ſeien die Kirchen zu Hildesheim, Ziebingen, ſowie der im Jahre 1793
errichtete Turm des Gotteshauſes zu Spudlow genannt.
Wo eine Erweiterung der Kirche ſich infolge der angewachſenen Gemeinde nötig
machte, griff man, wie die Beiſpiele zu Reipzig und Göritz zeigen, zu der kreuzförmigen
Grundrißanlage und führte dieſe unter Hinzufügung zweier Kreuzarme auf der
Nord- und Südſeite des mittelalterlichen Langhauſes durch. Wo man bei Fachwerk—
kirchen wie u. a. zu Matſchdorf oder Pinnow bei der alten Bauweiſe beharrte, zeigt
ſich wenigſtens heute noch in der geſchwungenen Anordnung des Geſtühls oder der
Emporen die neue Stilrichtung. Bei den Altären kommt jetzt häufig, wie die Beiſpiele
zu Göritz, Reipzig oder Storkow zeigen, das altteſtamentliche Symbol des Gottes—
begriffes als Bekrönung des Aufbaus vor. Eine große Anzahl der heutigen Kanzel—
altäre endlich dürfte, wie die Kanzelaltäre zu Göritz oder Säpzig, damals neu aufgeſtellt,
oder wie das von dem Tiſchlermeiſter Henze zu Sonnenburg 1786 angefertigte Beiſpiel
zeigt, nachträglich aus älteren Stücken gewaltſam zuſammengefügt worden ſein. Neben
dieſer Bautätigkeit auf dem flachen Lande vernachläſſigte man aber auch nicht den
Kirchenbau in den Städten, wie heute noch der aus jener Zeit ſtammende obere
Turmteil der Jakobikirche zu Droſſen, ſowie die mehrfachen Berichte von der Inſtand—
ſetzung der Katharinenkirche zu Reppen beweiſen.
Wie rückſichtslos die ſpätere Zeit mit der völligen Vernichtung der älteren Gra b—
ſteine im Weſtſternberger Kreiſe verfuhr, dafür bildet das völlige Fehlen dieſer
Gegenſtände den beſten Beweis. Während in der Droſſener Jakobikirche bei der In—
ſtandſetzung in den achtziger Jahren des 18. Jahrhunderts mit dem Schließen der alten
Gruftgewölbe auch die Grabmäler verſchwanden, ſo haben wir unter den Landkirchen
nur noch in Stentzig und Rampitz Beiſpiele dieſer Art. Nicht viel beſſer ſteht es
mit den erhaltenen Gedenktafeln, wie u.a. die ſpärlichen Reſte aus Gußeiſen zu
Biberteich und Wildenhagen oder aus Holz zu Stenzig zeigen.
Taufbecken und Altargeräte aus Zinn finden ſich auch jetzt noch, ſo zu
Balkow, Klauswalde, Läſſig, Laubow und Zerbow. Charakteriſtiſche Geräte aus
Edelmetall beſitzen die Kirchen zu Frauendorf und Trettin.
In größerer Anzahl ſind uns Glocken aus dieſer Zeit erhalten. So zu Läſſig
mit dem Glockenſpruch: „gloria in excelsis deo“ und „Ich rufe zum Wachen und
zum Beten und in höchſten Nöten“. Als anderer gleichzeitiger Glockenſpruch ſei
noch die Aufſchrift zu Göritz erwähnt: „Gott laß ſein reines Wort zu ſeinem Wohl—
gefallen und dieſer Glocken Klang bis an das End erſchallen“.
Endlich ſeien noch von Meiſternamen aus dieſer Zeit genannt: der Erbauer
des Balkower Herrenhauſes J. C. Scholtz aus Liebthal, der Berliner Zinngießer Liebe,
der Tiſchlermeiſter Henze aus Sonnenburg, der Goldſchmied Meyer aus Berlin und
die Glockengießer Gebr. Fiſcher aus Königsberg, ſowie die Berliner Meiſter Meurer,
Kunjfgejchichtliche Überjicht. XXVII
Maukiſch und J. F. Thiele. Ferner goß noch die Wwe. des Joh. Friedrich Schramm
im Jahre 1751 die Wildenhagener Glocke.
Verhältnismäßig arm iſt der Kreis an Bauten aus der Zeit des Klaſſizismus. Klaſſtzismus—
Wohl beſaß Ziebingen in dem „Edelhof“ des Herrn von Burgsdorff ein hervorragendes
Abb. IV. Grabdenkmal des Miniſters von Struenſee auf dem Kirchhof zu Matſchdorf.
Herrenhaus von der Hand Genellis; dieſes wurde jedoch, wie ſo manche andere Sitze
der Landedelleute im Kreiſe, leider nicht zu ſeinem Vorteil in neuerer Zeit völlig
umgebaut. Was ſonſt noch an Neubauten aus dieſer Periode zu verzeichnen iſt, geht,
wie z. B. der im Jahre 1801 errichtete Turm der Kirche zu Storkow oder das
Gotteshaus zu Tſchernow ſowie der im Jahre 1794 begonnene Ausbau der Kirche zu
Drenzig, kaum über das Handwerksmäßige hinaus. Eine bemerkenswerte innere Aus—
antik und
enzeit.
XXVIII Weſlſlernberg.
ſtattung jedoch aus dem erſten Drittel des 19. Jahrhunderts mit ſchwerer gedrungener
Säulenarchitektur zeigt u. a. die Kirche zu Lieben. Eine eigenartige Ausnahme macht
unter dieſen Bauten das Gotteshaus zu Sandow. Denn während das Innere mit
feinen die Emporen tragenden hölzernen Bündelſäulen noch ſtarke klaſſiziſtiſche Anz
klänge aufweiſt und auch in der Pilaſterarchitektur der Faſſaden noch völlig von dieſer
Stilrichtung beherrſcht wird, zeigen ſich in der zinnengeſchmückten doppeltürigen Weſt—
faſſade ſchon Anklänge der Romantik. Neben den vielfach jetzt in den Kirchen aufgehängten
Bauern- und Bürgerepitaphien, mit denen auch, wie heute noch die Sammlung im
Muſeum zu Droſſen erkennen läßt, die Jakobikirche geſchmückt war, gemahnen vielfach
die Tafeln zur Erinnerung an die Gefallenen aus den Befreiungskriegen,
wie in der Kirche zu Tſchernow, Drenzig, Droſſen, Kl.-Rade u. a. m., an die ſchwerſte
Zeit Deutſchlands. Viele von ihnen ſind, ſoweit die Kirchen zu der Domäne Frauen—
dorf gehörten, wie z. B. die Kirchen zu Läſſig oder Stenzig, von dem Baron von
Frauendorf, dem Grafen de la Rivalliere geſtiftet, der 1812 in den Beſitz der Domäne
ſamt den elf dazugehörigen Dörfern gelangt war. Einen charakteriſtiſchen Zinnkelch
beſitzt die Kirche zu Bottſchow und ein ähnlich aufgebauter Leuchter mit kanneliertem
Schaft befindet ſich in der Kirche zu Grunow. Das Gußeiſen, das ſchon in der vorher—
gehenden Periode zur Anfertigung von Grabplatten diente, findet jetzt auch, wie Bei—
ſpiele aus der Kirche zu Stenzig erkennen laſſen, Verwendung für die Herſtellung von
Leuchtern und Altarkruzifixen, ſowie für Sonnenuhren, die von nun ab häufig
in den Parkanlagen der Herrenhäuſer, wie zu Sandow, Aufſtellung finden. Selbſt
Glocken werden, wie das aus der Peitzer Eiſenhütte ſtammende Geläute zu Drenzig
zeigt, aus dieſem Material angefertigt. Einen großen Reichtum an Porzellan aus
der Berliner Manufaktur beſitzt die Sammlung des Grafen Finck von Finckenſtein zu
Matſchdorf, in der auch eine Wegelyfigur aus der vorhergehenden Stilperiode auf—
bewahrt wird. Anſtelle des Edelmetalls tritt jetzt das Weißmetall, doch finden ſich
auch daneben ſilberne Altargeräte, wie z. B. in den Kirchen zu Polenzig und zu
Droſſen. Hervorragende Grabdenkmäler, die von dem üblichen Schema der monu—
mentalen Gruftanlagen und den meiſt nach demſelben Geſetz aufgebauten Einzeldenk—
ſteinen abweichen, beſitzen heute noch die Kirchen zu Frauendorf und zu Matſchdorf.
Von dieſen ſind die drei Struenſeeſchen Grabmäler deswegen um ſo bemerkenswerter,
weil ſie von keinem Geringeren als dem Berliner Meiſter Schadow herrühren
ſollen (ogl. auch Abb. IV ſowie Abb. 122). Von Gießernamen aus dieſer Periode
ſeien u. a. genannt: zu Balkow 1805 Francke, und zu Hildesheim 1802 der Berliner
Gießer Meyer.
Die Geſchmacksrichtung der Romantik zeigt auch ihren der Erhaltung der Denkmäler
nicht günſtigen Einfluß bis auf die neueſte Zeit noch im Weſtſternberger Kreis. Wo ihr
nicht ganze Kirchengebäude, wie z. B. bei Reppen, zum Opfer fielen, verſah man die
alten Gotteshäuſer mit jenen vorwiegend aus Backſtein aufgeführten Vorhallen und
Sakriſteianbauten, die mit ihrer ſchematiſchen Architektur in hartem Widerſpruch
ſtehen zu dem Hauptbau. Das Zinkmetall ſpielt ſowohl zur Eindeckung von alten
Turmhelmen, wie z. B. in Droſſen, als auch zur Anfertigung von Ausſtattungsgegenſtänden,
Kunſlgeſchichtliche Überjicht. XXIX
wie u. a. die aus Zinkguß gefertigten Taufen in Läſſig und Kohlow zeigen, eine verderbliche
Rolle. Daneben aber auch findet man aus Kunſtſandſtein angefertigte Taufen, wie zu
Groß-Rade, die die alten ſchlichten Vorgänger verdrängt haben. Welch verderblicher
Einfluß dieſe irregeleitete Geſchmacksrichtung ſelbſt noch bis heute bei der Herſtellung
von neuen Kirchengeräten ausübte und ſo die alten, würdigen Gegenſtände ver—
drängte, lehrt ein Vergleich der in der Kirche zu Frauendorf noch aufbewahrten Zinn—
geräte mit den an ihrer Stelle angeſchafften Erſatzſtücken von geſuchten, wenig
zweckentſprechenden modern-gotiſchen Formen (Abb. V).
Abb. V. Altere und neuere Zinngeräte in der Kirche zu Frauendorf.
Zum Schluß ſei noch darauf hingewieſen, daß die namentlich in neueſter Zeit immer
häufiger auftretenden Klagen über das unharmoniſche Zuſammenklingen mehrerer
Glocken meiſt völlig unberechtigt ſind. Der Grund der Disharmonie eines Glocken—
ſpiels iſt bei vielen Dorfkirchen meiſt darauf zurückzuführen, daß man im Laufe der Jahre
davon abgekommen iſt, namentlich die für beſondere Zwecke beſtimmte Schulglocke ge—
ſondert zu läuten und vielmehr verſucht, ſie mit den beſonders abgeſtimmten Kirchen—
glocken gemeinſam zu benutzen. Eine Folge davon iſt nicht bloß häufig der völlige
Verluſt der alten, oft jahrhundertelang im Dienſt der Gemeinde ſtehenden guten Glocke,
ſondern auch der Erwerb eines aufdringlich klingenden Erſatzſtückes aus minder—
wertigem Glockengut.
lußwort.
XXX Weſlſternberg.
Wie ſich aus der in gedrängtem Rahmen gegebenen Überſicht ergibt, ſind die
klar zutage tretenden abweichenden Entwicklungsbedingungen nur im Hinblick auf die
namentlich in den früheſten Zeiten nachweisbaren verſchiedenen Beſitzverhältniſſe zu
erklären; war doch u. a. für die Weſthälfte des Sternberger Landes im Norden in
den älteſten Zeiten der Einfluß des Biſchofs von Lebus von weitreichender Bedeutung,
während die von Frankfurt ſchon im 14. Jahrhundert erworbenen Kämmereidörfer
ebenſo wie u. a. auch das ſpäterhin zum Beſitz des Kloſters Neuzelle gekommene Dorf
Aurith davon unberührt blieben. Wenn auch im Weſtſternberger Kreis in der älteſten
Zeit die Templer und dann die Johanniter mancherlei Beſitz erwarben, ſo äußerte ſich
ihr Einfluß nicht in gleichem Maße wie in Oſtſternberg, wo die Ordensballei Sonnen—
burg mit der Kommende Lagow und beſonders der alte Templerort Zielenzig liegen.
Kriege, und auch im Siebenjährigen Kriege iſt kein größerer Unterſchied in den Schick—
ſalsſchlägen, die der Oſt- oder Weſthälfte des Landes beſchieden waren, zu verzeichnen,
obwohl der Oſtſternberger Kreis hauptſächlich als Durchmarſchgebiet für die feindlichen
Heere in Betracht kam. Was jedoch nach den folgenſchweren Jahren zur Ausbeſſerung
der Schäden getan wurde, zeugt auch für den Oſten mehr von einem Einfluß der
unmittelbar benachbarten Gebiete, während für die Weſthälfte auch das Land jenſeits
der Oder als vorbildlich in Betracht kam. Es verbietet ſich jedoch, um wie bereits
erwähnt Wiederholungen zu vermeiden, näher auf Einzelheiten in einem ſo kleinen
Gebietsteil einzugehen, es muß vielmehr dem Schlußband des Werkes vorbehalten bleiben,
eine Geſamtdarſtellung der Entwicklung der Kunſt in der ganzen Provinz zu geben.
©
—
Kunſtdenkmäler der Provinz Brandenburg. VI. 3. Weſtſternberg.
Tschernow
Sapzig
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Göritz
© Spuglow Grunow
Stenzi:
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Kl.Kirschbaum
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Hildesheim
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Matschdorf Gräden
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Bergen ° Döbbernitz jejchholz
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Aurith 9
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Überſichtskarte der im Verzeichnis erwähnten Orte.
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Aurith.
Aurith, Straßendorf 16 km ſüdweſtlich von Reppen. 1197 Einw., 2689 ha.
„Urat“ gehörte zu den Gütern, welche die Markgrafen Ludwig der Altere und
Ludwig der Römer 1350 dem Johanniterorden übereigneten (Geh. Staatsarchiv, Job.
Orden, Urk. vom 24. XII.; vgl. Riedels Codex XIX, 137, ferner XX, 27 f., 95 f.). 1429
erhielt der Abt von Neuzelle das Dorf „Urad“ mit nur 13 zinspflichtigen Hufen, von
denen um 1460 laut Schoßregiſter
des Bistums Lebus 3 wüſt waren
(Geh. St.⸗A., Rep. 78 a. 11, fol.
280; vgl. Rep. 8. 236: Akten von
1628 seg.). Noch heute iſt in dem
von vielen Schiffern bewohnten
Ort, der zu den am ſtärkſten be—
völkerten im Kreiſe gehört und
zu Beginn des 19. Jahrhunderts
ſchon 559 Einwohner zählte, ein 2
Teil der Gemarkung im Beſitz der Abb. 1. Aurith. Grundriß der Kirche.
insgeſamt 11 Ortſchaften um—
faſſenden und nach Aufhebung des Kloſters 1817 königlich gewordenen Herrſchaft
Neuzelle (vgl. Berghaus, Landbuch III, 529).
Die Kirche (Abb. 1 und 2), ein Fachwerkbau in Saalform mit dreiſeitigem Oſt—
ſchluß, beſitzt eine Vorhalle vor dem Zugang auf der Südſeite und einen verbretterten
quadratiſchen Weſtturm, deſſen Laterne in eine geſchweifte Haube endigt. Das Gottes—
haus wurde an Stelle eines mit dem Dorfe am 14. Auguſt 1802 abgebrannten älteren
Baues neu errichtet und am 13. Oktober 1816 eingeweiht (Denktafel zur Erinnerung an
den Brand und den Neubau der Kirche im Innern an der ſüdöſtlichen Polygonwand).9
Die Fenſter ſind einfach rechteckig.
) Die nach den Akten im Regierungsarchiv recht wechſelvolle Baugeſchichte der jetzigen Kirche ſei
nachſtehend auszugsweiſe wiedergegeben:
Am 6. September 1802 berichtete der Prediger Toepffer zu Matſchdorf an den König, „daß bei der
am 14ten vorigen Monats, Nachmittags gegen drei Uhr in Aurith entſtandenen großen Feuersbrunſt, durch
welche das ganze Dorf vernichtet worden, auch die Kirche, von welcher Ew. Königlichen Majeſtät Patronus
find, nebſt dem Thurm von den Flammen verzehret worden iſt.“ In anderthalb Stunden vernichtete nach,
demſelben Bericht das Feuer 112 Wohnungen nebſt allen Wirtſchaftsgebäuden. Mit dem Gotteshaus
wurden auch alle Kirchengeräte, Bücher, die Orgel, die Uhr und die beiden Glocken zerſtört.
Am 22. Januar 1803 reichte der Zimmermeiſter Schultz aus Reppen einen Koſtenvoranſchlag ein,
der nachſtehende Beſtimmungen enthielt: „Die Kirche ſoll nach Angabe der dortigen Gemeinde in Bindwerk
erbauet werden, 72 Fuß lang, 36 Fuß tief, 16 Fuß in Stiehlen hoch, 3 mal geriegelt mit liegenden und
verſchwelten Dachſtuhl von 25 Gebind mit Ziegeldach und ausgemauerte Fache.“ .. . . „Der Thurm ſoll
nach Angabe der Gemeinde in Bindwerk mit Spohndach 2 Etagen hoch erbauet werden. Der Kaſten wird
20 f. lang und breit, die Erſte Etage 30 Fuß von der Schwelle bis zum Glockenboden hoch, und in den
Umfangswänden 6 mal geriegelt, die zweite Etage 12 f. von Glockenboden an bis zum oberſten Gebälfe
Kunſtdenkm. d. Prov. Bröbg. VI. 3. Weſtſternberg. 1
2 Weſtſternberg.
Die geſamte innere Ausſtattung (Abb. 3) — der Kanzelaltar, die Taufe, das
Geſtühl, die Emporen mit ihren Aufgängen auf der Weſtſeite im Innern, und die
Orgel — gehört ebenfalls der Zeit des Neubaus an und zeigt ſchlichte Formen.
Abb. 2. Aurith. Kirche von Südoſten.
hoch, und zweymal geriegelt, und die einwendigen Wände mit einfachen X Verband aus gemauerte Fache
und Eichen Spohndach.“
Bald jedoch ſcheinen zwiſchen der Gemeinde und dem beauftragten Meiſter wegen der Koften Uns
ſtimmigkeiten zutage getreten zu ſein und als der König infolgedeſſen ſich veranlaßt ſah, in einem Schreiben
vom 5. April 1804 dem Bürgermeiſter Schroeer in Reppen aufgeben zu laſſen, für „die Bezahlung der von dem
Rats-Zimmermeiſter Schultz liquidirten . . . Gebühren wegen Aufnahme des Koſtenanſchlages von dem neu
zu erbauenden Turm und Kirche in Aurith vor der dortigen Gemeinde zu ſorgen“, bittet Schroeer am
8. Oktober 1804 um „executivische Hülfe gegen die Gemeine Aurith wegen der verweigerten Gebühren
für Aufnahme des Koſtenanſchlags zum Kirchen- u. Thurmbau“.
Infolge dieſer Streitigkeiten wurde die Inangriffnahme des Neubaues mehrere Jahre hinausgezögert.
Aurith. 3
Außer jener Gedenktafel zur Erinnerung an den Brand und den Neubau der
Kirche ſind noch zu erwähnen:
Mehrere Kriegserinnerungstafeln an die Jahre 1813 bis 1815, 1866
und 1870/71.
Zwei meſſingene Kronleuchter in Renaiſſanceformen aus neuerer Zeit.
Abb. 3. Aurith. Inneres der Kirche, Blick nach Oſten.
Dann trat die Gemeinde mit dem Zimmermeiſter Berg und dem Maurermeiſter Schober zu Droſſen in
Unterhandlungen.
Am 2. Februar 1811 wählte die Gemeinde Aurith 13 ihrer Glieder zu „ihren Bevollmächtigten
bei dieſem Kirchenbau“. Dieſe ſollten „in ihrem Namen den ganzen Kirchenbau dirigiren, mit den Hand—
werkern gerichtliche Contracte abſchließen, Gelder, die zu dieſem Bau nöthig ſind, auf ihren Namen auf—
nehmen, und find fie zufrieden, daß dieſe Männer bei Aufnahme der Capitalien ihre, der ganzen Gemeinde
Grundſtücke zum Unterpfande ſetzen, und erklärten, daß ſie für dieſes zum Bau der Kirche aufzunehmende
Capital einer für alle, und alle für einen ſtänden.“
Auch mit der im Jahre 1804 gegoſſenen Glocke wollte man ſich begnügen; denn, fo heißt es weiter,
„da bey den itzigen Zeiten die Glocken nicht angeſchafft werden können, ſo wie es auch nicht möglich iſt,
das Geld hierzu aufzubringen, . .. fo iſt beſchloßen worden, die Kirche zwar nach dem Anſchlage“ des Zimmer—
meiſters Schultz zu Reppen „zu bauen, jedoch die Glocken vor der Hand auszuſetzen.“
Am 2. Dezember 1811 endlich waren „Kirche und Thurm unter Dach.“ Dennoch zog ſich die Fertig—
1*
4 Weſlſternberg.
Ein kupfernes, innen verzinntes Taufbecken
trägt die Randinſchrift: „Zum Andenken von
J. Fendius den 13. Oktober 1816.“
Ein Zinnkelch, 25,5 cm hoch, ſtammt aus
dem Anfang des 19. Jahrhunderts.
a Ein Zinnkelch, 24, cm hoch, iſt gezeichnet:
Abb. 4. Aurith. Bauernhaus. Grundriß. „M. I. F F 1808
Fünf Patenen ſind aus Zinn.
Zwei Glocken. Die öſtliche von 0,89 m Durchmeſſer trägt am Hals die Inſchrift:
„Anno 1802 den 14. August sind die Glocken von Feuer zerschmolzen. Gott
Abb. 5. Aurith. Bauernhaus, Anſicht.
ſtellung noch mehrere Jahre hinaus und erſt am 10. April 1815 berichtete der Superintendent Schramm
zu Droſſen, daß er am „Sonntag Quasimodogeniti... die neue Kirche zu Aurith auf Verlangen und
zur großen Freude der Gemeinde eingeweiht“ habe. Allein auch jetzt iſt der innere Ausbau noch nicht
fertig. Es fehlen noch Kanzel und Altar, auch ſind die Chöre noch unvollendet. Ja ſelbſt am
22. Oktober 1816 ordnete noch der Bauinſpektor Zimmermann aus Krieſcht an, daß „das Orgelchor,
welches ſich (weil es in der alten Kirche fo geweſen war, gegen den Wunſch des Geiſtlichen) neben der
Kanzel befand, ſogleich abgebrochen und der Kanzel gegenüber wieder errichtet werden ſollte.
Erſt mit dem Ankauf der Turmuhr im Jahre 1822 und dem ein Jahr ſpater erfolgten Guß der zweiten
Glocke kann dieſe über zwanzig Jahre währende Kirchenbauangelegenheit als abgeſchloſſen angeſehen werden.
Aurith — Balkow. 5
durch Deine Gütte diese Glocke behüte. Ambros. Wenzel aus Marienthal gos
mich Aurith 1804.“
Die weſtliche mit 0,72 m Durchmeſſer iſt 1823 von Großheim Yzu Frankfurt gegoffen.
Das Bauernhaus Nr. 126 (Abb. 4 u. 5) von 1802, mit Ecklaube, zeigt die für
den wendiſchen Bau typiſche, die Hälfte des Geſamtgrundriſſes einnehmende Stube
(Abb. 6) mit Kammern, ſowie den an die innere Schmalwand der Stube angebauten, in
der Längsachſe liegenden, mächtigen Schornſtein mit Backofen. Ahnliche Bauernhäuſer
tragen die Nr. 134 und 137.
Abb. 6. Aurith. Bauernhaus, Inneres.
Die Bewohner von Aurith bewahren heute noch ihre eigenartige Tracht, die große
Ahnlichkeit aufweiſt mit den Trachten von Balkow, Grimnitz, Kloppitz, Rampitz, Sandow
oder Ziebingen (vgl. Tafel 1 und 10).
Balkow.
Balkow, Straßendorf 22 km ſüdlich von Reppen. 768 Einw., Landgem.
1171 ha, Gutsbez. 775 ha.
Im Jahre 1413 verkaufte Gabriel Birckholtz dem Lebuſer Domkapitel laut Kur—
märkiſchem Lehnskopiar im Geh. Staatsarchiv 13 Schock Groſchen jährlicher Abgaben
) Gottlieb Großheim, geb. 1787 in Aſchersleben, kam aus Königsberg Nm. nach Frankfurt a. O.,
wo er als „Glockengießer und Spritzenmacher“ am 28. Auguſt 1821 Bürger ward.
6 Weſlſternberg.
„in feinen gutern zu Balkow“ (Rep. 78. 49, fol. 11 u. 17; vgl. Riedel, Codex C I, 60).
Um 1500 faßen hier die in der Mark alteingeſeſſenen v. Grüneberg, ſeit 1659 die aus Brabant
ſtammenden v. Weſenbeck; noch um 1761 war hier die Wittib v. Weſenbeck geb. v. Grünberg
begütert, wie aus Akten im Geheimen Staatsarchiv erhellt (Rep. 22. 3840). Ihr folgten
die aus dem Lauenburgiſchen ſtammenden v. Tauentzien, deren gräflicher Stamm 1854
erloſch. Das Gut gehört ſeit kurzem der „Eigenen Scholle“. Das zur Zeit der deutſchen
Koloniſation mit 36 Hufen ausgeſtattete Dorf zählte zu Beginn des 19. Jahrhunderts
25 Ganzbauern, 22 Halbkoſſäten und 23 Einlieger (vgl. auch Berghaus, Landbuch III, 292).
— .
Abb. 7. Balkow. Blockhaus.
Die Kirche, ein an Stelle des aus den ſiebziger Jahren des 18. Jahrhunderts ſtam—
menden Gotteshauſes “) völlig neu errichteter Backſteinbau in neuzeitlichem Rundbogenſtil
) Auf dieſen älteren Bau beziehen ſich verſchiedene Notizen in den Akten des Regierungsarchivs. So
ſchreibt Joachim Friedrich Ehrentreich v. Burgsdorff auf Ziebingen am 30. März 1776: „daß die Balckower
Kirche nur erſt ſeit kurtzer Zeit neu erbauet worden und daß in derſelben weder Chöre noch Bänke fertig”;
ferner heißt es: „de Anno 1777 bis 1778”. Den Turm baute Zimmermeiſter Mockert; Maurermeiſter
Wurm aus Neuendorff baute das Fundament zum Turm. Tiſchlermeiſter Sieber aus Tanndorf (Tammen⸗
dorf?) machte die Kanzel. — Beihilfe leiſtet „Sr. Exzellenz HErr de Tauenzien zur Aufbauung des
Balckowfchen Kirch-Thurms und Cantzel benebſt der Reparatur der Thurm-Uhr.“
Endlich führt ein Vermerk vom 9. Mai 1782 neben der Notiz, daß die Kirche „neu ſei von Holz
und mit Ziegeln ausgeflochten gleich wie auch der Turm, auf dem 2 Glocken hängen,“ noch nachſtehendes
Inventar auf: Kirchen Inventarium und Geräthe
a.) Ein grünes Altar Tuch, ſo neu. f.) Ein ſilberner vergoldeter Kelch nebſt meſſing—
b.) ein weißes dito. ner Patene.
c.) ein buntes Tuch auf dem Pulpet. g.) ein Kranken Kelch.
d.) ein neuer Klingelbeutel von hellblauen Sammt h.) zwey meſſingne Altar Leuchter.
mit Gold von der Frau Generalin v. Tauenzien i.) eine zinnerne Kelch Flaſche.
geſchenckt. k.) ein zinnerner Taufbecken.
e.) Eine alte Bibel.
Balkow.
mit einem Dachaufbau über der Weſtfront und einer Sakriſtei auf der Oſtſeite,
wurde am 19. Dezember 1852 eingeweiht. Das flachgedeckte Innere beſitzt auf drei
Seiten Emporen mit Aufgängen auf der Weſtſeite.
Der Kanzelaufbau iſt aus barocken Reſten und Zutaten der neueren Zeit
zuſammengeſetzt.
Eine Taufe, Zinkguß, iſt modern-gotiſch. Ein Taufbecken aus Zinn, laut Inſchrift
geſtiftet von Eleonora Dorothea v. Stoſch geb. v. Pannewitz am 24. Juli 1765, zeigt die ent—
ſprechenden Wappen. Zwei mefjingene Altarleuchter, 31,5 cm hoch, 16. Jahrhundert.
Zwei meſſingene Kronleuchter im Schiff, der kleinere weſtliche mit bekrönendem Doppel—
adler ſtammt etwa aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts, der größere öſtliche
iſt modern. Ein Kelch, 19,5 cm hoch, zeigt die Buchſtaben: C. V. W. ( C. v. Weſenbeck)
IE. V. W. G. V. G. ( H. E. v. Weſenbeck geb. v. Grünberg). Zweite Hälfte des 18. Jahr—
hunderts. Eine kleine zinnerne Deckelkanne, zwei Zinnteller, eine zinnerne Patene
und ein Zinnkelch, 17,5 cm hoch, find Frankfurter Arbeit, erſte Hälfte des 19. Jahrhunderts.
Eine Bilderbibel mit Ledereinband und Silberbeſchlag trägt die Inſchrift:
„J. H. E. v. Schafgotsch 1684“ und „E. B. S. G. von Schönbeckin 1684.“
Drei Glocken. Die öſtliche hat 0.7 75 m Durchmeſſer und iſt 1805 von Gottfried
Francke in Sandow gegoſſen. Die mittlere von 0,90 m Durchmeſſer zeigt den Namen
des Meiſters C. Rubon in Berlin und die Jahreszahl 1853. Die weſtliche von
0,53 m Durchmeſſer iſt ohne Inſchrift, von ſchlanker Form und anſcheinend noch
mittelalterlich. f
Ein altes
Blockhaus
(Abb. I am
Südende des
Dorfes wurde
leider vor kur—
zem durch einen
Sr
Neubau ver— Dun gien ae fen
drängt.
Das öſtlich
von der Haupt: — —
ſtraße im An— Abb. 8. Balkow. Grundriß des Herrenhauſes vor dem Umbau.
fang der acht—
ziger Jahre des 18. Jahrhunderts für den General v. Tauentzien-Breslau) durch den
) Der Königl. Preuß. Rittmeiſter „und nunmehriger Erb-Herr auf Kleingander“ Otto Friedrich
v. Weſenbeck verkaufte an Se. Exzellenz den Königl. Preuß. General der Infanterie Friedrich Bogislaff
v. Tauentſien laut „Kaufcontractes d. d. Balckow den 13. Januar 1777“ das demſelben (Weſenbeck) zu—
gehörige Anteilgut Balckow und Grimnitz nebſt Pertinentien für 20 500 Reichstaler. (Tauentſien beſaß noch
das Gut Blumberg in der Neumark. Seine Frau entſtammte der Familie v. Kneſebeck.) Ein Anteil in
Balckow und Grimnitz, welches Frau Hofmarſchallin Dorothee Eleonore v. Stoſch geb. v. Pannewitz
beſeſſen, iſt sub hasta für / der Taxe dem General Bogislav Friedrich v. Tauentſien Exzellenz „unter denen,
von denen Creditoribus und dem Herrn Käufer gemachten, in termino d. 25. April 1776 modifieirten
8 Weſlſternberg.
Abb. 9. Balkow. Herrenhaus, Anſicht.
Maurermeiſter Johann Carl Scholtz aus Liebthal!) erbaute Herrenhaus (Abb. 8 und 9)
iſt ein zweigeſchoſſiger Putzbau mit einer in der Achſe der Faſſade gelegenen Eintrittshalle.
und von dem HE. Käufer unterm 27ten ejusd. angenommenen Bedingungen, erb- und eigentümlich zu—
geſchlagen“ worden.
„Dieſer Contract iſt sub dato Balckow 3ten Juli 1776 mit dem HE. Juſtiz-Direct. Adami, als
Gevollmächtigten des HE. Gen: v. Tauensien Excell. geſchloſſen und denen vorgedachten Bedingungen, iſt
ein Genüge geleiſtet, dHE. Curator der Concursmaſſe der Frau p: v. Stosch geb. v. Pannewitz hat
unterm 17. Aug: 1776 erkläret, daß der Contract dem Licitations-Protocoll und ſonſt Actis völlig gemäß
geſchloſſen ſei. Unterm 22. August 1776 hat alſo E: p: Regierung, als das Gericht, wo die Güter
sub hasta geftanden haben, dieſen Contract genehmiget. Durch deren Beſcheinigung vom 24. Febr. 1777
iſt auch beigebracht, daß das ganze Kaufgeld nach dem Adjudications-Beſcheide berichtiget it.”
„ . .. daß der Werth, der zuletzt von dieſen Gütern beſcheiniget iſt, in den 24266 rthl. 16 gr. ...
beſtehet, wofür fie dem HE. Gen: von Tauenzien Excell. laut Sententz vom 30ten May 1776 und Contract
vom 3. July . . . sub hasta erftanden haben.“ (24266 Rthl. 16 gr. iſt nur der Preis für den v. Stoſch⸗
ſchen Anteil.) Beim Kauf des v. Stoſchſchen Anteils vertrat der Generalmajor v. Thiele den v. Tauentſien
(nach den in den Beſitz der Provinzialverwaltung übergegangenen Hausakten).
) Der mit dem Maurermeiſter abgeſchloſſene, im Beſitz der Provinzialverwaltung befindliche Vertrag
lautet: „Nehmlich es übernimmt und verſpricht der Maurermeiſter Johann Carl Scholtz an dem Wohnhauſe,
welches des Herrn Generals der Infanterie von Tauentsien Excellenz auf dero hieſigem Guthe, Balckow,
und zwar auf dem ehemaligen Wesenbeckſchen Hofe zu erbauen fo eben angefangen haben, die ſämtlichen
Maurer- Architectur und Stoccatur-Arbeit dieſes Gebäudes von 140 Fuß lang, 45 Fuß breit, 24 Fuß
hoch, und in der feſtgeſetzten Mauer-Stärke, nach dem, von Hochvermeldeter Seiner Exellenz unterſchriebenen
Riſſe zu fertigen, und insbeſondere den Grund und die Kellers auszugraben ... den Grund und die Kellers
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Veſt
3
Balkow — Beelitz. 9
Über dem Hauptzugang, zu dem mehrere Stufen hinaufführen, bemerkt man das
Tauentzienſche Familienwappen. In einigen Zimmern des Erd- und Obergeſchoſſes ſind
noch einfachere Stuckdecken erhalten; von ihnen darf die in dem ſüdlich vom Treppenhaus
gelegenen Zimmer des zuletzt genannten Stockwerks zum mindeſten eigenartig genannt
werden. Die einfachen Rokokotüren fertigte der auch mit den übrigen Tiſchlerarbeiten
betraute Johann Kaspar Wetzſtein aus Neuſalz, während die Zimmerarbeiten dem
Meiſter Carl Haberkern aus Breslau für 500 Reichstaler übertragen wurden. Endlich
kommt, wie aus den Akten noch hervorzugehen ſcheint, für die Schloſſerarbeiten der
„Vordivications Schloßer“ Carl Gottlieb Helling in Breslau in Betracht.
Die den Vorplatz auf der Süd- und Nordſeite ſäumenden Dfonomiegebäude
gehören ebenfalls dem Ende des 18. Jahrhunderts an.
Auf einen in den vierziger Jahren des vorigen Jahrhunderts vorgenommenen Um—
bau geht namentlich auch die Verlegung der Haupttreppe des Herrenhauſes, ſowie die
Abänderung der Nebentreppe und endlich der jetzige polygonale Ausbau am ehemaligen
Treppenhaus zurück. Der gleichen Zeit entſtammen die Biedermeieröfen und das
ſüdlich an das Herrenhaus angebaute „Sonnen- und Blumenhaus“.
Das einſt in dem Park auf der Rückſeite des Herrenhauſes dem „vor Breslau“
beſtatteten General Friedrich Bogislav v. Tauentzien (geb. 18. April 1710 zu Tauentzien
in Pommern, geſt. 20. März 1791 zu Breslau) von ſeinem Sohne errichtete, in
neuerer Zeit auf den Kirchhof nordweſtlich von der Kirche übergeführte Denkmal
zeigt über einem viereckigen Poſtament einen joniſchen
Säulenſtumpf, der eine ſchwarze Marmorvaſe trägt.
Eine Gruppe von Balkower Frauen in ihren
jetzt immer mehr verſchwindenden maleriſchen
Trachten zeigt Tafel 1.
Beelitz.
Berliß, Angerdorf 8,5 km öftlicd) von Reppen.
236 Einw., Landgem. 555 ha, Gutsbez. 417 ha.
Im Zehntregiſter des Bistums Lebus aus dem
Anfang des 15. Jahrhunderts leſen wir: „Belitz Abb. 10. Beelitz. Grundriß der Kirche.
ſelbſt nebſt Bogens, . .. ferner die beyden Stockwerke des Gebäudes, von der Zucke an, bis an das Dach
herauf ... die Brand Giebels, und Kappfenſter, respective zu mauern, zu wölben, und, wo es nöthig iſt
auszuflaſtern, die Decken in beyden Stockwerken zu berohren, zu bewerfen und abzureiben, die Hohlkehlen,
Wandgeſimſe, und Quadraturen, in den Stuben, ingleichen die Haupt Geſimſe zu ziehen, die Stoccatur-
und Architectur-Arbeit an den Geſimſen, Thüren und Fenſtern zu machen, das Dach nebſt den Kappfenſtern
mit Flachwerk und Hohlziegeln einzudecken und zu belegen, endlich auch das ganze Gebäude inwendig und
auswendig überall gehörig abzuputzen, kurz alles und jedes an Mauer- Architectur- und Stoccatur-Arbeit,
fo wie ſolche der, von dem Mauermeiſter Scholtz, unterm 30. Junii a. c. gefertigte, . . . Anſchlag näher
beſaget, nichts davon ausgenommen, tüchtig und untadelhaft zu vollführen, auch dieſe ganze Arbeit, wozu
Seine Excellenz die Materialien hergeben, bis Johannis Baptistae 1781. fertig zu ſtellen und zu vollenden,
alles zuſammen und überhaupt vor ein Arbeits-Lohn von Siebenhundert Reichsthalern Courrant. ...
Balckow, den 13. October 1779.“
Abb. 11. Beelitz. Kirche, Kanzelaltar.
Beelitz. 11
habet XLIIII mansos.“ Vier dieſer 44 Hufen
waren — wohl fchon vom 13. Jahrh. an — dem
Pfarrer zugewieſen worden (Geh. Staatsarchiv,
Rep. 78a. 11, fol. 25; auf fol. 178 werden die
Bauern namentlich aufgeführt). Im 16. Jahr—
hundert ſaßen hier die v. Schlieben, die mehrfach
Ordenskomture des Johanniterordens waren,
ſodann um 1700 die auch zu Lieben begüterten
v. Selchow. Die Kirche war — und iſt noch
heute — Filia von Laubow. Ende des 18. Jahr—
hunderts kaufte ſich hier der Ordensrat Kuhlwein
an (Bratring, Beſchreibung der Mark III, 276;
Berghaus, Landbuch III, 300, 302).
Die Kirche (Abb. 10), die nach einer
Aufzeichnung im Pfarrhauſe zu Laubow im
Jahre 1660 vollſtändig aus Bohlen errichtet
wurde, geht in ihrer heutigen Geſtalt auf einen
Umbau aus dem erſten Viertel des 18. Jahr—
hunderts zurück (nach Beckmann 1718). Das
Langhaus mit dreiſeitigem Oſt- und Weſtſchluß,
ferner die nördliche Vorhalle mit der Patronats—
loge (Tür mit ſchönem, urſprünglich verzinntem
Schloß), endlich der Vorbau vor der Südtür mit
dem Zugangzu der bis tief unter das Schiff reichen—
den Gruft, find aus Ziegelfachwerk(das Holz zeigt
noch rote Farbſpuren). Der vor der weſtlichen Polygonmittelſeite errichtete, im Grundriß
quadratiſche Turm mit feiner ins Achteck übergeführten Pyramide beſteht heute noch
aus Holzbohlen. In der Wetterfahne „1834 AKG VK“ (Auguſte Kuhlwein geb.
v. Kalckreuth).
Die Beleuchtung des flachgedeckten, einheitlich barocken, jedoch leider gänzlich
übertünchten Innern mit einem Emporeneinbau auf der Weſtſeite, geſchieht durch oben
ſtichbogig geſchloſſene einfache Lichtöffnungen. Der Fußbodenbelag beſteht aus qua—
dratiſchen Ziegelplatten. Die flache Decke beſitzt ein einfaches, barockes Stuckproftl.“)
Abb. 12. Beelitz. Kirche, Taufe.
) Altere Beſchreibungen von der Kirche und ihrem Inventarbeſtand geben u. a. nachſtehende Akten—
auszüge aus dem Regierungsarchiv zu Frankfurt:
1. Belitz, den 16. Juni 1782 ... „Die . . . Kirche iſt von Holtz mit Mauerſteinen ausgeflochten
und mit Ziegeln gedeckt, auch inwendig mit einer Gipsdecke verſehen, in und auswendig in baulichen Würden.
Der Altar-Tiſch iſt gemauert, hat aber keine Altardecke. Im Altar ſtehet die Kanzel mit vergoldeter
Sculptur-Arbeit. Vor dem Altar iſt der Taufſtein aus Holz gleichfalls mit vergoldeter Arbeit belegt.
Am Kirchen-Geräth und Inventarium iſt tradirt worden:
1.) Ein zinnerner Kelch nebſt meſſingner Patene. 3.) 2 alte zinnerne Leuchter.
2.) Eine übergoldete Patene von Conposition fo 4.) Ein alter Klingelbeutel.
Pastor verwahret. Der Kelch dazu iſt vor 6 Jah— 5.) Reinbecks Predigten.
ren geſtohlen worden. 6.) Zwei Neue Geſangbücher.
12 Weſlſternberg.
Der barocke Kanzelaltar (Abb. 11), mit reichem Kartuſchen- und Rankenſchnitz—
werk verziert, zeigt in der Mitte der von Säulen getragenen Verdachung und von
einer Krone überragt das Wappen des Patrons Selchow und ſeiner Frau. An der
Kanzeltür hängt ein barocker Kruzifixus aus Holz.
Die gleichfalls barocke hölzerne Taufe (Abb. 12) mit Deckel iſt kelchförmig
aufgebaut.
Das Geſtühl zeigt eine zentrale Anordnung.
An den Wänden hängen mehrere Totenkronen ſowie je eine Gedenktafel zur
Erinnerung an die Befreiungskriege und an einen Mitkämpfer.
Ein achtarmiger meſſingner Kronleuchter iſt 1886 von der Familie Firnhaber
geſtiftet.
Zwei Glocken. Die öſtliche hat 0,55 m, die weſtliche 0,66 m Durchmeſſer, beide
ſind 1906 von Franz Schilling in Apolda gegoſſen.
Bergen.
Bergen, Straßendorf 14 km ſüdſüdöſtlich von Reppen. 212 Einw., Landgem.
102 ha, Gutsbez. 929 ha.
Zuſammen mit Lagow wurde „Barghe“ 1350 durch die Wittelsbacher Mark⸗
grafen dem Johanniterorden verkauft (Geheimes Staatsarchiv, Joh.-Orden, Urk. Nr. 134
vom 24. Dezember; vgl. Riedel, Codex XIX, 137).
Ein Zinnkelch, 14 cm hoch, mit zugehöriger Patene wird in der Lehrer—
wohnung aufbewahrt.
Biberteich.
Biberteich, Straßendorf 13 km ojtnordöftlic, von Reppen. 269 Einw., Landgem.
146 ha, Gutsbez. 1040 ha.
„Bevertich“, ein großes, wohl ſchon im 13. Jahr—
hundert mit 54 Hufen, darunter 4 Pfarrhufen, ausge—
ſtattetes Dorf, in deſſen nächſter Umgebung noch 1852
zahlreiche Spuren von Biberbauten feſtgeſtellt wurden
(Berghaus, Landbuch III, 288), gehörte um 1354
den ſpäter auch in Oſtſternberg anſäſſigen Boncz
oder Buntſch. 1562 folgten die v. Mandelsloh, die
v. Selchow und die aus Brabant ſtammenden und erſt
Mitte des 17. Jahrhunderts nach der Mark über—
geſiedelten v. Weſenbeck, bis dann 1795 der Ordensrat Kuhlwein das Gut für
+ som
Abb. 13. Biberteich. Grundriß der Kirche.
2. 16. Juni 1782: „Der Thurm, welcher auf einem Fundament von Stein, vom Holz aufgeführt,
iſt in baulichen Würden.“
3. Aus dem Anſchlag des Bauinſpektors M. Zernbach vom 22. November 1794 geht hervor, daß
die Kirche 45 Fuß lang, 28 Fuß tief ſei, daß fie 2 Vorhallen habe, wovon die eine 16 Fuß lang, 11 Fuß
tief, die andere 18 Fuß lang, 11½ Fuß tief ſei. Die Gipsdecke in der Kirche war 3 TI Ruten groß.
Beelitz — Biberleich. 13
Abb. 14. Biberteich. Inneres der Kirche.
35000 Taler erkaufte (vgl. Wohlbrück, Lebus III, 472). Die Namen der Bauern zu
„Bebirtich“ werden bereits im Zehntregiſter des Bistums Lebus von 1405 aufgeführt
(Geh. Staatsarchiv, Rep. 78a. 11, fol. 175). Die Kirche war von jeher ein Mater.
Die Kirche (Abb. 13) iſt ein maſſiver, im Kerne aus mittelalterlichem Findlings—
mauerwerk hergeſtellter, rechteckiger Putzbau mit dreiſeitigem Oſtſchluß. Der einſt vor
14 Weſlſternberg.
der Weſtfront errichtete Holzturm mußte am Anfang des vorigen Jahrhunderts wegen
Baufälligkeit entfernt werden.“) Die den Ecken des Oſtſchluſſes ſowie der Weſtſeite vor—
gelegten Strebepfeiler find ſpätere Zutaten. Wie noch von außen deutlich erkennbar
iſt, waren die heute rundbogig geſchloſſenen Lichtöffnungen urſprünglich nach oben
ſpitzbogig geſtaltet. Ein Spitzbogenportal mit doppelt abgetrepptem, aus Backſtein
aufgemauertem Gewände, deſſen hölzerner
Türverſchluß auf der Innenſeite einen Be—
ſchlag von einfachen gotiſierenden Formen
zeigt, vermittelt heute noch auf der Weſt—
hälfte der Südſeite den Zugang zum flach—
gedeckten Innern. Eine zweite ebenſo ge—
ſtaltete Tür öſtlich von dem erwähnten Zu—
gang iſt heute vermauert. Das in den
Jahren 1789 und 1790 mit einem Koſten—
aufwand von 618 Reichstaler 22 Groſchen
S Pfg. durchgreifend umgebaute Innere?)
(Abb. 14) beſitzt auf drei Seiten Emporen,
zu denen der Aufgang in der Südweſtecke
des Kirchenraumes liegt.
Der Kanzelaltar mit ſeitlicher Ranken—
etzt verzierung, ſeinen beiden korinthiſierenden,
SGIENLRETDIESEN NI das Gebälk tragenden Säulen und der den
88 8 f oberen Abſchluß des Aufbaues bildenden,
— zwiſchen zwei hölzernen Empirevaſen vor—
geſehenen bekrönenden Sonne, gehört in
ſeiner jetzigen Geſtalt der Zeit des vorer—
wähnten Ausbaues an.
Die Taufe (Abb. 15) aus Sandſtein
iſt barock und laut Inſchrift ein Geſchenk
des königl. preuß. „Obrist-Lieutenants W.
E. v. Selcho“, Erbherrn auf Beelitz und
8 Biberteich; ſie zeigt neben dem Jahr der
Abb. 15. Biberteich. Taufe in der Kirche. Stiftung 1733 noch das Wappen des
Stifters.
Die Orgel iſt mit den Emporeneinbauten gleichzeitig.
Ein Kelch, 23,5 em hoch, Silber, innen vergoldet, mit zugehöriger Patene,
zeigt einfache Formen und it 1803 von Kammerrat Kuhlwein geſtiftet. Preis für
Kelch und Patene 53 Reichstaler 12 Groſchen.
©
zudagandaakte“ von Biberteich vom Jahre 1814 im Negierungsarchiv
—
) Vgl. Beantwortung der
zu Frankfurt.
Vgl. Kirchen-Viſitationsprotokoll von 1794.
Biberleich. 15
Ein Klingelbeutel aus grünem Sammet mit ſilbernen Franſen und Glöckchen
zeigt das Monogramm W. v. W. (W. v. Weſenbeck) und die Jahreszahl 1791.
Zwei gußeiſerne Grabplatten für Otto Friedrich von Weſenbeck, geb. 1738,
geſt. 1789, und Carl Otto Friedrich Wilhelm von Weſenbeck, geb. 26. Mai 1766,
geſt. 25. Oktober 1788, liegen nördlich von der Kirche auf dem Friedhof.
Abb. 16. Biberteich. Glockenturm.
Der in einiger Entfernung weſtlich von der Kirche an der Dorfſtraße gegenüber der
nach dem Gute führenden Allee nach 1814 errichtete Glockenturm (Abb. 16) iſt zwei—
geſchoſſig. Sein auf der Eingangsſeite mit vier Holzſäulen geſchmücktes Untergeſchoß
wird durch zwei wie der Zugang nach oben rundbogig geſchloſſene Fenſter beleuchtet.
Eine Treppe führt im Innern nach dem über dem Ziegeldach des Untergeſchoſſes ſitzenden,
im Grundriß quadratiſchen oberen Stockwerk, das von einer leichtgeſchweiften, kupfer—
gedeckten, ſchlanken Pyramide bekrönt wird.
16 Weſlſternberg. s
Von den beiden Glocken im Innern dieſes Obergeichofles
zeigt die ſüͤdöſtliche mit 0,78 m Durchmeſſer die Namen des
Nickel v. Selchow und ſeiner Frau Hedwig, geb. v. Löben, ſowie
die Jahreszahl 1624. Die nordweſtliche mit 0,65 m Durchmeſſer |
wurde 1847 von Großheim in Frankfurt gegoſſen.
f
Biſchofſee. |
Bilchofſee, Straßendorf 13 km wejtnordweitlid von
Reppen. 172 Einw., Yandgem. 128 ha, Gutsbez. 320 ha. f
Im Zehntregiſter des Bistums Lebus aus dem 15. Jahr—
hundert wird das mit 30 Hufen ausgeſtattete Dorf genannt (Geh.
Staatsarchiv, Rep. 78a. 11, fol. 24 und 174). Nach langen
= Streitigkeiten mit Frankfurt feste ſich nach 1640 der Kurfürſt in
Abb. 17. Biſchofſee. den Beſitz des Ortes; noch heute iſt hier eine Domäne (vol. l
Kelch in der Kirche. Spieker, Frankfurt, S. 185, 199 f.5 Berghaus, Landbuch III, 333,772).
Die Kirche, ein modern-gotiſcher Backſteinbau, N
wurde am 6. November 1867 eingeweiht.) Sie
beſitzt im Anſchluß an das rechteckige Langhaus
einen fünfſeitigen, apſisartigen Anbau im Oſten
und über dem Weſtgiebel ein maſſives vorgekragtes
Türmchen.
Erwähnenswert iſt außer einem verſilberten
Kelch, aus der Mitte des 19. Jahrhunderts (Abb. 17),
noch eine gußeiſerne, entgegen der aufgegoſſenen
Jahreszahl 1820 erſt im September 1821 in der
Kgl. Eiſengießerei zu Berlin angefertigte Glocke
von 0,78 m Durchmeſſer.
. n
Bottſchow.
Bottlchoiv, Straßendorf 8 km öſtlich von
Reppen. 554 Einw., Landgem. 863 ha, Gutsbez.
502 ha.
Im 13. Jahrhundert wurde das in einer
\
Reppener Urkunde von 1329 erwähnte „Bozaw“ *
mit der Normalzahl von 64 Hufen ausgeſtattet, ‘
von denen der Pfarrer 4 erhielt (vgl. Biſchöfl. 5
) Archiv der Kgl. Regierung zu Frankfurt. Abb. 18. Bottſchow. Kelch in der Kirche.
Zehntregiſter im Geh. Staatsarchiv, Rep. 78a. 11,
Biberfeich — Bollſchow. 7
fol. 25; die Namen der Bauern ebendort fol. 177). Im Landbuch Kaiſer Karls IV.
wird „Botzſchow“ unter den Schlöſſern und Städtchen, municiones et opida, des
Territoriums „Sterneberg“ aufgeführt (Ausgabe von Fidicin, S. 37/8). Schon damals
ſaßen hier die v. Loſſow, gegen welche die Bürger von Droſſen, Reppen und Frankfurt
laut Urkunde im Frankfurter Stadtarchiv und laut Bericht des Stadtſchreibers Stajus
1402 eine Heerfahrt unternahmen, die mit völliger Zerſtörung des Ritterſitzes endete
(vgl. Riedel, Codex XXIII, 140 und 4. Abtlg. I, S. 321). Wie auch aus einem
Lehnskopiar Friedrichs II. (Rep. 78. II, fol. 169, Geh. Staatsarchiv) erhellt, behaupteten
ſich die Loſſows weiterhin: nach 1608 ſaßen hier auf 2 Sitzen Balzer und Jacob.
Im 17. Jahrhundert folgten die v. Slow (oder Illo), in friderizianiſcher Zeit die
v. Grävenitz (Berghaus, Landbuch III, 306). Seit 1880 gehört das Gut den v. Bonin.
Die Kirche, ein Backſteinbau in modernem Rundbogenſtil mit Weſtturm und einem
aus fünf Seiten eines Achtecks gebildeten apſisartigen Oſtanbau wurde im Jahre 1874
fertiggeſtellt (Jahreszahl in der Wetterfahne).
Eine Erweiterung wurde 1910 vorgenommen.
Bemerkenswert iſt das buntfarbige, 1902
von dem Patron geſtiftete Mittelfenſter des Oſt—
anbaus mit der Darſtellung Chriſti, darunter
das Bonin-Finckenſteinſche Allianzwappen.
Ein Zinnkelch (Abb. 18), 23 cm hoch,
mit einem im Grundriß quadratiſchen, für
das Ende des 18. Jahrhunderts typiſch proft—
lierten Fuß und kanneliertem, rundem Stengel,
trägt die Stiftungsinſchrift: „Koser Past|or]
anno 1793“.
Eine getriebene kupferne Renaiſſance—
taufſchale, mit einem Johanniterkreuz in
der Mitte (Abb. 19), wird 1693 im Kirchen- Abb. 19. Bottſchow. Taufbecken in der Kirche.
buch verzeichnet.
Zwei Glocken. Die nördliche von 0,95 m Durchmeſſer trägt am Hals in Minuskel—
ſchrift den nur in ſeiner erſten Hälfte richtig wiedergegebenen Engliſchen Gruß wie
folgt: © ave maria O gracia O plena O dome ns tecum O benedict k mInlbebi O sbi
ieh O b vt 00 (Gegrüßt ſeiſt Du Maria, gnadenvolle, der Herr mit Dir . . .). 15. Jahr:
hundert.
Die ſüdliche mit 0,68 m Durchmeſſer zeigt am Hals neben Roſetten und anderen
ſchmückenden Beigaben, z. T. in Spiegelſchrift wiedergegeben, die anſcheinend auf den
Gießer hinweiſenden Minuskeln hermansag, 15. Jahrhundert.
Das Herrenhaus, ein Bau aus der Wende des 17. Jahrhunderts mit Manſarddach
und bemerkenswerter barocker Holztreppe in der Eintrittshalle, wurde in neuerer
Zeit z. T. umgebaut. Im Treppenflur wird die Barockfigur eines Heiligen in etwa
Lebensgröße aufbewahrt, der mit feinem verwundeten Knie und dem beigefügten
Kunſtdenkm. d. Prov. Brdbg. VI. 3. Weſtſternberg. 2
18 Weſtſlernberg.
Hund den heiligen Rochus darſtellen ſoll. Verſchiedene ebenfalls vorhandene
Geräte aus engliſchem Zinn ſowie eine ſechseckige zinnerne Kirchenflaſche dürften
dem 18. Jahrhundert angehören.
Buchholz.
Buchholz, Straßendorf 6 km ſüdöſtlich von Droſſen. 227 Einw., Landgem.
430 ha, Gutsbez. 855 ha.
Einer Urkunde vom 27. Oktober 1286 zufolge übertrugen die askaniſchen Mark—
grafen den Templern zugleich mit „Sulenzec“ auch „Bucholt“ (Geh. Staatsarchiv,
Templer, Urk. Nr. 22; vgl. Riedel, Codex XIX, 126 f.). In dem zur Zeit der deutſchen
Koloniſation mit 61 Hufen, darunter 4 Pfarrhufen,
ausgeſtatteten „Bucholtz“ ſaßen ſchon um 1464
die v. Winning (gl. Biſchöfliches Zehntregiſter aus
dem 15. Jahrhundert, Geh. Staatsarchiv, Rep. 78 a.
11, fol. 176 u. 302; vgl. Wohlbrück, Lebus III,
532 f.; Berghaus Landbuch III, 283).
Die Kirche, ein modern-gotiſcher Granitbau
mit dreiſeitiger Apſis im Oſten und einer Back—
ſteinvorhalle vor dem Südzugang, iſt im Innern
flach gedeckt und beſitzt Emporen. Der verbretterte
Holzturm auf der Weſtſeite ſtammt von der Vor—
gängerin des heutigen Gotteshauſes und zeigt in
der Wetterfahne die Jahreszahl 1699.9
Eine Taufe, aus Holz und vielfarbig bemalt
(Abb. 20), die heute noch auf dem Boden des Schul—
hauſes aufbewahrt wird, trägt außer den Bibelſtellen
„Gal. 3, Mark. 16, Eph. 4, I Joh. 1“ noch die
Inſchrift: „Anno 1695 Hat Cuno Friedrich
von Winig Erbherr auff Buchholz, Radach
v. [nd] Sternneberck nebst seiner Ehe[lie]bsten
Diese Tauffe gott zu Ehren v. [nd] Ihm zum
Jedechtnisz auff Richten v. [nd] Mahlen lassen.“
Abb. 20. Buchholz. Taufe. Die Abendmahlsgeräte ſtammen aus den
ſechziger Jahren des 19. Jahrhunderts.
Zwei Glocken. Die öſtliche hat 0,77 m, die weſtliche 0,65 m Durchmeſſer,
beide find 1853 von H. Ch. Lange in Frankfurt a. O. gegoſſen.
) Vgl. Matrikel vom 20 Februar 1694: „Der Thurm iſt anno 1692 eingegangen und muß
nothwendig, weilen die glocke auff der Kirchen gefährlich undt zum ſchaden hänget, ehiſtens ein neuer
erbauet werden.“
Bottjchow — Drenzig. 19
Döbbernitz.
Pübbernik, Straßendorf 20 km oſtſüdöſtlich von Reppen. 301 Einw., Landgem.
796 ha, Gutsbez. 1528 ha.
„Dobernitz“ mit ſeiner kleinen Gemarkung von nur 16 Hufen, war laut Zehnt—
regiſter des Bistums Lebus im Geh. Staatsarchiv um 1405 von einem Schulzen '
(scultetus) und 10 Bauern bewohnt (Rep. 78 a. 11, fol. 194). Zu Beginn des
19. Jahrhunderts ſaßen hier die v. Jena (Bratring, Beſchreibung der Mark III, 2789,
ſeit 1871 iſt das Rittergut Fürſtlich Hohenzollernſche Domäne.
Die Kirche, ein einfacher, im Grundriß rechteckiger Backſteinbau in neuzeitlichem
Rundbogenſtil und ohne Türen, mit einer apſisartig an der Oſtſeite angebauten halb—
kreisförmigen Sakriſtei, wurde am 8. Juni 1853 eingeweiht. Das Innere tt flach
gedeckt und beſitzt einen modernen Kanzelaltar.
Ein Kelch, 20 cm hoch, Silber, trägt die Inſchrift: „14. April 1833“.
Zwei Glocken ſind in einiger Entfernung von der Kirche in einem beſonders
dazu errichteten Stuhl aufgehängt. Die öſtliche mißt 0,78 m, die weſtliche 0,60 m
Durchmeſſer, beide wurden 1875 von W. Geittner in Breslau umgegoſſen.
Drenzig.
Drenzig, Straßendorf 5 km nordweſtlich von Reppen. 463 Einw., Landgem.
1070 ha, Gutsbez. 243 ha.
Die Ortſchaft wurde im 13. Jahrhundert von deutſchen Koloniſten begründet und
erhielt eine große Gemarkung mit der Normalzahl von 64 Hufen, von denen von vorn—
herein dem Pfarrer 4 Freihufen zugewieſen wurden. Laut Urkunde von 1312 gehörte
„Drenzech“ denen v. Klepzig (Riedel, E
Codex XIX, 127). Laut Landbuch Kaiſer
Karls IV. war in „Drentzk“ ſogar ein
Schloß, municio, auf dem der markgräfliche
Lehnsträger „Petz de Loſſow“ ap (Landbuch,
Ausgabe von Fidicin, S. 38). In Urkunden
der Jahre 1437 und 1438 werden auch
die v. Loſſow hier erwähnt (Urk. märkiſcher
Ortſchaften, Gander No. 1 u. 2, Geh.
Staatsarchiv) und im Schoßregiſter des
Landes Sternberg von 1461 heißt es
fol. 291: „Loſſow hot VIII [ Huben! frey zu Abb. 21. Drenzig. Grundriß der Kirche.
Dinſte.“ 1486 verlieh Markgraf Johann
ſeinem „lieben Hanßen Loſſow zu Botſchow das Dorff Drenczke mit allen gnaden und
gerechtigkeit“ (Riedel XX, 168). 1568 gelangte das Dorf durch Kauf an die Landes—
herrſchaft, die es ſpäter zum Domänenamt Neuendorf legte. Noch heute beſteht hier
das 236 ha umfaſſende Vorwerk Hinterfelde, auch das Patronat iſt königlich.
3 **
x
VG
=
.
20 Weſtſternberg.
Die Einwohnerzahl belief ſich zu Beginn des 18. Jahrhunderts auf 17 Bauern,
11 Koſſäten, 9 Büdner und 14 Einlieger (vgl. Bratring, Beſchreibung der Mark III, 278).
Die Kirche (Abb. 21), ein mit den älteſten Teilen der Umfaſſungsmauern bis
in die früheſte Zeit der Koloniſation zurückreichender Bau, wurde, abgeſehen von älteren
Umbauten, namentlich gegen Ende des 18. und in der erſten Hälfte des 19. Jahr—
hunderts!) mehrfachen Veränderungen unterworfen. Der Oſthälfte der Nordſeite des
aus ſauber bearbeiteten Granitquadern hergeſtellten älteſten, rechteckigen Oſtteils legt ſich
ein ebenfalls aus Granitquadern errichteter, noch mit ſeinem urſprünglichen Geſims ver—
ſehener, gleichaltriger Anbau vor, während die vor der Weſthälfte der Südſeite aus
Backſtein erbaute jüngere Vorhalle viel—
leicht erſt im 17. Jahrhundert errichtet
wurde. An dieſen Oſtteil ſchließt ſich
der etwas ſchmalere, im Grundriß an—
nähernd quadratifche und, nach dem
ſchlechten Findlingsmauerwerk zu ur—
teilen, wahrſcheinlich erſt dem ſpäteſten
Mittelalter angehörige Weſtteil. Der
in der Achſe der Weſtfront ſitzende Back—
ſteinturm mit ſeinem aus dem Quadrat
in das Achteck übergeführten, zinkge—
deckten Pyramidenhelm gehört ebenſo
wie die gleichfalls aus Backſtein her—
geſtellte Weſtfront des Langhauſes
der Mitte des 19. Jahrhunderts an
(Kirchenbuch).
Abb. 22. Drenzig. Taufbecken in der Kirche. Von den älteſten Lichtöffnungen ſind
nur noch drei ſchmale, ſpitzbogig ge—
ſchloſſene Schlitzfenſter an der Oſtwand erhalten, außerdem gehört der untere Teil
) 1794, 1. Febr. legte Landbaumeiſter Münchhoff einen neuen Anſchlag vor: „Die Kirche ut
massiv und mit Ziegeldach, 40 F. lang, 27 F. tief, 22¼ F. hoch; der Turm aber 25 F. lang, 27 F. tief
und der untere Kaſten 22 ¼ F. hoch und maſſiv; der zweite Kaſten oder Aufſatz aber it im Fachwerk
erbauet, und mit Dielen verſchlagen, 28 F. hoch; der untere Teil des Daches iſt mit Ziegel, die Spitze
aber mit Eichen Dachſpohn gedeckt.“
Am 20. November 1794 überreichte Münchhoff den mit dem Zimmermeiſter Johann Gottl. Schultze
zu Reppen geſchloſſenen „Entrepreneur-Contract“ wegen Reparatur der Kirche und des Turmes.
Im September 1804 war das Dach des Kirchturmes ſchon wieder ſchadhaft. Schultze aus Reppen
leitete die Reparatur. Während des Reparaturbaues ſchlug der Blitz in den Turm.
Am 4. Juli 1810 brach ein großes Feuer im Dorfe aus, bei dem auch die Kirche bis auf die
maſſiven Umfaſſungsmauern zerſtört wurde. Nach einem Anſchlag des Landbaumeiſters Schmidt in Croſſen
ſoll der Turm auf den Mauern der Vorhalle von Fachwerk 13 Fuß breit, 16 Fuß lang und 24 Fuß
hoch, vom Kirchenhauptgeſims ab gerechnet, viermal verriegelt und mit einem gebrochenen pyramiden—
foͤrmigen Dache verſehen werden, wobei die Außenwände mit Brettern verkleidet angenommen wurden,
Drenzig. a
eines vierten Chorfenſters auf der Südſeite dem Mittelalter an. In der urſprüng—
lichen Geſtalt iſt auch die ſpitzbogige, einmal abgetreppte Verbindungstür zwiſchen
Südvorhalle und Kircheninnern erhalten, während ſich der zweiſtöckige Nordvorbau
mit der Loge im oberen Geſchoß heute in einem großen Bogen nach der Kirche zu öffnet.
Der Kanzelaltar mit feinem von zwei Säulen getragenen Aufſatz wurde 1817
von dem Tiſchler Grund in Sandow angefertigt (Regierungsarchiv zu Frankfurt); während
nach einer Aufzeichnung im Kirchenbuch die Orgel ſowie die Emporeneinbauten auf
drei Seiten des Schiffes anſcheinend dem Jahre 1856 angehören. Noch jünger ſind die
Beleuchtungskörper.
Erinnerungstafeln an die Kriegsjahre 1866 und 1870/71 hängen an den
Wänden.
Vorhanden ſind
außerdem: ein meſ—
ſingener Abend—
mahlskelch, 25cm
hoch, ein zinnerner
Krankenkommu—
nionskelch, 21cm
hoch, eine Tauf—
waſſerflaſche aus
Zinn, 28 em hoch,
und zwei barocke
Altarleuchter aus
demſelben Metall,
15 cm hoch. Ferner
befindet ſich noch
in der Kirche eine Abb. 23. Drenzig. Bauernhaus.
kupferne, verzinnte
Taufſchüſſel von 40 cm Durchmeſſer (Abb. 22). In der Vertiefung erkennt man die
das Dach endlich ſollte mit eichenen Schindeln gedeckt werden. Maurermeiſter Koppin aus Cüſtrin über—
nahm die Ausführung. Während des Jahres 1813 ruhte der Bau; 1814 ſtarb Koppin, ohne den Bau
vollendet zu haben. Im Oktober 1815 übernahmen Zimmermeiſter Samuel Schulze und Maurermeiſter
Birkenhagen aus Reppen den Bau. Am 9. Juli 1816 war noch kein Anfang gemacht. Vom Juli bis
Dezember 1816 unterſtand der Bau dem Regierungsrat Boumann; es leitete ihn Bau-Inſpektor Siedler.
Am 18. Dezember 1818 konnte dieſer endlich der Regierung mitteilen, daß der Bau beendet, auch das Geläut
(2 Glocken) zur Stelle geſchafft ſei. Der Pfarrer ſchenkte der Kirche ein paar meſſingne Kronleuchter.
Am 26. Mai 1830 teilte der Pfarrer Eick in Drenzig der Königl. Regierung mit, „daß der fürchter—
liche Orkan vom 25ſten den hölzernen Theil des Thurmes, welches der beträchtlichſte it, von der Mauer,
worauf er geſtellt war, herabgeworfen hat. Glücklicher Weiſe iſt er neben der Kirche hingeſtürzt und hat
nur einen kleinen Teil des Daches beſchädigt. Die zwey eiſernen Glocken ſtehen nun ganz frey, können
zwar geläutet werden, indeß werden ſie doch für immer der Witterung nicht blosgeſtellt ſeyn dürfen. . . .“
Der Turm lag öſtlich neben der Kirche. Ein hölzerner Notturm wurde errichtet, der 1837 ſehr reperatur—
bedürftig war.
22 Weſlſlernberg.
Darſtellung Simſons mit dem Löwen, während eine beigefügte, anſcheinend unvollendete
Randumſchrift lautet: „Alfer... Bes. Heil Anf, 16. Jahrhundert. Ein roſaſeidenes
Kommunionstuch trägt den Namen Wilhelm Heinrich Schefiſch und die Jahres—
zahl 1834, ein zweites ebenſolches den Namen Johann Bloch.
Zwei Glocken ſind im Turm übereinander aufgehängt. Die untere hat 0,95 m,
die obere 0,78 m Durchmeſſer; beide wurden 1818 in der königlichen Eiſenhütte zu
Peitz gegoſſen.
Ein noch gut erhaltenes Bauernhaus (Abb. 23), mit der Hausnummer 41, das
im Kataſter Band J, Blatt Nr. 24 eingetragen iſt und heute dem Eigentümer Wilhelm
Pape gehört, zeigt eine auf fuͤnf Stützen ruhende Vorlaube und einen darüber errichteten
mächtigen Fachwerkgiebel nach der Straßenſeite zu. Es dürfte ſeiner Bauzeit nach
dem 18. Jahrhundert angehören.
Droſſen.
Drollen, Stadt; 5006 Einw., 4841 ha.
Geſchichkliche Quellen.
In Droſſen ſelbſt wurden die älteren ſtädtiſchen Archivalien bei dem großen Brande von 1596
vernichtet; die Kirchenbücher im Pfarrarchiv reichen nur bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts zurück. Die
hauptſächlichſten Urkunden birgt daher das Geheime Staatsarchiv zu Berlin, ſo vom 17. VI. 1354,
14. IV. 1364 (ſ. Urkunden „Lebus“, „Mark als Reichsland“) und die in Sonderheit die Stadt betreffenden
Urkunden („Droſſen“, Nr. 1f.), deren älteſte vom 28. VIII. 1501 iſt; ferner kommen die Eurmärkifchen
Kopiarbücher des 15. und 16. Jahrhunderts in Betracht (4. B. Rep. 78. 20/4, fol. 3: Belehnung der Gebrüder
Lütkenheinrich mit dem Gericht; Rep. 78. 26, fol. 1: Privileg von 1519), die Johanniter-Kopiare (Prov.
Broͤbg., Rep. 9, z. B. Nr. 1: Leibgeding für die Hausfrau des Richters von 1493), endlich die Dickmannſche
Sammlung von Abſchriften nicht mehr in Urſchrift erhaltener Urkunden. Faſt die geſamten Urkunden aus
dem 13. bis 16. Jahrhundert brachte Riedel im 19. und 20. Bde. ſeines Codex diplomaticus Branden-
burgensis zum Abdruck (S. 132, 139 ff.); die allgemein die Mark betreffenden Urkunden, in denen Droſſen
auch erwähnt wird, befinden ſich u. a. in der 2. Abteilung (8), II, 308, 465, 495 ff.
Auch an Akten iſt das Geh. Staatsarchiv verhältnismäßig reich:
Rep. 21. 44: 1566 betr. das Göritzer Bild, 1584 betr. das vom Markgrafen Hans entzogene
Silber, 1644 Anweſenheit der Schweden.
Rep. 78. III. D, Nr. 11: 1641, Gravamina Friderico Guilelmo exhibita.
Rep. 92: Beckmanns Nachlaß, V. D, Nr. 15 (enthaltend die Kollektaneen der Frankfurter Pro—
feſſoren aus der 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts) und Wohlbrücks Nachlaß, Nr. 21.
Chroniken. Über die Zeit vom Ausgang des 16. bis Ausgang des 17. Jahrhunderts berichten zeit—
genöſſiſche, märkiſche Chroniſten: zuerſt der Frankfurter Jobſt (ſ. Teil „Stadt Frankfurt“ des „Verzeich—
niſſes der Kunſtdenkmäler“, S. VII), dann Angelus und Haftiz (abgedr. im 1. Bd. der 4. Abteilung des
Riedelſchen Codex diplomaticus, z. B. S. 328, 351), endlich die handſchriftlich vorliegende Marchia Illu-
strata von 1680 des Droſſener Pfarrers Lockelius, im Geh. Staatsarchiv (Prov. Bröba., Rep. 16. J. o),
ferner Holtzingers Aufzeichnungen von 1756 im Pfarrarchiv, heute im Stadtiſchen Muſeum.
Literatur.
Schon Bratring brachte im 3. Bd. ſeiner ſtatiſtiſch-topographiſchen Beſchreibung der Mark (1809,
©. 61 f.) zuverläſſige Daten. Die Grundlagen zu einer wiſſenſchaftlichen Erforſchung der Geſchichte der
Drenzig — Droſſen. 23
Stadt legte Wohlbrück in ſeiner „Geſchichte des ehemaligen Bistums Lebus und des Landes dieſes Namens“
(3 Bde., Berlin, 1832): vgl. beſonders III, 411417, ferner II, 194, 200 u. a. a. O.); Wohlbrück benutzte
des David Friedrich Schoenberg unvollendet gebliebene Chronik von der Stadt D. (Züllichau 1735), daneben
auch Bruckmanns handſchriftl. Chronicon der Stadt Sonnenburg. Berghaus ergänzte in ſeinem „Land—
buch der Mark“ (1856, 3. Bd., S. 242— 248) Bratring und Wohlbrück.
Von neuerer Literatur ſei beſonders Knuths Stadtgeſchichte wegen ihrer das 17. bis 19. Jahr—
hundert betreffenden Daten genannt (3. B. S. 70 f.: Die 1754 eingeriſſene Schule; S. 86 f.: Schrift in
dem Turmknopf von 1782; S. 60: 1864, Schließung der Gertrudkirche); ferner die Geſchichten des Landes
Sternberg von Wedekind (1853) und Freier (1892), endlich die anläßlich der Hohenzollernfeier am
3. VIII. 1912 erſchienene Feſtſchrift.
Siegel, Münzen. Die Huppſchen Kollektaneen im Geh. Staatsarchiv geben ein Bild von der
Entwicklung des Stadtwappens (vgl. Urk. im Müncheberger Stadtarchiv, mit Siegel; 2. Bd. der Ver—
miſchten Schriften des Vereins für Geſch. Berlins mit Siegel des Peter Brafow).
Geſchichle.
Die Vermutung liegt nahe, daß ſchon zur wendiſchen Zeit Siedlungen beſtanden:
dafür ſpricht zuerſt die allgemeine Beſchaffenheit des Geländes, das feucht, fließ—,
bach- und ſeenreich, daher für Fiſcherei gut geeignet war, ſodann beſonders das Vor—
handenſein des Kietzes. Ob mehrere Kietze, ähnlich wie z. B. in Rathenow, beſtanden
haben, bleibe dahingeſtellt. Jedenfalls iſt das Nebeneinander der flawiſchen Urſied—
lung und der deutſchen Stadt eine in der ganzen Mark — ſo ſei an Cöpenick, Zoſſen
erinnert — häufig wiederkehrende Erjcheinung.
Die erſte Erwähnung der an einer vielbegangenen von Frankfurt über Zielenzig
nach Meſeritz zu führenden Straße emporgewachſenen Stadt ſtammt aus der Zeit, wo
die Erzbifchöfe von Magdeburg und die Askanier im Wetteifer über die Oder hinaus
vordrangen. Damals, 1252, ſicherte Erzbiſchof Wilbrand einer Magdeburger Urkunde
zufolge dem Lebuſer Biſchof Wilhelm zu, daß ihm alle ſeine von altersher zu—
ſtehenden Beſitzungen verbleiben ſollten, nämlich der Marktort (civitas forensis)
Osna mit dem Zubehör (cum attinenciis suis) Boriza und Bolescoviz. Die
noch in der Interdiktsurkunde von 1350 „Osna“ genannte Stadt, die 1369 — in—
folge der Verſchmelzung mit dem deutſchen Artikel „der“? — in der Namensform
Droſin und um 1375, laut Landbuch Karls IV., als civitas Drossen erſcheint, hatte
dem Markgrafen, der fie kraft des zu Croſſen 1354 gefchloffenen Vergleichs als Lehn vom
Biſchof beſaß, 24 Mark Silber „Orbete“ zu entrichten, d. h. noch mehr als Spandau.
Im Jahre 1401 wurde jegliche Lehnverbindung mit dem Biſchof dadurch gelöſt, daß
dieſer zugunſten des Markgrafen Jobſt auf alle Anrechte an „Droſſin“ verzichtete und
dafür drei Dörfer, Friedrichsdorf, Steinhöfel und Tucheband, eintauſchte; ſchon feit
dem 14. Jahrhundert führte die civitas Drossen den nach links blickenden märfifchen
Adler im Wappen.
Die Stadt hatte ſich inzwiſchen kräftig entwickelt, zumal auch Markgraf Ludwig
1352 verheißen hatte, Ratmannen und Gemeinde in ihren Rechten zu ſchützen. 1393
ſchloß ſich „Drotzen“ dem Bündnis der mittelmärkiſchen Städte gegen die Friedebrecher
an und verſprach, „dry Wepener und twe Schütten“ — ebenſoviel wie Köln — zu
ſtellen. Für die Pfarrkirche wurden Stiftungen gemacht, jo 1350 ein Petersaltar.
24 Weſtſternberg.
Unter den Zollern, denen die Bürger am 23. Juli 1442 feierlich huldigten, erwarb
die Stadt 1458 das anſehnliche Dorf Grunow von Ywan Slaberndorf, und auch
Pollenzig gehörte ihr ſchon 1461, dem Schoßregiſter des Landes Sternberg im
Geheimen Staatsarchiv zufolge. Viele Bürger betrieben von altersher das Bier—
brauen; nachdem Markgraf Hans am 24. März 1542 feſtgeſetzt, daß im Lande Stern—
berg nur Droſſener Bier zu ſchenken ſei, wurde die Zahl der jährlichen „Brauen“
auf 857 beziffert. Gilden hatten ſich gebildet, ſo die 1483 privilegierten lanitices
und pannicidae (Weber und Tuchſchneider). Als Entſchädigung für einen Brand—
ſchaden erhielt Droſſen 1519 vom Kurfürſten ein Privileg zur Abhaltung von
Jahrmärkten. Häufig wechſelten die Perſönlichkeiten, die die Einnahmen aus dem
Gericht bezogen: um die Mitte des 14. Jahrhunderts war es Heinrich v. Meydeburg,
1501 Peter Brackow, der am 28. Auguſt laut Urkunde im Geheimen Staatsarchiv
dem Werner v. d. Schulenburg auf Locknitz eine jährliche Rente von 10 Schock
Groſchen für 800 Gulden verkaufte. Der „Stadthof“ diente in alten Zeiten zur
Abhaltung des Gerichts. Wie angeſehen Droſſens Stellung im Lande Sternberg
war, geht auch daraus hervor, daß Kurfürſt Joachim J. und König Sigismund von
Polen bei Abſchluß eines Vertrags wegen der Landbeſchädiger 1514 feſtſetzten, die
Grenzgerichte ſollten alljährlich zu Droſſen und zu Meſeritz zuſammentreten.
Vielfach hatten die Bürger äußeren Gefahren mannhaft widerſtanden. 1432
lagerten vor ihren Lehmwällen die huſſitiſchen Ketzer; 1477 ward der Feind des
Kurfürſten Albrecht Achilles, Hans von Sagan, durch die vom Oberſten Kuhmeiſe
befehligten Städter zurückgetrieben, und zwar wie Chroniſten des 16. Jahrhunderts,
Jobſt, Haftiz, Angelus, berichten, mit heißem Brei.
Die Reformation wurde ſchon 1538 — alſo früher als z. B. in Frankfurt —
durch den eifrigen Prediger Johannes Mangold unter dem Schutz des entſchieden
lutheriſchen Hans von Cüſtrin damit begonnen, daß „viele abgöttiſchen Bilder“ ab—
geſchafft und alle Altärchen, wie der gut unterrichtete Ortspfarrer Löckel in feiner
Marchia Illustrata um 1680 berichtet, abgeriſſen wurden. Viel Kirchenſilber ließ
Markgraf Hans nach Cüſtrin ſchaffen, und 1584 richtete der Rat an den Kurfürſten
Johann Georg vergebens die Bitte um Wiedererſtattung.
Unter Kurfürſt Johann Georg wütete 1585, wie der Chroniſt Angelus erzählt,
die Peſt, und 11 Jahre darauf wurde durch ein ſchnelles, den Hiſtoriſchen Schulnach—
richten des Diakonus Holtzinger zufolge in der Hintergaſſe entſtandenes Feuer „die
gantze Stadt, aufgenommen 17 Häuſer, darunter nur zwey Brauerben geweſen, auß—
gebrand“. Beſondere Schrecken hatte der Dreißigjährige Krieg im Gefolge, in deſſen
erſten Jahren hier in Droſſen, von jeher der einzigen Münzſtätte im Lande Stern—
berg, Kipper- und Wippermünzen mit einem Adler und dem Buchſtaben D geprägt
wurden. 1626 ließ der kaiſerliche General Porkus den Bürgermeiſter Myler, um
ihm Lieferungen aus feiner Stadt abzupreſſen, 1 Wochen einſperren. Dann kam die
Zeit, wo um 1630 die Schweden und die Kaiſerlichen an der mittleren Oder gegen—
einander Krieg führten. Dazu brach die Peſt aus, die dem Bürgermeiſter Beil 1638
innerhalb 14 Tagen Frau und 6 Kinder raubte. Kaum war der Weſtfäliſche Friede
Droſſen. 25
geſchloſſen, da brachen die Polen unter barbariſchen Verwüſtungen 1655 bis 1657
ein. Verhältnismäßig glimpflich kam die Stadt bei der „Schwediſchen Invaſion“
von 1674 und 1675 fort. Sie machte den Verſuch, ſich zur Wehr zu ſetzen, ließ
Tore und Mauern ausbeſſern, „die Zugbrücke repariren“. Doch dieſer letzte Verſuch,
ſich ihrer Befeſtigungen zu bedienen, war von keinem Erfolg gekrönt. Generalmajor
Gieſe rückte, allen Widerſtand brechend, „mit 4 Compagnien Reutern“ und ebenſoviel
Dragonern ein. 1759 ließ man Kontributionen, — die ruſſiſchen Offiziere meinten,
Droſſen müſſe als Hauptſtadt des Landes ſehr reich fein —, ſowie alle Art von Miß—
handlungen ſeitens der Ruſſen über ſich ergehen, ebenſowenig wie man 1806 an eine
Verteidigung gegen die Franzoſen denken konnte. Dadurch, daß 1815 die Provinz Poſen
dauernd mit Preußen vereinigt wurde, kamen für Droſſen die Gefahren, die aus ſeiner
nach Oſten hin ſo ungedeckten Lage bis dahin vielfach erwachſen waren, in Fortfall.
Die innere Entwicklung der Stadt ſtockte vom 16. Jahrhundert an. Hemmend
wirkten die allzugroße Nähe der Univerſitätsſtadt Frankfurt, deren Meſſen zudem den
Handelsverkehr der Städte der Umgegend ziemlich lahm legten, ferner das Aufſtreben
Cüſtrins, das als Feſtung und dann als Sitz der neumärkiſchen Verwaltungsbehörden
im 17. und 18. Jahrhundert ſich kräftig entwickelte. Eingeſchnürt zwiſchen dieſen
beiden Städten konnte ſich Droſſen mit ſeinen kaum 400 Bürgern nur mit Mühe als
alter Hauptort des Landes Sternberg behaupten; die Tuchmacherei war zum Glück
noch im Schwunge geblieben, und 1800 wurden von 548 Arbeitern auf 157 Stühlen
für rund 45000 Reichstaler Waren hergeſtellt; daneben waren Brauerei — der „Krug—
verlag“ erſtreckte ſich auf 50 Krüge — und Ackerbau Hauptnahrungszweige. Damals
wohnten 2300 Einwohner in 413 Häuſern, während 1750 nur knapp 2000 Menſchen
gezählt wurden.
Noch um 1780 hatte Büſching in ſeiner „Erdbeſchreibung“ (VIII, 575) die
„gute Nahrung“ der „ziemlich gut gebauten“ Stadt gerühmt, doch nach 1815 ſank
der Wohlſtand, da Rußland ſich durch Aufrichtung von Zollſchranken gegen die
Droſſener Tuche abſperrte und der Krugverlag in Wegfall kam; der Betrieb des
Ackerbaus war bei dem zumeiſt ſandigen Charakter der Feldmark nicht lohnend.
Trotzdem ſtieg die Bewohnerzahl bis 1850 auf 4632 Seelen; nur die Hälfte der Wohn—
häuſer war damals maſſiv gebaut. Für die „in dürftiger Lage“ befindliche Stadt
erwies ſich im September 1852 die Verlegung der landrätlichen Behörde für das
ganze Land Sternberg von Zielenzig nach hier als förderlich, ferner die Errichtung
eines Lehrerſeminars 1862 bis 1864.
Wenn freilich auch das Landratsamt für den ſeit 1873 neugebildeten Kreis
Weſtſternberg 1904 nach Reppen, das ſich beſſerer Bahnverbindung erfreute, verlegt
wurde, ſo haben ſich doch in jüngſter Zeit neue Grundlagen gebildet, auf denen die
Bürgerſchaft aufbauen kann. Neben verſchiedenen Möbelfabriken, neben der Brikett—
fabrik des Braunkohlenwerks Borufjia bedeutet vornehmlich die Maiblumenkultur viel
für das wirtſchaftliche Leben der Stadt, denn der teils aus Moor, teils aus Sand
beſtehende Boden erwies ſich ſo günſtig, daß 100 Morgen mit den Blumen beſtellt
werden können und alljährlich viele Millionen Keime bis weit in das Ausland hin
26 Weititernberg.
ausgeführt werden. Auch die rund 1168 ha große Stadtforſt ift eine beträchtliche
Einnahmequelle für dieſe wurzelechte, behäbige märfifche Kleinſtadt, deren Bewohnerzahl
freilich in den letzten Jahrzehnten ziemlich unverändert geblieben iſt. Ahnlich wie in
Perleberg, der alten Prignitzhauptſtadt, hängt man hier zäh an dem Althergebrachten;
hier wie dort führt der Hauptſchienenſtrang in einiger Entfernung vorbei.
Denkmäler.
Quellen für den kunjfgejchichklichen Teil.
J. Archivalien.
a) Regierungsarchiv zu Frankfurt g. O.: Matrikel- und Indagandaakten; Kirchenviſitations—
protokolle; Bauakten. b) Droſſener Muſeum: Die handſchriftliche Chronik des Diakonus Holtzinger
aus dem Jahre 1756.)
II. Literatur.
D. F. Schoenberg, Chronik der Stadt Droſſen, Fragment 1735.
Ed. Lud. Wedekind, Sternbergiſche Kreis-Chronik. Zielenzig 1853.
W. Riehl und J. Scheu, Berlin und die Mark Brandenburg. Berlin 1861.
A. F. Knuth, Chronik der Stadt Droſſen. Droſſen 1885.
A. Petri, Kurze Geſchichte der St. Jakobikirche zu Droſſen. Droſſen 1888.
W. Freier, Urkundliche Geſchichte des Landes Sternberg. Zielenzig 1892.
Anlage und Befeſligung der Stadt.
Droſſen (Tafel 3) gehört zu jenen Städten der Provinz, deren urſprüngliche Anlage
namentlich aus der im Jahre 1725 angefertigten Euchlerſchen Aufnahme (Tafel 2) unſchwer
zu entnehmen iſt. Wenn auch keine urkundlichen Belege dafür vorgebracht werden können,
daß bei der engeren Stadt, ähnlich wie z. B. bei Frankfurt, zwiſchen einer älteren
Marktſiedelung und der im Anſchluß daran nach einem wohldurchdachten Plane vor—
genommenen Gründung unterſchieden werden muß, jo wird man doch mit Rückſicht
auf die noch übliche Bezeichnung „alter“ und „neuer Markt“ die Annahme nicht ohne
) Der genaue Titel lautet:
Allerley
Die
Stadt Droſſen
Die Kirche, das MINISTERIUM, die
Die Stadt und Land Physicos, die Schule, die PRAE-
CEPTORES SchOLAE, und andere Dinge betreffende DOCUMEN-
TA, OBSERVATIioNES, Merckwürdigkeiten und Nachrichten, welche
denen Nachkommen zum beſten zuſamlen angefangen
Samuel Holtzinger, DIACONUS und RECTOR
SCHOLZE DROsnenfis, mit dem billigen Verlangen, daß die
RECTORES SCHOL-E DROSSNENSIS dieſe angefangene OBSER-
VATIONES gütigſt CONTINUIREN mögen, wie denn diefe Nachrichten
bey der angefangenen SchulBIBLIOTHEC gar beqvem ver—
wahrlich CON SERVIRET werden können,
Tomus J
nebſt einem am Ende befindlichen Regiſter
A. C. 1756.
Weſtſternberg.
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49
Droffen.
Weſtſternberg.
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Tafel 3.
Anſicht nach Merian.
Droſſen.
1
—1
Droſſen.
Abb. 24. Droſſen. Mauer mit Weichhausreſt.
weiteres von der Hand weiſen konnen, daß die heutige Stadt aus einer Doppelanlage
herausgewachſen iſt. Die Berechtigung dieſer Vermutung gewinnt noch mehr an
28
Weſtſlernberg.
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Abb. 25. Droſſen.
Mauerturm.
Droſſen. 29
Wahrſcheinlichkeit durch die Tatſache, daß noch jetzt trotz der häufigen Brände die
füdöftliche Hälfte mit dem neuen Markt in der Anlage ihres Straßennetzes größere
Regelmäßigkeit aufzuweiſen hat als der nordöſtliche Stadtteil. Im Bereich des
jüngeren Stadtgebietes liegt die Hauptkirche und wie bei anderen etwa gleichzeitigen
Gründungen, z. B. bei Müncheberg, das Hauptgebäude für die ſtädtiſche Verwaltung,
das Rathaus. Wenn demnach
auch frühzeitig der Schwer—
punkt des ſtädtiſchen Lebens
auf die jüngere Gründung
verlegt worden ſein dürfte, ſo
blieb doch der Charakter der
rechtlichen Einheit dadurch ge—
wiſſermaßen gewahrt, daß beide
Teile zu ihrem Schutze mit
einer gemeinſamen Befeſtigung
umgeben wurden. Dazu ſei
noch bemerkt, daß auch ſchon
Schönberg in ſeiner im Jahre
1735 leider nur als Bruchſtück
gedruckten Chronik berichtet,
daß Droſſen anfangs nur ein
Flecken von wenig Feuerſtellen
war und eine „leimerne“ (aus
Lehm) Mauer hatte, die dann
nach dem Überfall des Hans
von Sagan im Jahre 1477 erſt
mit Hilfe des „Heermeiſters“
und des Landvolkes allmählich
maſſiv ausgebaut worden ſein
ſoll. Der Verlauf des Mauer—
zuges iſt noch vollſtändig er—
halten. Er umfaßt bei einer Abb. 26. Droſſen. Mauerturm.
Länge von 1,35 km mit insge—
ſamt vierzehn Türmen und Weichhäuſern eine bebaute Grundfläche von etwa 135000 qm
unter Ausſchluß von Kirche und Rathaus, ſo daß der alte Kern der Stadt mit ſeinen
330 Feuerſtellen annähernd ſo groß iſt, wie der anderer im 13. Jahrhundert ebenfalls
emporgewachſener und damals ungefähr gleichbedeutender Städte, z. B. Fürſtenwalde.
Die durchſchnittlich 0,80 m ſtarke Stadtmauer (Abb. 20 beſteht wie auch bei
anderen märkiſchen Städten, z. B. bei Jüterbog, überwiegend aus Feldſtein. Ahnlich
ſind bei entſprechend größerer Mauerſtärke die runden zum größten Teil aus Back—
ſtein errichteten Verteidigungstürme (Abb. 25 und 26) und die im Grundriß recht—
eckigen Weichhäuſer aufgeführt. Während aber dieſe an den Schmalſeiten ſpitzbogige
30 Weſtſternberg.
Blendniſchengliederung zeigen und, wie man an den noch erhaltenen Giebeln wahrnehmen
kann, von ſteilen Satteldächern abgedeckt waren, ſind jene ähnlich wie die runden
Mauertürme von Müncheberg oder Fürſtenwalde mit maſſiven Kegelſpitzen und um—
laufenden z. T. noch mit Zinnen geſchmückten Kränzen verſehen.
Zwei Haupttore, die heute leider nur noch an den Mauerdurchbrüchen erkennt—
lich ſind, fuͤhrten einſt nach dem Stadtinnern; im Südoſten lag das Zielenziger Tor,
während nordoſtwärts die jetzige Poſtſtraße, einſt Fiſchgaſſe genannt, auf das Frank—
furter Tor mündete; außerdem befand ſich im Südweſten eine kleinere Pforte, das
ſogenannte Werdertor, zu dem erſt ſpäter, wie ſchon der Name andeutet, nordoſtwärts
das Neue Tor hinzukam. Die beiden Durchbrüche beim Stadthof und beim Schützen—
haus gehören der allerneueſten Zeit an.
Während, abgeſehen von den an dem Mauergürtel entlang führenden Gaſſen,
mehr oder weniger ſich rechtwinklig kreuzende Straßen den Kern der Stadt in einzelne
rechteckige Häuſerinſeln zerlegen, wobei zwiſchen eigentlichen Haupt- und Nebenſtraßen
kaum ein merklicher Unterſchied gemacht wird, iſt auch hier die auffallende Tatſache
anzuführen, daß keine unmittelbare Verbindungsſtraße zwiſchen den beiden Haupttoren
beſteht. Ahnlich wie bei Fürſtenwalde oder Frankfurt muß vielmehr auch bei Droſſen
das zweite Tor wahrſcheinlich ebenfalls aus verteidigungstechniſchen Gründen über eine
Quer- und eine Parallelſtraße erreicht werden.
Wenn auch für das frühzeitige Vorhandenſein der Zielenziger Vorſtadt im Süd—
oſten und der Frankfurter Vorſtadt im Nordweſten ein urkundlicher Nachweis nicht
erbracht werden kann, ſo dürften doch auch hier wie anderwärts die Siedelungen
vor den entſprechenden Stadttoren bis in die Vorzeit der Koloniſation zurückgehen.
Am wahrſcheinlichſten iſt dies bei der Frankfurter Vorſtadt, deren Kietzer Straße mit
Sicherheit auf eine ehemals wendiſche Fiſcherniederlaſſung ſchließen läßt.
Was die Bauart der Häuſer innerhalb des Mauerrings und in den Vorſtädten
betrifft (vgl. auch S. 69 ff.), fo beſteht die Mehrzahl ſelbſt heute noch aus Ziegelfach—
werk. Während jedoch im Laufe der Zeit wegen der Feuersgefahr ſämtliche Häuſer
Ziegeldeckung erhalten haben, zählte man noch vor hundert Jahren zweiundachtzig
Häuſer mit Strohdächern.
Endlich hatte durch die gleiche Verordnung, die ſpäter der Große Kurfürſt und
dann Friedrich Wilhelm J. für andere Städte erließ, ſchon 1548 Markgraf Johann
für Droſſen beſtimmt, daß ſämtliche Scheunen der Ackerbürger zur Verminderung der
Feuersgefahr aus der Stadt hinaus verlegt werden mußten.
Golleshäuſer und Hoſpitäler.
In vorreformatoriſcher Zeit gehörten zu Droſſen, wie man mit Beſtimmtheit
annehmen darf, außer der innerhalb des Mauerringes gelegenen Hauptkirche noch zwei
Hoſpitäler vor den Toren der Stadt mit den dazu gehörigen Gotteshäuſern. Von dieſen
Kirchen, ſowie von den beiden Hoſpitälern zu St. Gertraud und St. Georg ſind, abgeſehen
von nur ſpärlichen älteren urkundlichen Nachrichten über das erſtgenannte, dem
hl. Jakobus geweihte Gotteshaus, keine bemerkenswerten ſchriftlichen Aufzeichnungen
Droſſen. 31
aus dem Mittelalter überliefert. Dennoch iſt es unzweifelhaft, daß auch jene gemein—
nützigen Stiftungen bis in die früheſte geſchichtliche Zeit Droſſens zurückgehen. Während
ſich aber die Jakobi- und die Gertraudenkirche, wenn auch nicht mehr in ihrer urſprüng—
lichen Geſtalt, ſo doch trotz mannigfacher Umbauten in mittelalterlichem Kleid bis in
unſere Tage herübergerettet haben, iſt von den anderen noch angeführten Gebäuden
das St. Gertraudhoſpital, nachdem es anſcheinend im Dreißigjährigen Krieg zer—
ſtört worden war, eingegangen. Auf der wüſten Stelle wurde im Jahre 1729 das
vom „Landreuter“ Mauke geſtiftete Waiſenhaus erbaut, das aber nie zu dieſem Zwecke
benutzt, ſondern ſtets vermietet wurde. Das St. Georgenhoſpital dagegen, von
dem uns nur überliefert wird, daß es im Jahre 1565 noch durch Erkenntnis des
Konſiſtoriums eine Hufe Landes zugeſprochen erhielt, wurde zwei Jahre nach dem
großen Brande von 1829 an ſeiner jetzigen Stelle in der Kirchſtraße wieder aufgebaut
und dient heute alten bedürftigen Frauen als letzte Unterkunftsſtätte.) Wechſelvoll
geſtaltete ſich auch das Schickſal der zugehörigen Kirche und ihres Begräbnisplatzes,
nachdem beide bei Aufhebung der Selbſtändigkeit und Einverleibung der Vorſtadt—
gemeinden in Beſitz der Stadt übergegangen waren. Im Jahre 1768 erſt neu auf—
gebaut, wurde die Kirche im Jahre 1809 von der Stadt käuflich erworben und zu einem
Spritzenhaus beſtimmt, während man den zugehörigen Kirchhof in einen öffentlichen
Lagerplatz umwandelte. Vorübergehend dann Privatbeſitz, kaufte die Stadt Platz und
Kirche zurück, um das Grundſtück 1884 zu Bebauungszwecken zu veräußern, worauf
dann im gleichen Jahre die Kirche niedergelegt wurde.
Von einem dritten Gotteshaus, der ſpäteren reformierten Kirche, iſt es heute
nicht mehr einwandfrei feſtzuſtellen, ob es ebenfalls noch dem Mittelalter angehörte
oder als Erſatz für die im 16. Jahrhundert vielleicht baufällig gewordene benachbarte
Georgenkirche errichtet wurde. Sein Schickſal geſtaltete ſich nicht weniger wechſelvoll.
Im 17. Jahrhundert zum Schütthaus für das Getreide der Landedelleute während der
Kriegszeiten beſtimmt, wurde es, als ruhigere Zeiten gekommen waren, zu einem
Salzhaus gemacht, bis es dann Friedrich J. ſeiner urſprünglichen Beſtimmung zu—
führte, indem er es den Reformierten zum Gotteshaus überwies. Gleichzeitig be—
willigte er 100 Taler als Beihilfe für die Reparatur der Kirche, die am 29. Juli 1703
) Die Droſſener Matrikel vom 22. September 1693 (Regierungsarchiv zu Frankfurt) meldet von
den Hoſpitälern wie folgt:
„Vor alten zeiten ſeint zu Droßen zwey Hospitalien geweſen, daß erſte zu St: Gertraut, hat geſtanden
Vor dem Franckfurter thore gegen der Kirchen zu St: Gertraut über, zur lincken handt im hinnausgehen
zwiſchen Hank Wolborgs undt Hanß Thiemens häufern ein, dieſes iſt gantz eingegangen, doch wirdt noch
die wüſte ſtelle undt garthen gefunden und vermiethet.
Daß ander Hospital, genant zu St: Georgij, liegt in der Stadt hart am Zielentziger Thore gegen
St: Georgij Kirche über, iſt ein ziemliches Gebäude undt hat forne daß erſte geſchoß hoch, eine gantz
ſteinerne Mauer, auf den ſeiten aber undt in dem andern geſchoße iſt es mit Holtz undt Lehm aufgeführet,
undt ſeint darein zwey ſtuben undt Kammern.
Hinter dem Hauſe iſt ein groſſer Hof undt darin ein guter brunn.
Dieſes Hospital hat eine eigene Landthufe, fo Ao. 1565 wegen Verpflegung eines im Kopfe irrigen
Menſchen George Großwendts dem Hospital per Sententiam Conſistorii zuerkandt worden, undt jahrlich
12 Thllr Miethe giebt.“
39 Weſlſternberg.
neu eingeweiht wurde. Der Brand vom Jahre 1829 vernichtete auch dieſes Gotteshaus
vollſtändig, worauf das 1706 erbaute zugehörige Predigerhaus nach der Union im Jahre
1834 dem Frühprediger an der Jakobikirche als Amtswohnung überwieſen wurde. “)
Zum Schluß ſeien hier noch der Betſaal der katholiſchen Gemeinde?) in der Langen
Straße ſowie die nach dem Brande vom Jahre 1829 erſt 1850 am Eingang in die
Hinterſtraße wieder aufgebaute Synagoge kurz angeführt. Auf dieſe beiden noch
vorhandenen Bauten ſoll nicht näher eingegangen werden, da ſie in ihrer Architektur
zu anſpruchslos ſind. Erwähnt ſei nur, daß ſich im Beſitz der katholiſchen Gemeinde
verſchiedene Kunſtgegenſtände aus der Barockzeit befinden, darunter ein Holzleuchter,
drei ziemlich handwerksmäßige Gemälde, eine kleine, jetzt leider braun überſtrichene
Orgel und vor allem das trefflich geſchnitzte und vielfarbig bemalte Modell eines
Hochaltars (Tafel 4), der auf einer Sockelplatte von 1,23 m Länge ruht. Über die
Herkunft dieſer Gegenſtände konnte nichts näheres ermittelt werden.
Die Sk. Jahobihirche.
Baugeſchichte.
Die St. Jakobikirche wurde laut Aufzeichnungen im Turmknopf im Jahre 1298,
alſo wahrſcheinlich bald nach der in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts erfolgten
Neuſiedelung „fundiert“.“) Ein Hinweis auf die Erbauung des ſogenannten Peters—
) Im Anſchluß an die Erwähnung der reformierten Kirche ſei zum Aufenthalt Schleiermachers
in Droſſen aus ſeiner Selbſtbiographie und ſeinen Briefen Nachſtehendes kurz angeführt. In erſterer —
vom Jahre 1794 — heißt es: „Nach ... Beendigung [einer akademiſchen Studien] hielt ich mich bei
meinem . . . Oheim Stubenrauch auf, welcher unterdeß feine Profeſſur [in Halle] mit der Predigerſtelle
[an der reformierten Kirche] zu Droſſen in der Neumark vertauſcht hatte, ein einſames Jahr [vom April 1789
bis Mai 1790), welches ich in dem ſchätzbaren Genuß feines Umganges mit dem Beſtreben zubrachte, den
fragmentariſchen Kenntniſſen, die ich in den theologiſchen Wiſſenſchaften erworben hatte, hie und da eine
Ergänzung und überhaupt mehr inneren Zuſammenhang zu geben ...“ Von Droſſen aus ſchrieb er am
23. Dezember 1789 an ſeinen Vater: „Überhaupt ſind wir hier an einem kleineren Ort in Abſicht auf
das Neueſte in der Literatur ebenfalls ſehr zurück, und die Nähe von Frankfurt, welches in dieſer Abſicht
in einem ſchlechten, gar nicht univerſitätsmäßigen Zuſtand iſt, verſchafft uns bei weitem nicht jo viel
Vorteile, als man denken ſollte . ..“ — Vom 17. Juni bis 24. September 1793 weilte Schleiermacher
noch einmal in Droſſen, allerdings wurde dieſer Aufenthalt im Auguſt durch eine vierwöchentliche Reiſe
nach Berlin unterbrochen. Am 22. September, dem 17. Sonntage nach Trinitatis, predigte er an Stelle
des Onkels in Droſſen. Am 24. September begab er ſich dann wieder nach Berlin, wo er in Gedikes
Seminar eintrat. Da auch Stubenrauch ſpäter Droſſen verließ, um ein Pfarramt in Landsberg a. W. zu
übernehmen, dürfte auch Schleiermacher nicht wieder nach Droſſen gekommen fein. — (Vgl „Aus Schleier—
machers Leben“. In Briefen [anonym erſchienen; aber herausgegeben von L. Jonas und Wilh. Dilthey!
1. Bd. Berlin 1860, S. 12 f.; 97 f.).
Am 16. Mai 1854 kauften die Katholiken in Droſſen vom Nagelſchmiedmeiſter Kipferling ein
Haus in der Herrenſtraße Nr. 247 (Grundbuch vol. T, fol. 366). Im Seitengebäude errichtete man 1857
einen Betſgal (ein Oratorium). 1894 wurde die katholiſche Parochie von Droſſen nach Zielenzig verlegt
(ogl. Akten im Negierungsarchiv zu Frankfurt).
) Pgl. auch Samuel Holtzinger, S. 31.
Tafel 4.
Weſtſternberg.
Droſſen.
der katholiſchen Gemeinde.
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2
ochaltars im
7
—
Modell eines
Droſſen. 33
altars findet ſich in der Schenkungsurkunde des Markgrafen Ludwig vom 1. Januar
13500; ſonſt find im Gegenſatz zu der Geſchichte anderer Gotteshäuſer der Provinz,
wie z. B. der Kirchen zu Frankfurt, bei der Jakobikirche die ſo häufigen urkundlichen
Nachrichten von kirchlichen Stiftungen aus der Zeit vor der Reformation ſeltener—
Baugeſchichtlich erwähnenswert iſt eine Aufzeichnung bei Beckmann zum Jahre 15325)
nach der im genannten Jahre das Gewölbe bei der Orgel eingefallen und hernach von
einem Mönche aus Frankfurt“) wieder erbaut worden ſei. Sechs Jahre ſpäter hielt der
Prediger Mangold den erſten lutheriſchen Gottesdienſt in der Jakobikirche ab, worauf
die erregte Menge im erſten Glaubenseifer ſämtliche Nebenaltäre niederriß und aus der
Kirche entfernte. Dazu kommt ferner noch, daß ſich bald auch Markgraf Johann, ähnlich
wie dies ſein Bruder Joachim unter anderem bei der Marienkirche zu Frankfurt
getan hatte, alle ſilbernen Kreuze, Monſtranzen, Marienbilder u. dgl. m. im Werte
von 42 Pfd. und 12 Lot aneignete und den ganzen Kirchenſchatz im Jahre 1542 nach
Cüſtrin bringen ließ. Das Patronat der dem evangeliſchen Gottesdienſt überwieſenen
Kirche war auf den ſtädtiſchen Rat übergegangen, der dann auch ſpäter bei dem
Kurfürften Johann Georg die Rückgabe der Kleinodien, jedoch anſcheinend erfolglos,
beantragte. Dieſen Eingriffen in den vorreformatoriſchen Beſitz und Beſtand der
Kirche ſtehen aber auch nicht unweſentliche Neuſchöpfungen gegenüber, die jedoch über—
wiegend veranlaßt wurden durch eine große Anzahl ſeit der Mitte des 16. Jahrhunderts
auffallend häufig wiederkehrender Brände. So begann man, nachdem im Jahre 1538
ein Blitz mit dem Turm auch das Geläute zerſtört hatte, ein Jahr ſpäter mit dem
Wiederaufbau, dem Zeitgeſchmack entſprechend „auf italieniſche Art“, deckte die Spitze
mit Kupfer und beendete die Arbeit, nachdem auch neue Glocken beſchafft waren, erſt
im Jahre 1550. Auch ein am 12. Mai 1596 ausgekommener Brand hat nicht unbe—
deutenden Schaden an der Kirche verurſacht, ſo daß ein abermaliger Umbau des
Turmes, der nach 12 Jahren erſt fertiggeſtellt wurde, ſowie der Neubau des von
dem Frankfurter „Mönch“ errichteten Gewölbes erforderlich war.) Bei Beckmann wird
nach einer zu ſeiner Zeit noch erhaltenen, nahe bei der Orgel auf das Gewölbe auf—
gemalten Inſchrift als Leiter dieſer Inſtandſetzungsarbeiten Meiſter Greger Suchel von
„Lübraß“ ) genannt. Im Jahre 1600 war der reichgeſchmückte Taufſtein beſchafft worden.
Dem Jahre 1619 gehört die Kanzel an und endlich weiſt heute noch der prächtige
Altaraufbau inſchriftlich durch die Zahl 1627 auf das Jahr ſeiner Vollendung hin, ſo
daß dieſe Tatſachen gewiſſermaßen einen Beweis bilden für den hohen kirchlichen Sinn,
der gerade während der ſchweren Kriegsjahre die Bevölkerung beſeelte. Auf dieſe
ſchweren Zeiten wies auch eine bei Beckmann bezw. von Holtzinger erwähnte lateiniſche
Inſchrift hin, die ſich an dem gleichzeitig mit der Kanzel erbauten, ehemaligen
) Vgl. Riedel Codex XIX, S. 132
) Vgl. Beckmanns Nachlaß im Geh. Staatsarchiv, Rep. 92, V. D, Nr. 15.
) Unzweifelhaft kommen hier die Frankfurter Franziskaner, ja vielleicht gar Andreas Lange, der
Baumeiſter der Frankfurter Unterkirche in Frage. Vgl. Kunſtdenkmäler, Stadt Frankfurt, S. XIII u. 15, 16.
) Vgl. auch die Erinnerungstafel an dieſe Bauzeit auf dem heutigen Bibliothekchor der Kirche S. 52).
Vgl. auch Holtzinger im ſtadtiſchen Muſeum zu Droſſen S 31.
Kunſtdenkm. d. Prod. Bröbg. VI. 3. Weſtſternberg. 3
34 Weſlſlernberg.
Schülerchor befunden haben ſoll. Vielleicht wird die Notwendigkeit ſo weitgehender
Erneuerungsarbeiten durch die Mitteilung von einem im Jahre 1623 abermals durch
einen Blitz erfolgten Brand gerechtfertigt. Am 5. April 1674 zerſtörte erneut ein
Blitzſchlag den oberen Turmteil, deſſen Inſtandſetzung von Meiſter Tobias Herrmann am
14. Auguſt 1684 beendet wurde. Auf eine weitere Kataſtrophe und die dadurch bedingten
Erneuerungsarbeiten weiſt die auf der jüngeren von den beiden Gedenktafeln im Chor ent—
haltene Jahreszahl 1734 hin (vgl. dreimal die genannte Jahreszahl in je zwei Zeilen des
Chronoſtichons, S. 50). Ferner konnten die Schäden zweier weiterer Brände, deren Ent—
ſtehung auf die gleiche Urſache zurückzuführen war, hauptſächlich wegen des Siebenjährigen
Krieges erſt 1784%½ gründlich ausgebeſſert werden. Fünfzig Jahre vorher jedoch hatte man
ſchon nach einem Bericht des Bürgermeiſters und Rats das ganze Innere abgeputzt und den
größten Teil der Fenſter erneuert; außerdem war an Stelle der alten, aus dem Jahre 1673
ſtammenden und 1712 inſtandgeſetzten Orgel 1750 eine neue von dem Orgelbauer Tam
aufgeſtellt worden. Weniger folgenſchwer war ein Gewitter im Juli 1796, bei dem
zwar abermals ein Blitz, jedoch ohne zu zünden, den Weſtteil des Gotteshauſes traf
und nur die Orgel beſchädigte, deren Inſtandſetzung im Jahre 1802 wahrſcheinlich
infolge unterbliebener ſofortiger gründlicher Ausbeſſerung einen Koſtenaufwand von
400 Talern erforderte. Dieſe häufigen Beſchädigungen des Weſtteils der Kirche
ſcheinen trotz der mehr oder weniger umfangreichen Wiederherſtellungsarbeiten den
Jahrhunderte alten Bau in ſeinem Gefüge allmählich erſchüttert zu haben, ſo daß im
Jahre 1829 die Gewölbe in der Weſthälfte des Langhauſes zu ſinken begannen.
Sofort wurde der gefährdete Bauteil bis zur Kanzel für die Beſucher geſperrt,
worauf man die geſunkenen Gewölbe herunterſchlug. Bei der Armut der Gemeinde
und der Mittelloſigkeit der Kirchenkaſſe jedoch ſchenkte König Friedrich Wilhelm III.,
nachdem die Regierung ein Unterſtützungsgeſuch abſchlägig beſchieden hatte, fünf—
zehnhundert Taler zur Kirchenreparatur. Den noch fehlenden Teil der Koſten
brachte, nachdem im Jahre 1834 die Arbeiten fertiggeſtellt waren, die Gemeinde
ſelbſt auf. An Stelle der früheren Kreuzgewölbe in der Weſthälfte war ein ſchwer
maſſives Tonnengewölbe getreten und um ein Ausweichen der Wände zu verhüten,
hatte man ſtarke, eiſerne Queranker eingezogen. War mit dieſem Umbau, bei dem
auch die Orgel inſtandgeſetzt und das Innere geweißt worden war, abermals ein weit—
gehender Eingriff in den alten Beſtand des Bauwerkes vorgenommen worden, ſo
ſollten, nachdem noch im Jahre 1848 die alte Spliſſendeckung an der Turmkuppel unter
der Laterne durch Zink erſetzt war, bald weitere umfangreiche Bauarbeiten folgen.
Durch die beim Abbruch des alten Rathauſes und bei den Arbeiten am Neubau
hervorgerufenen Erſchütterungen war auch anſcheinend die benachbarte Jakobikirche in
Mitleidenſchaft gezogen worden; denn gleichzeitig ungefähr zeigten ſich namentlich auf
der Oſtſeite des Gotteshauſes bedenkliche Riſſe, die man dann im Jahre 1853 durch ein—
) Die Reparatur koſtete 784 Reichstaler 23 Groſchen. Die Arbeiten führte Zimmermeiſter Joh. Gottf.
Ewald aus Frankfurt aus. Sein Polier war Gottlieb Hiebel aus Ruhethal bei Micheln in Sachſen. Fahne,
Knopf, Adler und Sonne fertigte Kupferſchmied Johann Friedrich Specht aus Droſſen Frankf. Reg.-Arch.).
Weſtſternberg.
1
80
Tafel 5.
Droſſen.
Jakobikirche, Anſicht von Süden.
Droſſen. 3
gezogene eiſerne Anker, verſtärkte Strebepfeiler, ſowie durch ein neues, leichtes Topfgewölbe
im Chor zu beſeitigen ſuchte. Als ſich aber bald wieder an anderen Stellen, vor allem
auf der Nordweſtſeite Schäden am Mauerwerk zeigten, da ſchien, zumal mehrfache,
noch heute im Regierungsarchiv zu Frankfurt aufbewahrte Gutachten ſich für den
Abbruch des größten Teils des Bauwerks erklärten, das Schickſal der Kirche beſiegelt.
Aber auch dieſe größte Gefahr für den Beſtand des Bauwerks ging vorüber, und
ſelbſt als in den ſiebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts bei dem völligen Um—
bau des größten Teils der Ausſtattung die alte Barockorgel dem jetzigen Werk mit
ſeinem nüchternen Gehäuſe weichen mußte, und als durch den gleichzeitig vorgenommenen
unfchönen Neuanſtrich ſogar den beiden Hauptausſtattungsſtücken, dem Altar und
der Kanzel, jener maleriſche Reiz genommen wurde, der ihnen bis dahin geblieben
war, hielt man ſich bei dem Umfang der äußeren Inſtandſetzungsarbeiten in aner—
kennenswerten Grenzen.!) Erwähnt ſei noch, daß die Geſamtkoſten der Inſtandſetzung
einſchließlich der Beſchaffung der neuen Orgel 46234 Mark 28 Pfg. betrugen. Mit
dem 22. Dezember 1878, dem Tag der Wiedereröffnung der Kirche endlich, kann die
ſchickſalsreiche Baugeſchichte des altehrwürdigen Gotteshauſes als abgeſchloſſen be—
trachtet werden.
Baubeſchreibung.
Dadurch, daß der heute abenteuerlich anmutende Plan eines teilweiſen Abbruchs
des Gotteshauſes zum Glück nicht verwirklicht wurde, blieb Droſſen mit der Jakobi—
kirche jener Bau erhalten, der dem Stadtbild ſeine eigenartige Note gibt, und der ſich
ähnlich wie in Frankfurt die Marienkirche gleichſam als hochragendes Wahrzeichen über
die Häuſermaſſe der Stadt erhebt. Deutlich erkennt man im Grundriß der im Laufe
der Jahrhunderte mehrfach umgebauten Hallenkirche (Abb. 27, 28 und Tafel 5) einen
) „Nach den Verhandlungen vom 12. Oktober 1874 follen folgende Thüren der Kirche verbreitert werden:
1. Die Thür in der Weſtfront des Thurmes . . . ſoll als eine zweiflüglige Tür hergeſtellt werden.
Es wird zu dieſem Behufe der mittlere Pfeiler und das Mauerwerk im Spitzbogenfelde beſeitigt . . ..
2. . . . Ferner wird es für wünſchenswert gehalten, die Offnung von der Thurmhalle nach dem
Kirchenſchiff zu verbreitern . . . .
3. Auf der Südfront befindet ſich bereits eine 2 flüglige Thür unter dem zweiten Fenſter, welche
jetzt durch eine rohe Thür verſchloſſen iſt, die nie geöffnet wird; auch hier ſoll eine gangbare 2 flüglige
Thür hergeſtellt werden, wozu nur nöthig iſt, das Mauerwerk bis zum Scheitel des Spitzbogens auszu—
brechen und die Thür einzuhängen.
4. Der jetzige Haupteingang auf der Südſeite .. . . muß verbreitert werden, ebenſo die innere Thür
dieſer Eingangshalle . ..
5. Auf der Nordſeite ... ſoll die kleine Thür am Kreuͤgſchiff . . . verbreitert werden. Zu dieſem
Behufe iſt nur der Ausbruch der Mauer nach dem kleinen Fenſter zu, ſowie die Erhöhung der Offnung
erforderlich. .
6. Die letzte Thür gleichfalls auf der Nordſeite unter dem zweiten Fenſter vom Weftgiebel.... mit einem
kleinen Fenſter in einer gemeinſchaftlichen Niſche . ., wenn die Niſche zu einer Thür umgewandelt würde . ..
26. Febr. 1875.“
3 **
Das Gebäude.
36 Weſlſlernberg.
älteren Kern, der beſtanden haben dürfte aus den beiden im Anfang des 16. Jahr—
hunderts anſcheinend mit Stern- bezw. Netzgewölben verſehenen Seitenſchiffen, dem ſie
gleichſam baſilikal überragenden, in den dreißiger Jahren des 19. Jahrhunderts tonnen—
gewölbten Mittelſchiff, einem rechteckigen, anſcheinend gegen Ende des 15. Jahrhunderts
mit Rippen-Sterngewölben verſehenen, gerade geſchloſſenen Chor von der Breite des
Mittelſchiffs und dem der Weſtwand dieſes Bauteils vorgelegten, im Grundriß ob—
longen Turm. Wie aus der an den weſtlichen Stirnwänden heute noch ſichtbaren
Backſteinverzahnung geſchloſſen werden darf, war urſprünglich vor der ganzen Breite
der Weſtfront, ähnlich wie bei der Marienkirche zu Frankfurt a. O., ein vermutlich
doppeltürmiger Baukörper geplant (vgl. Abb. i. d. kunſtgeſch. Überſicht). Wahrſcheinlich
frühzeitig ſchon errichtete man über dem, der ganzen Südwand des Chores vorgelegten,
rippenkreuzgewölbten Sakriſteibau den dreijochigen, urſprünglich in ſämtlichen Jochen
ebenſo nach oben abgeſchloſſenen, gegen Ende des 15. Jahrhunderts jedoch im weſtlichen
Joche mit einem Sterngewölbe geſchmückten Bibliothekraum. Der dieſem Raum ent—
ſprechende, zweiſtöckige Anbau auf der Nordſeite dagegen mit den reichen Sterngewölben
dürfte nicht viel jünger ſein als die von fünf Vieleckſeiten abgeſchloſſene, im 15. Jahr—
hundert etwa vorgenommene Erweiterung nach Oſten. Erſt dem Anfang des 16. Jahr—
hunderts ſind dann noch jene beiden wahrſcheinlich zur Aufſtellung von Nebenaltären
beſtimmten, dem nördlichen Anbau vorgelegten Kapellen zuzuweiſen, von denen die
weſtliche von einem dreijochigen, die öſtliche jedoch nur von einem einzigen, ſehr lang—
geſtreckten Kreuzgewölbe überdeckt iſt. Höchſtwahrſcheinlich im Reformationszeitalter
wurde endlich die Taufkapelle vor dem öſtlichen Drittel des ſüdlichen Seitenſchiffs
erbaut, deren Decke ein für das ausgehende 16. Jahrhundert typiſches Zellengewölbe
bildet. Das Kreuzgewölbe im Turmunterbau gehört der neueren Zeit an.
Faſt finſter, einem trotzigen Wehrturm gleich, nur bisweilen von einer kleinen ſpitz—
bogigen Lichtöffnung durchbrochen, bauen ſich die untereinander durch horizontale Säge—
frieſe geſchiedenen mittleren Stockwerke des Turmes auf, der ebenſo wie der größte
Teil der Kirche aus Backſtein errichtet iſt. Der durch eine Reihe ſchlanker, ſpitzbogiger
Blendniſchen reicher gegliederte, über einem Granitſockel ruhende Unterbau bildet zum
Mittelteil einen ebenſo wirkſamen Gegenſatz wie das ähnlich belebte oberſte Turmgeſchoß.
Überdies wird die Weſtfront des Turmes von einem rechteckig umrahmten, in den Leibungen
mehrfach abgetreppten, ehemals zweiteiligen, ſpitzbogigen Weſtportal durchbrochen. Vier
neuere Aufbauten mit Uhrzifferblättern ſitzen mitten über dem Hauptgeſims der Turm—
ſeiten und ein vielfach geſchweifter barocker Helm mit durchbrochener Laterne ziert das
ziegelgedeckte Satteldach des Turmes. Über dem Helmknopf endlich erkennt man neben
dem friderizianiſchen Adler und dem Monogramm des Großen Königs noch die Jahres—
zahl 1782. Infolge der in der baugeſchichtlichen Überſicht erwähnten letzten Inſtand—
ſetzung des Außeren iſt trotz möglichſt weitgehender Zurückhaltung wohl nur vorwiegend
das gemauerte Stabwerk der ſchlanken Chorfenſter in urſprünglicher Geſtalt erhalten
geblieben; ſtärkeren Veränderungen wurden außer den meiſten übrigen Fenſtern mit
ihrem neu-gotiſchen Maßwerk auch die ſpitzbogigen lebhaft profilierten Zugänge
auf der Süd- und Nordſeite unterworfen. Während die gleichfalls in neuerer Zeit
En
Droſſen.
Droſſen. Jakobikirche, Grundriß.
Abb. 27.
1
38 Weititernberg.
Abb. 28. Droſſen. Jakobikirche, Anſicht von Südoſten.
mehrfach ausgebeſſerten, ein- oder mehrfach abgeſtuften Strebepfeiler ſonſt nichts be—
merkenswertes aufweiſen, dürften die ſenkrecht verlaufenden, flachniſchigen Vertiefungen
an den nur liſenenartig vortretenden Eckverſtärkungen der über der Südwand mit einem
Niſchengiebel geſchmückten Taufkapelle reicheren Maßwerk- und Figurenſchmuck ent—
halten haben. Von den ehemaligen Horizontalfrieſen iſt der reich durchgebildete
Droſſen.
Abb. 29.
Droſſen.
Jakobikirche, Inneres, Blick nach Oſten.
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Abb. 30. Droſſen. Jakobikirche, nördliches Seitenſchiff, Blick nach Oſten.
Hauptgeſimsfries am Chor noch am beſten erhalten. Kleine ſtichbogig geſchloſſene
Flachniſchen auf der Außenſeite der Umfaſſungsmauern wie z. B. unter dem Süd:
fenſter der Taufkapelle mögen einſt Malereien religioͤſen Inhalts aufgewieſen haben.
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Abb. 31. Droſſen. Jakobikirche, ſüdliches Seitenſchiff, Blick nach Oſten.
Näpfchen und Rillen in großer Anzahl und z. T. von ungewöhnlicher Größe und
Tiefe finden ſich hauptſächlich in der Nähe der Eingänge auf der Südſeite. Je zwei
geſchweifte Dachluken beleben auf der Süd- und Nordſeite die mächtige Fläche des
49 Weſlſlernberg.
ziegelgedeckten Kirchendaches, deſſen Oſtgiebel die Spuren eines ehemaligen Niſchen—
ſchmuckes aufweiſt. Abgeſehen von dem der neueren Zeit angehörigen hölzernen
Treppeneinbau in der Vorhalle des Turmes führt noch ein zweiter in die Südweſtecke
eingebauter, anſcheinend aus dem 16. Jahrhundert ſtammender, im 19. Jahrhundert
jedoch z. T. abgeänderter maſſiver Aufgang nach dem Dachboden.
Die Backſteinmaße der verſchiedenen Bauteile ſind, abgeſehen von vielen Unregel—
mäßigkeiten, aus nachſtehender Zuſammenſtellung etwa wie folgt zu erſehen:
5 2 Der Verband zeigt in jeder
auf im Höhe Schicht einen regelmäßigen
hoch breit lang kommen Wechſel von überwiegend
e! 0o e e 29 cm 16,5 Schichten 2 Läufern 1 Binder
am nördlichen Seitenſchiff 9 „ 14 „ 29 „ 18,5 1 2 75 1 A
ATS) öde „ „ 18,5 7 ſehr unregelmäßig
am Chor, 1 29 18,5 7 2 Läufern 1 Binder
an der Sakriſt eff 1 er 18,5 1 2 7 1 1
an de aufs Dm 14 „ Dow 17,5 5 1 7 1 7
am ſüdlichen Seitenſchiff . 9,8 „ 2 29 18,5 1 2 7 1 75
Das gewölbte Innere der Kirche (Abb. 29, 30 und 31) zeigt ſchöne Verhältniſſe
und beſitzt auf drei Seiten Emporen.)
) Die Matrikel vom 22. September 1693, die überichrieben iſt:
„Die Haubt Kirche zu Drof-
ſen St: Jacob genant, iſt
MAT E R.“
ſchildert die Kirche einſchließlich der damaligen inneren Platzverteilung, der Unterhaltungsbeiſteuer der
Bürger u. dergl. m., wie folgt:
„Selbige iſt ein feines Gebäude von Grundt auf bis an daß Dach Gemauret undt gewölbet, doch
aber an Vielen Ohrten zerrißen, geborſten undt geſuncken, undt giebt der Augenſchein, daß dieſe Kirche zuerſt,
nicht fo groß, wie itzo geweſen, ſondern Viel ſtücke mit der zeit fuccesfive hinnan gebauet worden fein.
Die Kirche hat itzo ein doppeltes Ziegeldach.
Daß hinter undt Mitteltheill der Kirchen hat unterſcheidtliche gewölbete Schwiebogen, fo auf Sechs
ſteinernen Pfeilern ruhen.
Daß Vordertheil nach dem Altar zu, iſt mit einem einigen Gewölbe undt ſcheint, das es lange zeit
nach der Kirchenerbauung erſt aufgeführet ſey.
In der Kirchen.
Iſt eine Steinerne gewölbete Sacristey mit zweyen, alß mit einer Eiſern undt Höltzern Wohlver—
wahrten Thüren, undt über derſelben noch ein gewölbe, darin vor dieſem die Bibliothec geſtanden.
Hart bey dieſem iſt noch ein hohes gewölbe, worinnen vor itzo der Tauffſtein ſtehet.
In der Kirchen ſeindt Vier Höltzerne Chöre oder Bohr-Kirchen.
Daß erſte nach dem Altar, it daß alte Schüler Chor, davon die eine ſeite nach dem Schoͤppen
Chore Ao: 1673, denen Tuchmacher Geſellen für 25. fl. verkauffet worden.
Die ander ſeite nach der Sacristey undt dem Altar zu, iſt mit Sechs Baͤucken bebauet undt der
Bürgerſchafft ützlich verkauffet worden.
Doch hat E. E. Rath eine Bancke für Frembde Gäfte undt offieirer, undt herr BurgeMeifter Johan
Beyl zweene Stände in der andern Bande, gegen dargebung anderer Stände, Ihme frey behalten.
Daß ander Chor, fo A0: 1619. neuerbauet undt Ao: 1627. gemahlet worden, reichet von der Thüren
an, fo gleich gegen der Cautzell über iſt, bis an den Glockenthurm undt beſtehet in dreyen Fachen, oder
unterſchiedenen Chören, fo durch die Kirchen Pfeiler gemachet worden.
Tafel 6.
Weſtſternberg.
747474747
P
Altar in der Jakobikirche.
Droſſen.
Droſſen. 43
Der Hauptaltar (Tafel 6) bildet mit ſeinem in neuerer Zeit leider übermalten,
von einem Pelikan gekrönten, fünfgeſchoſſigen, hölzernen Aufbau, deſſen Hauptfelder
die üblichen Reliefdarſtellungen des Erlöſungswerkes zeigen, den Hauptausſtattungs—
gegenſtand der Kirche. Seine ſchon ſpäten Schmucformen, die faſt barocken Spangen,
Obſtgehänge und Engelsköpfchen, die reich durchgebildeten, das Gebälk der mittleren
Stockwerke tragenden, korinthiſierenden Säulchen, die mit figürlichen Beigaben ge—
Im erſten Fache ſtehen in denn Förderſten Stühlen die herren Gerichts Perſohnen, hinter denſelben
die Viertheils Meiſter, undt hinter denen die Schultzen auß den Vorſtädten.
Im andern Fache ſtehen die Bürger, welche Ihre Stände Von der Kirchen gemiethet, oder gekauffet haben;
Daß dritte Fach iſt numehr der Schulen übergeben, daß die Kleinen Schüler alda ſitzen Können.
Daß dritte Chor iſt numehr gahr neu undt Ao: 1674 erbauet worden, darauf ſtehet die Orgell undt
ſitzen die Schul Collegen ſambt den großen Schülern drauff.
Daß Vierdte Chor, gegen dem Alten Bürger Chore über iſt noch neuer undt Ab. 1690. erbauet
worden, undt wirdt den bürgern Vermiethet, wie auch die Stände unten in der Kirche.
Es hat die Kirche Fünff Thüren, dadurch man hinnein gehen Kan, undt erlanget daß Tage—
licht durch Zwey undt Zwantzig Fenſter, welche durch die Handtwercks Zunfften undt andere Guth—
thätige Bürger erhalten werden, laut folgender Specification, fo von E. E. Rathe den Kirchen Vätern
zugeſchicket worden:
Daß 1. iſt nächſt dem Glogken Thurme gegen der Fiſchgaße, beſtehet in drey Feldern undt 24 Fachen,
Muß von der Franckfurtiſchen Vorſtadt in würden erhalten werden.
Daß 2. nechſt dabey, über der Kirchen Thüre beſtehet in zwey Feldern undt 11. Fachen und Kömbt
zu den Zimmerleuthen undt Mäurern.
Daß 3. fo gleich hinter dem Schöppen Chore ſtehet, von 3 Feldern undt 21 Fachen, iſt der Ge—
richts-Verwandten, Viertheils Leuthen, Apoteckern, undt anderer, fo drauf ſtehen.
Daß 4 te iſt zwiſchen dem Schüler und Schöppen Chore von 5. Feldern undt 18 Fachen über der
Kirchthüre, gehöret denen Brauern, Seilern, Weißgerbern, Schwartzfärbern, Hütern, Köchen undt Nagelſchmiden.
Daß 5. Mitten auf dem Schüler Chore von 4. Feldern undt 10. Fachen, dieſes haben A0. 1664.
die Kürſchner undt Strumpfſtricker verfertigen laßen.
Daß 6. Auff dem Schüler Chore gegen daß Rath-hauß von 4. Feldern undt 18. Fachen, ſoll der
Schützen Brüder geweſen ſein.
Daß 7. nebſt dem Schüler Chore gegen dem Altare zu Von 4. Feldern undt 46. Fachen, ſolches
halten die Hüefener in baulichen würden.
Daß 8. von 2. Feldern undt 21. Fachen, daß halten die Schneider.
Daß 9. von 2. Feldern undt 22. Fachen, iſt der Becker.
Daß 10. gleich hinter dem Altar von 2. Feldern undt 22. Fachen; iſt der Garnweber.
Daß 11. von 2. Feldern undt 22. Fachen, iſt der Schuſter.
Daß 12. Zur lincken des Altars von 2. Feldern undt 21. Fachen, iſt der Schmiede undt Bötticher.
Daß 13. ſo hart bey an, hat 4. Felder undt 46. Fach iſt der Tuchmacher.
Daß 14. Auff der Bibliotheca hinterwerts nach der Kirchgaße zu, von 3. Feldern undt 15. Fach,
iſt der Glaſer.
Daß 15. Auff der Bibliotheca nach der Pfarre zu, von 3. Feldern undt 20. Fachen iſt der Möller.
Daß 16. von 3. Feldern undt 20. Fachen, die herren des Raths.
Daß 17. ibidem von 3. Feldern undt 20. Fachen der Haacken Krähmer.
Daß 18. bey der Tauffe gegen die Kirchgaße von 2. Feldern undt 14. Fachen, dieſes haben die Töpffer
verfertigen laßen.
Daß 19. Das gegen die Pfarre von 3. Feldern undt 18. Fachen, haben die Rademacher, repariren laßen.
Daß 20. ibidem gegen die Schule 2. Felder und 12. Fach haben eodem Ao: die Fleiſchhacker aus—
beßern laßen.
Junere
Ausſtattung.
2
lg.
Jakobikirche, Kanzel.
x
roſſen.
Di
Abb. 32.
NU
—
— —
e
Abb. 33.
Droſſen.
N
2
*
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— nn ET —
Droſſen.
Jakobikirche, Taufſtein.
46 Weſtſlernberg.
ſchmückten, von Quadern umrahmten Rundbogenniſchen, die Knöpfchen, Roſetten und
anderen ſpäten Zierſtücke weiſen deutlich auf die Zeit ſeiner Anfertigung hin, die durch
die über dem mittleren Stockwerk wiedergegebene Jahreszahl 1627 genau bekannt iſt.
Hiermit ſtehen auch die faſt ſchon barocken Formen jener, das dritte und vierte Stockwerk
umfaffenden, Kartuſchen im Einklang mit ihren an den Symbolen leicht erkennbaren
Abb. 31. Droſſen. Jakobikirche, Taufſchüſſel.
Daß 21. über der Thüre, wo die Leichen aus- undt eingetragen werden, ſeindt 3. Felder undt 19. Fach,
werden von den Tuchſcherern, Kupffer Schmieden undt Gerbern gehalten.
Daß 22. iſt nechſt dem Glocken-Thurme gegen die Pfarre von 3. Feldern undt 18. Fachen, hat die
Zielentzigſche Vorſtadt verfertigen laßen.
Der Thurm iſt hart an der Kirchen gebauet, aus lauter gebrandten ſteinen undt von treflicher dicke und
höhe, hatt aber doch entweder Alters wegen, oder weil Er Zweymahl ausgebrandt iſt, auf beyden ſeiten gegen
Süden undt Norden, zwey gefährliche riße bekommen, alſo daß Er im Vorigen Jahre hat müſſen geanckert werden.
Ehe Er abbrandte, war es ein ſchönes gebäude Oben auf Italiänifch durchbrochen, gantz mit Kupffer
bedeckt, mit Vielen Centner bley begoßen, und mit einem ſchönen Knopffe gezieret, iso iſt Er zwar Wieder
gufgebauet, aber nur mit Eichen Späne gedeckt.“
Droſſen. 47
Evangeliſtenfiguren, während die Glaube und Liebe verſinnbildlichenden Geſtalten
zu beiden Seiten des Geſchoſſes über der Predella mit Rückſicht auf die Umrißlinien
des Werkes eine faſt klaſſiſche Ruhe auszeichnet.
Die ebenfalls reichgeſchnitzte Kanzel (Abb. 32), deren Anfertigungsjahr 1619
heute auf der Unterſeite des Deckels anſcheinend nach einer älteren, durch die moderne
Bemalung zerſtörten Inſchrift wiedergegeben
iſt, zeigt eine ähnliche, der Durchbildung des
Altaraufbaues verwandte Formenſprache. In
den Feldern des von einer Moſesfigur ge—
tragenen Kanzelkorbes ſtehen von Eckſäulchen
eingerahmt in umquaderten Rundbogenniſchen
die Geſtalten des Herrn und der vier Evan—
geliſten, während Apoſtelfiguren die Brüftung
des Aufgangs in entſprechender Umrahmung
ſchmücken. Den mit Spangen, Knöpfen,
Quadern und Roſetten reich ausgeſtatteten
und auf der Innenſeite mit der Taube,
dem Sinnbild des hl. Geiſtes, verſehenen
hölzernen Deckel krönt die Figur des Auf—
erſtandenen.
Die Taufe aus Sandſtein (Abb. 33)
iſt das älteſte dieſer drei aus dem erſten
Drittel des 17. Jahrhunderts ſtammenden
Ausſtattungsſtücke. Über einer im Grundriß
quadratiſchen Sockelplatte ruht auf rundem,
mit Löwenköpfen und Obſtgehängen ver—
ziertem Fuß über wulſtartiger, Bandwerk,
Quaderſchmuck und Eierſtab aufweiſender
Überführung der faſt überreich durchgebildete
achtſeitige Oberbau, deſſen Ecken kleine
Hermen ſchmücken. In den Seitenfüllungen
erkennt man auf ornamentiertem Grund die
figürlichen Reliefdarſtellungen der Perſon
Chriſti ſowie von ſieben Evangeliſten und Abb. 35. Droſſen. Jakobikirche, Opferſtock.
Apoſtelfiguren. Durch die jeweils beigegebenen
uberſchriften „CHRISTVS JOH: 3, S PETRVS. I. CAP. 3; S PAVLVS.
AD ROM. 6, S PHILIPPVS ACT. (acta apostolorum, Apoſtelgeſchichte) 8,
S. LVCAS CAP. 3, S MARCVS CAP. 16“ und „S. MATHEVS 6. CAP. 30
wird auf den Inhalt der Darſtellungen hingewieſen.
Jünger als der Taufſtein iſt die zugehörige, auf dem achteckigen Rand mit zwei
beweglichen Griffen und vier geflügelten Engelsköpfchen geſchmückte zinnerne Tauf—
ſchüſſel (Abb. 34). Sie wurde laut Inſchrift im Jahre 1663 von dem Droſſener
48 Weſtſternberg.
Bürgermeiſter und „churfürſtlich-brandenburgiſchen Schöſſer“ Johann Müller und
ſeiner Frau Margaretha Bobertags geſtiftet. Symmetriſch zu der Stiftungsinſchrift
ſind noch die Sprüche „MARC. 10 v. 14, 15, MATT IH. 28 v. 19“ und „MARC.
16 v. 16.“ eingraviert.
Ein eiſenbeſchlagener hölzerner Opferſtock (Abb. 35) auf der Südſeite des Altars
mit einem für die Zeit ſeiner Anfertigung typiſch geſtalteten Fuß zeigt die eingeſchnittene
Jahreszahl 1658. Außer drei Erinnerungstafeln an die Befreiungskriege und an
das Kriegsjahr 1866 iſt vor allem eine links vom Eingang zur Taufkapelle hängende
Gedenktafel (Abb. 36) für den Oberbürgermeiſter Johann Ludwig Kleiner, geb.
15. Mai 1715 zu Zernikow N. M., geſt. 15. Juli 1781, bemerkenswert. Sie zeichnet ſich
durch ihre ſchönen, in eine Zinkplatte eingravierten, für die Zeit ihrer Anfertigung
charakteriſtiſchen Schriftzeichen aus. Die Inſchrift ſelbſt lautet:
Denckmal
des Herrn
JOHANN LUDEWIG KLEINER
Ober Burgemeisters Stadtrichters Salzfactors und Braudirecktors
der Königl. des Sterneberg Kreises Haupt Stadt Drosfen
Er ward zu Zernico in der Neumarck den 15% Mai 1715 Gebohren
Trat feine Emter den 4 September 1737 an
Verehelichte sich Dreymahl
DOROTHEA FRIEDERICKE geb. UCKERMANIN
den 15% April 1739
nach deren im Jahre 1740 erfolgten Ableben
JOHANNE CHARLOTTE geb. UCRERMANIN
eine leibl. Schwester der ersten den 23“ July 1741
und nachdem auch diefe den 1 November 1761 ftarb
Fr: DOROTHEA CONCORDIA geb. SIMON den 22 Aug 1764
als des ehemaligen Königl: Kreis Einnehmers in Sterneberg Kreife
HERRN J. F. MENSCHNER HINTERLASSENE FRAU WITWE
in der zweyten Ehe hat Er 6 Kinder
4 Söhne und 2 Töchter gezuget
Er ſtarb den 15% July 1781
nachdem er feinen /Emtern 44 Jahr Rühmlichst Vorgestanden hat
und gelebet 66 Jahr 2 Mohnath u: 5 Tage
Leſer
der du mit Verdrus und Mühleligkeit diefes Lebens Ringest
Wisfe!
der verstorbene
hat diesfen Ihm vorzüglich Beschiednen Kampf
mit Muth und Standhaftigkeit
Gekempfet
Droſſen. 49
n
g Mels INC
Mac 1 1.00 10 1 Ableben“ 2
. Lo TE LICKERMANNIN 77
eine ſeihf Schw terde sten den 23. ug 1741 I —
) undnach dem auch Oele den , November 71 RR 2
fr DOROTHEA (ON. on DIA a SIMON DH 22% %
I desehemaligen Konif Kreis Einnehimers in fternebf; reife...
HERRNIFIIE ENSC HNER HINT! "RLASSENEMAU WITWE
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Abb. 36. Droſſen. Jakobikirche, Gedenktafel für den Oberbürgermeiſter Kleiner.
Zwei hölzerne Inſchrifttafeln an der Südwand des Bibliothekraumes dienen
dem Andenken an den Wiederaufbau des Gotteshauſes in den Jahren 1784 und 1608.
Der in lateiniſcher Sprache abgefaßte Inhalt lautet auf der linken Tafel wie folgt:
Kunftdenfm. d. Prov. Bröbg. VI. 3. Weftiternberg. 1
50 Weſtſlernberg.
) 22. D . 3 5 1215 [= Quod Deus bene vertat]
A D PROMOVENDAM SANcTissim.E TRIADOS GLORIAM
DES H/EC SACRA OLIM SANCTO JAcObO CONSECRATA.
VETUSTATE TEMPORIS, PULVERIS FULIGINISG, COA DEFORMI,
ANNO R CHRISTIAN M.DCC.XXXIV. EGREGIA NEC SATIS
LAUDANDA LIBERALITATE TRIUM STATUUM HiERARCHI,
CORUM AB OMNI SUA SPURCITIA EST EXPURGATA, EGREGIE
DEALBATA ET, QVALIS IAM APPARET, RENOVATA=
CONSERVET PRPOTENTISSIMUM NUMEN INCLUTAM CiviTa,
TEM DROSNENSEM INN EA Hoc IPSUM TEMPLUM, AMPLISSIMUM
COLLEGIUM SENATORIUM, VENERANDOS EccLEsi.£ MiNisrROs,
MODERATORES ORDixis SCHOLASTICI, CIVES ET INCOLAS EORUMQ
FAMILIAS ADSERAM USQ POSTERITATEM!
CLAVUM IMPERil TUNC TEMPORIS TENEBANT Viki PR£-NOBILiS$iMi
SEGVENTES:
Dni : JOHANN WILHELM HOFFMANN, CONS:DIR. THOMAS GOTTLIEB
AREL DUS, PRO-CONS. CARL AUGUSTUS SCHULTZ, CONRADUS BiELITZ,
Conss. JOHANN GEORGE BEiL, CAM. CHRISTIAN FRIEDRICH SiEPMANN,
Cam. ADI. JOHANN DAvip KuUNTzius, JOHANN FRIEDRICH Beir, Jop.
JOHANN JACOB HERRMANN, ERNESTUS ToBias KELLER, JOHANN CH?kis,
IAN TRAUTWEIN, SENATORES. DA vip HiLDEBRAND, SECRETARIUS.
SACRORUM AUGUSTANORUM ADMINISTRATION E EODEM TEMPORE DEFUN C,
GEBAN TUR:
Davib FRIEDRICH WALTHER, PAST. PRiM, ET IN SPECTOR, GEORGIUS
BENEDICTUS FRIEDERICUS SCHOENBERG, ARCHI-DiACONUS, CHRISTIANUS
GEORGIUS SCHRAMM, DiACoNUSs.
EN! Ds REPARATVR EA, ASSISTENTE lEHoVA:
VERBVM SINCERE SERVET IoVa, PRECOR=- It wei Zeilen dieſes
5 Chronodiſtichons ergeden
DROSNENSES CIVEs SERVET VERBIQVE MISISTROS die Janreszanl 1734.)
ATQVE SENATORES OPTO PRECORQVE PROBE!
Gott Laß es Dleſer Kirch VoD Rathhave V Vohtergehen
Die gVten Bürger ſtets In großen Seegen jtehen.-
—
Droſſen. 5
Die Überſetzung lautet:
Möge es Gott zum Guten wenden.
Zur Erhöhung des Ruhmes der hochheiligen Dreieinigkeit
iſt dieſes heilige Haus, einſt dem heiligen Jacobus geweiht,
durch hohes Alter (Alter der Zeit) [und] durch die Menge des Staubes und des
Rußes entſtellt,
im Jahre der chriſtlichen Zeitrechnung 1734 dank der hervorragenden und nicht genug
zu rühmenden Freigebigkeit der drei chriſtlichen Stände (8)
von all ſeinem Schmutz gründlich gereinigt, trefflich
abgetüncht (abgeweißt) und ſo, wie es nunmehr ſich zeigt, erneuert worden.
Erhalten möge die allmächtige Gottheit die berühmte Ge—
meinde Droſſen und in ihr dieſen Tempel ſelbſt, das hochanſehnliche
Ratsherrenkollegium, die ehrwürdigen Diener der Kirche
die Leiter des Schulweſens, die Bürger und Inſaſſen und ihre
Familien bis auf eine ſpäte Zukunft.
Das Steuerruder der Regierung hielten zur damaligen Zeit
folgende hochangeſehene Männer:
Die Herren: Johann Wilhelm Hoffmann, Oberbürgermeiſter, Thomas Gottlieb Areldus,
Erſter Bürgermeiſter, Carl Auguſt Schultz, Conrad Bielitz, Bürgermeiſter, Johann
Georg Beil, Kämmerer, Chriſtian Friedrich Siepmann, Hilfskämmerer, Johann David
Kuntzius, Johann Friedrich Beil, Richter, Johann Jacob Herrmann, Ernſt Tobias
Keller, Johann Chriſtian Trautwein, Ratmannen, David Hildebrand, Sekretär.
Des Augsburgiſchen Gottesdienſtes Verrichtung
übten zu derſelben Zeit aus:
David Friedrich Walther, Erſter Pfarrer und Inſpektor, Georg Benedikt Friedrich
Schönberg, Archidiakon, Chriſtian Georg Schramm, Diakon.
Siehe, dies Haus wird erneut unter gnädigen Beiſtand Jehovas
Rein uns erhalte allzeit, bitt' ich Jehova ſein Wort!
Schirmend ſchütz' er die Bürger von Droſſen, die Diener am Worte
Und auch die Herren des Rats! Das iſt mein Wunſch und Gebet. )
) Die wörtliche Überſetzung dieſer vier Zeilen des Epigramms lautet:
Sieh, dies Gotteshaus wird wiederhergeſtellt unter Jehovas Beiſtand
Rein möge Jehova das Wort erhalten, das iſt mein Gebet lich bitte)
Erhalten möge er die Bürger von Droſſen und die Diener am Worte (des Wortes)
Und die Ratsherren, [das] wünſche und erflehe ich in Demut!
4*
52 Weſlſternberg.
Auf der rechten Tafel ſteht folgende ebenfalls lateiniſch abgefaßte Inſchrift:
IN HONOREM SUMME TRiNIT Aris, Dei
OpT. Max: PATRIS fTERNI, FiLIi MOI ET Spiki,
tus SancTi PARACLETI STRUCTURA HUJUS TEMPLI
QVE ANNO 1596 MENS. Majı Xll. IN CINERES UNA CUM
TOTA CIVITATE EXCEPTIS PAUCIS /EDICULIS MISERRIME
REDIGEBATUR, IMPENSIS INCLYTI SENATUS HUJUS
URBIS ANNO REDEMPTIONIS NOSTRE 1608 ITERUM
RENOVATA EST.
SEDEBANT TUNC IN REI PL. ADMINISTRATIONE
MARTINUS MARTINI, LEONHARDUS STERN,
COSS. JOHANN MALER, JOHANN Lauß, JuDic.
MARTINUS MEURER, ESAIAS SCHLEGEL, BARTHOLO,
M.EUS LEUPOLDT. P. M. BERNHARDUS STELMACHER,
SENATORES.
MINISTERIO VERO EVANGELIJ, M. SEBASTIANUS
WECKER, HUJUS ET VICINARUM ECCLESIARUM
INSPECTOR ET CASPARUS BocaTius, DiacoNus,
PR/EERANT=-
Die Überſetzung lautet:
Zur Ehre der höchſten Dreieinigkeit, des beſten und größten Gottes, des ewigen
Vaters, des weſensgleichen (0% 0 Sohnes und des Heiligen Geiſtes, des Tröſters,
iſt der Bau dieſer Kirche, der im Jahre 1596, am 12. Mai, zuſammen mit der ganzen
Stadt mit Ausnahme weniger Häuschen elendiglich in Aſche gelegt wurde, auf
Koſten des berühmten Rates dieſer Stadt im Jahre unſerer Erlöſung 1608 wiederum
erneuert worden.
Es ſaßen damals in der Verwaltung (Leitung) des Gemeinweſens
die Bürgermeiſter Martin Martini, Leonhard Stern,
die Richter Johann Myler, Johann Laub,
die Ratmannen Martin Meurer, Eſaias Schlegel, Bartholomäus Leupoldt,
Bernhard Stellmacher.
Im wahren Dienſte des Evangeliums ſtanden Magiſter Sebaſtian Wecker,
dieſer und der benachbarten Kirchen Inſpektor, und Caspar Bocatius, Diakon.
Droſſen. 53
Außerdem befinden ſich noch im Bibliothekraum, deſſen Brüſtung nach dem
Kircheninnern zu ein aus der Barockzeit ſtammendes, hölzernes Prunkwappen (Abb. 37)
ſchmückt, eine ſpätgotiſche bemalte Holzfigur des hl. Moritz, 0,87 m hoch, ſowie zwei
0,52 m hohe, barocke, ebenfalls bemalte hölzerne Apoſtelgeſtalten, ferner ein einfacherer
Tiſch mit ſchönem Beſchlag (Abb. 38) aus dem letzten Viertel des 18. Jahrhunderts
und endlich der ſpätgotiſche Bibliothekſchrankh jelbjt mit ſeinem in neuerer Zeit
hinzugefügten, anſcheinend von der alten Barockorgel ſtammenden und mit dem Branden—
burgiſchen Adler geſchmückten Aufſatz. Von dem in dem Schrank untergebrachten
Bücherbeſitz der Kirche ſeien hervor—
gehoben: .
1.) Eine geſchriebene Bibel,
eine Ausgabe der Vulgata, zeigt auf
) Die Matrikel vom Jahre 1693 (dal.
Seite 12, Aum. 10 fährt bei der Beſchreibung
der inneren Ausſtattung folgendermaßen fort:
Von den Appertinentien,
oder zubehörungen undt
geräthe der Kirchen.
1. In benanter Kirchen ſtehet ein ſchön
geſchnitzter Altar, ſo zum theil mit Golde
überzogen, zum theil auch mit ausgehauenen
Bildern gezieret, undt Ko. 1627. erbauet iſt.
2. Der Predigtſtuel nebſt dem Deckel
oder der Crohne iſt gleicher geſtalt von Holtz—
wercke, mit Golde undt geſchnitzten Bildern
gezieret, an ſtat deß Fußes iſt das bildtnis
Moſes in Holtz gehauen, welches die Cantzell
auf dem haupte undt die Taffeln der 10. ge—
bothe in den händen trägt undt Ao. 1629
erbauet und gemahlet worden.
3. Der Tauffſtein mit dem Fuße iſt aus
einem gantzen Felßen gehauen, umb undt umb
mit gehauenen bildern, aber ohne Deckell. Abb. 37. Droſſen. Jakobikirche, Prunkwappen.
Er hat in ſich ein Zinnern Becken von
17. pfunden, welches A0. 1663 von herrn Johan Müllern Churfl. Schößern undt Burger Meiſtern alhir
der Kirchen iſt verehret worden.
1. Die Orgel iſt ein Neues Werck von 15. ſtimmen ao: 1673 undt 74. durch verehrungen guththatiger
leuthe erbauet, aber itzo wiederumb ſehr wanderbahr worden.
5. Sieben Glocken ſeindt vor itzo verhanden, worunter die Zeiger Glocken mit gerechnet ſeint.
Ein großes Zeiger Uhr iſt auf dem Kirch Thurm, aber untauglich.
. Drey Meßingen Crohnen hangen mitten in der Kirchen ſeint aber alt undt viel arme abgebrochen.
2. Große Meßingen leuchter ſtehen auf dem Altar wiegen 27. =:
1. Meßingen Becken a 5. F:
1. Altes zerbrochenes Raucherfaß a 2½ @:
8. An Zinnern Zeug 2 zinnerne Leuchter, a3. =: nebſt einer Lichtputze.
Ein Großer Zinnern Leuchter 10. 7: welchen 40: 1679. Meiſter Michell Bergman undt deßen Ehe—
fran Eliſabeth Leubitzin der Kirchen zu Ihrer gedächtnis verehret,
) 59) =
2
54 Weſtſternberg.
der Vorderſeite des mit ſchönen Meſſingbeſchlägen verſehenen gepreßten Ledereinbandes
eingedruckt „mit einer Majuskel beginnend“ die Minuskelinſchrift: „Anno d[omijni
m cccc l 111 (1453).) Auf der Rückſeite des Einbandes erkennt man die Madonna,
das Lamm mit der Kreuzesfahne ſowie Wappenſchilder mit dem Adler. Die Auf—
ſchrift auf dem Rücken lautet: „Biblia manuscripta“. Auf einer Seite des Vor—
ſatzes hat der ehemalige Beſitzer nachſtehende Bemerkung eingetragen: „IJstuſm]
librulm] legau(v)it dlomilnſuls Magister paulus lutkelius custos eccle[siae]
lubucen sis! In Fürstenwaldis“ = dieſes Buch ſchenkte der Magiſter Paulus
Lutkelius, Kuſtos der Lebuſiſchen Kirche zu Fürſtenwalde). Das Titelblatt ſelbſt
fehlt, während ſich die Regiſterblätter am Ende des Buches befinden. Bemerkt ſei
endlich, daß heute noch das Buch mit einer Kette an dem Ort ſeiner Aufbewahrung
angeſchloſſen iſt.
2.) Hugustini de civitate dei, mit farbig bemalten Initialen Baſel m cccc
Ixxix VII Rla]l aprilis (= 1479
den vierundzwanzigſten April).
Gleichzeitig ſei noch auf die
Inſchrift der erſten Innenſeite
des Umſchlags hingewieſen, die
identiſch iſt mit der entſpre—
chenden handſchriftlichen Be—
merkung in der vorſtehend er—
wähnten Bibel.
3.) Dr. Hartmann Schedel,
Liber cronicarum in figuris et
imaginibus ab initio mundi,
Abb. 38. Droſſen. Jakobikirche, Beſchlag. Nürnberg, A. Koberger. 12. Juli
1493, mit vielen Holzſchnitten.
J.) Opera Joſhlannis Pici, Straßburg 14. März 1504. 2
5.) Missale gedruckt bei Joh. Prüss in Straßburg, 1505.
6.) Missale mit ſehr ſchönen Initialen. Anfang des 16. Jahrhunderts.
7.) Missale Posnanienſ sis]. diocesis mit ſchön bemalten Holzſchnitten und
Initialen. Poſen, 1. April 1505.
Eine zinnerne Kanne a5 =:
Ein zinnern Kelch undt patene a 31 loth.
9. Es ſeindt in der Kirche zwey Klingebeutell.
Ein Gottes Kaſten, darin das ſeckell geldt geleget wirdt,
Ein Lädichen, fo bey der tauffe undt begräbnis gebrauchet wirdt.
Der Stock beym Altar.
Zwey Kaſten in der Sacriſtey darin die Kelche undt daß Kirchen geräthe verwahret werden.
Eine Spinde in der Sacriftey undt oben auf der Bibliothee, darin vor dieſem die bücher ver—
wahret worden.
) In der Matrikel von 1693 iſt die Bibel 1467 datiert; vgl. auch „Daheim“, Jahrg. 1887, Nr. 39
und Nr. 623.
Droſſen. 515
8.) Ein viertes Meßbuch dürfte mit vorſtehendem etwa gleichzeitig ſein. “)
Anläßlich der Inſtandſetzung der Kirche in den achtziger Jahren des 18. Jahr—
hunderts wurden auch die in großer Anzahl vorhandenen Gruftgewölbe geſchloſſen
und die Beigeſetzten durch Aufſchriften, die in die Fußbodenplatten des Chorraumes
) Ein vollſtandiges Verzeichnis des Bücherbeſitzes der Kirche gibt die mehrfach erwähnte Matrikel
wie folgt:
Von den Kirchenbüchern.
Cathalogus Librorum Eceleſiae Droßn:
In folio
Theatrum Zuingeri in 4. Bänden.
Commentarius in Biblia Lyrae in 4. Bände.
Cosmographia Münsteri aber zerrißen.
. Sermones Meffreli alias Hortulus animae.
Biblia Hebr: Graec: et Latin: altera pas a lobo ad Maccabae:
Daß erſte Theill ift geſtohlen.
Biblia Latina fcripta ao: 1467.
. Biblia Latina Hieronymi.
FT
9 —
=
Conradi Gefzneri Vivipara feu quadrupedia.
Conradi Gesneri Aquatilia.
. Introitus feu Misfale Bosnament: Baec:
Se
—
—
. Introitus Dominicales.
)
—
*
. Introitus Dominicales Monach:
so
. Anacephalaeofis Errorum Wimpinae 2. mahl.
. Sententiae Johannis Stobaei.
. Thesaurus Theol: Vogelij.
. Loci Theologici Szepedini.
850 K50 850
f
—
Augustinus de Civitate Dei.
. Wandalia Alberti Crantzii.
Teutſch aber zerrißen.
Römiſche Reichs Abſcheide.
. Commentarius in ius Canonicum.
. Historia Ecclefiastica Nicephori et Tripartita.
. Historia aetatum Mundi Hartmanni Schedelij.
. Chronologia Johann: Funcij et urſpergenſis.
. Musaeus super Genesin:
80.80 50
80 80 080850
9850
IS
=
. Formula Concordiae.
. Florentini Commentarius in Epist: ad Romanos.
. Lutheri Postilla Latina.
. Lutheri Postilla Germanic:
. Lutheri Tom: 1. 2. 3. 4. 5. 6. Latin: Wittenberg:
. Lutheri Tom: 1. Lat. Jenens:
Lutheri Tom: 1. 2. 3. J. 5. 6. Teutſch.
. Itinerarium Bintingij.
. Ofiandri Biblia Germanic.
. Ehurfl. Br. Kirchen Ordnung.
. Eine alte zerrißene Teutſche Postilla.
In quarto.
Gaeſii undt Praetorii Geſangbuch.
Die Teutfche Evangelia ſambt der Franckfurth Agenda.
d n b 0 8 8080
850
—
1.
2
2.
56 Weſtſternberg.
eingelaſſen wurden, namentlich bezeichnet. Dieſe Inſchriften lauten: „Beils Gewelbe,
Weitzmann und Waltersche Begräbnilse, A. S. C. F. Kleinerin, F. F. Kleiner,
Ph. Walterin Begräbnis, Areldusin Begräbnifs, Areldische Begräbniis, Bielitz
des Sohnes Begräbnils und Bielitz des Vaters Begräbnifs.“')
Abb. 39. Droſſen. Jakobikirche, Kelch und Taufkanne—
In octavo,
D.Linckij Annotationes sup. V. Libros Moſi.
Novum Testamentum Graec: et Latin: 2. mahl.
Loci Theol: Philippi Melanchth:
Loci Theol: Rhegij.
Loci Communes Hutteri.
Grammattica Philippi Melanchthonis.
Grammattica Graeca Metzleri.
Grammatt: Graeca Losſij.
9. Vulpii Mufica.
Erwähnenswert iſt die Bemerkung in der Matrikel von 1693, die Begrabnisgebühren betreffend:
„Wan Leuthe begraben werden in der Kirchen undt deßwegen ein Neu Gewölbe bauen, ſo bekömbt die Kirche
von einer erwachſenen Perſon 20 Thllr: Von einer Kleinen die helffte fürg Gewölbe.
Wan Sie aber in der Kirchen im Sande begraben werden, ſo giebet die große perſon Zwey ſchock,
oder 2 Thllr. 16 gr. Wan Sie aber auf den Kirchhoff zu St: Jacob begraben werden, fo giebt die große
perſon Ein ſchock, die Kleine aber halb fo viel.“
eee
De
Droſſen. 57
Von den in der Kirche noch vorhandenen älteren Beleuchtungskörpern ſind an—
zuführen (vgl. Seite 53, Anmerk. 1):
Ein ſechsarmiger, meſſingener Kronleuchter, mit Doppeladler als Bekrönung,
wurde laut Inſchrift am 24. Dezember 1709 von den Mitgliedern der Tuchmachergilde
geſtiftet und zeigt auch das Wappen und die Namen der Mitglieder dieſer Gilde.
Eine Inſtandſetzung des Leuchters fand 1871 ſtatt.
Ein zweiter ebenfalls ſechsarmiger, meſſingener Kronleuchter dürfte mit
jenem etwa gleichzeitig ſein, während ein etwas kleinerer, dritter derartiger Beleuch—
tungskörper ſeiner ſpäteren Formgebung nach zu urteilen etwa 50 Jahre jünger
Abb. 10. Droſſen. Kelche in der Jakobikirche.
anzunehmen iſt. Der auf der Emporenbrüſtung befeſtigte einfachere, geſchmiedete, eiſerne
Standleuchter für vier Kerzen zeigt im Gegenſatz zu den beiden meſſingenen
gotiſchen Altarleuchtern ausgeſprochene Renaiſſanceformen.
Von älteren Kirchengeräten ſind anzuführen:
Ein Kelch (Abb. 39 links), 12,5 cm hoch, ſilbervergoldet, mit rundem Fuß und
Stengel ſowie mit eiförmiger Kuppa, zeigt auf dem Fuß aufgenietet Maria und
Johannes zu Füßen des Gekreuzigten. Die Majuskeln an den Quadern des Knaufes
ſind z. T. verkehrt wiedergegeben. Späteſtens Anfang des 14. Jahrhunderts. Die
zugehörige Patene mit Weihkreuz iſt ebenfalls ſilbervergoldet.
Eine getriebene meſſingene Kirchenkanne (Abb. 39 rechts) mit Deckel, 22, cm
hoch, mit Pfeifen und Perlſtäben ornamentiert, dürfte der zweiten Hälfte des 17. Jahr—
hunderts angehören,
58 Weſtſternberg.
Ein Barockkelch (Abb. 10 rechts), 23,75 cm hoch, Silber, leicht vergoldet, trägt
auf der Unterſeite des Fußes die Inſchrift: „Seine Konigl: Magt: (= Majestät)
in Preüfsen haben auß hohen gnaden diesen Kelch der Reformierten Gemeinde
Zu Drofsen geschenket: d: 11. Julij Ao 1703“. Meiſter G. F. V. Berliner Arbeit.
Der zugehörige Brodteller mit 22,75 em Durchmeſſer zeigt die gleiche Schenkungs—
inſchrift und iſt ebenfalls Berliner Arbeit, trägt jedoch die Meiſterinitialen O. M.
Zwei ſilberne Kelche, 26 cm (Abb. 10 links) bezw. 31 cm hoch, mit zuge—
hörigen Patenen, ſind laut Aufſchrift 1801 von G. Bennewitz geſtiftet.
Eine zinnerne Patene trägt auf ihrer Unterſeite die Jahreszahl 1758.9)
Fünf größere Glocken und zwei Uhrglocken hängen in der Glockenſtube bezw.
in der durchbrochenen Laterne des Turmes.
In der Glockenſtube: Die ſüdöſtliche von 0,67 m Durchmeſſer iſt laut Aufſchrift
von Johann George Maukiſch in Berlin 1783 gegoſſen. Die nordöſtliche von 0,73 m
Durchmeſſer zeigt nachſtehende unzuſammenhängende Aufſchrift: „Anno 1673 den
S. April sind die Glocken Anno 1675 den 6. Oktob, sind die drei grofsen um-
) Die Matrikel von 1693 fährt fort:
An Silberzeuge zum
gebrauche beym Heiligen
Er Abent-Mahl.
1. Seint bey der Droßniſchen Kirche 8. Silberne Kelche, von denen 6. gantz Vergüldet, zwene aber
durch öffteren Gebrauche weiß worden, benebſt 8. Patenichen auch Vergüldet, unter dieſen Kelchen iſt einer,
welchen Adam Weidicke Bürger undt Schuſter alhir Anno 1631. verehret hat.
Es wiegen aber dieſe Kelche,
Der Kelch eus, J flotß
Der Kelch Jefus mit
dem Crues ah.
Der Kelch Maria. . . 23. l.
Der Kelch Maria Maria. . 7. l.
Der Kelch ohne nah—
men mit einem
Gruen ELBE
Der Kelch unten
mit Figure 3
Der Kelch unten mit
Büchſtabe n lh
Der Kleine Kelch für
die Kranddenzdnzʒ arte
Die 8. patenen I; 20. l.
1 Summa: 7 : 5 loth
2. Zu ſolchen Kelchen hat anno 1658 Herr Siemeon Niglaß Gerichtsverwandter alhir, nebſt Seiner
Ehefrauen Frau Eliſabeth Vierhuefen eine Silberne Kanne von 1½ quarte Zier Verguldet, für 54 Thllr:
12 gr. machen laßen undt der Kirchen Verehret, wiegt 3 =:
3. Jugleichen haben auch herr Christian Müller itzo Burger-Meiſter undt Landt-Steüer Einnehmer
undt deßen Ehewirthin Frau Eliſabeth Beylin Ao. 1668. eine Büchſe zu den Hoſtien von getriebenen Silber,
inwendig gantz, auswendig aber meiſtentheils vergüldet, zu Ihrem gedaͤchtnis der Kirchen Verehret. Sie
wieget 16. loth.
Droſſen. 59
gegossen diese aber nebts (= nebst) der kleinen vnd einer Seigerglocke “.“)
Auf der Südhälfte der Haube erkennt man den Gekreuzigten mit Maria, auf der
Nordhälfte eine Madonna in der Art der Voillardſchen Gußſtätte.
Die mittlere von 1,18 m Durchmeſſer weiſt in einer lateiniſchen Umſchrift auf
die zweimalige Zerſtörung der Glocke in den Jahren 1674 und 1736 ſowie auf die
dadurch 1675 nötig gewordene Reparatur und den im Jahre 1737 durch den Kgl.
Preuß. Stückgießer J. P. Meurer in Berlin erfolgten Umguß hin (vgl. auch Beck—
manns Nachlaß im Geh. Staatsarchiv).
Die nordweſtliche mit 0,85 m und die ſüdweſtliche mit 1,03 m Durchmeſſer find
von C. F. Ulrich in Apolda im Jahre 1895 gegoſſen.
In der Laterne: Beide Glocken von 0,85 m bezw. 0,45 m Durchmeſſer ſind
laut Aufſchrift von Franz Voillard im Jahre 1676 gegoſſen. Auch hier erkennt man
die für die Voillardſche Gußſtätte typiſchen Verzierungen, darunter den Gekreuzigten
mit fliegendem Lendentuch.
Die Gerkraudenhirche.
Baugeſchichte.
Wie in der einleitenden Überſicht über die Gotteshäuſer und Hoſpitäler bereits
bemerkt wurde, ſteht der Bau der Gertraudenkirche in engem Zuſammenhang mit der
Errichtung des gleichnamigen Hoſpitals. Die Gründung der Kirche, die wie die ent—
ſprechenden Gotteshäuſer zu Frankfurt oder Berlin-Köln vor
den Mauern der Stadt errichtet war, dürfte alſo bis in
die früheſte geſchichtliche Zeit Droſſens, d. h. bis in das
13. Jahrhundert zurückgehen. Der heutige Backſteinbau
jedoch trat, wie die Bauunterſuchung ergibt, erſt etwa um
die Mitte des 15. Jahrhunderts an Stelle jenes älteren,
wahrſcheinlich aus Fachwerk errichteten, inzwiſchen aber
baufällig gewordenen Gotteshauſes. Urkundliche Nach—
richten über dieſe vorreformatoriſche Bautätigkeit konnten bis Abb. 14. Droſſen. Grundriß der
jetzt nicht aufgefunden werden, dagegen ſteht es nachweislich Gertraudenkirche.
feſt, daß in den Jahren 1578, 1668, 1687 und 1773 zum
mindeſten größere Ausbeſſerungsarbeiten vorgenommen wurden. Im Jahre 1822
überließ der Magiſtrat die Kirche den Katholiken zur Abhaltung ihres Gottesdienſtes vor—
behaltlich des Eigentumsrechtes. Als jedoch am 26. Juli 1822 der König gegen dieſe
Überlaſſung Einſpruch erhob und die Katholiken an die katholiſche Kirche zu Frankfurt
zurückverwies mit der weiteren Beſtimmung für den Magiſtrat, die den Katholiken durch
die Neueinrichtung des Gotteshauſes erwachſenen Koſten zu erſtatten, gelangte die katho—
liſche Gemeinde erſt nach langwierigem Prozeß zu dieſem Gelde. Nach einem in dieſer
Angelegenheit abgefaßten Bericht des Magiſtrats vom Jahre 1827 hatten die Katholiken
) Offenbar find die Zeilen vertauſcht; es ſoll anſcheinend heißen: „Anno 1673 den 8. April find
die drei großen Glocken umgegoſſen.
Anno 1675 den 6, Okt. dieſe aber nebſt der kleinen und einer Seigerglocke.“
60 Weſtſternberg.
bei ihren Ausbeſſerungsarbeiten auch Abänderungen vorgenommen, wozu ſie angeblich
nicht berechtigt waren, indem ſie zwei Türen zumauerten, die alten, in gutem Zuſtand
befindlichen Fenſter herausnahmen, die Offnungen vergrößerten und die herausgenom—
Abb. 12. Droſſen. Gertraudenkirche, Weſtanſicht.
menen Fenſter durch neue erſetzten; denn, ſo heißt es in dem Bericht wörtlich, „die
neuen großen Fenſterſcheiben ſind ſogar unpaſſend zu dem alten gotiſchen Gebäude, und
machen weit mehr Reparaturkoſten nöthig als die früheren kleinen, ſind mithin der
Stadt ein Nachtheil . . .“ Bei der letzten umfangreichen Inſtandſetzung im Jahre 1850
endlich erhielt der Bau abermals neue Fenſter ſowie auch neue Bänke, ſo daß das
Droſſen.
Abb. 13. Droſſen. Inneres der Gertraudenkirche, Blick nach Nordoſten.
62 Weſtſternberg.
Gotteshaus während des Umbaues der Jakobikirche in den Jahren 1877 und 1878
zur Abhaltung des Gottesdienſtes mitbenutzt werden konnte. Zum Schluß ſei noch
bemerkt, daß der Kruzifixus ſowie die zwei Leuchter und die ſchwarze Altarbekleidung
eine Stiftung des Oberleutnants a. D. Samuel Friedrich Schober darſtellen, der auch das
heutige Altarbild ſchenkte, eine minderwertige Kopie der Rubensſchen Kreuzabnahme,
durch die leider das alte aus dem 17. Jahrhundert ſtammende, auf Holz gemalte
Altargemälde, das heute dem Altartiſch als Deckplatte dient, verdrängt wurde.
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Abb. 44. Droſſen. Friedhof, Erbbegrabnis der Familie Bennewitz.
Baubeſchreibung.
Gebäude. Die Gertraudenkirche (Abb. 41) iſt ein im Grundriß rechteckiger zweijochiger Back—
ſteinbau mit dreiſeitigem Oſtſchluß. Die auf den Außenſeiten der Umfaſſungsmauern er—
haltenen einfachen Strebepfeiler laſſen auf eine urſprünglich beabſichtigte Wölbung
ſchließen, die jedoch, wie man aus mehreren über den abgetreppten ſpitzbogigen Wand—
bögen ſitzenden, vielleicht für Malereien beſtimmten, flachſtichbogigen Niſchen im Innern
ſchließen darf, niemals zur Ausführung kam. Der über einem Sägefries errichtete Weſt—
giebel (Abb. 42) wird nur durch flache Spitzbogenniſchen und einfache fialenartige Aufſätze
belebt. Der Verband der Umfaſſungsmauern weiſt einen regelmäßigen Wechſel von
einem Läufer und einem Binder auf. Das Backſteinformat mißt der Höhe nach 10 cm,
der Breite nach 13 cm und der Länge nach 29 em; auf zwei Meter Höhe kommen
Droſſen. 63
ſechzehn und eine halbe Schicht. Ein zweiteiliges, ſpätmittelalterliches Fenſter durch—
bricht heute noch die mittlere Polygonſeite des Oſtſchluſſes, während zwei ebenſolche
ehemals auf der Süd- und Nordſeite des Weſtjoches ſitzende Lichtöffnungen heute von
außen nur noch als vermauerte Niſchen zu erkennen ſind. Urſprünglich vermittelte
ein jetzt ebenfalls vermauerter, in der Achſe der Weſtfront ſitzender Doppelzugang, der
von zwei durch einen Pfeiler getrennte Spitzbogenöffnungen mit abgetreppten Leibungen
gebildet wird, den Verkehr mit dem Innern. Eine über dem Mittelpfeiler zwiſchen
den Spitzbögen angebrachte Niſche iſt flachſtichbogig geſchloſſen. Eine Wetterfahne
über dem weſtlichen Firſtende des Ziegeldaches wurde laut Inſchrift im Jahre 1668
angebracht. Für einen in dieſem Jahr vorgenommenen Umbau ſind ſelbſt heute noch
Abb. 15. Droſſen. Friedhof, Erbbegräbnis der Familie Krauſe.
trotz der mehrfachen ſpäteren Inſtandſetzungen manche Anhaltspunkte gegeben. So
weiſt ein, von Weſten her gerechnet, über den Scheiteln der erſten Wandbögen
liegender Unterzug mit der Inſchrift: „Anno 1668 den 11. September“ auf den Tag
der Fertigſtellung der flachen Holzdecke hin (Abb. 43). Auch der Fußbodenbelag
dürfte, ſoweit er zum Unterſchied von den Backſteinen mittelalterlichen Formats aus
quadratiſchen Flieſen von 2020 cm und 28728 em beſteht, auf eine jüngere Bauzeit
zurückgehen.
Dem Jahre 1668 gehört das alte Altargemälde an, das, wie ſchon erwähnt,
jetzt auf dem Altar gewiſſermaßen als Deckplatte dient. Von ſeiner größtenteils
zerſtörten Inſchrift iſt nur noch zu Füßen des handwerksmäßig gemalten Gekreuzigten
die vorſtehend wiedergegebene Jahreszahl zu entziffern. Auch der Kanzelkorb mit
Innere
Ausſtattung.
64 Weſtſlernberg.
ſeinen auf kleinen Konſolen ſtehenden Eckſäulchen und den gequaderten Rundbogen—
niſchen in den Brüſtungsfüllungen, die Weſtempore, ſowie endlich die beiden
ſechsarmigen von einem Doppeladler bekrönten, ſonſt einfacheren meſſingenen Kron—
leuchter ſind in dieſe Bauzeit zu ſetzen.
Der Einbau unter der Empore ſowie
die in der Südweſtecke nach dem Dach—
boden führende Treppe gehoren dem
19. Jahrhundert an.
Von drei Kirchhöfen iſt in
der Beantwortung der Indagandaakte
im Regierungsarchiv zu Frankfurt vom
Jahre 1814 die Rede. Von ihnen
befand ſich der damals bereits ge—
ſchloſſene mitten in der Stadt bei
der Jakobikirche, während der zweite
vor dem Zielenziger, der dritte vor
dem Frankfurter Tore lag; heute iſt
nur noch der letztere mit ſeiner „Be—
gräbniskirche“, der vorſtehend beſchrie—
benen Gertraudenkirche, erhalten. Trotz
ſeines hohen Alters gehen aber die
vorhandenen älteſten Grabdenkmäler
nicht weiter zurück als bis zur Wende
des 18. Jahrhunderts. Unter ihnen
find am bemerkenswerteſten die monu—
mental angelegten Gruftbauten, wie
die Bennewitzſche Gruft!) (Abb. 41)
oder das Erbbegräbnis für die Familie
Krauſe (Abb. 15). Als beſcheideneres
Einzeldenkmal mit etwas handwerks—
mäßig modellierter, figürlicher Beigabe
ſei das Grabmal (Abb. 46) der Frau
A. M. Hübner geb. Richter, geb. 20.
Juli 1738, geſt. 21. Februar 1802, hier
Abb. 16. Droſſen. Friedhof, Grabmal. wiedergegeben.
Das Rathaus.
Das Rathaus (Abb. 17), ein nüchterner gotiſierender Putzbau, wurde an Stelle
eines alten, ſpätgotiſchen Backſteinbaus nach den Plänen des Regierungs- und Baurats
) Georg Wilhelm Bennewitz, Kaufmann, geb. 31. Dezember 1741, geſt. 16. Februar 1798.
Droſſen. 65
Flaminius in den Jahren 1842 bis 181 errichtet. Das angeblich wegen Baufälligkeit im
Oktober 1841 leider niedergeriſſene alte Gebäude (Abb. 48) war nach Holtzinger in den
Jahren 1543 und 1544 erbaut worden. Zum Jahre 1599 iſt bei Beckmann der Bau zweier
Gewölbe am Rathaufe verzeichnet, die jedoch 1646 wieder eingefallen ſeien. Der weitere
Bericht bei Beckmann: „1655 ward zu Rahthauſe von der Judit geſpielet“ beweiſt, daß
ähnlich wie ſchon im 17. Jahrhundert im Frankfurter Rathaus auch hier in Droſſen
von wandernden „Komödianten“ Theateraufführungen veranſtaltet wurden. Derſelbe
Gewährsmann ſchildert den Bau wie folgt: „Das Rahthauß iſt gantz von Stein
mitten auf den Markt, Audience Stube oben, vorwerts nach Norden unter welcher die
Abb. 17. Droſſen. Rathaus und Kirche.
Accise Stube, ſo gewölbet und vorhin die gerichts Stube geweſen.“ Dieſe Beſchreibung
wird vervollſtändigt durch die Wiedergabe des Rathauſes auf der Merianſchen Stadt—
aufnahme und vornehmlich durch eine Abbildung des alten Rathauſes auf einer Schützen—
ſcheibe aus dem Jahre 1841 in dem im jetzigen Rathaus untergebrachten Muſeum.
Darnach war das alte Rathaus ein zweiſtöckiger, langgeſtreckter, an den Ecken und
auf den beiden Längsſeiten mit einfach abgeſtuften Strebepfeilern beſetzter Backſteinbau,
deſſen mit einem reicher durchgebildeten Backſteingiebel geſchmückte Hauptfront nach
Norden gerichtet war. Ein in der Achſe dieſer Giebelſeite angelegter Zugang war
ſpitzbogig geſchloſſen im Gegenſatz zu den meiſt rechteckigen Fenſterausſchnitten des
Gebäudes. Eine zweite Tür führte von Oſten her nach dem Innern. Auf den Süd—
giebel, der anſcheinend Renaiſſanceformen zeigte, dürfte ſich eine Notiz bei Beckmann
bezogen haben, nach der im Jahre 1602 der Giebel am Rathauſe erbaut worden jet.
Kunſtdenkm. d. Prov. Bröbg. VI. 3. Weſtſternberg. 5
66 Weſlſlernberg.
Trotz der mangelhaften Wiedergabe des alten Rathauſes auf der Schützenſcheibe zeigt
ein Vergleich unſerer Abb. 48 mit dem Flaminiusſchen Bau zur Genüge, welch
maleriſches Geſamtbild mit der hochragenden Jakobikirche im Hintergrund durch den
unglücklichen Erſatzbau zerſtört wurde.
Das im Rathaus in neuerer Zeit eingerichtete Muſeum birgt, abgeſehen von
2
2
2
Abb. 48. Droſſen. Altes Rathaus auf einer Schützenſcheibe vom Jahre 1841.
vorgeſchichtlichen Funden, außer jenem vorerwähnten Schützenſcheibenbild noch eine
Anzahl weiterer Schützenſcheiben meiſt aus der erſten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Von
den mannigfaltigen übrigen Muſeumsgegenſtänden ſeien ihrer gegenwärtigen Anordnung
nach genannt: viele Bruchſtücke von ehemaligen Ausſtattungsſtücken der Renaiſſance—
und Barockzeit, darunter eine Wetterfahne der früheren Georgenkapelle mit der In—
- .- iS — . * - 0 — ie —
ſchrift 68, ſowie mehrere Bauern- und Bürgerepitaphien der erſten Hälfte des
Droſſen.
e, Blick nach Oſten.
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Straf
Breite
x
8
Droſſen.
Abb. 49.
WHOLE oe e
Apa
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68
Weſlſlernberg.
Droſſen. 69
19. Jahrhunderts aus der Jakobikirche, endlich verſchiedene neuere Pläne dieſes Gottes—
hauſes. Ferner ſind zu nennen: eine große Anzahl von Fiſchereigeräten und Innungs—
truhen; dazu außerdem ein vollſtändiges Verzeichnis der Schützenkönige beginnend mit
dem Jahre 1645; eine reichhaltige Münzenſammlung, mehrere Siegel und Siegelſtöcke
der verſchiedenen Gewerke; ein Herbergsſchild der Maurergeſellen; viele Schlöſſer,
Türklopfer und Schlüſſel; eine Anzahl der verſchiedenſten Maßgefäße. Neben Bau—
entwürfen der mannigfaltigiten Art find Lehrbriefe u. dgl. m. ausgeſtellt, dazu kommen
Innungsfahnen ſowie Gildenpokale aus dem 18. Jahrhundert bis zur Neuzeit. Kultur—
geſchichtlich von Bedeutung ſind auch die Löſch- und Hausgeräte ſowie Waffeleiſen,
Honigkuchen- und Handdruckformen. In der Mitte des Saales endlich ſind in Schränken
Aktenſtücke und Urkunden aus dem 16. Jahrhundert bis zur Neuzeit ausgeſtellt,
ferner die Euchlerſche Aufnahme der Stadt (vgl. Tafel 2) und mehrere z. T. ältere
Buchdrucke.
Wohnhäuſer.
Infolge der vielen Brände, die Droſſen im Laufe der Jahrhunderte heimſuchten,
dürften nur wenig Wohnhäuſer vorbarocke Reſte aufweiſen; hierher gehört das Haus
Alter Markt Nr. 5. Sein aus Fachwerk errichtetes Obergeſchoß, das nach der Markt—
ſeite zu erſt in jüngerer Zeit völlig überpußt wurde, gehört zwar auch anſcheinend erſt
einer Zeit an, die nach einem der ſpäteren Stadtbrände folgte; im maſſiven Unter—
geſchoß dagegen läßt unzweifelhaft ſchon das mit Sitzniſchen verſehene, ſtichbogig
geſchloſſene Hauptportal auf das 16. Jahrhundert als die Zeit ſeiner Entſtehung ſchließen.
Dieſe Schlußfolgerung wird noch beſtätigt durch die charakteriſtiſche Balkendecke im
Erdgeſchoß mit den ſchmalen, weißgetünchten Zwiſchenfeldern, die an den Kanten der
Unterzüge dieſelbe typiſche Frührenaiſſance-Profilierung zeigt wie die frei vorgelegten
Wandſtützen in dem Erdgeſchoßraum ſüdlich vom Hausflur.
Auf vorbarocke Reſte in anderen Häuſern ſoll hier, weil ſie kunſtgeſchichtlich
zu belanglos ſind und auch namentlich im Straßenbild nicht in die Erſcheinung treten,
nicht weiter eingegangen werden. Die übrigen älteren Wohnhäuſer aber, die Fach—
werkhäuſer nicht ausgeſchloſſen, tragen überwiegend das Gepräge von Bauten aus
dem 18. und dem Anfang des 19. Jahrhunderts und ſollen in alphabetiſcher Reihenfolge
nach Straßennamen geordnet möglichſt unter Hervorhebung der hauptſächlichſten Eigen—
tümlichkeiten nachſtehend aufgeführt werden: ſo bilden im Gegenſatz zu benachbarten
ſchematiſchen Backſteinbauten der neueren Zeit die beiden Fachwerkhäuſer Alter
Markt Nr. 3 und Nr. 4 eine bemerkenswerte, maleriſche Gruppe. Wiederum ein
abwechslungsvolles Bild zeigt mit ihren Fachwerkhäuſern die Breite Straße (Abb. 19).
Hier folgen auf die beiden zweiſtöckigen Bauten Nr. 1 und Nr. 3 mit ihrer der Straße
zugekehrten Traufe Häuſer mit abgewalmtem oder einfachem Giebel wie bei Nr. 8
und Nr. 10, um dann von den einſtöckigen Bauten Nr. 11 und Nr. 17 oder von dem
zweiſtöckigen Fachwerkhaus Nr. 21 abgelöſt zu werden. Auch die im Bogen ſich hin—
ziehende Kirchſtraße (Abb. 50) beſitzt noch mehrere Bauten dieſer Art; erwähnt
ſeien die kleinen, einſtöckigen Beiſpiele Nr. 5, 6 und 7 ſowie Nr. 13, die jedoch zurück—
0 Weſlſlernberg.
Abb. 51. Droſſen. Jakobikirche, Südſeite, im Vordergrund das Pfarrhaus.
171
Droſſen.
— —
— ——
eee rn PR eee bung allarg;
89 9978
2 Weſlſternberg.
Abb. 53. Droſſen. Lange Straße, Blick nach Südoften.
treten müſſen, verglichen mit dem langgeſtreckten,
zweiſtöckigen, im Jahre 1751 ebenfalls aus Fach—
werk errichteten Spinnhaus am Kirchplatz ſüd—
weſtlich von der Kirche. Der bedeutendſte Bau iſt
endlich das aus dem 17. Jahrhundert ſtammende
Pfarrhaus (Abb. 51), das die Südſeite des Kirch—
platzes abſchließt.
In weſentlichem Gegenſatz zu den Fachwerk—
bauten ſtehen die Putzfaſſaden, von denen wohl die
Lange Straße die verſchiedenartigſten Beiſpiele auf—
zuweiſen hat. Mag auch noch manches Fachwerkhaus
unter dem Putz verborgen ſein, ſo dürfte die Mehr—
zahl der Bauten mit maſſiven Umfaſſungsmauern
aufgeführt worden fein. Einfachere, einſtöckige Putz—
bauten wechſeln zunächſt mit ebenſo ſchlichten aber
Abb. 54. Droſſen. Grundriß one zweiſtöckigen, ihrer architektoniſchen Durchbildung nach
Poſtſtraße Nr. 1. aus dem Ende des 18. Jahrhunderts ſtammenden
Droſſen. 73
Häuſern in der Langen Straße Nr. 1 bis 5. Wenn auch das Gaſthaus zur Goldenen
Sonne, Lange Straße Nr. 6 in dem Dreieckgiebelaufſatz der von Liſenen geglie—
Abb. 55. Droſſen. Eingang zur Roſenſtraße.
derten, zweiſtöckigen Faſſade unter dem aus den Buchſtaben E. F. B. gebildeten
Monogramm die Jahreszahl 1835 zeigt, ſo dürfte doch der Bau, nach ſeiner für die
erſte Hälfte des 18. Jahrhunderts typiſchen Durchbildung und vor allem nach den
Reſten ganz einfacher Stuckdecken im erſten Obergeſchoß zu urteilen, etwa 100 Jahre
74 Weſlſternberg.
älter ſein. Bemerkenswerte Formenverwandtſchaft zeigen die beiden Häuſer Lange
Straße Nr. 8 und Nr. 11 mit ihren in der Achſe des Mittelriſalits ſitzenden Zugängen
und den von Liſenen flankierten Fenſtern des Obergeſchoſſes. Ihre architektoniſche
Gliederung weiſt ebenſo wie die formale Durchbildung des Meſſingbeſchlags auf den
Ausgang des 18. Jahrhunderts hin. Auch der ſechsachſige, zweiſtöckige, ebenfalls nur
über dem Gurtgeſims durch Liſenen gegliederte Bau Nr. 12 dürfte etwa zur gleichen
Zeit aufgeführt worden ſein, zum Unterſchied von dem Haus Lange Straße Nr. 13,
Abb. 56. Droſſen. Frankfurter Vorſtadt.
das mit feinen durchgehenden Liſenen ebenſo wie die benachbarte maleriſch beranfte
Faſſade Nr. 14 etwas jünger iſt (Abb. 52 im Vordergrund rechts). Ausgeſprochene
Rokokoformen zeigt u. a. in den als Muſcheln geſtalteten Fenſterſchlußſteinen die
Faſſade Nr. 16 (Abb. 53 im Vordergrund links), während das aus dem Anfang
des 19. Jahrhunderts ſtammende Haus Nr. 19 einen bemerkenswerten Meſſingbeſchlag
aufweiſt. Auch in der Folge reihen ſich Gruppen von zweiſtöckigen Bauten mit
durchgehenden oder nur im Obergeſchoß vorhandenen Liſenen wie bei Nr. 20 be—
ziehungsweiſe Nr. 40 an ganz ſchlichte Putzfaſſaden, um wieder abgelöjt zu werden von
Gruppen mit vorſpringendem oder zurückliegendem Mittelriſalit, z. B. Nr. 29 bis 36
und Nr. 43 beziehungsweiſe Nr. 42. Von jenen verdient das Haus Nr. 29 noch be—
ſonders hervorgehoben zu werden wegen ſeines von Pilaſtern eingefaßten, nach oben
Droſſen. 75
von einem Rundbogen abgeſchloſſenen, klaſſiſch ſchlichten Balkoneinbaus. So legen
alle dieſe älteren Bauten der Langen Straße, ſelbſt Nr. 45 mit ſeinem abgewalmten
Giebel und auch die ganz ſchlichten Putzfaſſaden Nr. 46 bis 52 nicht ausgeſchloſſen,
Zeugnis ab von der regen Bautätigkeit, die namentlich in dieſer Hauptverkehrsſtraße
der Stadt im 18. und 19. Jahrhundert herrſchte.
Späteſtens dem Anfang des 18. Jahrhunderts mag wohl die Häuſergruppe Neuer
Markt Nr. 7, 8 und 9 angehören, in der ſich der zuerſt genannte Bau durch ſeine ſicher
aus ſpäter Zeit ſtammende Faſſade mit dem durch Pilaſter geteilten Obergeſchoß hervorhebt.
0
HA e
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Abb. 57. Droſſen. Kietzer Straße.
Von den drei Bauten Poſtſtraße Nr. 1, 19 und 24 zeichnet ſich der erſtgenannte,
ein zweiſtöckiger Fachwerkbau aus dem Anfang des 19. Jahrhunderts mit ſeinem ab—
gewalmtem Giebel durch einen intereſſanten Grundriß (Abb. 54) mit der „ſchwarzen
Küche“ aus; die beiden anderen gehören trotz des gebrochenen Daches bei Nr. 19
in ihrem heutigen pilaſtergeſchmückten Gewand, nach den vorhandenen Rokokoformen
zu ſchließen, dem letzten Drittel des 18. Jahrhunderts an.
So einfach endlich die nahezu dürftigen Fachwerkhäuſer Roſenſtraße Nr. 5,7
und 9 ſind (Abb. 55), ebenſo ſchlicht zeigen ſich die überwiegend einſtöckigen Putzbauten
im Stadthof.
Zum Schluß ſei noch in der Frankfurter Vorſtadt (Abb. 56) auf die mit
Vorgarten verſehenen Fachwerkbauten Frankfurter Straße Nr. 54 und 55 ſowie
76 Weititernberg.
Abb. 58. Droſſen. Fachwerkhäuſer in der Parkſtraße.
auf die typiſchen Häuſer in der Kietzer Straße (Abb. 57) hingewieſen, während in
der Zielenziger Vorſtadt u.a. die maleriſchen Fachwerkhäuſer in der Parkſtraße
(Abb. 58) Erwähnung verdienen.
Frauendorf.
Trauendorf, Straßendorf 5,5 km ſüdlich von Göritz. 592 Einw., Landgem.
758 ha, Gutsbez. 676 ha.
Der Name des Dorfes hängt vielleicht damit zuſammen, daß ſich hier zeitweilig
das ſpäter nach Göritz gebrachte wundertätige Marienbild befand (Wohlbrück, Bistum
Lebus III, 510). 1367 beſtätigte Markgraf Otto aus dem Hauſe Wittelsbach dem Lebuſer
g Domkapitel den Beſitz von „Vrouwendorff“, das
es von den Gebrüdern Sack erkauft hatte (Geh.
Staatsarchiv, Urk. des Hochſtiftes Lebus; val.
Riedel, Coder XX, 236). Einem lebuſiſchen
Kirchenkataſter aus dem 15. Jahrhundert zufolge
umfaßte die Gemarkung 40 Hufen, „das dorff
hot NL hüben“, von denen der Pfarrer 3,
der Schulze 4 Freibufen beſaß. 1563 verkaufte das
Abb. 59. Frauendorf. Grundriß der Kirche. Domkapitel ſeinen Beſitz dem Markgrafen Johann
*
Droſſen — Frauendorf. TR
Georg. In Urkunden im Radacher Herrenhaus aus der Zeit um 1600 wird Joachim
v. Winterfeld auf Frauendorf und Sandow genannt. Friedrich Wilhelm J. erkaufte
das Dorf 1716 vom Oberforſtmeiſter v. Lüderitz. Die Zahl der Einwohner ſtieg hier,
im Mittelpunkte eines großen Amtes, ſehr an, ſodaß zu Beginn des 19. Jahrhunderts hier
352 Einwohner, darunter 8 Bauern, 9 Koſſäten und 35 Büdner, ſaßen (Bratring,
Beſchreibung der Mark III, 279). Das Rittergut, früher Amtsvorwerk, iſt ſeit 1841
Prinzlich-Preußiſches Fami—
lienfideikommiß (vgl. Berg—
haus, Landbuch III, 274).
Die Kirche (Abb. 59 u. 60),
ein im Grundriß einfach recht—
eckiger, von Efeu völlig über-
wucherter maſſiver Putzbau
mit Weſtturm und einer dem
öſtlichen Drittel der Nord—
ſeite vorgelegten Patronats—
loge, gehört in ihrer heutigen
Geſtalt der erſten Hälfte des
18. Jahrhunderts an.) Der
Weſtzugang und das Portal
auf der Nordſeite ſchließen
im Gegenſatz zu den rund—
bogigen Lichtöffnungen des
Gotteshauſes nach oben ſtich—
bogig. Der Zugang auf der
Oſtſeite der im Innern flach—
gedeckten Patronatsloge iſt
ebenſo wie die Fenſter dieſes
Bauteils einfach rechteckig ge—
ſtaltet. Das Kirchenſchiff be—
ſitzt eine Voutendecke. Der
Orgelempore im unteren
Turmgeſchoß entſprechen auf der Nordſeite ſowie auf der halben Südſeite des Kirchen—
innern Emporeneinbauten.
Die hinter dem Altar errichtete einfache Barockkanzel mit dem Paſtorenſtuhl
zeigt über dem Deckel das Monogramm Friedrich Wilhelms J., überragt von einer Krone.
Die Orgel gehört der Mitte des 19. Jahrhunderts an.
An den Wänden hängen Erinnerungstafeln an die Kriegsjahre 1813, 1814
und 1870.
) Vgl. auch Beantwortung der Indagandaakte vom Oktober 1814 (Regierungsarchiv zu Frankfurt):
„Das Kirchengebäude ſteht der Angabe nach fünfundſiebzig Jahre.“
Abb. 60. Frauendorf. Kirche von Südoſten.
78 Weſlſlernberg.
Abb. 61. Frauendorf. Denkmal in der Kirche.
Frauendorf — Groß-Gandern. 19
Links vom Altar befindet ſich das am 6. Auguſt 1801
für die erſte und zweite Frau des Amtsrats Haack aus ver—
ſchiedenfarbigem Marmor verfertigte Denkmal (Abb. 61).
Es beſteht aus einem mit Eckakroterien und kleinen
Giebelaufſätzen über jeder Inſchriftſeite verſehenen vier—
eckigen Unterbau und einer ebenfalls mit Inſchrift ge—
ſchmückten halben Säule; die das Denkmal bekrönende
Vaſe im Empiregeſchmack trägt das Doppelbildnis der
beiden Frauen.
Die beiden ſilbernen Kelche (Abb. 62), 22, cm
hoch, innen ſtark vergoldet, in reichen Rokokoformen
mit zugehörigen Patenen wurden 1776 von der Familie
Haack geſtiftet, Berliner Arbeit, Goldſchmied Meyer; auf
denſelben Stifter gehen vielleicht auch zwei Kommunions—
tücher aus weißer Seide mit dem Namenszug J. C. H.
zurück.
Vorhanden ſind außerdem noch: eine ſechseckige
zinnerne Deckelflaſche, 25cm hoch, mit der Inſchrift:
„Kirchenflasche zu Fraundorf 1768“ (Abb. 63 rechts);
eine gleichfalls zinnerne, gleichaltrige Ziborienſchachtel
4 : ; ’ 5 Abb. 62. Frauendorf.
(Abb. 63 links) und ein kleiner, anſcheinend ebenfalls Kelch in der Kirche.
der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts angehöriger Krankenkommunionskelch mit
Patene aus demſelben Metall. Die übrigen Kirchengeräte in häßlichen modern—
gotiſchen Formen wurden im Jahre 1905 angeſchafft.
Zwei Glocken. Die weſtliche mißt 0,95 m, die öſtliche 0,75 m im Durchmeſſer,
beide ſind von Guſtav Collier in Zehlendorf 1898 gegoſſen.
Groß-Gandern.
Groß-Gandern, Angerdorf 15,5 km ſüdöſtlich von Reppen. 778 Einw.,
Landgem. 1873, Gutsbez. 1647 ha.
Unter den Dörfern, die im Jahre 1350 laut Urkunde vom 24. Dezember der
Johanniterorden von denen von Klepzig erkauft hatte, befand ſich auch „Gander“
vgl. Abdruck nach der Dickmannſchen Sammlung im Geh. Staatsarchiv bei Riedel,
Codex XIX, 137). Die Gemarkung umfaßte laut Lebuſer Regiſter aus dem 15. Jahr—
hundert 54 Hufen, von denen 4 Freihufen dem Pfarrer zuſtanden. „Dy Grenitz zeum
Gander“ wird in einer Urkunde von 1437 erwähnt; laut Urkunde vom 17. März 1438
waren „Peter von Loſſow, zu Drenczig geſeſſin, und die Inwonere des Dorffis
Gander“ im Zwiſt mit den „Lobener zu Thamendorff“ (Geh. Staatsarchiv, Urk.
märkiſcher Ortſchaften, Gander Nr. 1; vgl. Riedel, B. IV, 1644; Urkunde Gander,
Nr. 2, mit 5 wohlerhaltenen Siegeln), und in einem Lehnbrief von 1486 für Hans
Loſſow wird „Gander“ ein Städtchen, „Stettichen“, genannt (Riedel XX, 168).
80 Weititernberg.
Vom 16. Jahrhundert bis
nach 1724 ſind hier viele
Mitglieder der Loſſows,
nachweisbar. Zu Beginn
des 19. Jahrhunderts
ſaßen im Dorfe die von
Oppen (Bratring, Be—
ſchreibung der Mark III,
278; vgl. Berghaus,
Landbuch III, 286). Seit
1871 iſt das Rittergut
Beſitz der fürſtlich-hohen—
zollernſchen Familie. Das
Dorf führt den Zuſatz
„Groß“ ſchon im 17. Jahr-
hundert, wie aus einer
Vaſallentabelle von 1644
hervorgeht (v. Eickſtedt,
Beiträge zu einem neueren
Landbuch, S. 287).
Einem Viſitations—
protokoll im Groß-Gan—⸗
dernerKirchenrechnungs—
buch vom 27. Mai 1719
zufolge war das damalige
Gotteshaus, das vollſtän—
Abb. 63. Frauendorf. Taufkanne und Oblatenſchachtel in der Kirche. dig aus Holz hergeſtellt
war, einen Turm und in
der Mitte ein kleines „Signirglöcklein“ hatte, ſo baufällig, daß an ſeiner Stelle ein
Jahr ſpäter die heutige Kirche aus Backſteinfachwerk errichtet wurde. Dieſer Bau, der
vor drei Jahren abgebrochen wurde, zeigte 5
eine im Grundriß (Abb. 64) langgeſtreckte
Anlage mit dreiſeitigem Oſt- und Weſtſchluß,
während ſich dem mittleren Drittel der Nord—
und Südſeite je ein Anbau vorlegte. Der
vor der mittleren Polygonſeite des Weſt—
ſchluſſes noch bis zum Jahre 1750 erhaltene
Holzturm mußte dann bis auf den heute
noch ſtehenden Unterteil wegen Baufälligkeit
abgetragen werden. Eine Wetterfahne auf
der weſtlichen Dachſpitze zeigte die an das Abb. 64. Groß-Gandern. Grundriß der Kirche.
Frauendorf — Groß-Gandern. 81
BVL
Patronat derer von Loſſow im 17. Jahrhundert erinnernde Inſchrift 1 7 (Chriſt.
B. v. Loſſow, Sebaſtian v. Loſſow)z die öſtliche Dachſpitze zierte ein Hahn. Die Lichtöffnungen
waren ebenſo wie die Zugangstüren einfach rechteckig. Eine Tür führte auf der Süd—
ſeite des entſprechenden Vorbaus nach der Treppe der ehemaligen Patronatsloge.
Rechts davon gelangte man durch eine zweite Offnung nach dem flachgedeckten mit
Mittelſtützen verſehenen Kircheninnern; außerdem dienten 2 Treppen im nördlichen
Vorbau und je eine an der nordweſtlichen ſowie an der öſtlichen Innenſeite der
Kirche und im Turm als Zugangs—
treppen zu den auf der Nord- und
Weſtſeite vorgeſehenen Emporen.
Der Zugang zu dem nach einer
Aufzeichnung im Kirchenrechnungs—
buch unter dem Gebäude vorhandenen
Gruftgewölbe iſt nachträglich ver—
mauert worden.
Der Altar zeigte im Mittelfeld
ſeines z. T. zerſtörten, ſeiner Zu—
ſammenſetzung nach dem Jahre 1602
angehörigen Aufbaues, die anſchei—
nend von einem älteren Ausſtattungs—
ſtück übernommene Geſtalt Gottvaters
in Hochrelief. Ferner erkannte man
auf dem linken Flügel des Altar—
ſchreins die heilige Anna, auf dem rech—
ten Maria, während in der Predella
und im oberſten Aufbau der damals
üblichen Reihenfolge entſprechend die
Darſtellungen des Abendmahls und
der Auferſtehung angebracht waren.
Die Kanzel war barock. Die
Innenſeite ihrer Zugangstür wies noch bunte Bemalung auf.
Die im Grundriß ſechseckige Renaiſſancetaufe in Kelchform (Abb. 65), deren
zerſtörten Deckel man unter der nördlichen Emporentreppe aufbewahrte, wurde nach
einer Inſchrift im Jahre 1750 auf Koften des Fräulein Chriſtina Loyſa v. Widawſfki
„reſtauriert“. Die 6 Außenſeiten der oberen Hälfte zeigten abwechſelnd aufgemalte
Engelsköpfchen und Wappen der Stifter mit entſprechend darüber angebrachten Bibel—
ſprüchen und auf die Stifter bezugnehmenden Inſchriften. Nach der einen über dem
Wappen des Melcher v. Loſſow, „Jacops des Eltern Sohn“, angebrachten Inſchrift
hatte dieſer im Mai 1622 die Taufe „malen und verfertigen“ laſſen. Der anderen
Inſchrift, die ſich auf Barbara geb. Winnig, Witwe des Jacob v. Loſſow des
„Eltern“ bezog, war die Jahreszahl 1611 beigefügt. Das dritte Wappen endlich zeigte
3 Sicheln und gehörte der Eliſabeth Erdmuht geb. Winnig an. Die zinnerne Tauf—
Abb. 65. Groß-Gandern. Taufe in der Kirche.
Kunſtdenkm. d. Prov. Bröbg. VI. 3. Weſtſternberg. 6
82 Weſlſlernberg.
ſchüſſel war laut Aufſchrift eine Stiftung der Friederike Metzner und ſtammte aus
dem Jahre 1843.
Die Orgel zeigte ein einfaches barockes Gehäuſe und war ſehr beſchädigt.
Ein hinter dem Altaraufbau ſtehender zweitüriger Spätrenaiſſanceſchrank
aus Kiefernholz mit aufgemalten reichen Ornamenten beſaß auf der Außenſeite der linken
Tür das Wappen des Melcher v. Loſſow und die Jahreszahl 1622, das entſprechend
auf der rechten Tür aufgemalte Wappen mit der gleichen Jahreszahl gehörte ſeiner
Ehefrau Eliſabet geb. Ertmut an. Die Inſchrift über den Türen endlich bezeichnete
den Schrank als „Ornaht Spindt“.
Außer einem barocken Leſepult waren noch vorhanden: eine hölzerne Toten—
tafel auf der Nordempore für Johanna Friederica v. Loſſow, geb. 2. Okt. 1742,
geſt. 19. Jan. 1743; am Fuße erkannte man die Wappen derer v. Loſſow und v. Rohr.
Zwei hintermalte Glastafeln in Holzrahmen hängen rechts und links von der
Kanzel. Die öſtliche zeigte den Gekreuzigten zwiſchen den Schächern und zwei männliche
und ebenſoviel weibliche Figuren am Fuße des Kreuzes, außerdem entſprechende Begleit—
ſprüche und die Jahreszahl 1718. Die Figurengewänder und die Buchſtaben waren gold—
farben auf braunem Grund, die Körperteile ſilbergrau. Die weſtliche zeigte eine Inſchrift,
nach der die Anfertigung zu Ehren der Johanna Lucretia Warmborn (geb. 21. Aug. 1691,
geſt. 12. April 1717) durch ihren Bruder Samuel Adolph Warmborn erfolgte.
Weiter öſtlich endlich hing die hölzerne Totentafel des Predigers Chriſtian
Warmborn, geb. 24. Dez. 1654 zu Sandow, geſt. 5. Nov. 1725; auch ſie war von
ſeinem Sohne Samuel gemalt.
Zwei meſſingene Renaiſſancekronleuchter waren modern.
Zwei barocke Altarleuchter aus Zinn wurden laut Kirchenrechnungsbuch im
Jahre 1674 für 2 Taler und 23 Silbergroſchen angeſchafft.
Ein ſilberner Abendmahlskelch, 23 cm hoch, war 1854 von Perponcher—
Sedlnitzky geſtiftet worden. Die zugehörige Patene war etwas jünger.
Zwei Glocken. Die ſüdliche von 0,77 m Durchmeſſer zeigte am Hals 12 Medaillen
mit Darſtellungen aus der Lebens- und Leidensgeſchichte des Herrn und mit Evangeliſten-“
ſymbolen. Die nördliche maß 0,59 m im Durchmeſſer, beide waren noch mittelalterlich.
0 Ein großer Teil dieſer Ausſtattungsſtücke
dürfte in die neue Kirche übernommen werden.
Klein-Gandern.
Klein-Gandern, Angerdorf 12,5 km ſüdlich
von Reppen. 202 Einw., Yandgem. 231 ha, Guts⸗
bez. 651 ha.
Abb. 66. Klein-Gandern. Grundriß „Gandekow“ kam 1350 an den Johanniter—
der Nische: orden (Urk. vom 24. XII., Geh. Staatsarchiv; vgl.
Riedel, Codex NIX, 137). Laut Lebuſer Kataſter im Geheimen Staatsarchiv war der
Ort mit 28 Hufen, und zwar wohl ſchon in der Zeit der deutſchen Koloniſation, aus—
geſtattet worden. Verſchiedene neumärkiſche Adelige, z. B. die v. Ilow, ſind hier als
Groß⸗Gandern — Klein⸗Gandern. 83
Lehnsträger des Or—
dens im 15. und 16.
Jahrhundert nach—
weisbar (Wohl-
brück, Bistum Le—
bus III, 534). Am
Ausgang des 18.
Jahrhunderts ſaßen
zu „Klein Gander“
die v. Oppen (Brat⸗
ring, Beſchreibung
der Mark III, 279;
vgl. Berghaus,
Landbuch III, 304).
Die Kirche
(Abb. 66 und 67),
ein im Grundriß
rechteckiger Back—
ſteinfachwerkbau
mit Weſtturm, deſ—
ſen untere Hälfte
einſchließlich der
beiden ſeitlichen
Anbauten ſich der
ganzen Breite der
Weſtfront vorlegt,
wurde 1780 ge—
baut.!) Die Licht—
öffnungen ſind eben—
ſo wie die beiden
Zugänge von We—
ſten und Suͤden her
einfach rechteckig.
Im Innern iſt außer dem mittleren Geſtühl und den an der Süd- und Weſtwand
ſich entlangziehenden Sitzen, in der nordweſtlichen Ecke, dem gegenüberliegenden
Paſtorenſtuhl entſprechend, ein einfaches Chorgeſtühl eingebaut, während der Pa—
tronatsſtuhl, ſechs Stufen über dem Kirchenſchiffboden erhöht, vor der Mitte der
Nordwand dem Südzugang gegenüber vorgeſehen iſt.
Der Kanzelaltar zeigt einfache ſchlichte Formen.
Die Orgel gehört der neueren Zeit an.
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Abb. 67. Klein-Gandern. Anſicht der Kirche von Süden.
) Vgl. Beantwortung der Indagandaakte im Regierungsarchiv zu Frankfurt.
84 Weſlſternberg.
Zwei einfachere Zinnleuchter, 26 em hoch, Frankfurter Arbeit, zeigen barocke Formen.
Ebenfalls Frankfurter Arbeiten ſind ein 24 cm hoher Zinnkelch und eine zu—
gehörige Patene, beide mit dem Stempel: G. B. B. 62.
Die übrigen Kirchengeräte gehören der neueren Zeit an.
Eine ſpätgotiſche hölzerne Figurengruppe zeigt reiche Spuren von Gold und
Silber und vielfarbiger Bemalung.
Zwei Glocken. Die ſüdliche hat 0,60 m, die nördliche 0,55 m Durchmeſſer,
beide laut Aufſchrift „gegoſſen von Franz Schilling i. F. Carl Friedr. Ulrich in
Apolda Thüringen, Allenſtein Oſtpreußen, 1896“.
Das Herrenhaus, zu deſſen in der Achſe gelegenem Zugang eine Freitreppe
hinaufführt, iſt ein einſtöckiger, ſchlichter, maſſiver Putzbau mit mächtigem, gebrochenem
Ziegeldach. Es gehört ſeiner Formgebung nach dem letzten Viertel des 18. Jahrhunderts
an. Gleichzeitig mit dem Hauptbau iſt auch die ebenfalls überputzte Umfaſſungsmauer
des Gutshofes, während die Dfonomiegebäude in neuerer Zeit keineswegs zum Vorteil
des Geſamtbildes durch Neubauten völlig verdrängt wurden.
Eine Anzahl ſtrohgedeckter Blockhäuſer ſäumen die andere Seite der Straße
gegenüber dem Gutshof.
Görbitſch.
Görbitſch, Straßendorf 11 km oſtſüdöſtlich von Reppen. 372 Einw., Yandgem.
519 ha, Gutsbez. 1867 ha.
Im 15. Jahrhundert ſaßen zu „Gorbitz“ die v. Winning, wie u. a. aus einer
Eintragung in ein Kurmärkiſches Lehnskopiar vom 12. März 1458 für Hans Wynnyng
erhellt (Geh. Staatsarchiv; vgl. Riedel, Codex XIX, 161; XXIV, 194; Wohlbrück,
Bistum Lebus III, 482). Im 17. Jahrhundert ſetzten ſich hier die v. Kettwich feſt, die
einem im Lande Sternberg ſchon ſeit 1540 vielfach verbreiteten und 1780 erloſchenen
Geſchlecht entſtammten (v. Eickſtedt, Beiträge zu einem neueren Landbuch, S. 186,
255 ff.). Daneben waren hier aber auch noch die v. Newen- oder Nawendorf begütert,
deren erſter zu „Gorbitzſch“ bereits 1518 nachweisbar iſt. Um die Wende des
S. Jahrhunderts war Kriegsrat v. Winterfeldt im Beſitze der gutsherrlichen Gerechtſame
in dem 180 Seelen zählenden Dorf (Bratring, Beſchreibung der Mark III, 280, ſeit
1827 ſitzen hier die 1746 geadelten v. Riſſelmann (Berghaus, Landbuch III, 289).
Die Kirche, ein Backſteinbau mit dreiſeitigem Oſtſchluß und Weſtturm gehört
einſchließlich des inneren Ausbaues der Mitte des 19. Jahrhunderts an.
Ein einfacherer Barockkelch, 21 om hoch, ſilbervergoldet, trägt folgende Inſchrift:
„HANS ADOLI PH]. E. von RET WICK. HAVPTM [ANN] ANNO 16904,
Frankfurter Arbeit, Silberſchmied G. E. A. W. Anſchaffungspreis einſchließlich
Patene 12 Taler.)
Eine Patene mit Weihkreuz zeigt die Aufſchrift: „J. E. G. V. N[EUEN].
DORF. HABE DIESES GOTT ZV EHREN MIR ZVM GEDECHTNIS
VND MEINEM NECHSTFN ZV BESTEN Ao 1694.
Vgl. auch Matrikel vom 26. September 1693 im Regierungsarchiv zu Frankfurt a. O.
Klein⸗Gandern — Görbilſch. 85
Zwei Glocken. Die öſtliche mißt 0,85 m, die weſtliche 0,70 m im Durchmeſſer,
beide ſind von H. Ch. Lange in Frankfurt a. O. 1855 gegoſſen.
Das aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts ſtammende, hauptſächlich im
Innern mehrfach umgebaute Herrenhaus (Abb. 68) iſt ein im Grundriß rechteckiger,
zweiſtöckiger Putzbau, deſſen beide Langſeiten durch kannelierte Liſenen gegliedert werden.
Der Hauptzugang liegt in der Achſe der nach dem herrlichen Park zugekehrten Nordfront.
Abb. 68. Görbitſch. Herrenhaus.
An der öſtlichen Schmalſeite ſchließt ſich ein aus dem Anfang des 19. Jahrhunderts
ſtammendes Orangeriegebäude an. Von den vielen bemerkenswerten Gegenſtänden
im Herrenhauſe ſeien hervorgehoben:
Im Speiſeſaal eine Standuhr aus der Mitte des 18. Jahrhunderts, laut
Inſchrift angefertigt von „Nicholas Lambert in London“ ſowie eine große Anzahl Por—
zellantaſſen, die überwiegend dem Anfang des 19. Jahrhunderts angehören und meiſt
aus der Berliner Manufaktur ſtammen.
Ein Tierſtück, Olbild auf Leinwand, 18. Jahrhundert, von David De Gonind.
Zwei ſilberne Standleuchter, Anfang des 19. Jahrhunderts. Eine Empire—
kommode. Ein Olbild auf Leinwand ohne nähere Bezeichnung, eine Gerichtsſzene dar—
86 Weſtlſternberg.
ſtellend, Ende des 17. Jahrhunderts. Ein Olbild auf Holz, ohne nähere Bezeich—
nung, darſtellend eine Eule und eine Katze, dazwiſchen eine tote Maus; bemerkens—
werter als die Darſtellung ſelbſt iſt die erläuternde Unterſchrift:
„ule du deiſt mie unrecht „Eule Du tuſt mir unrecht
di Muß iſ mi Toſecht die Maus iſt mir zugeſagt
Katt du ſolt äfent wäthen Katze du ſollſt eben warten
un gundt Brodt werdt ock gäthen“ Ungegönntes Brotwird auch gegeſſen“
Im gleichen Zimmer befinden ſich ferner noch: eine ſilberne Doſe mit reichem,
eingeritztem Barockornament, 18. Jahrhundert; eine zweite Silberdoſe mit der In—
ſchrift: 16285; eine Kaffeekanne, ein Sahnentöpfchen und eine reich verzierte Aue e
ſämtlich aus Silber, zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts. — Eine Landſchaft, Olbild
auf Leinwand, ohne nähere Bezeichnung, 18. Jahrhundert.
Im kleinen Salon ein Olbild auf Leinwand mit der Darſtellung einer Stadt, 18.
Jahrhundert; ein Olbild auf Holz, mit der Wiedergabe einer Dorflandſchaft mit Bauern—
ſtaffage, Ende des 17. Jahrhunderts, gezeichnet J. DS. fc. (= Joost Conelisz Drooch
Sloot). Ein Architekturbild, darſtellend eine italieniſche Renaiſſancehalle, 18. Jahrhundert.
Im großen Salon ein Olbild auf Leinwand, ohne nähere Bezeichnung, ein
Architekturſtück aus Venedig, 18. Jahrhundert; ein Olbild auf Leinwand, ohne nähere
Bezeichnung, darſtellend den Markusplatz in Venedig, 18. Jahrhundert; drei Rokoko—
ſchränkchen, endlich eine Rokokokommode.
Im kleinen Zwiſchenzimmer zwei dreiarmige Bronzeleuchter, Empire.
Im Obergeſchoß mehrere Stilleben, Olbilder auf Holz, 18. Jahrhundert. —
Bildnis einer älteren Frau, Olbild auf Holz, 17. Jahrhundert. — Ein männliches Knie—
ſtück, ohne nähere Bezeichnung, Olbild auf Leinwand; zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts.
Von den im Park befindlichen Grabdenkmälern früherer Beſitzer ſei das
Denkmal des am 21. September 1823 verftorbenen Generalleutnants Friedrich Wilhelm
Leopold v. Gaudi, des Vaters des Dichters Franz v. Gaudi, erwähnt. Leopold v. Gaudi
kaufte das Gut 1819; im Jahre 1827 ging es in den Beſitz derer v. Riſſelmann über.
Göritz.
Güritz, Stadt. 2040 Einw., 2598 ha.
Quellen.
Im Städtchen ſelbſt find keine nennenswerten Archivalien erhalten; die hauptſächlichſten Göritz
betreffenden Urkunden des Geheimen Staatsarchivs wurden von Riedel im 19. und 20. Bande des Codex
diplomaticus Brandenburgensis (Berlin 1860/4) zum Abdruck gebracht. Akten enthält das Frankfurter
Regierungsarchiv (vgl. Repertorium des Amtes Frauendorf) ſowie das Geh. Staatsarchiv zu Berlin
(Rep. 21: 44, 63, 64).
Lileralur:
G. G. Küſter, Collectio Opusculorum historiam March, illustrantium, Stück III.
Bratring, Statiſtiſch-Topographiſche Beſchreibung der Mark (1809) III, 274.
Wohlbrück, Geſchichte des Bistums Lebus (1832) III, 422426 (val. auch J, 87, 138 ff.; II, 35,310 ff.).
Berghaus, Landbuch der Mark (1856) III, 248 f.
Der Silberbarrenfund, ausgeſtellt im Kaiſer-Friedrich-Muſeum, wurde beſprochen von Ménadier
(Numismat. Ztſchr. XXIII, 222).
Görbitſch — Göritz. 87
Geſchichle.
Der um 1400 laut Kataſter der Lebuſer Kirche im Geheimen Staatsarchiv von
13—16 Fifchern bewohnte „Kytz zur Goritz“ weiſt darauf hin, daß die im 13. Jahr—
hundert vordringenden Deutſchen hier ſchon eine ſlawiſche Siedlung vorfanden. Der
Name hängt wohl mit gora = Anhöhe zuſammen; ob der Ort früher oben auf der
Anhöhe, zu deren Füßen er ſich jetzt erſtreckt, gelegen hat, bleibt dahingeſtellt. Die
Zahl der Hufen auf der von den Deutſchen vermeſſenen Gemarkung belief ſich auf
etwa 86 — alſo nur rund 20 mehr als bei einem Normaldorf des Landes Sternberg —;
der Pfarrer erhielt von vornherein 4 Freihufen.
In „Goriza“, das in einer Urkunde von 1252 als Beſitztum des Biſchofs von
Lebus erwähnt wird, ſchlug Biſchof Wilhelm 1276 feine Reſidenz auf, infolge eines
Übereinkommens mit dem Erzbiſchof von Magdeburg. Biſchof Conrad ſtellte hier einen
Ablaßbrief für das neugegründete Kloſter Bernſtein in der Neumark aus; 1347 wird
„Goricz“ in dem Schutzbrief der Askanier für das Bistum als Städtchen, oppidum, be—
zeichnet. Doch nachdem einer Überlieferung zufolge auf einem Kriegszuge gegen den
Biſchof um 1326 die Stiftskirche zerſtört worden war, ſchwand aller Glanz dahin; die
Urkunde von 1346, in der Papſt Clemens VI. dem Biſchof Apetzko erlaubte, einen
neuen Wohnſitz zu nehmen, beleuchtet die Zerſtörung der Gebäude in dem als Biſchofsſitz
(sedes episcopalis) bezeichneten Dorfe Göritz (villa Goricia). Freilich befand ſich noch
immer in dem Städtchen, deſſen Wappen mit den Biſchofsſtäben im Schilde, darüber eine
Mitra, an den Biſchofſitz erinnerte, eine Marienkapelle mit einem wundertätigen
Marienbild, um derentwillen Biſchof Johann v. Borſchnitz zu Beginn des 15. Jahr—
hunderts ein Gotteshaus und ein „Stift weltlicher Pfaffheit“ errichtete. Wallfahrer
brachten viele Opfer dar, von denen zwei Drittel, wie aus Kapitelsregiſtern vom
Anfang des 15. Jahrhunderts hervorgeht, dem Biſchof, der die Kapelle in baulichen
Würden erhielt, zufloſſen; zwei Neuntel empfingen das Domkapitel und ein Neuntel die
Vikarien der Lebuſer Stiftskirche. Auch hierin trat zur Zeit als der Bruder des
Kurfürſten Joachim II., Markgraf Hans von Cüſtrin, die Marchia Transoderana be—
herrſchte, gründlicher Wandel ein. 1551 beauftragte er nämlich den Hauptmann von Stern—
berg, Hans v. Minkwitz, das Marienbild zu entfernen. Die Kapelle wurde zerſtört und
dabei überhaupt, beſonders von den Droſſenern, allerlei Gewalttätigkeit verübt, ſehr zum
Verdruß des Markgrafen, der ſeinem Bruder Joachim darüber am 5. Juli eingehend
berichtete, um die Beſchwerde des Biſchofs und Kapitels wirkungslos zu machen.
Nach Säkulariſation des Bistums wurde das hier beſtehende 1447 vom Biſchof
Johann von Deher eingerichtete Vorwerk Domäne. Göritz gehörte ſpäterhin zum
Amte Frauendorf, von wo aus Richter- und Bürgermeiſterſtellen beſetzt wurden.
Nach dem Brande von 1757 wurde der Ort, bei dem Friedrich der Große am
Tage vor der Kunersdorfer Schlacht die Oder überſchritt, ganz regelmäßig wieder
aufgebaut und zwar mit drei geraden Straßen und einem großen Marktplatz. Während
vordem bei weitem die Mehrzahl der Häuſer mit Strohdächern gedeckt war, zählte
man 1801 90 Häuſer mit Ziegel- und nur 73 Käufer mit Strohdach; dazu gab es
57 Scheunen. Das Städtchen mit 986 Bewohnern erfreute ſich von jeher recht frucht—
88 Weſtſternberg.
baren, freilich früher vielen Überſchwemmungen ausgeſetzten Ackers, jo daß um 1800
die Ausſaat an Weizen und Gerſte diejenige an Roggen übertraf. Auch die Viehzucht
war, da die Wieſen längs der Oder 600 Fuder lieferten, ſehr bedeutend. Bis zum
Jahr 1850 ſtieg die Einwohnerzahl, nachdem auch der Kietz eingemeindet war, auf 2020.
Ackerbau und Viehzucht blieben nach wie vor die Hauptnahrungszweige. Das Unter—
tänigkeitsverhältnis zum Amte Frauendorf nahm nach deſſen Auflöſung um 1810 und
infolge der Steinſchen Städteordnung ein Ende.
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Abb. 69. Göritz. Stadtplan 6110000).
Denkmäler.
Anlage der Stadt.
Am 10. Auguſt 1757 brach in Göritz im Hauſe des Ackerbürgers Jakob Handke,
dem zweiten rechts vom Pfarrhaus, ein großes Feuer aus, dem innerhalb zwanzig
Stunden fünfundachtzig Wohnhäuſer mit ihren Stallgebäuden ſowie etliche ſechzig
Scheunen zum Opfer fielen. Es geht daher die heutige Anlage der Stadt (Abb. 69)
Göritz. 89
auf einen Plan zurück, den der von der Königlich-Neumärkiſchen Kriegs- und
Domänenkammer beauftragte Landbaumeiſter Schmid unmittelbar nach dem Brande
ausarbeitete. Abweichend von dem ehemals weniger regelmäßigen Stand der Häuſer
legte Schmid nach den Aufzeichnungen im alten Göritzer Kirchenbuche eine Anzahl von
Oſten nach Weſten gerichteter Straßen an mit den notwendigen Verbindungsgaſſen;
außerdem wurden die neu zu errichtenden Gebäude ſo geordnet, daß die Häuſer der Acker—
bürger mit Rückſicht auf ihre notwendigen Scheunen „in die letzten Gaſſen“, die Häuſer
der Kleinbürger ohne Scheunen dagegen in die „Mittelgaſſen“ verlegt wurden. Mit der
Verwirklichung der Schmidſchen Entwürfe verſchwand die Mehrzahl der ehemaligen Giebel—
häuſer, indem ſämtliche Neubauten mit der Breitſeite nach der Straße geſtellt wurden;
außerdem erhielten die meiſten Häuſer Ziegeldeckung und an Stelle der früher hölzernen
Rauchfänge maſſive Schornſteine. Um die alte dichte Stellung der Häuſer zu umgehen,
verlegte man vier Bauerngehöfte und den ganzen Kietz von ſechzehn Wohnungen aus der
Stadt hinaus. Endlich wurde hinter der Kirche zwiſchen der Mittel- und Hintergaſſe ein
Marktplatz angelegt. Infolge des bereits ausgebrochenen Krieges jedoch verzögerte ſich der
endgültige Wiederaufbau der Stadt um viele Jahre.
Baugeſchichte.
Nicht in unmittelbarem Zuſammenhang mit dem Brande der Stadt ſteht der
Bau der heutigen Kirche.) Wenn auch im gleichen Jahre, jo hatte man doch ſchon
vor dem verhängnisvollen 10. Auguſt mit Rückſicht auf die in der letzten Zeit ge—
wachſene Seelenzahl der Ge—
meinde eine Vergrößerung des
Gotteshauſes beſchloſſen und
hierzu ſofort mit dem Ab—
bruch der ehemaligen auf der
Nordſeite gelegenen Sakriſtei
ſowie der „großen Halle“ be—
gonnen; auch der heutige
nördliche Querſchiffflügel war
bereits fertiggeſtellt, als das
Unglück hereinbrach und den
Fortgang des Baues nicht
nur ins Stocken brachte, ſon- > = FR Abb. 70. Goritz.
dern auch die ganze Kirche e 1
bis auf die Umfaſſungsmauern i j
in Aſche legte. Zehn Jahre ruhte jegliche Tätigkeit, bis dann 1767 mit der Witwe des
Mauermeiſters Abraham Lehmann aus Spandau ein Vertrag geſchloſſen wurde, wonach
die Kirche mit einem Koſtenaufwand von 6039 Talern „von Grund“ wieder aufgebaut
werden ſollte. Unter den näher bezeichneten Arbeiten werden genannt: „Das Anſetzen
5 Über das wundertätige Marienbild in der mittelalterlichen Kirche und feine Entfernung val.
Akten im Geh. Staatsarchiv, Rep. 21. 44.
90 Weſtſternberg.
des andern Seitenflügels, das Erweitern der vorhandenen Lichtöffnungen und das
Hinzufügen neuer Fenſter, das Anſchaffen der Chöre, Stände und der Kanzel, ſowie
das Aufbringen von drei neuen Glocken und zwei Uhrtafeln“; außerdem ſollte der Turm
Abb. 71. Göritz. Kirche von Nordoſten.
mit einer „Kuppel“, einem „Knopf“ und einer Fahne verſehen werden. Auch wurde
der Anbau einer Sakriſtei auf der Oſtſeite beſchloſſen. Wie aus den weiteren Auf—
zeichnungen hervorgeht und durch die Bauunterſuchung beſtätigt wird, behielt man den
maſſiven Teil des Turmes und einen Teil der alten Umfaſſungsmauern im allgemeinen bei.
rn.
Göritz. 91
Im Jahre 1768 wurde das Innere der Kirche gepflaſtert, das Außere abgeputzt und
an der Turmkuppel gebaut, die dann im folgenden Jahre eichene Schindeldeckung erhielt.
Langſam auch ging der innere Ausbau, bei dem 1770 nur zwei Tiſchler- und zwei
Zimmergeſellen tätig waren, ſeiner Vollendung entgegen. Nachdem wieder ein Jahr
ſpäter anſcheinend das Innere fertiggeſtellt und die Glocken aufgebracht waren, ſetzte am
30. Juni 1771 der Schieferdecker Loſchetter aus Mainz den Knopf auf die Helmſtange.
Mit der Ausmalung des Innern endlich war Meiſter Neumann aus Berlin beauftragt.
Baubeſchreibung.
Die in ihrer heutigen Geſtalt auf den vorerwähnten Um- und Erweiterungsbau zurück—
gehende Kirche (Abb. 70 und 71) zeigt eine kreuzförmige Grundrißanlage mit einem an—
nähernd der ganzen Weſtfront vorgelegten quadratiſchen Turm und einem aus ſieben Viel—
eckſeiten gebildeten Oſtſchluß, deſſen mittlerer Polygonſeite ſich die quadratiſche Sakriſtei
vorlegt. An den aus Backſteinen größeren Formats errichteten Umfaſſungsmauern
des polygonal geſchloſſenen Langhauſes, ſowie an dem im Gegenſatz zu den neueren
Teilen aus dem gleichen Bauſtoff errichteten Turm, iſt der ältere Kern des Gottes—
hauſes leicht zu erkennen. Die an den Ecken des Chorſchluſſes erhaltenen mittelalter—
lichen Strebepfeiler laſſen zum mindeſten auf eine ehemalige Wölbung des Oſtteils
ſchließen, außerdem iſt noch die größtenteils in die nördliche Umfaſſungsmauer des
Turmes verlegte urſprüngliche Turmtreppe erhalten. Abgeſehen von dem Weſtportal,
über dem ein Backſtein mit der Jahreszahl 1679 eingemauert iſt, und der Sakriſteitür,
führt noch von Süden und Norden her je ein Zugang nach dem im Süd-, Weit: und
Nordflügel mit hölzernen Emporeneinbauten verſehenen, flachgedeckten Innern. Im
Gegenſatz zu der ſpitzbogigen Turmtreppentür ſind ebenſo wie die nachträglich durch—
weg erweiterten Fenſter auch die Hauptzugänge korbbogig geſchloſſen. Spuren ſpät—
barocker Malerei zeigen ſich noch an den abgerundeten Ecken der Vierung in Geſtalt
von Epitaphumrahmungen mit nicht mehr zu entziffernden Aufſchriften.
Der von kannelierten Liſenen flankierte Kanzelaltar (Abb. 72) mit ſeinen
zopfigen Vaſen über dem Geſims und dem von Wolken und goldenen Strahlen um—
gebenen altteſtamentlichen Gottesſymbol als Bekrönung gehört der Zeit des Umbaues
der Kirche an.
Zwei meſſingene Kronleuchter ſtammen aus neuerer Zeit.
Zwei Totentafeln zum Andenken an Gefallene aus den Befreiungskriegen
hängen im Innern.
Ein einfaches Kirchenſpind in der Sakriſtei trägt auf der Innenſeite der Tür
die Jahreszahl 1784.
Ein Abendmahlkelch, 28 em hoch, Silber, innen leicht vergoldet, mit gleich—
zeitiger Patene, Hoſtienbüchſe und Kanne aus demſelben Metall, trägt am Fuß
die Inſchrift: „Prediger Riedel, Burgem. I. H. G. H. M. S. K. V. S. T.“ Meiſter
Humber. Er entſtammt den neunziger Jahren des 18. Jahrhunderts.
Eine Zinnkanne, 15,5 cm hoch, iſt gezeichnet: „Geschencke an die Kirche
zu Görliſtz I. M.“ Ende des 18. Jahrhunderts.
—
—
2 Weſtſternberg.
Ein Zinnkelch, 25, em hoch, dürfte etwas jünger ſein.
Drei Glocken. Die ſüdliche von 0,83 m Durchmeſſer, mit dem Namen des fonigl.
Abb. 72. Göritz. Kirche, Kanzelaltar.
Beamten W. A. O. von Kettwie, des Predigers J. G. Keydel, des Bürgermeiſters
C. Hancke, des Richters M. Bache und des Kantors D. F. Nitzsike, wurde 1770 von
J. F. Thiele in Berlin gegoſſen. Die mittlere mit 0,97 m Durchmeſſer ging im Jahre
908
(eb)
Göritz — Gohliß.
1823 aus der Gußſtätte von Großheim in Frankfurt hervor.!) Die nördliche von 0,65 m
Durchmeſſer mit den Glockenſpruch: „Gott las sein reines Wort zu seinem Wohl-
gefallen und dieser Glocken Klang bis an das End erschallen“, gehört dem
gleichen Jahre und der gleichen Gußſtätte wie die ſüdliche an.
Über den allen Biſchoſſitz bei Göritz berichtet der Pfarrer M. Heinſius zu
Frankfurt a. O. (vgl. Frankf. Stadtarchiv, Heinſius' Annalen IV. p. 120) wie folgt: „Er
(d. h. der Pfarrer Georg Prukmann aus Schwiebus) hatte die Antiquiteten des Städtlinß
Göritz fleisſig zuſamen geleſen Vnd in usum succeslorum & posteritatis beſchriben,
ſampt allen einkünfften der Kirchen, der Pfarrer v. Cüſterß, vnd alleß in XII Capita
eingeteilet. Item die Hiſtoriam deß Thumbß der Canonicorum et Epiſcopi von
Lubuß, der bey Göritz geſtanden, davon noch die rudera v. ſchutt vorhanden, einß
büchſen ſchuſſeß weit von dem Städtlin, auf einem Hügell gelegen, ein koſtbar gebaw,
ſampt luſtiger Curien, darauf der Biſchopf etwa auch gewonet, wie den die burger von
Franckfurt einen auß dem bette zu Göritz genommen, der fie in den Bau bracht hat . ..“
Gohlitz.
Gohlik, Straßendorf 7,5 km ſüdlich von Göritz. 536 Einw., 1323 ha.
Zur Zeit der deutſchen Koloniſation im 13. Jahrhundert wurde das Dorf mit
47 Hufen ausgeſtattet, von denen Pfarrer und Kirche einige Freihufen erhielten
(vgl. auch Sternberger Schoßregiſter von 1461, fol. 288, Geh. Staatsarch.). Laut
Urkunde vom 3. Februar 1317 im Geheimen Staatsarchiv unterſtand „Goliz“ dem
Biſchof von Lebus (Wohlbrück,
Bistum Lebus I, 162 und III, 427;
vgl. Riedel, Codex XX, 201).
Einige Gerechtſame wie Bede und
Wagendienſt gehörten um die Mitte
des 14. Jahrhunderts den Frank— 0
furter Bürgern Hokemann. An- .
gaben über die Abgaben an Fürſten— 5
walder Domherren u. |. f. verdanken
wir Regiſtern von 1500 (Geh. Staats-
archiv). Im 16. Jahrhundert wurde
das Dorf bei der Säkulariſation des Bistums (vgl. auch Riedel XX, 335) vom
Kurfürſten in Beſitz genommen und ſpäter dem neu gebildeten Domänenamt Frauen—
dorf beigefügt (ogl. Bratrings Beſchreibung der Mark III, 280).
Abb. 73. Gohlitz. Grundriß der Kirche.
Die Kirche (Abb. 73 und 740, ein heute verputzter, im Kerne mittelalterlicher Find—
lingsbau von rechteckigem Grundriß, beſitzt einen annähernd der ganzen Weſtfront breit
vorgelagerten Turm mit ziegelgedecktem Pyramidendach, eine anſcheinend dem 16. Jahr—
) Nach der Beantwortung der Indagandaakte vom Jahre 1814 war die Vorgängerin dieſer Glocke
geſprungen und daher unbrauchbar.
94 Weſtſternberg.
hundert angebörige, aus Backſtein errichtete Vorhalle vor dem nördlichen Zugang und
eine im Grundriß quadratiſche, vor dem mittleren Drittel der Oſtwand vielleicht um
die Mitte des 19. Jahrhunderts ebenfalls aus Backſtein erbaute Sakriſtei.
Der gleichen Bauzeit wie die Sakriſtei dürften auch die aus Backſtein hergeſtellte
Niſchengliederung des Oſtgiebels, die aus demſelben Bauſtoff nachträglich einge-
mauerten Umrahmungen der
ſpitzbogigen Verbindungstür
zwiſchen Vorhalle und Kirchen—
ſchiff, ſowie die ebenſo durch—
gebildete Einfaſſung des
Turmportals angehören; die
ſtichbogige Verbindung da—
gegen zwiſchen Turm und
Schiff und endlich die rund—
bogigen ſchlanken Lichtöff—
nungen des Kirchenraumes
gehören einer bedeutend jün—
geren Bauzeit an. Spuren
der alten ſpitzbogigen Fenſter
kann man noch heute über
der Verbindungstür zwiſchen
Sakriſtei und Kirchenraum,
ſowie auf der nördlichen
Hälfte der Innenſeite der
Oſtwand feſtſtellen.
Das Innere iſt flach ge—
deckt und beſitzt auf drei
Seiten Emporen.
Der Kanzelaltar aus
der Mitte des 19. Jahrhun—
derts zeigt einfache Bieder—
meierformen.
i i Die i Sr HB r
Abb. 74. Gohlitz. Kirche von Nordweſten. N Grundriß runde
Taufe gehört wohl, nach
den noch ſtrengen Formen zu urteilen, den zwanziger Jahren des 19. Jahr—
hunderts an.
Die Orgel iſt modern-gotiſch.
Die gemalten Darſtellungen der Himmelfahrt und des Abendmahls, Reſte eines
älteren Renaiſſancealtars, hängen an der Oſtwand.
Ein Gemälde über der Zugangstür zur Kanzel, darſtellend die Taufe Chriſti,
zeigt in den Wolken die Taube als Sinnbild des heiligen Geiſtes ſowie den alt—
teſtamentlichen Gottesnamen und dürfte der Barockzeit angehören.
Gohlitz — Gräden. 95
Vorhanden ſind noch außer einer Erinnerungstafel an die Befreiungskriege und
außer den aus neuerer Zeit ſtammenden meſſingenen Beleuchtungskörpern:
Ein Biedermeierſchrank in der Sakriſtei.
Ein Abendmahlskelch, 28 cm hoch, Silber, ehemals leicht vergoldet, mit
zugehöriger Patene, ebenfalls aus Silber, Frankfurter Arbeit, Meiſter G. J. W.
Anfang des 18. Jahrhunderts.
Eine kupferverſilberte Deckelkanne, 295 em hoch einſchließlich Deckelknopf,
mit zugehöriger gleichfalls kupferverſilberter Ziborienbüchſe, gehört der zweiten
Hälfte des 19. Jahrhunderts an.
Ein Zinnkelch, 15,75 cm hoch, entſtammt dem Anfang des 19. Jahrhunderts.
Zwei Glocken. Die ſüdliche mit 0,56 m Durchmeſſer iſt von F. R. Gruhl in
Kleinwelka bei Bautzen 1875 gegoffen. Die nördliche mit 1,15 m Durchmeſſer ſtammt
von dem Frankfurter Meiſter Georg Hofmann und trägt die Jahreszahl 1722.
Gräden.
Gräden, Straßendorf 9 km ſüdlich von Reppen. 212 Einw., Yandgem.
475 ha, Gutsbez. 970 ha.
In einer Urkunde vom 28. Juli 1329 über die Grenzen der Stadt Reppen
wird „Gredyn“ erwähnt (Abſchrift in Rep. 78. III. R. 19, Geheimes Staatsarchiv).
Seit 1540 ſind hier die zu Matſchdorf hauptſächlich begüterten und 1780 ausge—
ſtorbenen Kettwig nachweisbar (Holtze, Brandenb.-Preuß. Forſchungen, 1894, S. 506;
vgl. Wohlbrück, Bistum Lebus III, 537). Nach Schoßregiſtern aus dem 15. Jahr—
hundert war der Ort zu Reichenwalde eingepfarrt (Geh. Staatsarchiv, Rep. 78a.
110, heute iſt die Mater in Matſchdorf.
Die Kirche, ein moderner Backſteinbau mit dreiſeitiger Apſis, Weſtturm und
flachgedecktem Innern mit Orgelempore, wurde am 16. Juli 1888 eingeweiht.
Aus der alten Kirche ſind vorhanden:
Eine Totentafel mit barocker vergoldeter Umrahmung zur Erinnerung an Ernſt
Friedrich v. Ketwig, geb. 25. Okt. 1721, geſt. 29. Nov. 1732.
Eine zinnerne Taufſchüſſel, Frankfurter Arbeit, laut Inſchrift erneuert für die
Kirche zu Gräden 1860.
Eine meſſingene Deckelkanne, die als Taufkanne benutzt wird.
Zwei Glocken. Die jüdliche von 0,57 m Durchmeſſer, hat außer anderem
ornamentalen, die Voillardſche Gußſtätte kennzeichnenden Beiwerk einen Kruzifixus
mit der Maria am Stamm des Kreuzes und zwei ſeitliche Engelsköpfchen, außerdem
erkennt man noch eine Madonna und das Wappen des Gießers zwiſchen den Buch—
ſtaben F (Franz) und V Voillard) ). Gegoſſen 1661.
Die nördliche mit 0,41 m Durchmeſſer zeigt außer dem Glockenſpruch: „Sl DEVS
PRO NOBIS QVIS CONTRA NOS“ zwei Engelsköpfchen und ein Kreuz und
iſt zweifellos von demſelben Meiſter ſowie im gleichen Jahr gegoſſen.
) Vgl. Kunſtdenkmäler, „Stadt Frankfurt“ S. LXVIII.
96 Weſtſternberg.
Grunow.
Grunow, Angerdorf 5 km nordnordweſtlich von Droſſen. 234 Einw., 1369 ha.
In der Zeit der deutſchen Koloniſation wurde Grunow mit 54 Hufen ausge—
ſtattet, von denen 4 freie der Pfarrer erhielt (vgl. Kataſter der Lebuſer Kirche von etwa
1405, fol. 23, Geh. Staatsarchiv). Um die Mitte des 15. Jahrhunderts ging der Ort
durch Kauf aus den Händen der v. Schlabrendorf in den Beſitz der Stadt Droſſen
über, zu deren Kämmerei er zuſammen mit Polenzig bis ins 19. Jahrhundert hinein
gehörte (Wohlbrück, Bistum Lebus III, 560; Bratring, Beſchreibung der Mark III, 281;
Berghaus, Landbuch III, 245). Kirchliche Abhängigkeit von Droſſen beſteht heute noch.
Die Kirche (Abb. 75 und 76), ein im Grundriß einfach rechteckiger, maſſiver Putzbau
mit einer annähernd der ganzen weſtlichen Hälfte der Südwand vorgelegten Halle und
einem im Grundriß quadratiſchen Weſtturm, dürfte ihrer heutigen äußeren Geſtalt nach
der Wende des 15. Jahrhunderts angehören. Für
dieſe Bauzeit ſpricht auch das jetzt ebenfalls üͤberputzte,
einfachere Maßwerkmuſter des mit Fialen geſchmück—
ten Oſtgiebels (vgl. auch Abb. in der kunſtgeſchicht—
lichen Überfiht). Die Wetterfahne über der mit
Ziegeln gedeckten Turmpyramide dagegen zeigt neben
dem Reichsadler und den Buchſtaben J. R. MI. Jacob
Rotenburg major [-der Ältere]) die Jahreszahl 1672.
Sämtliche Lichtöffnungen ſind nachträglich,
wahrſcheinlich im 17. Jahrhundert, abgeändert.
Abb. 75. Grunow. Grundriß der Kirche. Der Zugang von Weſten her durch den
Turmunterbau hindurch, ſowie an der Südwand
der Vorhalle weiſt abgetreppte Leibungen auf; die Verbindungstür zwiſchen Kirchenſchiff
und Vorhalle zeigt ein doppeltes Wulſtprofil als Umrahmung. Außer der Turmtreppe
fuͤhrt noch ein zweiter Aufgang nach der im Innern eingebauten Süd- und Weſt—
empore. Erwähnenswert iſt ferner die noch vorhandene ehemalige Sakramentsniſche.
Der Altar (Abb. 77), ein Werk des 17. Jahrhunderts, zeigt in der Predella die
Reliefdarſtellung des heiligen Abendmahls, darüber zwiſchen zwei Säulchen, deren
Schäfte mit einem reichen Traubenornament und deren Poſtamente mit Engelsköpfchen
verziert ſind, in einer Rundbogenumrahmung den Gekreuzigten mit Maria und Johannes.
In den Seitenteilen des Altars erkennt man ferner die Bilder Luthers und Melanch—
thons, während über dem Gebälk in einer eigenartigen Renaiſſancekartuſchenverzierung
die Rundfigur des Auferſtandenen, überragt von einem Pelikan, ſichtbar iſt. Die beiden
ſeitlich auf dem Geſims ſtehenden Engelsfiguren zeigen barocke Haltung und dürften
darnach etwas jünger ſein. Das ganze Werk iſt leider vor mehreren Jahren vollſtändig
übermalt und mit neuen Sprüchen verſehen worden.
Die im Jahre 1660 erbaute) Kanzel (Abb. 77) zeigt am Deckel ſowohl wie am
Vgl. Matrikel vom 23. September 1693.
las)
Grunow. 97
(
Kanzelkörper und am Fuß die typische Verzierungsweiſe der genannten Periode. In den
Brüſtungsfüllungen erkennt man, gleichfalls von Säulchen eingefaßt, die Figuren
des Matthäus, Markus und Lukas, während auf die obere Füllung der von einer
Renaiſſanceverzierung bekrönten und mit einem gleichzeitigen Beſchlag geſchmückten
Tür zum Predigerſtuhl die Geſtalt des vierten Apoſtels, des Johannes, aufgemalt iſt.
Auch dieſes Werk iſt in neueſter Zeit leider vollſtändig übermalt worden.
Abb. 76. Grunow. Kirche von Nordoſten.
Etwas älter als die Kanzel iſt die Taufe (Abb. 78) in Kelchform einſchließlich
ihres Deckels. Sie wurde laut Aufſchrift 1608 angefertigt, ihre urſprüngliche Bemalung
jedoch durch handwerksmäßige Erneuerung in den Jahren 1839 und 1899 ebenfalls
zerſtört. Dem Jahre 1839 gehört der um die Offnung gemalte Roſenkranz an.
Das zugehörige Taufbecken aus Meſſing zeigt innerhalb einer rein dekorativen
ſpätgotiſchen Minuskelumſchrift die Darſtellung der Verkündigung. 16. Jahrhundert.
Zwei zinnerne Altarleuchter (Abb. 79), 38,6 em hoch, mit kanneliertem Schaft,
Kunftdenfm. d. Prov. Bröbg. VI. 3. Weſtſternberg. 7
98 Weſlſlernberg.
wurden nach der Beantwortung der Indagandaakte von dem Apotheker Sadewaßer
zu Droſſen bei dem Amtsantritt des damaligen Pfarrers im Jahre 1801 geſchenkt—
Ein Kelch (Abb. SO links), 17, em hoch, ſilbervergoldet, beſitzt am Sechspaßfuß
Abb. 77. Grunow. Inneres der Kirche, Blick nach Oſten.
einen aufgenieteten Kruzifirus und an den Quadern des Knaufes in ſpätgotiſchen
Minuskeln den Namen Jheſys, Mitte des 16. Jahrhunderts.
Ein Kelch (Abb. SO rechts), 1S cm hoch, ſilbervergoldet, beſitzt am Rande des
Sechspaßfußes eingraviert die Jahreszahl 1573. Ein Signakulum mit der Darſtellung
des Gekreuzigten zeigt am Fuße des Kreuzes an Stelle des Johannes und der Maria den
Grunow — Hildesheim. 99
Stifter mit feiner Frau. Unter und über dem mit Renaiſſanceornamenten verſehenen
Knauf lieſt man in großen lateiniſchen Buchſtaben: „O MARIA“ und „IHESVS*,
Eine ſilbervergoldete Patene mit Weihkreuz trägt die Inſchrift: „Die Kirche
in Grunow 1660.“
Eine zweite filberne Patene zeigt ein Weihkreuz—
Drei Glocken. Die füdliche von 1,00 m Durchmeſſer weiſt auf der Oſtſeite der
Haube zwei weibliche Figuren mit einer kleineren dritten Geſtalt am Stamm des
Kreuzes auf. Auf der Weſtſeite der Haube
erkennt man die Madonna. Die Glocke, bei
der die Angabe des Gußjahres fehlt, iſt laut
Aufſchrift von Franz Sebaſtian Voillard (val.
S. 95 Anm. 1) wahrſcheinlich in der Zeit der
Haupttätigkeit dieſes Meiſters, in der zweiten
Hälfte des 17. Jahrhunderts, gegoſſen.
Die nordweſtliche Glocke mit 0,72 m
Durchmeſſer hat folgende Aufſchrift in römi—
ſchen Buchſtaben: „GOTT ZV EHREN
VND EWIGEN EHRENGEDÄCHT-
NIS HAT JACOB ROTENBVRG EL-
TESTER VND SEIN EINIGER SOHN
GEORGE AVF BEGEHREN SEINER
HERZLIEBEN EHEFRAWEN VND
MVTTER FRAW WALBVRG
TZSCHEOW SELIGER MACHEN
LASSEN VND DER KIRCHEN VER-
EHRET. CHRISTIAN FINCKEN
GOSS MICH ANNO M.D.C-XXXXI-
(1643)°. Auffallend iſt, daß außer vier kleineren
Münzen auf der Weſtſeite der Haube noch auf
der Oſtſeite am Schlag eine größere Münze
ſichtbar iſt, die wie aus der Umſchrift „Dleil.
Glratial. DVX SAXNloniae]l. MDCLIV
(1654) ET MONT I“ hervorgeht, elf Jahre
jünger iſt. Wahrſcheinlich ſoll es, wie auf Abb. 78. Grunow. Taufe in der Kirche.
dem Tragbalken der Glocke ſteht, 1683 heißen.
Die Nordoſtglocke von 0,60 m Durchmeſſer iſt ohne Inſchrift und wahrſcheinlich
noch mittelalterlich.
f Hildesheim.
Hildesheim, Straßendorf 9,5 km ſüdöſtlich von Reppen. 145 Einw., Landgem.
456 ha, Gutsbez. 780 ha.
7 *
100 Weſtſternberg.
Das von den deutſchen Koloniſten im 13. Jahrhundert mit 64 Hufen, darunter
Pfarrhufen, ausgeſtattete „Hildebrandesſtorp“ wurde 1350 durch die Markgrafen
zuſammen mit anderen von den v. Klepzig erkauften Gütern dem Johanniter—
orden übereignet (Urkunde vom 24. Dezember im Geheimen Staatsarchiv; vgl.
Abdruck auf Grund der Dickmannſchen
Sammlung bei Riedel, Codex XIX,
137). Im 16. Jahrhundert, als ſich der
Name „Hilldesheim“ oder „Hildenßheim“
einzubürgern begann, ſaßen hier als Lehns—
träger des Ordens die v. Loſſow, ihnen
folgten von 1581 an die v. Winning.
Im 18. Jahrhundert war hier Oberamt—
mann Stegemann begütert, von 1800
bis nach 1860 die Familie Branden—
burg, heute v. Riſſelmann zu Görbitich.
Von den Ritterhufen war laut Dienſt—
verzeichnis von 1588 ein Lehnpferd zu
ſtellen. Um 1800 wohnten in „Hildes—
heim“, deſſen Kirche — ebenſo wie heute
noch — Filial von Groß-Gandern war,
S Bauern, 1 Koſſät und 6 Einlieger, zu—
ſammen 92 Menſchen.
Die Kirche (Abb. 81 u. 82), ein im
Grundriß einfach rechteckiger, maſſiver
Putzbau, deſſen ebenſo geſtalteter Weſt—
turm ein vierſeitiges mit Ziegeln gedecktes
Pyramidendach trägt und von einer Wetter—
fahne mit der Inſchrift: „D. A. S. 17479
Daniel Auguſt Stegemann) bekrönt wird,
geht ihrer heutigen Geſtalt nach auf einem
im Jahr 1747 vorgenommenen Neubau
zurück. Je zwei rundbogig geſchloſſene
Fenſter auf der Nord-, Oſt- und Süd⸗
ſeite führen dem flachgedeckten Innern des
Kirchenſchiffs Licht zu. Der Bodenbelag
Abb. 79. Grunow. Leuchter in der Kirche. beſteht aus quadratiſchen Flieſen von
28,8 em Seitenlänge. Von den Fenſter—
verglaſungen gehört nur noch diejenige im Türoberlicht des Weſtzugangs der Barock—
zeit an. Auch die Zugänge, von denen der auf der Nordſeite im Gegenſatz zu der
gegenüberliegenden, in der Mitte der Südwand angebrachten Tür und im Gegenſatz
zu dem Weſtportal am Turm nur als Scheintür geſtaltet iſt, ſchließen nach oben rund—
Hildesheim. 101
bogig. An dem hölzernen Türſturz auf der Innenſeite des Weſtzugangs bemerkt man
die Inſchrift „AN 1747 NOH.
Abb. 80. Grunow. Kelche in der Kirche.
Auch die hinter dem einfachen Altartiſch aufgebaute Kanzel mit dem die
drei Buchſtaben D. A. S. (ſiehe oben) aufweiſenden Monogramm ſowie der zugehörige
Paſtorenſtuhl, die Patronatsloge in der Südoſtecke und das Geſtühl im Schiff,
ferner endlich die Weſtempore mit ihrer im Turmunterbau
liegenden Zugangstreppe zeigen einfache, barocke Formen
und find der Zeit ihrer Anfertigung nach höchſtwahr—
ſcheinlich in das gleiche Jahr 1747 zu verlegen.
Das geſamte Holzwerk der inneren Ausſtattung iſt
jetzt braun überſtrichen.
Das zinnerne Taufbecken wurde laut Inſchrift von
Emilie Brandenburg am 31. Oktober 1847 geſchenkt.
Zwei Zinnleuchter, 28cm hoch, zeigen die Inſchrift:
„16 Christof Lange 96°, Frankfurter Arbeit, Meiſter S. S.
Ein Zinnkelch, 24, om hoch, mit zugehöriger Patene, zeigt den Stempel des
Berliner Meiſters Lieber und die Jahreszahl 1755.
0 5 70
Abb. 81. Hildesheim. Grundriß
der Kirche.
1) Die alte Kirche wird in der Matrikel vom 16. März 1694 folgendermaßen beſchrieben: „Die
Kirche iſt von Holtz geſchrotet, iſt inwendig rund undt gemahlet, forne mit einer Hallen, das Dach iſt von
Ziegeln.“ — Die Beantwortung der Indagandaakte (Okt. 1814) berichtet: „Die jetzige ganz maſſive Kirche iſt
1747 erbaut ſamt dem Thurm.“ Ferner heißt es hier: „Das an die Kirche angebaute Gewölbe verlohr das Dach.
Der ietzige Patron (Auguſt Wilhelm David Brandenburg) wollte es nicht reparieren, ſondern dereinſt lieber in
der Erde ruhen, als nach dem Tode mit ſeiner Ausdünſtung noch die Lebendigen beläſtigen. Daher wurde das
Gewölbe bis gleich der Erde abgetragen, die darin befindlichen Särge übermauert und mit Raſen bedeckt.“
102 Weſlſternberg.
Vorhanden ſind noch mehrere z. T. farbig bemalte Bauernepitaphien, die
größtenteils aus der erſten Hälfte des 19. Jahrhunderts ſtammen.
Zwei Glocken. Die öſtliche zeigt 0,63 m, die weſtliche 0,75 m Durchmeſſer;
beide ſind von Meyer in Berlin unter dem Patronat des Auguſt Wilhelm Brandenburg
im Jahre 1802. gegoffen. 3
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Abb. 82. Hildesheim. Kirche von Südoſten.
Das jetzt unbewohnte Herrenhaus, ein ſchlichter einſtöckiger maſſiver Putzbau mit
gebrochenem Ziegeldach, gehört ebenfalls der erſten Hälfte des 18. Jahrhunderts an.
Die nach Weſten gerichtete Hauptfront zeigt zu beiden Seiten des in der Achſe ge—
legenen Eingangs je drei ſchlanke, rechteckige Fenſter. Sechs Stufen führen zu einer
Hildesheim — Klein-Kirjchbaum. 105
Plattform vor dem Haupteingang. Ein zweiter Zugang befindet ſich auf der nördlichen
Schmalſeite neben dem Eingang zum tonnengewölbten Keller. Im Innern des
Herrenhauſes iſt nur das aus Brettern geſchnittene, für die oben angegebene Bauzeit
charakteriſtiſche Treppengeländer bemerkenswert.
Klein-Kirſchbaum.
Klein-KRirſchbaum, Straßendorf 8 km öſtlich von Droſſen. 234 Einw., Land—
gem. 625 ha, Gutsbez. 780 ha.
Kataſter der Lebuſer Kirche aus dem 15. Jahrhundert im Geheimen Staats—
archiv geben für „Alt-Cirßbowm“ die übliche, für das Zeitalter der Koloniſation
bezeichnende Ausſtattung mit 64 Hufen — darunter 4 Pfarrhufen — an. In dem ſeit
1350 den Johannitern gehörigen „Kerſebam“ ſaßen im 16. Jahrhundert als Vaſallen
des Ordens die v. Löben, wie aus einem Lehn—
brief von 1529 im Radacher Herrenhaus für die
„Lobbenn“ zu „Kyrſchbaum“ hervorgeht. In
dem 3. Bande der ſtatiſtiſch-topographiſchen
Werke von Bratring über die Mark findet ſich
für das damals 171 Einwohner zählende Dorf,
wo die Borchertſchen Erben begütert waren, der
Name „Klein-Kirſchbaum“, im Gegenſatz zu dem
im Kreiſe Oſtſternberg belegenen größeren Dorf
Groß Kirſchbaum. Set SR ui im Abb. 83. Klein-Kirſchbaum. Grundriß
Beſitz des zu Radach wohnenden Ritterſchafts— der (an.
direktors Kurd v. Pappritz, der auch Patron iſt.
Die Kirche (Abb. 83 u. 84), ein im Grundriß einfach rechteckiger Fachwerkbau,
beſitzt eine Nordvorhalle mit darüber liegender Patronatsloge. Der verbretterte, im
Grundriß quadratiſche Weſtturm mit ſeinem achteckigen Aufbau und der ſchindelgedeckten
barocken Haube zeigt in der Wetterfahne die Jahreszahl 1701). Je drei einfach recht—
eckige Fenſter auf der Süd- und Nordſeite führen dem Kircheninnern Licht zu. Der
Zugang liegt auf der Nordſeite der Vorhalle, eine Treppe in der nordöſtlichen Ecke
im Innern dieſes Vorbaues führt nach der Patronatsloge, ebenſo gelangt man über
mehrere Stufen in der nordweſtlichen und ſüdweſtlichen Ecke des Kirchenſchiffes hinweg
nach der Empore.
Der Kanzelaltar mit ſeiner von Säulen getragenen Dreieckverdachung dürfte
ebenſo wie der zugehörige Paſtorenſtuhl und das Geſtühl im Schiff, nach der ſtrengen
Formgebung zu urteilen, ſpäteſtens der erſten Hälfte des 19. Jahrhunderts angehören.
Der noch an der Decke aufgehängte Taufengel iſt barock und ſtammt vielleicht
aus der erſten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Über dem Taufengel bemerkt man auf
die Decke aufgemalt eine Taube, das Sinnbild des heiligen Geiſtes.
oO 4 107%
) Die Matrikel vom 26. September 1693 beſagt: Die Kirche „iſt gantz von Holtz mit Zigelln ge—
decket. Der Turm iſt von Holtz und gantz baufällig.“
104 Weitifernberg.
Abb. 84. Klein-Kirſchbaum. Kirche von Nordweſten.
Ein aus dem erſten Drittel des 17. Jahrhunderts ſtammendes barockes, z. T. be—
ſchädigtes Epitaph (Abb. 85) fuͤr die Ehefrau des Friedrich v. Ihlow geb. v. Winterfeld
hängt hinter dem Aufbau des Kanzelaltars. Mehrere an verſchiedenen Stellen des
Kircheninnern aufgehängte Totentafeln gehören der neueren Zeit an.
Klein⸗Kirſchbaum — Klauswalde. 105
Ein Kelch, 19,5 em hoch, ſilbervergoldet,
zeigt am Sechspaßfuß ſechs Wappen mit den
entſprechenden Umſchriften: 1) „Catharina
gep. von Lopen, Georg von Lopen, ellig
(S ehelig) Havsfravw.“ 2) „Wolf von
Lopen, weiland avf Kirschbavm seliger
der junger“. 3) „Anna geborne von Ber-
gerinn, Wolf von Lobens seligen elige
(= ehelige) Havsfraw“. 4) „Friderich von
llow auf Kirschbavm Erbsessen Anno
16054. 5) „Eva geborne Winterfeldinn,
Friederich von Ilowen elige (= ehelige)
Havsfraw“. 6) „Georg von Lopen der
jvnger auf Kirschpavm avs dem Havs
Kvrtshav (= Kurtschow)“. Ferner bemerkt
man auf den Quadern des Knaufes den
Namen Maria. Die zugehörige Patene mit
Weihkreuz weiſt außerdem noch ein hufeiſen—
artiges Zeichen auf mit den Buchſtaben I. B.
Drei Glocken. Die öſtliche von 0,37 m
Durchmeſſer zeigt am Hals gleichmäßig ver—
teilt viermal die ſpätgotiſche Minuskel m
(S maria). 15. Jahrhundert.
Die mittlere mit 0,55 m Durchmeſſer tt
ohne Inſchrift und gehört ihrer ſchlanken Form
nach vielleicht dem frühen Mittelalter an.
Die weſtliche von 0,80 m Durchmeſſer
zeigt am Hals die nicht gänzlich verſtänd—
liche Minuskelinſchrift: „hilf s got s maria o
berot s lorenc s bryſlerhevſler.“ Wende N 3
des 15. Jahrhunderts.
o 7 vorm
Abb. 86. Klauswalde. Grundriß der Kirche.
Abb. 85. Klein-Kirſchbaum. Gedächtnistafel für
die Ehefrau des Friedrich v. Ihlow.
Klauswalde.
Rlauswalde, Straßendorf 10,5 km
nordöſtlich von Droſſen. 213 Einw., Land—
gem. 430 ha, Gutsbez. 643 ha.
Am 18. Februar 1335 wurde Peſcho
van Swebeſin (S Schwiebus) durch Mark—
graf Ludwig mit „Clauswalde“ belehnt (vgl.
Riedel, Codex B. II, 97). Auf der Gemarkung
lagen laut Sternberger Regiſter von 1461
106 Weſlſlernberg.
im Geh. Staatsarchiv 40 Hufen, darunter 5 Pfarrhufen. Matthias und Hartwig
v. Slow erhielten 1507 die Belehnung. Die hier ſchon im 17. Jahrhundert
beſtehenden zwei Ritterſitze der v. Heyden und v. Selchow wurden in der Folgezeit
wieder zu einem Gute vereinigt, das um 1800 dem Geheimen Juſtizrat Buſch ge—
hörte. 1847 erkaufte Landrat Karbe das Gut für 55 500 Taler (vgl. Berghaus, Land—
buch III, 301, ferner v. Gundling, Brandenb. Atlas von 1720).
—
Abb. 87. Klauswalde. Kirche von Nordoſten.
Die Kirche wurde nach dem Klauswalder Lagerbuch im Jahre 1699 erbaut
und 1855 „maſſiv unterfangen“. Auf das Jahr des Baues weiſt auch die Inſchrift
H. O. S. v D HH
NS der Wetterfahne auf dem Oſtgiebel hin, deren Inhalt durch die aus—
AO: 1099 —
führlichere Bauinſchrift: „ANNO 1699 IST DIESE KIRCHE NEW ERBAWET
PATRONI WAREN HERR OTTO SIGISMUND VON DER HEIDE V.
HERR HANS HEINRICH VON SELCHOW PASTOR H. ANDREAS
PAPE KIRCHVATER MARTIN ZELLFISCH V. MARTIN LOZE . BAV-
MEISTER GEORGE NEUMANN“ an dem mittleren Unterzug der geraden Decke
des Innern erklärt wird.
Klauswalde. 107
= a
Abb. 88. Klauswalde. Kanzelaltar in der Kirche.
Das Gotteshaus (Abb. S6 u. 87) zeigt eine im Grundriß rechteckige Anlage mit drei—
ſeitigem Oſtſchluß, einer Vorhalle auf der Nordſeite und einem im Grundriß quadratiſchen
Weſtturm, deſſen ins Achteck übergeführte Laterne mit ihrer welſchen Haube von einer
17380 datierten Wetterfahne bekrönt wird.
) Beckmanns Nachlaß im Geh. Staatsarchiv zufolge wurde 1738 „ein neuer Kirchen Thurm gebauet“.
Weititernberg.
108
Abb. 8g.
Klauswalde.
Taufe in der Kirche.
Abb. 90.
Klauswalde.
Kelch in der Kirche.
Klauswalde — Kohlow. 109
Die rundbogigen Lichtöffnungen mit ihren Backſteinleibungen gehören dem Jahre
1855 an, der Zeit des maſſiven Ausbaus mit Granitfindlingen.
Das flachgedeckte Innere beſitzt eine Süd- und eine leicht geſchweifte Weſt—
empore mit entſprechend angelegten
Aufgängen ſowie eine über der Nord—
vorhalle errichtete Patronatsloge. Der
Fußbodenbelag beſteht aus quadrati—
ſchen Flieſen von 28 cm Seitenlänge.
Der Kanzelaltar (Abb. 88)
ſowie die Taufe (Abb. 89) gehören
der Wende des 17. Jahrhunderts an,
während das Geſtühl, nach ſeinen
Renaiſſanceformen zu ſchließen, aus
der Vorgängerin unſerer heutigen Kirche
mit herübergenommen fein dürfte.
Ein Bild aus der Wende des
18. Jahrhunderts zeigt Jeſus als
Kinderfreund.
Ein Kelch (Abb. 90), 22,8 em
hoch, ſilbervergoldet, beſitzt auf ſeinem Abb. 94. Klauswalde. Zinnteller in der Kirche.
am Rande mit reichem Renaiſſance—
ornament geſchmückten Sechspaßfuß einen auf ein eingraviertes Kreuz genieteten Kruzi—
firus und in den Emailleeinlagen der Quader des Kaufes die Goldbuchſtaben und
Zeichen: J. N. ch RJ. & (Jesus Nazarenus Rex Judaeorum). Eine außerdem noch
eingravierte Inſchrift lautet: „Das Blyt Jesv Christi vnseres Hern reiniget vns
von al. vnsern Svnden. Johanes am. 1. (= 1. Epiſtel, 1. Kap.) 1597. 44 lot 3 8“.
Frankfurter Arbeit, Meiſter D. F.
Ein Zinnteller (Abb. 91) mit ſchön geſchwungenem, fein profiliertem Rand
gehört ſeiner Formgebung nach der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts an, während
eine ſechseckige Kirchenflaſche aus demſelben Metall etwas älter fein dürfte.
Die beiden Glocken mit 0,75 m bezw. 0,80 m Durchmeſſer find im Jahre 1900
von Franz Schilling in Apolda gegoſſen.
Kohlow.
Rohlow, Angerdorf 9,5 km ſüd—
weſtlich von Droſſen. 531 Einw., Land—
gem. 775 ha, Gutsbez. 704 ha.
In „Kawl“ war um 1360 der
Droſſener Bürger Duncktmigut mit
einigen Hufen vom Markgrafen belehnt.
„Kauwel“ hatte einem Schoßregiſter des
Abb. 92. Kohlow. Grundriß der Kirche. Landes Sternberg von 1461 im Ge—
110 Weſlſternberg.
heimen Staatsarchiv zufolge eine Gemarkung von 64 Hufen, darunter 4 Pfarrhufen; zu
einem Bauerngut gehörten, wohl ſchon vom 13. Jahrhundert an bis in die neueſte
Zeit, etwa 2 Hufen. Beſitzer des Ritterguts waren die v. Kökeritz, ſeit der Zeit
des Großen Kurfürſten die 1556 geadelten v. Ludwig, die es 1804 an den Haupt-
mann v. Berg veräußerten. Nachdem 1836 ſich hier der Major Kaſpar v. Kaphengſt
für 53 400 Taler angekauft hatte, iſt das Gut in dem Beſitz der alt-märkiſchen, ſchon
Abb. 93. Kohlow. Kirche, Südportal.
1321 urkundlich auftretenden Familie der Kapehingeſt, die bis Ausgang des 18. Jahr—
hunderts zu Breſch in der Prignitz begütert waren, verblieben.
Die Kirche (Abb. 92), ein im Kerne frühmittelalterlicher Granitfindlingsbau,
beſteht aus annähernd quadratiſchem Langhaus, einem rechteckigen, etwas eingezogenem
Chor und dem das Schiff auf beiden Seiten an Breite überragenden Weſtturm. Die
jüngere aus Backſtein errichtete obere Hälfte dieſes Bauteils mit ihrem vierſeitigen,
Kohlow. li!
heute zinkbedeckten Pyramidendach wird von einer Wetterfahne mit der Inſchrift:
„v. Berg 1804“ bekrönt.) Auf der Oſtſeite des Chores find noch die drei urſprünglichen
Spitzbogenfenſter erhalten. Von ihnen läßt das mittlere dadurch, daß es ſich über
die heutige flache Decke bis hinein in den Dachraum erſtreckt, auf eine ehemals
gewölbte, vielleicht tonnenartig geſtaltete Deckenbildung ſchließen. Außerdem zeigt die
gleiche Abſchlußwand auf ihrer Außenſeite zwei flankierende Spitzbogenniſchen. Zwei
weitere ſchmale, jetzt aber vermauerte Spitzbogenfenſter auf der Südfeite des gleichen
Bauteils ſind ebenfalls urſprünglich; dagegen dürften die vier ebenſo durchgebildeten,
aber größeren Fenſter des Schiffes aus der Mitte des 19. Jahrhunderts ſtammen. Dieſer
Zeit gehört auch die Verbindungstür zwiſchen
Turm und Kircheninnern an. Der ſpitz—
bogige Zugang auf der Südſeite des Altar—
raumes (Abb. 93) mit ſeinem doppelt ab—
getreppten Gewände, dem den Spitzbogen
begleitenden vorgekragten einfachen Profil
und einem über der Bogenſpitze ſitzenden,
ebenfalls aus Granit aufgemauerten Kreuz
iſt jedoch urſprünglich.
Das Schiff beſitzt auf drei Seiten Em—
poren, deren Zugangstreppe im Turm liegt.
Der Kanzelaltar (Abb. 94) mit ſeinen
ſchlichten Säulen zeigt einfache handwerks—
mäßige Formen.
Die Taufe aus Zinkguß iſt modern—
gotiſch.
Die übrige innere Ausſtattung mit
Ausnahme des modern-gotiſchen von dem
Kaphengſt-Rederſchen Alliancewappen über—
ragten Patronatsſtuhls dürfte den vierziger Abb. 94. Kohlow. Kirche, Kanzelaltar.
Jahren des 19. Jahrhunderts angehören.
Ein Meſſingkronleuchter zeigt moderne Renaiſſanceformen.
Ein gotiſcher Kelch (Abb. 95 links), 16,75 om hoch, ſilbervergoldet, beſitzt am
Sechspaßfuß einen aufgenieteten Kruziftrus.
Zwei Patenen mit Weihkreuzen beſtehen ebenfalls aus vergoldetem Silber.
Eine ſilbervergoldete Taufkanne (Abb. 95), 20,28 cm hoch, laut Gewichtangabe
auf der Unterſeite des Fußes 61¼ Lot ſchwer, trägt auf dem Deckel die Inſchrift:
„Kirchenkanne zv Kohlo ano 1710“ und iſt Frankfurter Arbeit.
Der gleichen Zeit dürfte ein ebenfalls ſilbervergoldeter, 26,5; om hoher und 61 Lot
ſchwerer Barockkelch (Abb. 95 rechts) angehören, deſſen Knauf den Namen ſesvs aufweiſt.
Von den drei 1866 von C. F. Voß in Stettin gegoſſenen Glocken mißt im
Durchmeſſer die öſtliche 0,71 m, die mittlere 0,84 m und die weſtliche 0,62 m.
) Turm und Kirche find 1803 ausgebrannt (vgl. Indagandaakte vom Jahre 1814).
112 Weſtſternberg.
Abb. 95. Kohlow. Altargeräte in der Kirche.
In dem 1880 neu erbauten Herrenhaus befinden ſich nachſtehende bemerkens—
werte Gegenſtände:
Zwei Rokokoſchränke mit Intarſien; ein Rokokoſchrank aus der Rheins—
berger Zeit des Prinzen Heinrich, und eine Rokokokommode, ferner ein Olbild des
Chriſtian Ludwig v. Kaphengſt, ehemaligen Adjutanten des Prinzen Heinrich, endlich
eine Taſſe aus der Berliner Porzellanmanufaktur, Zeit der Anfertigung etwa 1790,
Kunersdorf.
Runersdorf, Angerdorf 14,5 km weſtlich von Reppen. 1016 Einw., Landgem.
1624 ha, Gutsbez. 3733 ha.
Wie aus einer Urkunde vom
20. Januar 1399 im Frank
furter Stadtarchiv erhellt, ers
laubte Markgraf Jobſt dem
Rat von Frankfurt, „Cunerts—
dorf“ zu kaufen (vgl. Riedel,
Codex XXIII, 137). Noch
heute beſitzt die Kämmerei
Abb. 96. Kunersdorf. Grundriß der Kirche. einen zumeiſt aus Waldungen
7 — —— — —
0 70
Kohlow — Kunersdorf. 113
beſtehenden Gutsbezirk. Im 15. Jahrhundert wohnten hier 14 Bauern und 6 Koſſäten,
um 1800 11 Ganzbauern, 12 Ganzkoſſäten, 7 Büdner und 6 Einlieger. Der Pfarrkirche
waren von den 40 Hufen der Gemarkung wohl ſchon im 13. Jahrhundert 4 Freihufen
b Ba e
2 e
e., N
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Abb. 97. Kunersdorf. Kirche von Südweſten.
zugewieſen worden. — Am 11. Auguſt 1759 ließ Sſaltykow auf Loudons Rat den Ort,
der den Preußen einen guten Stützpunkt geboten hätte, niederbrennen (vgl. Geſch. des
Siebenjährigen Krieges, hgg. vom Großen Generalſtab, X, 234). Während der
Schlacht am 12. Auguſt wurde das Dorf zeitweilig von den Preußen genommen,
Kunſtdenkm. d. Prov. Bröbg. VI. 3. Weftfternberg. 8
114 Weſlſternberg.
der ummauerte Kirchhof aber von den Ruſſen und Oſterreichern gehalten (vgl. Kofer,
König Friedrich der Große, II, 249 f.). — Patron iſt der Frankfurter Magiſtrat.
Die Kirche (Abb. 96 u. 97), ein im Kerne noch mittelalterlicher Granitfindlings—
bau, geht in der heutigen Geſtalt hauptſächlich auf einen im Jahre 1799 erfolgten
Umbau zurück.) Das Gotteshaus beſteht aus dem älteren rechteckigen Langhaus
und dem im Grundriß annähernd quadratiſchen Weſtturm, während ſeine ſchlanke
Abb. 98. Kunersdorf. Inneres der Kirche, Blick nach Oſten.
Pyramide ſowie die aus Backſtein errichtete Vorhalle auf der Südſeite und die im
Oſten vorgelegte Sakriſtei aus gleichem Material der vorſtehend genannten Zeit des
Umbaues angehören. Gleichzeitig mit dieſem ſind auch ſämtliche Lichtöffnungen
des Gotteshauſes ſowie der Südzugang und die Verbindungstür zwiſchen Sakriſtei
und Kircheninnern, im Gegenſatz zu der ſpätmittelalterlich profilierten Weſtportal—
umrahmung, aus Backſtein. Das Innere beſitzt auf drei Seiten Emporen mit Zu—
gangstreppen in der Südweſt- und Nordweſtecke.
Der ſchlichte Kanzelaltar (Abb. 98) mit ſeinem eigenartig in die Sakriſtei
eingebauten Treppenaufgang (Abb. 99) gehört dem Ende des 18. Jahrhunderts an.
) Vgl. Beantwortung der Indagandaakte vom Jahre 1814.
Kunersdorf. 115
Drei ſpätmittelalterliche Figuren, darunter Maria mit dem Chriſtuskind und Johannes
der Täufer, wurden von dem Vorgänger des Altaraufbaues übernommen.
Der einfache Tauftiſch ſowie die Orgel entſtammen ebenfalls noch dem
18. Jahrhundert.
Ein meſſingenes Taufbecken mit der Darſtellung der Verkündigung und einer
rein dekorativen Umſchrift gehört dem 16. Jahrhundert an, während die Inſchrift: g,
nachträglich hinzugefügt wurde.
Ein Grabſtein für den am 12. Aug. 1759 in der Schlacht von Kunersdorf geblie—
benen ruſſiſchen Offizier von Heicking iſt in den Backſteinfußboden der Kirche eingelaſſen.
Vorhanden ſind noch zwei zopfige Kronleuchter mit Glasbehang, ſowie eine
Anzahl etwa gleichzeitiger Yich =
terblaker aus Blech, darunter
ſechs mit der Inſchrift: „An den
Gerichtsschultzen Gottfried
Schulze zu Cunersdorf 1801“,
endlich zwei Gedenktafeln
zur Erinnerung an die Kriege
1813/14 und 1864.
Ein Kelch, 26,5 om hoch,
ſilbervergoldet, mit zugehöriger
Patene, wurde laut Inſchrift auf
der Unterſeite des Kelchfußes
im Jahre 1775 für die Kuners—
dorfer Kirche von dem Frank—
furter Goldſchmied L. C. Prevöt !)
angefertigt (vgl. denſelben Kelch
in „Kunſtdenkmäler“, Stadt
Frankfurt, Abb. 29).
Drei Glocken hängen im
Turm der Kirche. Die öſtliche
mit 0,85 m Durchmeſſer zeigt
am Hals außer einem nach rechts
aufſteigenden heraldiſchen Löwen
und einer Anzahl Medaillen mit
dem Reichsadler oder Darſtel— Abb. 99.
lungen wie der Verkündigung
u. a. m. noch eine anſcheinend nur dekorative Majuskelinſchrift und dürfte ſpäteſtens
dem Ende des 14. Jahrhunderts angehören. Die mittlere hat 0,72 m Durchmeſſer
und trägt auf der Haube den Anfangsbuchſtaben des Namens der Gottesmutter,
die weſtliche mit 0,48 m Durchmeſſer iſt inſchriftlos. Von dieſen beiden mittelalter—
Kunersdorf. Treppe in der Sakriſtei der Kirche.
1) Johann Chriſtoph Prevöt, geb. 1739 in Caſſel, erwarb am 8. März 1809 in Frankfurt a. O.
das Bürgerrecht.
116 Weſlſternberg.
lichen Glocken dürfte die zuletzt erwähnte, ihrer ſchlanken Form nach zu urteilen,
die älteſte ſein und bis ins 13. Jahrhundert zurückgehen.
Ein Denkmal zur Erinnerung an die Schlacht von Kunersdorf wurde am
22. Auguſt 1909 in der Nähe des Dorfes errichtet. Das am Denkmal angebrachte
Bronzerelief, darſtellend die Rettung Friedrichs des Großen durch den Rittmeiſter
v. Prittwitz zeigt dieſe Begebenheit weſentlich anders als die Schilderung im X. Bande
des Generalſtabwerkes (vgl. auch „Kunſtdenkmäler“, Kreis Lebus, S. 122).
Läſſig.
Tällig, Straßendorf 5,5 km ſüdſüdöſtlich von Göritz. 320 Einw., 1032 ha.
Laut Urkunde vom 3. Februar 1317 im Geh. Staatsarchiv gehörte „Lesk“ dem
Lebuſer Biſchof (vgl. Riedel, Codex XX, 201); dem Zehntregiſter von 1405 zufolge
hatte es 54 Hufen, von denen der Kirche und dem Richter je 4 Hufen bereits im
13. Jahrhundert zugewieſen worden waren. Das nach der Säkulariſation der biſchöf—
lichen Güter unter Joachim II. zur landesherrlichen Domäne gewordene Dorf ward
dem Domänenamt Frauendorf unterſtellt, das aber 1815 in Privatbeſitz kam; 1844
wurde die Herrſchaft Frauendorf mit allem Zubehör vom Königlichen Haus erworben.
Das Filialverhältnis der hieſigen Kirche zu Göritz geht auf das Mittelalter zurück.
Die Kirche (Abb. 100 u. 101), ein im Kerne ſpätmittelalterlicher, unregelmäßig
gemauerter Findlingsbau, zeigt ein einfach rechteckiges Langhaus mit halbkreisförmigem
Oſtſchluß. Der in der Achſe der Weſtfront ſitzende, im Grundriß quadratiſche, verputzte
Backſteinturm mit ſeiner für das 18. Jahrhundert typiſchen Fenſter- und Niſchen—
gliederung auf der Außenſeite, wird über der
heute mit Zink gedeckten Pyramide von einer
Wetterfahne gekrönt mit dem Monogramm
Friedrichs des Großen und der Jahreszahl 1742.
Auch die Sakriſtei im Oſten der Kirche ſowie
die Vorhalle vor dem Südzugang ſind aus Back—
ſtein, gehören jedoch der neueren Zeit an.
Gleichfalls modern ſind die nach oben
: rundbogig gejtalteten Lichtöffnungen des Lang—
Abb. 100. Läſſig. Grundriß der Kirche. hauſes und des runden Oſtſchluſſes. Außer
durch die Vorhalle auf der Südſeite gelangt
man noch von Weſten her durch den Turmunterbau nach dem Kircheninnern mit
ſeinen auf drei Seiten angebrachten Emporeneinbauten.
Der einfache Kanzelaltar zeigt ſchlichte, handwerksmäßige Formen.
Die Taufe aus Zinkguß iſt modern-gotiſch.
Die ebenſo wie die Emporen und das Geſtühl braun geſtrichene Orgel weiſt
noch verſchiedene jetzt vergoldete Reſte barocker Rankenſchnitzereien auf.
x
Kunersdorf — Läſſig. 117
Eine Erinnerungstafel rechts vom Altar wurde 1816 von dem „Baron v.
Frauendorf“ zum Andenken an zwei in den Befreiungskriegen gefallene Musketiere geſtiftet.
Verſchiedene der neueren Zeit angehörige z. T. mit Bändern geſchmückte Toten—
kronen und Kränze unter Glas hängen
an den Emporenbrüſtungen.
Die Beleuchtungskörper ſind
aus neuerer Zeit.
Eine mit Leimfarbe handwerks—
mäßig auf Holz gemalte Darſtellung
des heiligen Abendmahls, ein
altes Altarbild, befindet ſich im erſten
Obergeſchoß des Kirchturmes und wurde
laut Inſchrift auf der Rückſeite der
Holztafel von dem „Mahler und Civ.
Akad.“ Johann Allardt in Frankfurt
a. O.!) im Jahre 1696 verfertigt.
Ein altes Uhrwerk auf dem
Kirchenboden gehört anſcheinend eben—
falls dem 17. Jahrhundert an.
Ein ſchmiedeeiſerner Halter für
die Predigtuhr wird in der Sakriſtei
aufbewahrt.
Vorhanden ſind noch: eine zinnerne
Kirchenflaſche, 25 cm hoch ein—
ſchließlich des Deckels, ſechseckig, Wende
des 17. Jahrhunderts; ein zinnernes Abb. 101.
Taufbecken mit geſchweiftem Rand,
zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts; ein Zinnkelch, 15 cm hoch, ſowie eine kleine
Zinnkanne, ebenfalls mit geſchweiftem Rand, dürften etwas jünger ſein.
Ein Kelch, 23, cm hoch, ſilbervergoldet, zeigt auf der Unterſeite des Fußes
die Inſchrift: „Lässig 1693“ und iſt laut Stempel Berliner Arbeit. Meiſterinitialen
B. Q. Eine zugehörige, ebenfalls ſilberne Patene mit Weihkreuz zeigt die gleiche
Inſchrift und das gleiche Meiſterzeichen.
Drei Glocken hängen in zwei Geſchoſſen des Turmes verteilt. Von den beiden
unteren iſt die öſtliche mit 0,60 m Durchmeſſer von Guſtav Collier in Berlin-Zehlendorf
1884 gegoſſen; die weſtliche mit 0,93 m Durchmeſſer aus dem Jahre 1847 ſtammt von
H. Ch. Lange zu Frankfurt a. O. Am Tragebalken eingeſchnitten lieſt man „Carl
Fischbach 1847“. Die obere Glocke von 0,47 m Durchmeſſer hat am Hals den
Glockenſpruch: „GLORIA IN EXCELSIS DEO“ (= Ehre ſei Gott in der Höhe)
und auf der Haube die Inſchrift: „ICH RUFE ZUM WACHEN UND ZUM
BETEN UND AUCH IN HÖCHSTEN NÖTEN“. 18. Jahrhundert.
) Vgl. auch Kunſtdenkmaler, Kreis Lebus, S. 172, und Stadt Frankfurt, S. LXVII.
Läſſig. Kirche von Südweſten.
118 Weſtſternberg.
Laubow.
Taubow, Straßendorf 11 km ſüdöſtlich von Droſſen. 311 Einw., 1234 ha.
Zugleich mit Zielenzig wurde laut Urkunde vom 27. Oktober 1286 im Geheimen
Staatsarchiv „Lubene“ vom Markgrafen dem Templerorden übereignet (vgl. Riedel,
Codex XIX, 125). Vom 14. Jahrhundert behauptete ſich hier der Johanniterorden
bis zu ſeiner Aufhebung im Jahre 1810, und zwar gehörte Laubow zuſammen mit
Krieſcht, Limmritz und anderen Dörfern zum Ordensamt Sonnenburg. Die durch das
biſchöfliche Zehntregiſter von 1405 bezeugte Ausſtattung von „Luba“ mit 61 Hufen,
darunter 4 Pfarrhufen, weit auf planmäßige Anlage durch deutſche Koloniſten im
13. Jahrhundert hin (Geh. Staatsarchiv, Rep. 78 a. 11).
Die Kirche wurde nach Aufzeichnungen in alten Kirchenbuchreſten zu Laubow
im Jahre 1520 erbaut. Nach derſelben Quelle waren die Wände mit bunten Bildern
bemalt.) Ferner wird berichtet, daß
der Holzturm, deſſen Bau dem Jahre
1546 angehört, 1693 erneuert und
mit eichenen Bohlen bedeckt wurde.
1621 wurde der Altar und 1686 eine
neue Kanzel in der Kirche errichtet.
1813 kam der ſilberne, innen ver-
goldete Abendmahlskelch abhanden.
Dem Jahre 1866 gehört die Orgel
an, während die Abendmahls- und
Taufgeräte aus Alfenide im Jahre 1883
beſchafft und die Altarleuchter im Jahre 1887 bronziert wurden.
Vorſtehende Notizen werden durch Aufzeichnungen, die der Lehrer Theodor
Körner mit Rückſicht auf das Ausſehen der Kirche vor der letzten umfaſſenderen
baulichen Inſtandſetzung niedergeſchrieben hat, beſtätigt und noch ergänzt. Sie lauten
wörtlich: „Dieſe Kanzel iſt 1686 neu erbaut, 1621, den 25. Febr., iſt dieſes Altar
renoviert und Gott zu Ehren aufgerichtet unter Prediger Martino Prosnacio Jacob
Enden, Schultze, Peter Meißner und Merten Schikken, Kirchenväter, dieſen gefolgt
Andreak Blrüh und Adam Gabriel 1686, den 20. April, das Altar neu erbaut unter
Andreä Papis. Kirchenväter: Hans Vorwerk und Chriſtoff Hahn. Bauern zu dieſer
Zeit Chriſtoff Ende, Hans Töpper, Martin Gerke, Adam Walde, Caspar Daubitz,
Martin Schulz, Görge Büttner.“ Dieſe Bauernnamen ſtanden an dem Chorbalken
deutlich geſchrieben. An der Decke über dem Fenſter ſüdlich vom Altar ſtand der
Abb. 102. Laubow. Grundriß der Kirche.
) Dieſe Angabe wird beſtätigt durch folgende Bemerkung in der Matrikel (20. Febr. 1694): „Die
Kirche iſt . . . inwendig gemahlet nach Papiſtiſcher Art.“ Nachſtehende Notiz in der Beantwortung der
Indagandaakte aus dem Jahre 1844 beſagt dasſelbe: „Das Innere der Kirche iſt mit ſoviel Schnörkeln und
groteſken Figuren aus dem Papſtthum ausgemahlet, daß es in der benachbarten Gegend Redensart iſt:
So bunt wie in der Lauboſchen Kirchen.“
x
Laubow. 119
Name des Erbauers der Kirche Herr v. Buch!) und darunter hing ein einfaches Brett
als Tafel, worauf der Kopf dieſes Herrn gemalen war, ohne Bedeckung ein länglich
Geſicht mit ſtarker Naſe, langem mehr rötlichem als blondem Bart und ähnlichem
geſchorenem Kopfhaar. Dieſe Tafel haben die Arbeiter des Maurermeiſter Th. Michel
aus Droſſen, welcher 1863 die Renovierung übernommen hatte ſamt den alten
—
Abb. 103. Laubow. Kirche von Südoſten.
Kirchenſtühlen und Bänken nach Droſſen zum Brennholz geholt. Unter dieſem Bilde
war der Lutherkopf, wie er auf den jetzigen Bildern dargeſtellt iſt, an die Wand
gemalen. Derſelbe iſt mit Schlemmkreide und dem jetzigen Malerputz übertüncht.
Die Jahreszahl 1520 war an 3 Stellen an der Decke in der kleinen runden Fläche,
wo die Bögen zuſammenſtoßen, verzeichnet. In den andern runden Flächen waren
verſchiedene andere Sinnbilder, z. B. über der Tür ein Affe, über dem alten Küſter—
) Die Indagandaakte ſagen von dieſem Bilde: „Unter den Bildern befindet ſich auch ein adeliges
Wappen mit der Unterſchrift in ſehr alter Fraktur-Schrift: S R De R G von Buchs, woraus hervorzu—
gehen ſcheint, daß die Kirche anno 1520 adlichen Patronats geweſen iſt.“
120 Weſlſternberg.
Abb. 104. Laubow. Inneres der Kirche, Blick nach Oſten.
und Schülerchor, welches auf einer hölzernen, mannsdicken Säule am vorderen Ende
und an der Kanzel, am hinteren Ende und wo auch der Aufgang von der Kanzel—
treppe ging und an der Wand rubete, mit einer Bank für den Küjter, vorn am Ende
mit dem Leſepulte und der ſchwarzen Liedertafel, die noch in der Schule hängt.“
Laubow — Leichholz. 121
Die Kirche (Abb. 102 u. 103) iſt eine anläßlich des oben erwähnten größeren
Umbaues zu Anfang des 16. Jahrhunderts am Außeren mit Strebepfeilern verſehene
mittelalterliche Anlage von rechteckiger Grundform und mit dreiſeitigem Oſtſchluß. Der
heute noch ſtehende hölzerne, mit einer ſchiefergedeckten, ſchlanken Pyramide verſehene
Weſtturm gehört dem Jahre 1693 (Jahreszahl in der Wetterfahne) an, während die
Backſteinvorhalle vor dem Nordzugang des Gotteshauſes wahrſcheinlich im Jahre 1863,
d. h. anläßlich der letzten umfangreichen Wiederherſtellung errichtet wurde. Außer der
Vorhallentür vermittelt noch ein zweiter Zugang von Weſten her den Zutritt zu dem
mit reichem Netzgewölbe verſehenen Kircheninnern (Abb. 104). Die wahrſcheinlich
ſchon in den fünfziger Jahren des 19. Jahrhunderts erweiterten Lichtöffnungen ſind
nach oben rundbogig abgeſchloſſen. Der Fußbodenbelag beſteht aus Backſteinflieſen.
Das Geſtühl ſowie die Weſtempore wurden im Jahre 1863 erneuert.
Der nachträglich zuſammengefügte Kanzelaltar (Abb. 104) zeigt, abgeſehen von
der wie oben erwähnt aus dem Jahre 1686 ſtammenden Kanzel, in dem ehemaligen
Altaraufbau ſchon Teile aus zwei verſchiedenen Stilperioden. So dürfte das jetzt als
Kanzeltür dienende urſprüngliche Hauptbild, eine Kreuzigungsdarſtellung, ebenſo wie
die Auferſtehung in dem von einer Chriſtusfigur bekrönten oberen Aufbau, dem Jahre
1621 angehören, während die von Renaiſſanceſäulchen eingefaßten vier Paare von
Heiligenfiguren zu beiden Seiten des Mittelfeldes den Typus des 16. Jahrhunderts tragen.
Der an Stelle einer älteren hölzernen Taufe angeſchaffte Taufſtein aus
gebranntem Ton gehört den ſechziger Jahren des 19. Jahrhunderts an.
Ein Zinnkelch, 23,5 em hoch, mit zugehöriger Patene, zeigt am Stengel
die Meiſterinitialen J. C. A. und die Jahreszahl 1780.
Die jetzt bronzierten (ſiehe S. 118) einſchließlich Dorn 59 em hohen Zinnleuchter
ſtammen aus dem 17. Jahrhundert.
Von den beiden Glocken dürfte die inſchriftloſe Südglocke mit 0,95 m Durchmeſſer
noch mittelalterlich ſein, die reichverzierte Nordglocke mit einem Durchmeſſer von
0,61 m zeigt u. a. auf der Haube eine Madonna, ferner Engelgeſtalten in Ranken—
werk, ſowie außer dem Wappen auch die Anfangs—
buchſtaben des Namens des Glockengießers Franz
Voillard und die Jahreszahl 1666. Ihr An—
ſchaffungspreis betrug, laut Matrikel vom 20. Fe—
bruar 1694, 82 Taler.
Leichholz.
Teichholz, Straßendorf 24 km oſtſüdöſtlich
von Reppen. 3599 Einw., Landgem. 787 ha, Abb. 105. Leichholz. Grundriß der Kirche.
Gutsbez. 1010 ha.
Im Beſitz von „Leckhotz“ wurde 1460 durch den Markgrafen der Johanniter—
orden beſtätigt, als deſſen Lehnträger ſeit 1492 die v. Loſſow hier ſaßen (vgl. Wohl—
brück, Bistum Lebus III, 540). Um 1800 beſaß der kurländiſche Freiherr v. Medem
122 Weſtſternberg.
das Lehn; zudem war hier die Erbprinzeſſin von Hohenzollern-Hechingen begütert.
1871 ging das Medemſche Gut durch Kauf vom Grafen v. Perponcher an den
Fürſten von Hohenzollern über.
Die Kirche (Abb. 105), ein einfach rechteckiger Fachwerkbau, ohne Turm, wurde
am 9. Febr. 1845 % eingeweiht. Je eine Tür auf der Nord- und Oſtſeite führen nach
dem Innern (Abb. 106).
Die hinter dem Altartiſch errichtete Kanzel mit dem zugehörigen Paſtorenſtuhl
— « »A ee
Abb. 106. Leichholz. Inneres der Kirche.
zeigt ebenſo wie die Orgelempore auf der Oſtſeite oder das Geſtühl und die übrige
Ausſtattung der angeführten Bauzeit entſprechend einfach ſchlichte Formen.
Eine Anzahl Bauernepitaphien und eigenartig durchgebildete Denktafeln
(Abb. 107) zur Erinnerung an den Krieg 1870/71 hängen an den Wänden.
Ein großes modernes Chriſtusbild ſchmückt die Rückwand der Kanzel.
Eine achtarmige Lichterkrone gehört ebenfalls der neueren Zeit an.
Zwei reicher durchgebildete Zinnleuchter auf dem Altar beſitzen die In—
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ſchrift: ENYZ.
1714
) Zum Bau der Kirche ſchenkte Friedrich Wilhelm IV. 400 Taler.
Leichholz — Leiſſow.
Ein zinnernes Taufbecken mit
einem aus den Buchſtaben v gebildeten
reichverſchlungenen Monogramm und der
Jahreszahl 1688 zeigt in der Mitte der
Vertiefung das Lamm mit der Kreuzes—
fahne und dem Kelch, während eine
Majuskelinſchrift: „ECCE AGNVS
De TOLEIT PECCEATA
MVNDI“ (= Siehe das ift Gottes
Lamm, welches der Welt Sünde trägt)
lautet.
Von den der neueren Zeit ange—
hörigen Altargeräten iſt nur ein 25 cm
hoher Kelch mit dem Wappen und den
Initialen C. B. v. M. (= Carl Baron
v. Medem) bemerkenswert. Er iſt eine
Stiftung des Freiherrn Heinrich v. Medem
aus dem Jahre 1843 zum Andenken an
ſeinen Bruder Karl v. Medem.
Zwei Glocken, laut Aufſchrift vom
Bochumer Verein Gußſtahlfabrik und
eine Stiftung des Fürften von Hohen—
zollern aus dem Jahre 1878, hängen in
einem beſonders dazu errichteten Glockenſtuhl abſeits von der Kirche.
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Abb. 107. Leichholz. Denktafel im Innern der Kirche.
Die nördliche
mißt 0,75 m, die ſüdliche 0,63 m im Durchmeſſer.
Leiſſow.
Teiſſlow, Straßendorf 10 km ſüdlich von Göritz.
319 Einw., 676 ha.
1412 erhielten laut Lehnsregiſtratur im Geheimen Staatsarchiv (Rep. 78. 49,
Abb. 108.
Leiſſow.
Kirche.
Grundriß der
fol. 1 i. d.; vgl. Riedel, Codex C I, 48) Kaſpar, Hans
und Friedrich Rotſche die Belehnung mit einem Teil
von „Lißaw“, einem dem Johanniterorden, Kommende
Lagow, unterſtehenden Dorf. Laut Schoßregiſter des
Landes Sternberg von 1461 hatte „Lyſſow“ nur
17 Hufen, darunter 2 Pfarr- und 2 Richterhufen. 1529
kam es an die Jobſt, 1584 an die v. Wedel zu Biſchofs—
ſee, ſpäter an die Stadt Frankfurt. Durch König
Friedrich Wilhelm J. wurde 1734, wie aus den Akten des
Geheimen Staatsarchivs erhellt, Leißow und Biſchofsſee
für 30 000 Taler von dem Generalleutnant v. Bredow
gekauft und zum Domänenamt Biſchofsſee geſchlagen.
124 Weſlſternberg.
Die Kirche (Abb. 108 u. 109) iſt eine im Grundriß kreuzförmige Anlage mit Vor—
halle auf der Weſtſeite. Sie beſitzt über der Vierung einen in der Achſe des Querſchiffs
vorgeſehenen hölzernen Dachaufbau, deſſen Satteldach einen im Grundriß quadratiſchen
verbeſſerten Turm mit ſchiefergedeckter, ſchlanker achtſeitiger Pyramidenſpitze trägt.
Der mittelalterliche Kern’), das rechteckige Langhaus, iſt nicht allein an dem Granit—
material der über 1 m dicken Umfaſſungsmauern zu erkennen, ſondern auch an der
Abb. 109. Leiſſow. Kirche von Nordweſten.
aus Backſtein großen Formats gemauerten Leibung der Verbindungstür zwiſchen Vor—
halle und Kircheninnern.
Der ganze innere Ausbau, d. h. die Emporen ſowie der Altar, die Kanzel, die
Orgel und die Taufe gehören der Neuzeit an.
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Bemerkenswert iſt noch links vom Altar in der Oſtwand die ehemalige jetzt
vermauerte Sakramentsniſche.
) Matrikel d. d. 17. März 1691: „Die Kirche iſt gantz gemauert, mit einer Hallen, undt von
Ziegeldach. Hat fünf Fenſter und Eine Thür. Die Decke von Dielen, da die Helffte ein Schwiebbogen,
die andere Helffte gerade und gemahlet iſt.“
Leiſſow — Lieben. 125
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Abb. 110. Leiſſow. Bauernhaus.
Ein Taufbecken aus Zinn trägt die Jahreszahl 1846.
Zwei Glocken. Die öſtliche von 0,57 m Durchmeſſer iſt 1867 von Fr. Gruhl in
Kleinwelka bei Bautzen gegoſſen, die weſtliche von 0,75 m Durchmeſſer ſtammt von
Großheim in Frankfurt a. O. vom Jahre 1843.
Ein Bauernhaus mit Vorlaube (Abb. 140) ſteht weſtlich von der Kirche an
der Dorfſtraße.
Lieben.
Lieben, Angerdorf 10 kKmoſtſüdöſtlich von Droſ—
fen. 405 Einw., Landgem. 355 ha, Gutsbez. 1394 ha.
Für „Lybnow“ iſt durch Zehntregiſter des
Biſchofs von Lebus von 1405 im Geheimen Staats—
archiv, ebenſo wie für ſo viele andere Dörfer der > =
Lande Sternberg und Lebus, die auf das Zeitalter Abb. 111. Lieben. Grundriß der Kirche.
126 Weſlſlernberg.
Abb. 112. Lieben. Inneres der Kirche, Blick nach Oſten.
der deutſchen Koloniſation, das 13. Jahrhundert, hinweiſende Ausſtattung mit
64 Hufen, darunter 4 Pfarrhufen, bezeugt. Die Zahl der ritterlichen Freihufen war
ſchon um 1412, als die Rotz oder Rotſch zu „Luben“ begütert waren, ſehr groß
(Rep. 78. 49, fol. 1. i. d.); 1536 find die v. Selchow zu „Lyvenow“ nachweisbar,
Lick en. 127
die ſich auf den 2 Ritterſitzen hier über
200 Jahre behaupteten. In „Lieben“
dieſer Name erſcheint zuerſt 1608 — wech—
ſelten die Beſitzer häufig: um 1800 Graf
Reuß, um 1816 v. Sprenger, in neueſter Zeit
Heymann, dann Neumann.
Die Kirche (Abb. 111 u. 112), ein lang⸗
geſtreckter, rechteckiger turmloſer Granitbau
mit Liſenen und Eckpfeilern aus Backſteinen,
dürfte aus den dreißiger Jahren des 19. Jahr—
hunderts ſtammen. Ein doppelter Eingang
führt von Weſten her nach dem Innern
(Abb. 112), das auf den beiden Langſeiten
und an der Weſtwand von doriſchen Säulen
getragene Emporen aufweiſt. Eine gleiche
Anzahl doriſcher Holzſäulen trägt die geraden
Decken der Süd- und Nordempore, während
das von einer Holztonne überdeckte Mittel—
ſchiff halbkreisförmige Lünettenfenſter auf der
Weſt- und Oſtſeite zeigt.
Der Altar, hinter dem ſich die mit
der übrigen inneren Ausſtattung gleichzeitige
Kanzel erhebt,
zeigt in moderner
Renaiſſance-Um⸗
rahmung eine
Kreuzigungsdar—
ſtellung aus der
Mitte des 17.
Jahrhunderts ).
Ein Kelch,
20 cm hoch,
ſilbervergoldet,
zeigt am Knauf
geflügelte Engel—
köpfchen und am
Sechspaßfuß die
) Nach der Be-
antwortung der In—
dagandaakte (1814)
war die alte Kirche
1645 erbaut. Abb. 114. Lieben. Dorfſchmiede.
Abb. 113. Lieben. Kelch in der Kirche.
128 Weſtſternberg.
Inſchrift: „MARIA . VON ILOWN - WITWE . ANNO 16544. Meiſter:
B. W. (Abb. 113).
Zwei Glocken. Die öſtliche von 0,63 m Durchmeſſer zeigt am Hals die ſpät—
gotiſche Minuskelinſchrift: „ave maria gracia plena dominus tecum bene...“ (Ge—
grüßet ſeiſt du Maria, Gnadenvolle, der Herr ſei mit dir, Gebenedeiete ..). Die
weſtliche von 0,80 m Durchmeſſer iſt 1864 von C. Voß und Sohn in Stettin gegoſſen.
Eine aus Fachwerk errichtete maleriſche Dorfſchmiede mit Vorlaube ſteht
unweit der Kirche (Abb. 114).
Groß-Lübbichow.
Groß-Tübbichow, Angerdorf 5 km nordweſtlich von Reppen. 305 Einw.,
1182 ha.
In der Urkunde über die Reppener
Grenzen vom 28. Juli 1329 (Geh.
Staatsarchiv, Rep. 78. III, R 19) wird
die Mühle zu „Löbbichen“ erwähnt.
64 Hufen, darunter 4 Pfarr- und
9 Richterhufen, beſaß „Groten Lu—
bechyn“ laut biſchöflichem Zehnt—
regiſter von 1400. Im 15. und
16. Jahrhundert werden in den
Lehnsregiſtraturen des Geheimen
Staatsarchivs verſchiedene Bürger
und Ritter als Inhaber von Gerecht—
ſamen genannt: 1413 die v. Grüne—
berg zu Reichenwalde, 1441 die Ges
brüder Quernhamel, von 1516 an
auf lange Zeit die v. Sydow. In
friderizianiſcher Zeit unterſtand die
um 1800 16 Bauern und 9 Koſſäten
zählende Ortſchaft „Groß-Lübbichow“
dem Domänenamt Neuendorf.
Die Kirche, ein modern-gotiſcher
Backſteinbau mit kreuzgewöoͤlbtem,
rechteckigem Chor und quadratiſchem
Weſtturm, wurde am 7. September
ISIS eingeweiht.
Der aus der früheren Kirche übers
nommene Altaraufbau (Abb. 115)
mit gewundenen Säulchen und
Abb. 115. Greß-Lübbichow. Kirche, Altar. Engelsfiguren zu beiden Seiten des
Lieben — Klein⸗Lübbichow. 129
Hauptbildes, einer Kreuzigung, enthält in der Predella eine Abendmahlsdarſtellung und
in der auf der einen Seite noch mit geſchnitzten Ranken verzierten, geſchwungenen Giebel—
verdachung die Geſtalt des Auferſtandenen. Eine Inſchrift auf der Rückſeite lautet:
„Anno 1700 Hat Meister Daniel Ulerich Duchter den 25 Augustus aufs Franck-
furht Diefef Altahr und Kantzel gemacht und aufgetzet.“
Von den beiden ebenfalls aus der alten Kirche übernommenen Glocken hat die
öſtliche 0, 9 4m Durchmeſſer und iſt unter dem Patronat des Joachim Erdmann v. „Borgsdorf“
im Jahre 1697 von Chriſtian Heintze in Berlin ge—
goſſen. Die weſtliche mit 0,73 m Durchmeſſer ſtammt
1 aus dem Jahre 1706 von Johann Jacob Schultz in
ö 9 Berlin; ihr Glockenſpruch lautet: „Ad res divinas
opulo pia classica — canto soli deo gloria.“
POP P 8
(= Ich ſinge dem Volke zum Gottesdienſt fromme
Weiſen und Gott allein zur Ehre).
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Abb. 116. Klein-Fübbichow. Grund— Klein-Lübbichow.
riß der Kirche. Klein-Lübbichow, Angerdorf 7 km nördlich
von Reppen. 134 Einw., 932 ha.
Das laut Regiſter des Lebuſer Biſchofs von etwa 1405 (fol. 23) nur 32 Hufen, alſo nur
halb ſoviel als Groß-Lübbichow, umfaffende „parva Lubechyn“ wurde einer Urkunde
im Geheimen Staatsarchiv vom
1. Januar 1447 zufolge von den
Frankfurter Bürgern Quern—
hamel an Martin Wins ver—
pfändet (vgl. Riedel, Codex
XXIII, 219f.). Später gehörte
„Klein-Lobichau“ ebenſo wie
das größere Nachbardorf den
v. Grüneberg, ſodann den v.
Sydow. Doch von der Zeit des
Großen Kurfürſten an trat eine
enge Verbindung mit Kohlow
ein, deſſen Beſitzer — die v.
Ludwig, um 1800 die v. Berg
— auch hier begütert waren.
Die Kirche (Abb. 116 u.
117) iſt ein einheitlich durch—
geführter, verputzter Fachwerk—
bau mit dreiſeitigem Oſtſchluß,
einer rechteckigen Vorhalle vor
ihrem Eingang auf der Süd—
ſeite und einem quadratiſchen, Abb. 117. Klein⸗Lübbichow. Kirche von Südoſten.
Kunſtdenkm. d. Prov. Brdbg. VI. 3. Weſtſternberg. 9
130 Weitjternberg.
im oberen Teil verbretterten Weſtturm mit ziegelgedeckter, vierſeitiger Pyramide, deren
Wetterfahne die Buchſtaben v. B. (v. Berg) und die Jahreszahl 1818 zeigt. In dieſem
Abb. 118. Klein-Lübbichow. Kirche, Altar.
Jahre wurde nach vorhandenen Akten der Turm an Stelle des alten, ſchadhaften neu
erbaut, während die Kirche ſelbſt ſowie faſt die ganze innere Ausſtattung aus der
zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts ſtammen dürften. Dieſe Annahme gewinnt an
Klein⸗Lübbichow — Malſchdorf. 131
Wahrſcheinlichkeit durch die eingeſchnittene Inſchrift: „Anno 1669 MGx CA“ in
der Vorhalle über dem Zugang zur Kirche. Der Fußboden beſteht aus Backſtein von
8x135 „ 28 cm Größe.
Der Altar (Abb. 118), deſſen Tiſch aus Backſtein maſſiv aufgemauert iſt, beſitzt
in der Predella ſeines etwa aus der Mitte des 17. Jahrhunderts ſtammenden Auf—
baues einen Kartuſchenſchmuck, während das von Säulchen und Engelsfiguren eingefaßte
Hauptbild den Gekreuzigten mit Maria und Johannes darſtellt. Über der ſtichbogigen
Verdachung endlich erkennt man zwiſchen den beiden, ſicher von einem ſpätgotiſchen Altar
übernommenen Apoſtelgeſtalten Petrus und Paulus das von einem modernen Kreuz über—
ragte Wappen derer „von Ludewich“ mit entſprechender Überſchrift.
Auch die etwas einfacher geſtaltete Kanzel zeigt an ihrer Brüſtung die gleiche
Formenſprache wie der Altar.
Die ganz ſchlichte Taufe mit einer meſſingenen Taufſchale gehört ſpäteſtens
dem 18. Jahrhundert an.
Die Orgel iſt aus neuerer Zeit.
Ein Kelch, 25, om hoch, Silber, innen leicht vergoldet, mit dem für den Anfang
des 18. Jahrhunderts typiſchen Wulſtknauf, weiſt die Meiſterinitialen J. C. M. auf.
Eine zugehörige Patene, gleichfalls aus Silber, iſt wie der Kelch Berliner Arbeit.
Ein Kelch, 27 cm hoch, Silber, innen leicht vergoldet, hat ebenſo wie die
zugehörige Patene die Aufſchrift: „Klein Lübbichow 1796“ und iſt Frankfurter Arbeit.
Zwei Glocken. Die öſtliche von 0,40 m Durchmeſſer und ſehr ſchlanker Form
iſt ohne Inſchrift und ſicher mittelalterlich. Die weſtliche von 0,58 m Durchmeſſer
weiſt in ſpätgotiſchen Minuskeln den Engliſchen Gruß auf: „)K ave )K maria . gracia
plena % dominus )K tecum e benedicta tu.“ (Gegrußet ſeiſt du Maria, Gnaden—
volle, der Herr ſei mit dir, du Gebenedeiete).
Matſchdorf.
Matſchdorf, Straßendorf 10 km ſüdſüdöſtlich von Reppen. 395 Einw.,
Landgem. 678 ha, Gutsbez. 1245 ha.
„Matzendorff“ umfaßte laut Bistumsregiſter von etwa 1405 (fol. 24) im Ge—
heimen Staatsarchiv nur 30 Hufen und
gehörte zur Kirche in Reipzig. Friedrich J.
beſtätigte 1412 der Gemahlin Anna des
Ritters Heinrich v. Oynitz „Matzdorf“ und
„Greden“ als Leibgedinge (Geh. Staats—
archiv, Rep. 78. 49, fol. 8; vgl. Riedel,
Codex CI, 57). 1431 kam der Johanniter—
— — orden durch Kauf in Beſitz von „Matsthorff“.
1540 verkaufte der Orden den Ort dem
0 0. 2 Dr. Wolfgang Kettwig, deſſen Nachkommen
Abb. 119. Matſchdorf. Grundriß der Kirche. hier eine Papiermühle anlegten und ſich
9*
132 Weſlſlernberg.
bis zu ihrem Erlöſchen im Jahre 1780 behaupteten (vgl. S. 95). Den Pfarr-, Kirchen—
und Schulſachen der Parochie „Matzdorf“ im Frankfurter Regierungsarchiv zufolge
war 1787 Beſitzer des „Ordenslehnguts“ der Oberſtleutnant v. Münchow, von 1792
an Miniſter v. Struenſee, dann ſein Schwiegerſohn v. Königsmarck, ferner Senfft v.
1869 v. Riſſelmann zu Görbitſch, endlich Graf Finck v. Finckenſtein.
Pilsach, von 1828
Mun
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——
Abb. 120. Matſchdorf. Kirche, Anſicht von Nordoſten.
Die Kirche (Abb. 119 u. 120) iſt ein rechteckiger Backſteinfachwerkbau aus dem
letzten Viertel des 18. Jahrhunderts!) mit einem im Grundriß quadratiſchen Turm,
deſſen Pyramide in der Wetterfahne die Inſchrift „AD (= Anno Domini) v K“
(= v. Kettwig) und die Jahreszahl 1775 zeigt. Das Gotteshaus beſitzt außer zwei
ſeitlichen, die ganze Breite der Weſtfront füllenden Turmanbauten eine in der Achſe
des Kirchenraumes gelegene Nordvorhalle, einen ebenſolchen, aber kleineren Vorbau
vor dem Zugang zu dem Patronatsſtuhl auf der Südſeite des Altars und eine nur
etwa 7,5 qm große Sakriſtei vor der Mitte der Oſtfront.
) Vgl. auch Beantwortung der Indagandaakte vom Jahre 1814, wonach die Kirche im Jahre 1777
erbaut und im Jahre 1787 bis 1788 ausgeſtattet worden iſt.
Malſchdorf. 133
Flachbogig geſchloſſene Lichtöffnungen erhellen das Innere. Außer den erwähnten
Türen vermitteln noch eine weitere in der Achſe der Südfront gelegene und ein Zugang
durch den Turmunterbau hindurch den Verkehr mit dem Innern.
Die ganze innere Ausſtattung (Abb. 121), einſchließlich des Flieſenbodens und
der flachen Stuckdecke mit ihrer einfachen Umrahmung und der langgezogenen Voute,
iſt noch überwiegend urſprünglich.
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Abb. 121. Matſchdorf. Inneres der Kirche, Blick nach Oſten.
Die drei Emporen auf der Nord-, Süd- und Weſtſeite ſind dem Zeitgeſchmack
entſprechend im Grundriß geſchwungen.
Der Kanzelaltar zeigt an der Vorderſeite der von den beiden korinthiſchen
Säulen und dem Rankenwerk des Aufbaus ſeitlich eingefaßten Kanzel das Johanniterkreuz.
Der Taufengel aus der erſten Hälfte des 18. Jahrhunderts weiſt nicht mehr
die urſprüngliche Bemalung auf.
Die ſchlichte Taufe beſitzt ein Taufbecken aus Zinn mit der Inſchrift: „Der
Kirche zu Matschdorf 1820“.
Die Orgel ſtammt ebenfalls aus dem Anfang des 19. Jahrhunderts.
Zwei zinnerne Altarleuchter, 54m hoch, wurden nach einem ſpäteren Zuſatz
zur Matrikel von 1694 von Frau „Oberſt-Wachtmeiſterin“ Klara Sophia von „Kötwig“
134 Weſtſternberg.
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Abb. 122. Matſchdorf. Grabdenkmäler der Familie des Staatsminiſters Struenſee von Carlsbach.
(geb. v. Quitzow) zum Preiſe von 13 Talern beſchafft, „beſage des Inspectoris Arnolden
hierbey Riegen ſchreiben vom 9. Junii 1704.“
Zwei Altarleuchter dürften dem Anfang des 19. Jahrhunderts angehören.
Ein Kronleuchter in Renaiſſanceformen ſtammt aus neuerer Zeit.
Drei Tafeln zur Erinnerung an die Kriegsjahre 1813, 1815 und 1866 hängen
an den Wänden.
Zwei rotſeidene Kommunionstücher zeigen in Gold- und Silberſtickerei die
Inſchrift: „Christina Ritlingen Anno 1705“.
Ein Kelch, 23,5 cm hoch, Silber, innen leicht vergoldet, mit zugehöriger Patene,
gehört der Mitte des 19. Jahrhunderts an. Meiſter R. Beyſen.
Ein Kelch, 15,8 cm hoch, im Herrenhaus, zeigt die Inſchrift: „maria hilf got“
und ſtammt aus dem au des 16. Jahrhunderts.
Zwei Glocken. Die ſüdliche mißt 0,66 m, die nördliche 0,78 m im Durchmeſſer,
beide ſind von C. 0 in Berlin 1857 gegoſſen.
Südlich von der Kirche ſtehen drei nach Schadowſchen Entwürfen gefertigte
—
Matjchdorf. ’ 135
Grabdenkmäler; fie gehören an: dem Staatsminiſter Carl Auguſt Struenſee von
Carlsbach, geb. am 18. Auguſt 1735, geſt. am 17. Oktober 1804, feiner Frau Caroline
Eliſabeth Struenſee von Carlsbach geb. Müller, geb. zu Liegnitz am 6. Dezember 1748,
geſt. zu Matſchdorf am 27. September 1803, und beider Tochter Charlotte Wilhelmine
Struenſee von Carlsbach, geb. in Berlin am 23. Auguſt 1782, geſt. zu Matſchdorf am
1. September 1797. Das Denkmal des Staatsminiſters (vgl. Abb. IV in der Kunſt—
geſchichtlichen Überſicht) zeigt über einem auf der Vorderſeite mit Inſchrifttafel und Kranz
geſchmückten Poſtament eine mit einem Tuch drapierte ſchöne Urne; von den beiden
Grabmälern der weiblichen Verſtorbenen gleicht das eine einem Sarkophag (Abb. 122).
Das Herrenhaus (Abb. 123) iſt ein langgeſtreckter, zweigeſchoſſiger, maſſiver, ſpät—
barocker Putzbau, deſſen Eingangshalle in der Achſe der Hauptfront liegt. Das
Dach wurde in neuerer Zeit in Schiefer umgedeckt und in ſeiner Form etwas verändert.
Im Innern iſt die eigenartig angelegte Treppe mit ihrem für die Zeit des Baues,
das letzte Viertel des 18. Jahrhunderts, typiſchen Treppengeländer bemerkenswert.
Von dem reichhaltigen Inventar ſeien genannt: ein Schrank aus dem Anfang des
18. Jahrhunderts; eine Taſſe mit dem Schlachtfeld von Leipzig und der Jahreszahl 18135
eine große Anzahl Silhouetten, die jüngſten aus der erſten Hälfte des 19. Jahrhunderts,
kleinere und größere Bilder, darunter auf Elfenbein gemalt Frau v. Keyſerlingk geb.
v. Ziethen; ferner ein Schränkchen mit Intarſien, Geſchenk Friedrichs des Großen an
den Miniſter v. Finckenſtein, ein Schachſpiel mit Meißener Porzellanfiguren, 2. Hälfte
des 18. Jahrhunderts, ein Tee- und Kaffeegeſchirr, Geſchenk Friedrichs des Großen an
Abb. 123. Matſchdorf. Herrenhaus.
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Weſlſlernberg.
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Malſchdorf — Neuendorf. 1
den General v. Tauentzien, den Verteidiger von Breslau, ein Eßſervice für 48 Perſonen
mit dem Eiſernen Kreuz als Verzierung, Geſchenk Friedrich Wilhelms III. an den Grafen
Tauentzien v. Wittenberg; eine Sammlung von Beſuchskarten aus dem Ende des
18. und Anfang des 19. Jahrhunderts (Abb. 124); ſechszehn bemalte Wappen der Ahnen
des Generals v. Tauentzien und ſeiner Frau aus dem Balkower Schloß. Außerdem ſind
noch zu nennen: ein Stich Friedrichs II. von D. Chodowiecki; eine pompejaniſche
Marmorplatte; ein Bild des Feldmarſchalls Kleiſt v. Nollendorf; je ein Bild des
Generals de la Motte und ſeiner Frau geb. v. Seidlitz; ein Stich „Blücher in Zivil“
von Reyher; endlich ein Steindruck von Franz Krüger mit der Jahreszahl 1828,
darſtellend ein Pferd mit einem Unteroffizier der 6. Küraſſiere.
Neuendorf.
Neuendorf, Straßendorf 5 km weſtlich von Reppen. 301 Einw., Landgem.
395 ha, Gutsbez. 252 ha.
Dem Schoßregiſter des Landes Sternberg von 1461 (fol. 302) im Geheimen Staats-
archiv zufolge gehörte Neuendorf der Stadt Reppen, um 1538 dem Frankfurter Bürger
Günter. Markgräfin Katharina, die Gemahlin des Hans von Cüſtrin 1535 — 1571), erfaufte
Vorwerk und Seen. Das 1574 nach ihrem Tode Domäne gewordene Dorf wurde Mittel—
punkt eines Amtes, deſſen Inventar von 1626 das Frankfurter Regierungsarchiv birgt
(Ordensamt Sonnenburg, Fach 17). Die umliegende Heide wurde 1627 vom Kurfürſten
Georg Wilhelm dem Grafen v. Schwarzenberg „zugewendet“ (Geh. Staatsarchiv, Rep.
78. III. R 19). Um 1800 wohnten hier ein Ganzbauer, S Koſſäten, 10 Büdner, 24 Ein—
lieger, im ganzen 265 Menſchen. Die Domäne beſteht noch heute, das Patronat iſt königlich.
Die Kirche, ein einfach rechteckiger Backſteinbau aus der erſten Hälfte des
19. Jahrhunderts, beſitzt über der Weſtfront einen verbretterten Dachaufbau mit vier—
ſeitiger, geſchieferter Pyramide. Sämtliche Fenſter ſowie der auf der Südſeite gelegene
Zugang find nach oben rundbogig geſchloſſen. Das Innere iſt flach gedeckt.
Der weißgeſtrichene Kanzelaltar zeigt handwerksmäßige Formen und dürfte
dem Anfang des 19. Jahrhunderts angehören.
Die Orgel ſtammt aus neuerer Zeit.
Ein Kelch, 24,5 cm hoch, und eine Abendmahlskanne find aus Alfenide und
gehören der Mitte des 19. Jahrhunderts an.
Eine Glocke von 0,5 m Durchmeſſer zeigt auf der Haube neben verſchiedenen
ſchmückenden figürlichen Beigaben, wie Chriſtus am Kreuz, die Figur einer Heiligen
u. a. m., das Wappen und die Anfangsbuchſtaben des Meiſternamens Franz Voillard.
Die Inſchrift lautet: „Heller als die Zymbeln klingen will ich meinen Schall
erschwlin]gen. Anno 1661.“
Das Herrenhaus der Domäne (Abb. 125), eine im Grundriß rechteckige Anlage
mit einem in der Mitte der Hauptfront ſitzenden Dachaufbau wurde im Anfang des
18. Jahrhunderts von König Friedrich I. als Jagdhaus erbaut. Im Innern iſt der
—
138 Weſlſternberg.
Abb. 125. Neuendorf. Herrenhaus.
mit römiſchen Kreuzgewölben verſehene Keller bemerkenswert, ſowie eine hölzerne
ſpäte Renaiſſancetreppe und der Reſt einer ganz einfachen Stuckdeckenprofilierung im
Treppenhaus.
Der auf der Oſtſeite anſchließende Fachwerkbau iſt mit dem ehemaligen Jagd—
haus etwa gleichzeitig.
Ein großer ſchöner Park dehnt ſich auf der Nordſeite des jetzigen Gutshauſes aus.
Die an die Südweſtecke der Kirche anſchließende Mauer des Gutshofes gehört
ebenfalls dem Anfang des 18. Jahrhunderts an.
Endlich ſei noch auf das Haus in der Südoſtecke des Gutshofes hingewieſen,
das etwa gleichzeitig mit dem Hauptgebäude anſcheinend zu Wohnzwecken für Arbeiter
errichtet wurde.
Oetſcher.
Vellcher, Straßendorf 2 km ſüdlich von Göritz. 262 Einw., 707 ha.
Das nur mit 20 Hufen ausgeſtattete Fiſcherdörfchen „Ovezar“ — mit einer Filial—
kirche von Göritz erſcheint laut Urkunde vom 3. Februar 1317 im Geheimen Staats—
archiv unter den Beſitzungen des Biſchofs von Lebus (ogl. Riedel, Codex XX, 201).
In der Nacht vom 12. zum 13. Auguſt 1759 fand hier Friedrich der Große in einem
verlaſſenen Bauernhaus Unterkunft, von wo aus er an den Miniſter v. Finckenſtein
ſchrieb: „je ne survivrai point à la perte de ma patrie. Adieu pour jamais“
(vgl. M. Laubert, Schlacht bei Kunersdorf, Berlin 1900, S. 113). — Um 1802 unter⸗
ſtand „Oetſcher“ dem Domänenamt Frauendorf, das aber nach 1810 aufgelöſt wurde.
Das Erblehngut gehört ſeit langem der Familie Pauly.
Neuendorf — Pinnow. 139
Das jetzt in Göritz eingepfarrte Dorf beſaß noch zu Anfang des 19. Jahrhunderts
eine eigene Kirche, die jedoch ſchon in einem Bericht des Pfarrers und Inſpektors
Riedel vom 19. Januar 1790 als ſehr ausbeſſerungsbedürftig geſchildert wird. Nach einem
im Jahre 1806 ausgebrochenen Brande wurde das Gotteshaus nicht wieder aufgebaut.
Von den nach der Beantwortung der „Indagandaakte“ im Jahre 1814 noch vorhandenen
Gegenſtänden iſt nur die Glocke erhalten, die damals in einem hölzernen Schuppen am
Abb. 126. Pinnow. Grundriß der Kirche.
Pinnow.
Pinnow, Angerdorf
13 km öſtlich von Reppen.
404 Einw., Landgem. 938 ha,
Gutsbez. 731 ha.
1355 erhielt der Vogt
des Landes Sternberg Dietrich
v. Weiſſenſee „Pynnow“ vom
Markgrafen Ludwig zu Lehn
vgl. Abſchrift in der Dick—
mannſchen Sammlung im Ge—
heimen Staatsarchiv, Abdruck
bei Riedel, Codex XIX, 142);
die Feldmark umfaßte, wie durch
ein Regiſter des Lebuſer Biſchofs
(fol. 25) im Geheimen Staats—
archiv bezeugt iſt, 64 Hufen,
davon 4 Pfarrhufen. 1484
wurde, wie eine Eintragung in
ein Lehnskopiar des Staats—
archivs beſagt, Fritz Grunenberg
„mit Pynnow halb“ belehnt.
Kirchhofe hing, heute aber im Schulhaus—
giebel untergebracht iſt. Von der Straße
aus geſehen ſcheint die jetzt ſchwer zugäng—
liche Glocke noch mittelalterlich zu ſein.
Das auf einer Anhöhe am Nord—
rand des Dorfes gelegene ſchlichte ein—
geſchoſſige Gukshaus beſitzt noch tonnen—
gewölbte Keller, die dem 17. Jahrhundert
angehören. Von den heutigen Ausſtat—
tungsſtücken der Wohnräume ſind vor
allem einige Barock- und Rokokomöbel
zu nennen.
Abb. 127. Pinnow. Kirche von Südoſten.
140 Weſtſlernberg.
Die v. Grüneberg ſaßen hier nur vorübergehend, bis etwa 1750 dagegen die v. Winning
zu Sternberg; 1795 kauften ſich für 36000 Taler die v. Sydow an, an deren Stelle
nach 1817 bürgerliche Beſitzer traten. Um 1800 gab es 10 Ganzbauern, 1 Halbbauer
und 13 Koſſäten (vgl. auch „Heimatsbote“ für Görbitſch-Pinnow, 1911/12).
Die Kirche (Abb. 126 u. 127), eine im Grundriß langgeſtreckte Anlage aus Fachwerk
mit dreiſeitigem Oſt- und Weſtſchluß, zeigt vor dem mittleren Drittel der Nord- und
Südſeite je einen Anbau. Der annähernd der ganzen mittleren Polygonſeite des Weſt—
ſchluſſes vorgelegte, im Grundriß quadratiſche, verbretterte Turm beſitzt eine an Stelle
der alten Schindelverkleidung (Größe der ehemaligen Schindel 8,5% 26 cm) in neuerer
Abb. 128. Pinnow. Inneres der Kirche, Blick nach Oſten.
Zeit mit Schiefer eingedeckte Pyramide. Das Gotteshaus wurde im Jahre 1755
erbaut (vgl. Riehl und Scheu S. 504).
Die ganze innere Ausſtattung (Abb. 128), darunter das zentral angelegte Geſtühl,
die Logen im Süd- und Nordvorbau ſowie die Weſtempore und der Kanzelaltar, dürfte
nach ihrer Formgebung zu ſchließen, der oben angegebenen Bauzeit angehören. Die guß—
eiſerne Taufe ſchenkte 1858 Oberamtmann Hamann (vgl. Riehl und Scheu S. 504).
Ein zinnernes Taufbecken iſt geſtiftet von dem Erbmühlenmeiſter Chriſtian
Wilhelm Klopſch im Jahre 1802.
Eine hölzerne Tafel zur Erinnerung an die Befreiungskriege, ſowie eine guß—
eiſerne Tafel zum Andenken an das Jahr 1870 hängen an den Wänden.
Die beiden Altarleuchter und der Kelch, die Patene und die Oblaten—
ſchachtel ſind aus Neuſilber und ſcheinen der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts
anzugehören.
»
Pinnow — Polenzig. 141
Ein Zinnkelch, 25 om hoch, zeigt ſpätbarocke Formen.
Vorhanden find noch auf dem Kirchenboden Reſte einer älteren Barock—
ausſtattung, ſo unter anderem zwei Engelsfiguren, zwei geflügelte Engelsköpfe und
die obere Endigung eines Altaraufbaus mit dem altteſtamentlichen Gottesnamen in
hebräiſchen Buchſtaben, ferner die zugehörigen ornamentalen Seitenverzierungen des
Aufbaus und die Reſte eines hölzernen Taufgeſtells.
Zwei Glocken. Die ſüdliche von 0,56 m Durchmeſſer zeigt am Hals 16 ſpät—
gotiſche Minuskeln, anſcheinend ohne Inhalt. Die nördliche von 0,72 m Durchmeſſer
iſt inſchriftlos und ebenfalls noch mittelalterlich.
Polenzig.
Polenzig, Straßendorf 7 km ſüdſüdöſtlich von Droſſen. 362 Einw., 2226 ha.
Laut Regiſter des Biſchofs von Lebus von etwa 1405 im Geh. Staatsarchiv (Rep.
7 Sa. 11) hatte „Polentzigk“ die größte Hufenzahl im Kreiſe und zwar wohl ſchon ſeit der Zeit
der deutſchen Koloniſation des 13. Jahr—
hunderts, nämlich 74, freilich z. T.
recht ſandige Hufen, einſchließlich von
t Pfarrhufen. 1461 erſcheint es als
Beſitztum der Stadt Droſſen, deren
Kämmerei hier etwa 4 Jahrhunderte
hindurch gutsherrliche Gerechtſame, je—
doch keine Freihufen beſaß; der Ort
war alſo von jeher, ähnlich wie Groß—
und Klein-Rade, durchaus ein Bauern—
dorf, woſelbſt um 1800 ein Lehnſchulze,
13 Ganz- und 3 Halbbauern, ferner
4 Ganz und 10 Halbkoſſäten ſaßen.
Die Kirche (Abb. 129 u. 130), deren Umfaſſungsmauern zum größten Teil aus ſchlech—
tem Findlingsmauerwerk, untermiſcht mit Backſteinen, errichtet ſind, dürfte ihrer heutigen
Geſtalt nach in der Hauptſache auf einen Umbau aus der Mitte des 15. Jahrhunderts
zurückgehen. Sie zeigt ein im Grundriß rechteckiges vierjochiges rippenkreuzgewölbtes
Langhaus (Abb. 131) mit dreiſeitigem Oſtſchluß und einen in der Achſe der Weſt—
front ſitzenden, annähernd quadratiſchen Backſteinturm mit ſchiefergedeckter Pyramide.
Eine Wetterfahne auf dem Oſtende des mit Ziegeln gedeckten Hauptbaues trägt die
Jahreszahl 1864. Während die dem öſtlichen Drittel der Nordſeite des Langhauſes
vorgelegte, ſtichbogig gewölbte Sakriſtei mit ihrem jetzt verſtümmelten, nach Norden
gerichteten Maßwerkgiebel aus Backſtein nicht viel jünger als der Hauptbau ſelbſt
ſein dürfte, gehört die verputzte Südvorhalle aus demſelben Material wohl erſt dem
17. Jahrhundert an. Dieſe Schlußfolgerung ergibt ſich aus der Tatſache, daß eines
der ſpitzbogigen Fenſter durch den nachträglich aufgeführten Bau verdeckt und deshalb,
weil überflüſſig, vermauert wurde; dazu kommt noch, daß einer der Strebepfeiler faſt
Abb. 129. Polenzig. Grundriß der Kirche.
142 Weſtſternberg.
epo
TETTTTT
sie
Abb. 130. Polenzig. Kirche von Nordoſten.
Polenzig. 143
vollſtändig in dem Mauerwerk der öſtlichen Umfaſſungsmauer des ſüdlichen Anbaues
aufgegangen iſt. Außer dem Zugang auf der Südſeite, einer Verbindungstür zwiſchen
dem Turmunterbau und dem Kirchenſchiff und einer Tür nach der Sakriſtei, war
urſprünglich noch ein heute vermauertes, ſpitzbogig geſchloſſenes Portal auf der Nord—
ſeite vorgeſehen. Der Fußbodenbelag beſteht aus Backſtein. Im Innern wurden in
neuerer Zeit auf der Nord- und Weſtſeite Emporen eingebaut.
Abb. 131. Polenzig. Inneres der Kirche, Blick nach Oſten.
Der Altar (Abb. 132) beſitzt einen im Jahre 1901 leider vollſtändig übermalten,
in der urſprünglichen Geſtalt aus der erſten Hälfte des 17. Jahrhunderts ſtammenden
reichgeſchnitzten Aufbau, deſſen plaſtiſcher Figurenſchmuck, d. h. die zwölf Apoſtel, die
heilige Barbara und die heilige Katharina, ſowie der das Werk bekrönende Salvator
mundi von einem älteren, anſcheinend aus dem Anfang des 16. Jahrhunderts ſtammenden
Altar mitverwendet wurden. Die ſeitlich von einer Abendmahldarſtellung in der
Predella angebrachten Sprüche ſind ebenſo modern wie die Schrift in dem Spruch—
band über dem Gekreuzigten im Hauptfeld und die Unterſchrift unter dem Auferſtehungs—
bild des oberen Aufbaues.
Die ebenfalls in neuerer Zeit übermalte, an den Ecken mit Konſolen und Säulchen
Weſtſlernberg.
144
Altar.
Kirche,
Polenzig.
Abb. 132.
Polenzig. 145
Abb. 133. Polenzig. Bennewitzſches Epitaph in der Vorhalle der Kirche.
beſetzte Kanzel zeigt in ihren Schnitzereien die gleiche Formenſprache wie die jüngeren
Teile des Altaraufbaues.
Die Taufe iſt modern-gotiſch.
Das Orgelgehäuſe gehört der neueren Zeit an.
Verſchiedene Wandleuchterzeigen wie die Kronleuchter moderne Renaiſſanceformen.
Kunſtdenkm. d. Prov. Bröbg. VI. 3. Weſtſternberg. 10
146 Weſtſternberg.
Eine Tafel zur Erinnerung an die Befreiungskriege iſt im Innern der Kirche
aufgehängt.
Ein mit Säulchen und Rankenſchnitzwerk geſchmücktes hölzernes Epitaph (Abb. 133)
für den im Jahre 1729 verſtorbenen Paſtor Bennewitz ſowie für die beiden verſtorbenen
Kinder, gewidmet von der Ehefrau, hängt an der Weſtwand im Innern der Vorhalle.
Zwei ſilberne Kelche, 17 cm hoch, mit zugehörigen Patenen ſind datiert 1817.
Eine zinnerne Abendmahlskanne, Meiſter L. H. P., gehört dem 18. Jahr—
hundert an.
Ein Taufengel auf dem Kirchenboden iſt barock.
Zwei Glocken. Die ſüdliche von 0,68 m Durchmeſſer wurde 1855 von H. Lange in
Frankfurt a. O. gegoſſen. Die nördliche von 0,92 m Durchmeſſer zeigt auf der Oſtſeite
der Haube einen Chriſtophorus, auf der Weſtſeite eine Madonna. Am Hals lieſt
man zwiſchen zwei ſchön ornamentierten Frieſen die ſpätgotiſche Minuskelumſchrift:
„ anno s d[omilni © m? © cccc s XXVII* 1427). Die einzelnen Wörter werden durch
Medaillen mit Darſtellungen wie die Verkündigung, das Monogramm Chriſti und durch
das dreimal wiederkehrende Bild einer Eule getrennt.
Radach.
Radach, Angerdorf 6,5 km nordnordöſtlich von Droſſen. 641 Einw., Yandgem.
913 ha, Gutsbez. 1839 ha.
Schloß „Radachow“ gehörte laut Urkunde vom 24. Dezember 1367 dem Petz
v. Loſſow (Geh. Staatsarchiv, Rep. 17. 3b; vgl. Riedel, Codex XX, 238), auch das
etwa 8 Jahre darauf entſtandene Land—
buch Kaiſer Karls IV. nennt die Loſſow,
Vaſallen des Markgrafen, als Beſitzer
des feſten Platzes „Radechow“. Von
dieſem castrum ſind Nachrichten aus
der Folgezeit nicht erhalten. „Radekow“,
das Bistumsregiſtern aus dem 15. Jahr—
hundert zufolge (Geh. Staatsarchiv,
8 Rep. 78a. 11) 64 Hufen, davon 4 Pfarr⸗
Abb. 134. Radach. Grundriß der Kirche. hufen, hatte und dieſe Ausſtattung wohl
den Koloniſten verdankte, gehörte den
v. Grüneberg: 1413 empfingen Hans und Heinrich Grünberg vom Burggrafen Frie—
drich VI. die Belehnung mit dem vom Vater ererbten „Rodochow“ (Geh. Staatsarchiv,
Rep. 78. 49, fol. 11). Auf die Horn, die 1442 mit „Radichow“ belehnt wurden, folgten,
wie aus Urkunden von 1515, 1529 und 1532 im Radacher Herrenhauſe erhellt, die v. Loben,
„Lobbenn“, zu deren Zeit ſich 5 Ritterſitze bildeten, ſo daß hier auch noch die Ihlow, Winning
u. a. begütert waren. An die Stelle der Löben traten laut Urkunden von 1704 und 1713 die
Elert. 1802 endlich, zur Zeit als „Radach, Dorf und Gut“ 166 Einwohner, darunter 4
Bauern, 23 Koſſäten, 5 Büdner, zählte, kaufte ſich der Kammerdirektor Pappritz an, der die
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Polenzig — RAadach.
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üdoſten.
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Kirche von
Radach.
5
13
Abb.
148 Weſlſternberg.
beiden damals noch beſtehenden 2 Höfe öſtlich und weſtlich des heutigen Herrenhauſes ver—
einigte und deſſen Nachkommen, 1902 geadelt, noch heute im Beſitz ſind. In friderizianiſcher
Zeit wurde beim Dorfe ein Kupferhammer vom Domänenamt Neuendorf aus angelegt.
Die Kirche (Abb. 134 u. 135), ein Backſteinfachwerkbau aus dem Anfang des
18. Jahrhunderts, zeigt eine im Grundriß langgeſtreckte, rechteckige Anlage mit dreiſeitigem
Oſtſchluß, einer Vorhalle auf der Südſeite mit anſchließendem Geräteraum und einem
hölzernen Dachaufbau mit vierfeitiger Pyramide über der Weſtfront. Die Lichtöffnungen
ſind rechteckig geſtaltet. Außer jener Verbindungstür zwiſchen Vorhalle und Kircheninnerm
und einem gegenüber auf der Nordſeite vorgeſehenen Zugang vermittelt noch eine
dritte Offnung in der Nähe der Südweſtecke den Zutritt zum Gotteshaus.
Das Geſtühl ſowie die Patronatsloge zu ebener Erde nördlich vom Altar wurden
ebenſo wie die übrigen Ausſtattungsgegenſtände in neuerer Zeit braun überſtrichen.
Die flache Decke des Kirchenraumes wird von einer Reihe von Mittelſtützen
getragen. Die Kirche beſitzt eine von einem älteren Bau übernommene Weſtempore,
deren mit handwerksmäßiger Renaiſſanceſchnitzerei verzierte Balkenkonſtruktion eine
bemerkenswerte Zimmermannstechnik aufweiſt.
Die in den barocken Aufbau des Altars nachträglich eingefügte Kanzel mit ihren
den Ecken vorgelegten Renaiſſanceſäulchen und den rundbogig geſchloſſenen Brüſtungs—
füllungen gehört dem 17. Jahrhundert an.
Die kelchförmig aufgebaute, barocke Taufe zeigt handwerksmäßige Formen und
enthält ein kupfergetriebenes Becken von 48,5 cm Durchmeſſer. In der Vertiefung des
Beckens erkennt man einen von Blattornamenten umgebenen Hirſch, während die Rand—
inſchrift lautet: „KOMPt © HER e IHR GESEGNEt EN e MEINES > VAt ERS
oe ERERbEt o DAS e REICH e GOtt ES e 186840“.
Ein achtarmiger Meſſingkronleuchter iſt barock. Eine in neueſter Zeit an—
gefertigte Tafel zur Erinnerung an Gefallene aus dem letzten Kriege hängt an der Süd—
wand. Ein Kaſten mit Kriegsdenkmünzen befindet ſich in der hinter dem Altar
eingebauten Sakriſtei.
Zwei Glocken hängen im Dachaufbau der Kirche. Die ſüdliche von 0,92 m Durch-
meſſer zeigt am Schlag die Inſchrift: „ICH LASSE MEINEN SCHALL ZU
GOTTES RUHM UND EHREN UND DERER MENSCHEN NUTZ IN
RADACH TAEGLICH HOEREN HIER SCHALE GOTTES WORT
GANTZ UNVERFAELSCHT UND REIN BIS HIMMEL ERDE LUFT
UND MER NICHT MEHR WIRD SEYN“.
Auf der Haube werden als Patrone genannt Bernhard Friedrich Gladow, Friedrich
Chriſtian v. Ihlow, Karl „Ludewich“ v. Lucke und die Erben des Leutnants v. Byzeski.
Ferner lieſt man die Namen des Paſtors Gottlieb Fabricius, Jacob Metzner und des
Küſters Johann Lehmann. Laut Inſchrift iſt die Glocke gegoſſen von Johann Friedrich
„Tiehle“ (S Thiele) in Berlin am 26. Auguſt 1725. Endlich ſteht am Hals der
Glockenſpruch: „SOLI DEO GLORIA“ (= Gott allein die Ehre). “)
Vgl. Pappritz, Dorf und Rittergut Radach. „Bär“ 1897.
Radach — Groß-Rade. 149
Die nördliche Glocke mit 0,64 m Durchmeſſer iſt ohne Inſchrift und anſcheinend
noch mittelalterlich.
Das im Jahre 1802 gebaute, aus einem Sockel- und einem Hauptgeſchoß be—
ſtehende, ſchlichte Herrenhaus mit einer Eingangshalle in der Mitte der Längsfront
wurde 1907 einer durchgreifenden Veränderung unterworfen. Von den bemerkens—
werten Gegenſtänden im Innern ſeien hervorgehoben: zwei Rokokoſchränke, ein Bild
Friedrichs des Großen, geſchenkt von General v. Meyerink; eine ſilberne Schale, Anfang
des 19. Jahrhunderts und ein Bild des Präſidenten Alsleben aus dem Jahre 1820.
Ein Barockſchrank auf dem Flur trägt die Inſchrift: „ANNO 1745 HILLE
SCHMIDTS VON LIN SWEGE«.
Groß-Rade.
Groß-Rade, Straßendorf 10 km ſüdöſtlich von Göritz. 365 Einw., 1037 ha.
Das bereits am 3. Februar 1317 unter den Gütern des Lebuſer Bistums auf—
geführte magnum Radowe“ war durch die deutſchen Koloniſten im 13. Jahrhundert
mit 53 Hufen, darunter 5 Pfarr- und 4 Schulzenhufen, ausgeſtattet worden (vgl. Urk.
im Geheimen Staatsarchiv — abgedr. Riedel, Codex XX, 201 — und Bistums—
regiſter, Rep. 78a 14, fol. 51). Bei der Säkulariſation geiſtlicher Güter unter Joachim II.
kam „Groß-Rade“ um 1560 an den Landesherrn; ein Ritterſitz hat hier nicht beſtanden.
Die 48 bäuerlichen Hufen wurden um 1800
von einem Lehnſchulzen und 9 Ganzbauern,
neben denen es noch 7 Büdner gab, ge—
nutzt, die alle Untertanen des erſt nach 1810
aufgelöſten Domänenamts Frauendorf waren.
Die Kirche (Abb. 136) dürfte nach
dem ſorgfältigen Granitquadermauerwerk
vornehmlich des eingezogenen, annähernd
Abb. 136. Groß⸗Rade. Grundriß der Kirche. quadratiſchen Chores zu ſchließen, in die
früheſte Zeit der Koloniſation zurückgehen.
(Bemerkenswert ſind an der nordöſtlichen Ecke zwei ſchachbrettartig ſcharrierte Granit—
quader.) Der ganzen Weſtfront des verhältnismäßig kurzen Langhauſes legt ſich der
maſſige Unterbau des ehemaligen Weſtturmes vor. Noch heute ſind an der Außenſeite
der Oſtwand des Chores die urſprünglichen ſchmalen Spitzbogenfenſter als Niſchen zu
erkennen. Die zweiteiligen Rundbogenfenſter mit ihrer Backſteinumrahmung ſowie das
Fenſter auf der Südſeite des Turmunterbaues gehören der neueren Zeit an. Eine
ebenfalls rundbogige moderne Backſteinumrahmung zeigen die den Zugang durch den
Turmunterbau hinweg vermittelnden Türen ſowie der in neuerer Zeit umgeſtaltete
Triumphbogen, während ein jetzt vermauertes Portal auf der Südſeite des Chores
noch deutlich die alte ſpitzbogige Form erkennen läßt. Die Weſtempore einſchließlich
der Orgel ſowie das Geſtühl ſind modern-gotiſch.
150 Weſlſlernberg.
Der Kanzelaltar (Abb. 137) zeigt im Gegen—
ſatz zu den ſtrengen, für den Anfang des 19. Jahr—
hunderts typiſchen Formen rechts und links vom
Zugang zur Kanzel als Stützen des Deckels zwei
kannelierte, am unteren Drittel des Schaftes mit
Renaiſſanceflachornamenten beſetzte Säulen”).
Eine Taufe aus Kunſtſandſtein in modern:
gotischen Formen enthält ein zinnernes Taufbecken,
das laut Inſchrift von J. Maria Tobieſſen am
24. November 1759 geſtiftet wurde.
Zwei Altarleuchter, 345 cm hoch, aus
Bronze, zeigen derbe für das 16. Jahrhundert
typiſche Formen.
Eine Totentafel für einen im Jahre 1813
Gefallenen hängt im Chore.
Eine Wetterfahne (Abb. 138) mit dem bran⸗
— denburgiſchen Adler und der nicht mehr vollſtän—
Abb. 137. Groß-Rade. Kanzelaltar digen Jahreszahl 1708 ſowie ein altes Uhrwerk
in der Kirche. liegen auf dem Kirchenboden.
Ein ſilberner Kelch, 22,5 cm hoch, mit dem für den Anfang des 18. Jahrh.
typiſchen Wulſtknauf, iſt Berliner Arbeit. Meiſter O. Tile. Eine zugehörige Patene
zeigt ein Weihkreuz.
Eine runde Poſtienbüchſe iſt aus Zinn bergeitellt.
Drei Glocken hängen in einem freiſtehenden Glockenſtuhl öſtlich von der Kirche.
Die ſüdliche mit 0,59 m Durchmeſſer wurde 1620 gegoſſen. Die mittlere mit 0,95 m
Durchmeſſer zeigt außer einigen vielleicht nur dekorativ angebrachten ſpätgotiſchen
Minuskeln die mit einer Majuskel beginnende, von der üblichen Datierungsweiſe ab—
weichende Inſchrift: „Anno domiſni] x (im Jahre Vierzehnhundert) XXXVIIII“ (39).
Die nördliche von 0,75 m Durch—
meſſer mit Maria und Johannes am
Kreuze wurde 1605 gegoſſen.
Klein-Rade.
Klein-Rade, Angerdorf 8 Km
ſüdöſtlich von Göritz. 323 Einw.,
1057 ha.
Das Dorf, das trotz ſeines Bei—
namens „Klein“ im 13. Jahrhundert
durch die deutſchen Koloniften mit
derſelben Hufenzahl wie Groß-Rade, nämlich 54 Hufen, darunter 4 Pfarrhufen, aus—
geſtattet wurde und deſſen Kirche auch von je Mater der Filia in Groß-Rade war,
Abb. 138. Groß-Rade. Wetterfahne in der Kirche.
Nach der Indagandaakte 1814 iſt der Aufbau 1804 angefertigt.
Groß-Rade — Klein⸗Rade. 151
erfcheint als „parvum Radowe“ bereits in der Urkunde vom 3. Februar 1317 unter
den Beſitzungen des Bistums Lebus (vgl. Urk. im Geh. Staatsarchiv, abgedr. Riedel,
Codex XX, 201, und „Kataſter der Lebuſer Kirche“, Rep. 78 a. 11, fol. 2); einige
Hufen gehörten im 15. und 16. Jahrhundert Frankfurter Bürgern, der Familie Günter und
dem Profeſſor der Rechte Lorenz Schreck. Das nach Einziehung des biſchöflichen Amtes
Lebus von der Landesherrſchaft in Beſchlag genommene Dorf, in dem kein Ritterſitz
beſtand, zählte um 1800 einen Lehnſchulzen, 12 Bauern, 4 Koſſäten und 8 Büdner, ins—
geſamt 171 Einwohner, und unterſtand bis etwa 1810 dem Domänenamt Frauendorf.
Die Kirche (Abb. 139 u. 140) dürfte mit dem älteſten Kern, den aus ſchlechtem
Findlingsmauerwerk untermiſcht mit Backſteinen errichteten Umfaſſungsmauern des recht—
eckigen Langhauſes, früheſtens bis in das 15. Jahrhundert zurückgehen. Der vor der
Mitte der Weſtfront völlig aus Backſtein er—
richtete, im Grundriß annähernd quadratiſche,
verputzte Turm iſt nachträglich hinzugefügt.
Die vierſeitige mit Ziegeln gedeckte Pyramide
zeigt eine Wetterfahne mit der Inſchrift: 545
(= Klein-Rade 1643). In den Zwickeln des
Zifferblattes der ehemaligen Turmuhr, deren
jetzt zerſtörtes Werk in der Kirche aufbewahrt
wird, lieſt man die einzelnen Ziffern der Jahres—
zahl 1780. Die Außenſeite der Oſtfront zeigt
ebenſo wie die der Süd- und Nordſeite außer
den in ihrer urſprünglichen Geſtalt noch deutlich
erkennbaren Lichtöffnungen auch mehrere Niſchengliederungen. Der Zugang auf der
Nordſeite beſitzt eine unverputzte Backſteinvorhalle aus neuerer Zeit. Eine ältere Ver—
bindungstür zwiſchen Turm und Kircheninnern iſt jetzt ebenſo vermauert wie eine auf
der Außenſeite der Südfront noch deutlich erkennbare ſpitzbogige Zugangsöffnung. An
die vorreformatoriſche Zeit erinnert noch eine in die Oſtwand des flachgedeckten Innen—
raumes rechts vom Altar eingelaſſene ehemalige Sakramentsniſche. Die Brüſtungs—
malereien an der im Mittelteil vorgezogenen Weſtempore (Abb. 141) tragen hand—
werksmäßig primitiven, bäuerlichen Charakter. Dieſer ganze Emporeneinbau gehört
ebenſo wie das Geſtühl im Schiff und an den Wänden der Zeit einer um die Mitte
des 17. Jahrhunderts vorgenommenen Inſtandſetzung an, anläßlich der auch an den
Bänken die Namen verſchiedener heute z. T. ausgeſtorbener Bauernfamilien aufgemalt
wurden.
Der Kanzelaltar wurde wahrſcheinlich um die Mitte des 18. Jahrhunderts
unter Benutzung einer älteren, an den Ecken mit Säulchen beſetzten Spätrenaiſſance—
kanzel aufgebaut.
Die kelchförmige Taufe zeigt handwerksmäßige ſpäte Formen. In der Ver—
tiefung des wahrſcheinlich aus dem 16. Jahrhundert ſtammenden meſſingenen Tauf—
beckens erkennt man die Darſtellung der Verkündigung.
Abb. 139. Klein-Rade. Grundriß der Kirche.
152 Weſlſternberg.
Ein hölzernes Epitaph mit größtenteils beſchädigter Inſchrift dürfte den ſiebziger
Jahren des 18. Jahrhunderts angehören.
Neben verſchiedenen einfacheren Bauernepitaphien mit Totenkronen und
Bändern iſt noch eine Tafel zur Erinnerung an zwei Mitkämpfer von 1813 und eine
ebenſolche für einen Gefallenen von 1870 anzuführen.
Abb. 140. Klein-Rade. Kirche von Südweſten.
Ein zinnerner Abendmahlskelch, 23,5 em hoch, mit zugehöriger Patene,
ferner zwei Zinnleuchter, 34 cm hoch ausſchließlich Dorn, und eine zinnerne
Ziborienbüchſe ſind barock.
Eine ſechseckige zinnerne Deckelkanne, 28 cm hoch, mit den Buchſtaben M. B.
gehört dem 17. Jahrhundert an.
Zwei Glocken. Die öſtliche von 0,77 m Durchmeſſer hat am Hals die ſpätgotiſche
Minuskelinſchrift: „+ o > rex o glorie = veni © cvm © pace s o ihesv © salva © nos >
Klein⸗Rade — Rampih. 193
Abb. 141. Klein-Rade. Inneres der Kirche, Blick nach Nordoſten.
omnes s amen“ (S O König der Ehren komm in Frieden, o Jeſu, erlöſe uns alle.
Amen). Die weſtliche von 0,82 m Durchmeſſer weiſt außer neun am Hals angebrachten
Medaillen mit Darſtellungen aus der Lebens- und Leidensgeſchichte des Herrn noch
auf der Südſeite der Haube das Monogramm der Gottesmutter M fowie eine auf
die heilige Zahl ſieben hinweiſende entſprechende Anzahl Kreiſe auf.
Rampitz.
Rampiß, Straßendorf zu km
ſüͤdſüdöſtlich von Reppen. 1217
Einw., Landgem. 1108 ha, Guts—
bez. 2673 ha.
„Rampicz“, von jeher, ob—
wohl vielfachen Oderüberſchwem—
mungen ausgeſetzt, das am ſtärkſten
bevölkerte Dorf im Lande Stern—
berg, wird auch am früheſten
urkundlich erwähnt und erſcheint
bereits vor 1236 als Beſitztum des ſchleſiſchen Kloſters Leubus, dem es durch den
Kaſtellan von Schiedlow, Peregrinus (Dirzislaus) geſchenkt worden war (ogl. Wohl—
Abb. 142. Rampitz. Grundriß der Kirche.
154 Weitjternberg.
brück, Bistum Lebus I, 3, 113, u. Leubuſer Totenbuch). Schloß „Rampiz“ gehörte um
1375, laut Landbuch Kaiſer Karls IV. im Geheimen Staatsarchiv, als marfgräf-
liches Lehn dem heute erloſchenen Vaſallengeſchlecht der v. Oynitz. Nach mehr—
fachem Beſitzwechſel — 1430 erhielten u. a. die v. Schlieben, „Sliwen“, die Belehnung —
Abb. 143. Rampitz. Kirche von Südoſten.
kamen Hof und Dorf ſamt „Cloppet, Melſenicz, Matſthorff und Gerden“ durch Kauf
1431 an den Johanniterorden. Hier entſtand der Mittelpunkt eines Amtes, das der
Orden durch feine Hauptleute verwalten ließ und deſſen Inventarium von 1576 ſich
in der Frankfurter Regierung befindet; auch ſammelte der Ordensprediger Joh. Gottfr.
Richter in ſeinem 1740 zu Frankfurt erſchienenen „Büchlein“ „glaubwürdige“ Nach—
richten z. B. über „Alt-Rampitz unterm Weißen Berg,“ den Kirchbau von 1738 u. a. m.
(vgl. auch Geh. Staatsarchiv, Prov. Brdbg., Rep. 9, Amt R., Nr. 25: Verfügungen des
Rampiß. 155
Herrenmeiſters betr. Kirchenbauholz, 1773). Laut Edikt vom 30. X. 1810 wurden die
Ordensgüter ſäkulariſiert; damals gehörten zu Rampitz, woſelbſt 2 Lehnſchulzen, 12 Bauern,
31 Ganz⸗ und 20 Halbkoſſäten, 34 Büdner und verſchiedene Handwerker, insgeſamt
770 Menſchen wohnten, das Dorf Kloppitz und die beiden Vorwerke Kreſem und
Melſchnitz; eine Generalkarte vom Ordensamt mit einem Plan vom Amtshaus von
1795 liegt in der Domänen-Plankammer der Frankfurter Regierung.
Die Kirche (Abb. 142 u. 143), ein einfach rechteckiger Fachwerkbau in Saal—
form mit einer dem mittleren Drittel der Oſtfront vorgelegten, im Grundriß quadra—
tiſchen Sakriſtei, beſitzt eine Vorhalle auf der Süd- und Nordſeite ſowie einen
Dachaufbau über der Weſtfront, deſſen zinkgedeckte Pyramide auf eine im Jahre 1827
vorgenommene Inſtandſetzung Jahreszahl in der Wetterfahne) zurückgeht. Das
Gotteshaus wurde an Stelle eines 1772 durch Feuer zerſtörten Baues errichtet, der
nach dem alten „Hauß- oder Ambt Buch“ vom Jahre 16609 gleichfalls ein
Fachwerkbau?) geweſen war. Außer dem Südzugange und der Sakriſteitür vermittelt
noch ein Eingang von Weſten her den Zutritt zum flachgedeckten Innern (Abb. 144).
Zu den auf der Süd-, Weſt- und Nordſeite eingebauten Emporen führt je eine in
den beiden Vorhallen und in der ſüdweſtlichen Ecke des Kirchenraumes gelegene
Treppe hinauf.
Die in den Altaraufbau nachträglich eingefügte Kanzel, deren Brüſtungs—
füllungen aus Zedernholz angefertigt ſind, ſtammt laut Inſchrift aus dem Jahre 1653.
Der Aufbau ſelbſt mit dem von dem Johanniterkreuz und dem Monogramm P F
(Prinz Ferdinand) gekrönten Deckel ſowie das Geſtühl und die anderen gleichzeitigen
Einbauten zeigen die Formen der vorerwähnten Bauzeit der Kirche.
Die Taufe gehört der neueren Zeit an.
.Die Orgel iſt im Jahre 1835 von Bucker aus Hirſchberg in Schleſien angefertigt.
Außer verſchiedenen Bauernepitaphien aus dem Anfang des 19. Jahrhunderts
und zwei Erinnerungstafeln zum Andenken an mehrere in den Feldzügen 1866
und 1870 gefallene Mitkämpfer ſei vor allem der vielfarbig bemalte Grabſtein der
Frau Johanna Friederika Paetſchigen geb. Dumke, geb. 26. Jan. 1755, geſt.
8. Jan. 1793, angeführt.
) Vgl. „Hauß- oder Ambt Buch des Ritterlichen Ordens Ambtes RuAMpII TZ aus dem Alten
abgeſchrieben des 1660 ten Jahres. Durch Chriſtian Lubrecht der Zeitt Ambtſchreiber.“ im Regierungsarchiv
zu Frankfurt a. O.
) Genauer beſchreibt ihn die Matrikel, d. d. „Sonnenburg den 13t Martij anno 1694”: „Das
Kirchen⸗gebäude iſt von Holtzwerck, mit ſteinen undt Kalck außgeflochten . .. Inwendig am obertheil mit
Taffelwerck, und an wänden mit gemählden gezieret, hat Zehen fenſter, undt die Sacriften iſt gemauert, undt
mit einer eyßernen Thüre verwahret . .. Der Thurm iſt von holtz, darinnen ein Uhrwerck, undt drey glocken
hängen, derer die größeſte keine Schrift oder Jahrzahl hat, die Mittlere aber undt kleinere iſt anno 1626
zu Zeiten des HEn Graffen von Schwartzenberg gegoßen werden.“ — Die Beantwortung der Indagandaakte
vom Jahre 1814 gibt an: „Das iezige Kirchengebäude iſt 1774 vollendet... Es iſt von Fachwerk mit
Steinen ausgefüllt. An der Abendſeite der Kirche iſt eine Mauer aufgeführet, ſo daß der Thurm auf der
Kirche ſtehet. Jener iſt mit Brettern verſchlagen und angeſtrichen; es hängen in demſelben die drey ſehr
alten im Feuer geretteten Glocken ...“
156 Weſlſternberg.
Endlich ſind noch an einer der oberen Scheiben des ſüdweſtlichen Fenſters und
in der Verglaſung der nach Oſten zu folgenden Lichtöffnung die Inſchriften:
„Ferdinand Golofski Glaser auß Frfurt (Frankfurt a. O.) 1774“ bezw. „Carl Bügler
Glasermeister aul Reppen d. 7 September 1835 und Samuel Weber Glafser
Gesell Gebirtig von Droſsen den 18 ten Januar 1834“ erwähnenswert.
Ein Kelch, 24 cm hoch, ſilbervergoldet, mit zugehöriger Patene, zeigt die für
den Anfang des 18. Jahrhunderts typiſchen Barockformen.
Abb. 144. Rampitz. Inneres der Kirche, Blick nach Oſten.
Zwei Zinnleuchter, 48 cm hoch, jetzt bronziert, Meiſter G. Liebe, Berlin,
Mitte des 18. Jahrhunderts.
Drei Glocken. Die öſtliche von 0,64 m Durchmeſſer wurde 1876 von Fr. Gruhl
in Kleinwelka bei Bautzen gegoſſen. Die mittlere von 0,85 m Durchmeſſer iſt ohne
Inſchrift und anſcheinend noch mittelalterlich. Die weſtliche mit einem Durchmeſſer
von 0,78 m trägt nachſtehende Inſchrift: „AN. MDCXXVI. DN. JLLVSTRI ET
AMPLISSIIMII: DIGNITATI DN. ADAM YU, COMES A SCHWATZEN-
BERG ORDINIS EQVITVM S. JOHAN: MAGISTER CAMP. HANCFVNDI
ET FIERI VOLVIT. PSAL. XVI. CONSERVA ME DOMINE QVONIAM
SPERAVIIN TE.“ (= Im Jahre 1626 ließ zu Ehren des erlauchten und hoͤchſten
Herrn der Herr Graf Adam v. Schwarzenberg, Herrenmeiſter des St. Johanniter—
Rampiß. 157
Ordens, dieſe Glocke gießen und fertigitellen. Ps. 16. Bewahre mich, Herr, da ich
auf dich gehofft habe). Dann folgt auf der anderen Seite: „DIV. ERASMVS
GREILICHIVS PASTOR MATTHAEVS PAVST PRAGENSIS FVSOR.“
(S pfarrer Erasmus Greilich und Matthäus Pauſt, Gießer aus Prag).
Das ehemalige Ordenshaus mit ſeiner geſamten großartigen Schloßplatz—
anlage!) iſt mit den letzten Reſten im Jahre 1830 durch die jetzige ſchlichte Gebäude—
gruppe verdrängt worden. Vorhanden ſind nur noch einige nicht mehr überbaute
tonnen- und kreuzgewölbte Keller, die von einem ringförmig verlaufenden Waſſer—
graben umzogen ſind.
Erwähnenswerter noch als die
jetzigen älteren einfachen Gutsgebäude
iſt ein mitten im Hofe, etwa gleich—
zeitig mit ihnen errichtetes, ſchoͤn grup—
piertes Geflügelhaus (Abb. 145).
) Nachſtehende genaue Abſchrift aus
dem oben erwähnten „Hauß- oder Ambt Buch“
gibt eine eingehende Beſchreibung des Zu—
ſtandes des Amtes Rampitz um die Mitte des
17. Jahrhunderts:
„Erſtlichen vndt zum Anfangk
Von denn Gebewden des
Ambts RUMPITF.
Anfenglichen, den Ritterſiez des Ordens—
haußes Rampitz belangende, derſelbe hat Sechs
Vnterſchiedtliche gebewde mit Einem Waſſer—
graben ein einer Abſchrift von 1665 heißt es:
„verfallene Graben“) ümbfangen. Als
1. Zur Auffardt des Schloß Platzes, iſt Ein
New gebewde, fünff gebindt langk, das Abb. 145. Rampitz. Geflügelhaus.
Thorhauß genandt, hat vnten auf der Rechten
handt Eine Stube vndt Eine Cammer, überm Thore auch Eine Stube vndt Eine Cammer, darunter
unterm Dache Ein boden mit Lehm beſchlagen das gebewde mit Ziegell behangen vnt ins holtz gemaurt.
2. Das Ander gebewde auf der Lincken handt am Schloß Platze, hat unter ſich Einen Vngewelbten Kellerr,
doch an denn Seitten außgemauret, über dehme iſt Eine Stube vndt Eine Schlaff-Cammer, darueber
ferner das fürſtliche gemach, alß Eine Stube vndt Eine Schlaff-Cammer vndt Eine abgeſonderte
Cammer dabey, Ob ſolchem gemache iſt Ein boden unterm Dache mit Ziegelln behengt vndt ins Holz
außgemaurt. Fünf gebindt langk.
3. Das dritte vndt hohe gebewde iſt Neuen gebindt langk, drey gemach hoch, bis vnters Dach, hat unter
ſich Einen von Mauerwerck mit einem gewelbe geſchloſſenen Keller, über demſelben iſt die Hoff Stube.
Auffs Ander gemach nwr zwei lediege Cammern Auffs dritte gemach Eine Stube, Eine Cammer vndt
Ein Saall davor iſt von unten an biß auffs dritte Gemach von Steinen blendtwerck (1665: „Uffs ander
gemach zwey Cammern dabei eine zur ſtuben gemachet. Über dieſem andern gemache iſt vor dieſem noch
eins geweſen, vndt darauff eine Stube, eine Cammer u. ein Sahl davor, ſelbiges aber iſt weil es zu
hoch geweſen abgenommen u. davon ein boden geworden, welches der alte Kornboden genannt wird. Iſt
von unten an bis unter u. an das Dach von Steinen blendwerk ꝛc.) außgemauret darueber in Holzwerck
mit Steinen außgeſazt, vndt mit Ziegelln gedecket,
158 Weſlſternberg.
Reichenwalde.
Reichenwalde, Straßendorf 9,5 km ſüdſüdöſtlich von Reppen. 616 Einw.,
Landgem. 691 ha, Gutsbez. 1067 ha.
Das zur Zeit der deutſchen Koloniſation laut Bistumsregiſter von etwa
1405 Geh. Staatsarchiv, Rep. 78 a. 14, fol.
24) mit 60 bäuerlichen und 4 Pfarrhufen
ausgeſtattete Dorf wird in der Urkunde
über die Grenzen der Stadt Reppen von
1329 erwähnt (Kopie, Rep. 78. III, R. 19,
Geheimes Staatsarchiv). Im 15. Jahr-
hundert ſaßen hier die v. Grünberg
(Rep. 78. 49, fol. 11). Zum Jahre 1608
notierte der Landreiter: „Reichenwaldo
gehört Frantz und Hans v. Loſſo“; von
ihnen erkauften das Gut laut Lehn—
Abb. 146. Reichenwalde. Grundriß der Kirche. regiſtratur von 164 die v. Löben (vgl.
v. Eickſtedt, Beiträge zu einem neueren
Landbuch, S. 256 und 286). Auf dem Ritterſitz wohnte 1782 der Landrat Hans
Friedrich v. Winning, bald darauf Hauptmann v. Zaſtrow, ſodann von 1847 an der
4. Das Vierdte iſt neben dem hohen Gebewde das Brawhauß, Ein Gemach hoch, biß an das Dach, vndt
Sechs gebindt langk gar bawfelliegk,
5. Das Alte Hauß iſt Acht gebindt langk, hat vnter ſich Einen mit Mauerziegell gewelbten Keller,
darueber zwei kleine Fleisch Cammern vndt dan überwarts zweene bohdenn, it gar Alt bawfelliegk vndt
ſambt vorgenandten Hauße mit Ziegell gedecket vndt Lehmwenden gekleibet,
6. Das Sechſte Gebewde iſt die Kuche zehen gebindt langk, unten vf der Rechten handt Eine Stube vnd
Eine Cammer aneinander, uber der Kuchen Eine Stuben. Zweene Cammern vndt Ein Saall, dan
über demſelben Ein Lehmbohden vnterm Dache, iſt mit Ziegel Steinen gedecket, vnd ins Holz ausgemaurt.
Dieſe Sechß gebewde find rings umb aneinander gelegen, vor demſelben her ſeindt zwene Brücken übern
graben am Thore iſt Eine Uffziehebrucke,
Zwiſchen denn beyden Brücken liegt der Marſtall fo Neun gebindt laugk, uber demſelben findet zweene
bohden vnters Dach, iſt mit Schindelln gedeckt, vndt die Wände mit Lehm außgekleibet,
Nachträge.
Zu 4 und 5. Dort heißt es 1665 bei
4. Das Vierdte iſt 11 gebind lang, hatt unter ſich einen mit Mauer Ziegel gewölbten Keller, darüber das
Brawhauß, wovon eine Cammer zum Holtze, geſpinſte und ſonſt etwas darin zu bewahren. Und dan
uͤberwärts ein Maltzboden, iſt alt und ſambt vorgenanntem Haufe mit Ziegeln gedecket und mit ſteinen
ins Holtzwerck gußgemauert.
5. Das fünffte gebewde iſt die Küche zehen gebind lang, unten uff der rechten Hand zween Speiſekammern,
und zur linken Hand zween Cammern aneinander darin die Magde ſchlafen. Über der Küchen drey
Cammern. Dan über demſelben ein Lehmboden unterm Dache iſt mit Ziegelſteinen gedecket undt ins
Holtz außgemauert, gar alt und baufällig.
Dieſe fünff gebewde ſind rings umb aneinander gelegen, Vor denſelben iſt eine Lange und in
a0 1663 neu verfertigte Brücke über beede verfallene Graben bis ans Thor. Uff beyden ſeyten der Brücken
find anitzo zween Kleine Blumgärtchen, alwo zu bawen der Marſtall, davon in dem alten Haußbuch
meldung geſchicht geſtanden.“
De
Reichenwalde. 159
durch Erbſchaft in Beſitz des Ortes gekommene Graf Haslingen. Um 1800 gab es in
dem 183 Seelen zählenden Dorf nur 6 Ganz- und 2 Halbbauern ſowie 9 Halbkoſſäten.
Die Kirche (Abb. 146), ein Fachwerkbau von rechteckigem Grundriß mit dreiſeitigem
Oſtſchluß, einer quadratiſchen Vorhalle vor dem Südzugang und einem im Grundriß
ebenſo geſtalteten quadratiſchen verbretterten Weſtturm, deſſen ziegelgedeckte Pyramide
eine Wetterfahne mit der Inſchrift:
„P. L. V. Z. (P. L. v. Zaſtrow) Anno
1793* trägt, wurde laut Akten im
Pfarrarchiv zu Sandow im Jahre
1712 neu erbaut.
Die in die nordweſtliche Ecke
zwiſchen Turm und vorſpringendem
Kirchenſchiff eingebaute Vorhalle ge—
hört der neueren Zeit an.
Das Kircheninnere, deſſen flache
Decke von einer Reihe Mittelſtützen
getragen wird, beſitzt eine Süd- und
eine Weſtempore, zu denen die Treppen—
aufgänge (Abb. 147) in der Südvor—
halle untergebracht ſind.
Der gotiſche Flügelaltar(Abb.
148) iſt leider vollſtändig weiß über—
ſtrichen. In der Mitte des Altar—
ſchreins erkennt man die Gottesmutter,
zu deren beiden Seiten, getragen von
den Halbfiguren zweier Propheten mit
Spruchbändern, die hl. Hedwig und
ein Biſchof in ſegnender Haltung zu
erkennen ſind. Von den zu je zwei
Paaren auf die Flügel verteilten acht
Heiligenfiguren ſind mit Sicherheit der Abb. 147. Reichenwalde. Geländer der Vorhallentreppe.
hl. Moritz, die hl. Dorothea mit der
Salbbüchſe, der hl. Lorenz mit dem Roſt und die hl. Barbara mit der Kirche zu nennen.
Eine modern-gotiſche Totentafel aus Holz für Ferdinand Graf v. Haslingen,
geb. 28. Juli 1835, geſt. 21. März 1887, und eine ebenfalls modern-gotiſche, aber aus
Metallguß angefertigte Totentafel für den am 29. Aug. 1870 in Charny bei Verdun
geſtorbenen Hermann Grafen v. Haslingen hängen neben verſchiedenen Kriegserinne—
rungs- und Veteranentafeln an den Wänden.
Vorhanden iſt noch der Torſo eines barocken Taufengels.
Zwei Zinnleuchter (Abb. 149), 34,5 cm hoch, mit den eingravierten Buchſtaben
H. V. L. S. (H. v. Löben Sandow?) ſtehen auf dem Altar; erſte Hälfte des
17. Jahrhunderts.
160 Weſtſternberg.
Eine zinnerne Taufſchüſſel zeigt auf dem Rand die Buchſtaben C. L. V. D. XI.
(C. L. v. d. Marwitz) und gegenüber E. D. V. L. (E. D. v. Löben) und iſt laut Stempel
von Hoffmann (Gießerzeichen: Anker) in Frankfurt a. D. gegoſſen.
Ein ſilberner Barockkelch, 24 em hoch, und die zugehörige Patene tragen die
Inſchrift: „Urchula- Catharina -Loßoin gebohrne Knobelsdorffin.* Anfang des
18. Jahrhunderts, Meiſter S. M. (Berlin?). Ein zinnerner Krankenkommunionskelch
trägt die Inſchrift: „Martini 1836“. Eine ſtarkverſilberte Abendmahlkanne und
eine Oblaten büchſe ſtammen laut Aufſchrift aus dem Jahre 1849.
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K w
ET EDER 5
Abb. 148. Reichenwalde. Flügelaltar in der Kirche.
Drei Glocken. Die ſüdliche mit 0,63 m Durchmeſſer wurde aus einer älteren
unter dem Patronat des H. Dietlof Hennig v. Löben, Johann Georg v. Thierbach und
Johann Georg v. Löben von Georg Hofmann in Frankfurt a. O. gegoſſenen älteren
Glocke auf Koſten der Urſula Catharina v. Loſſow geb. v. Knobelsdorf im Jahre 1701
(nach einer Notiz in einer Chronik von Sandow zum Preiſe von etwa 40 Reichstalern)
umgegoſſen. Die mittlere Glocke von 0,80 m Durchmeſſer zeigt am Hals in ſpätgotiſchen
Minuskeln die Inſchrift: „O rex glorie xpe veni cvm pace m » CCCC - XC
- ave maria gracia - plena - dominus - tecum.“ (= O Chriſtus, König der Ehren,
komme in Frieden. 1495. Gegrüßet ſeiſt du Maria, Gnadenvolle, der Herr ſei mit dir).
Die nördliche Glocke von 0,62 m Durchmeſſer trägt am Hals ebenfalls den Engliſchen
Gruß: „ave + maria + gracia + plena + dominus + tecum“.
Reichenwalde — Reipzig. 161
Reipzig.
Reipzig, Straßendorf 17 km weſtſüd—
weſtlich von Reppen. 876 Einw., 1235 ha.
Das hart an der Oder gelegene Dorf,
deſſen Name wohl mit ſlawiſch Ryba — Fiſch
zuſammenhängt, wurde nach deutſcher Art
etwa um 1250 mit gegen 50 Hufen ausge—
ſtattet. Zu Beginn des 14. Jahrhunderts
beſtanden Beziehungen zwiſchen Frankfurt und
dem Dorfe, das dem Bürger Liphard ge—
hörte; deſſen Schwiegerſohn, der Gubener
Schulze Frenkelyn, verkaufte „Ribetiz“ dem
Kloſter Neuzelle, dem es Markgraf Waldemar
laut einer früher im Frankfurter Stadtarchiv
befindlichen Urkunde am 21. Mai 1311 über—
eignete (Riedel, Codex XXIII, 10 u. 451).
1437 gelangte „Ripzt“ durch Kauf an die
Stadt, die hier einen Damm- und Brückenzoll
erhob, im 16. Jahrhundert Walkmühlen für
die ſtädtiſchen Tuchmacher ſowie eine Papier—
mühle anlegen ließ und auch 2 ausgekaufte
Bauernhöfe 1588 in ein Vorwerk umwandelte.
Das große Bauerndorf, 1608 „Reipzigk“ ge—
nannt, zählte zu Beginn des 19. Jahrhunderts
|
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Reichenwalde. Zinnleuchter in
der Kirche.
Abb. 149.
17Ganzbauern, 18 Ganzkoſſäten und 18 Büdner, insgeſamt 400 Einwohner. Die Frankfurter
Kämmerei erzielte noch um 1840 aus der Verpachtung ihrer Ländereien gegen 3000 Taler.
.
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9
Abb. 150.
Reipzig. Grundriß der Kirche.
Kunitdenfm. d. Prov. Bdbg. VI. 3. Weſtſternberg
Die Kirche (Abb. 150 u. 151) iſt ein
im Kerne mittelalterlicher Bau, der nach
den z. T. noch erhaltenen Strebepfeilern
zu urteilen gewölbt war. Das Gottes—
haus mit ſeinem halbrunden Oſtſchluß
und dem der Weſtfront vorgelegten, im
Grundriß quadratiſchen Turm mit vier—
ſeitiger Pyramide (Jahreszahl 1774 in
der Wetterfahne) wurde nach der Schlacht
bei Kunersdorf mit dem Dorfe durch
die Ruſſen niedergebrannt und erſt im
Anfang der ſiebziger Jahre des 18. Jahr—
hunderts in ſeiner heutigen Geſtalt als
kreuzförmige Anlage mit einer im Oſten
vorgelegten Sakriſtei neu aufgebaut.
11
162 Weſlſlernberg.
Abb. 151. Reipzig. Kirche von Nordoſten.
Die Weihe erfolgte nach dem Kirchenbuch am 23. Okt. 1775. Sämtliche neuen Bauteile
ſind im Gegenſatz zu dem älteren unregelmäßigen, mit gebrannten Steinen untermiſchten
Findlingsmauerwerk durchweg aus Backſtein hergeſtellt. Während eine ſpitzbogige Blende
über dem Weſtportal noch mittelalterlich iſt, wurden die urſprünglich ebenſo angelegten
Reipzig.
Lichtöffnungen ſowie die Zugänge auf der Süd-,
Weſt- und Nordſeite im 18. Jahrhundert ſtichbogig
umgeſtaltet. Das Innere iſt flach gedeckt und beſitzt
auf drei Seiten Emporen.
Der einfach barocke Kanzelaltar mit einer
das Gebälk des Aufbaus tragenden ſeitlichen
Säulenſtellung zeigt über dem Kanzeldeckel in
gleichſeitigem Dreieck, dem Symbol der Dreieinig—
keit, den altteſtamentlichen Gottesnamen, während
an der Unterſeite des Deckels eine Taube, das
Sinnbild des hl. Geiſtes, angebracht iſt. Ein auf
Leinwand gemalter Ecce homo vor der Kanzel—
brüſtung dürfte ebenfalls der Zeit des Umbaues
angehören.
Ein von einem Hahn bekröntes, ſchmiede—
eiſernes Geſtell einer Predigtuhr (Abb. 152)
rechts vom Aufgang zur Kanzel läßt die Buchſtaben
J GF und die Jahreszahl 1776 erkennen.
Auch eine hölzerne Taufe in der Sakriſtei
ſowie die Orgel gehen in das letzte Viertel des
18. Jahrhun—
derts zurück.
Zwei meſ—
ſingene Kron—
leuchter in
modernen Re—
naiſſanceformen
wurden 1875
geſtiftet.
163
Abb. 152. Reipzig. Predigtuhrgeſtell
in der Kirche.
Zwei Tafeln zur Erinnerung an die Befreiungs—
Abb. 153. Reipzig. Abendmahlskelch
in der Kirche.
kriege ſowie an die Jahre 1866 und 1870/71, ferner
ein Glaskaſten mit Kriegsdenkmünzen hängen an
den Wänden.
Erwähnenswert ſind noch in der Sakriſtei außer
einem barocken Tonofen mehrere Kirchenrech—
nungsbücher aus dem 17. Jahrhundert und ver—
ſchiedene mit dem 18. Jahrhundert beginnende Tauf—
und Geburtsregiſter.
Ein Kelch (Abb. 153), 25 cm hoch, ſilberver—
goldet, mit Sechspaßfuß aus dem 16. Jahrhundert,
jedoch mit barocker Kuppa, zeigt auf den vier Quadern
des ziemlich flachgedrückten Knaufes das Mono—
11
164 Weſtſlernberg.
gramm IHS, während man an der Unterſeite neben der Gewichtsangabe von 53 Lot
und der Jahreszahl 1582 noch nachfolgende, anſcheinend zum Andenken an eine Wieder—
herſtellung nach dem Dreißigjährigen Kriege angebrachte Inſchrift bemerkt: „Dieser
Kelch gehöret der Kirchen zu Reipzigk kostet 40 Thaler Pastor war (Name
weggebrochen) Anno 1650 Die Kirchvät ter sein Casper Hercke, Hans Nile,
Hans Greber, Andres Hercke.“ Meiſter der Kuppa M. K., Frankfurter Arbeit.
Abb. 154. Reipzig. Zinngeräte in der Kirche.
Eine ſilbervergoldete Patene mit Weihkreuz weiſt das auf der Unterſeite des
Randes einpunktierte Wort Reipzigk auf.
Eine ſchön ornamentierte zinnerne Deckelkanne (Abb. 154 links), ohne Deckel
19 cm hoch, trägt die Inſchrift „1638 J. W. FECHNERIN 1770.
Auf einem ähnlich reichgeſchmückten Zinnkelch (Abb. 154 rechts) lieſt man:
„Kirche zv Ripisgh 1651“.
Drei Glocken. Die ſüdliche von 0,85 m Durchmeſſer iſt 1784 von Gebr. Fiſſeſher
in Königsberg NM. gegoſſen. Die mittlere von 1,05 m Durchmeſſer wurde 1839 von
Heinrich Lange in Frankfurt verfertigt. Die nördliche mit 0,63 m Durchmeſſer ſtammt
aus dem gleichen Jahre und aus derſelben Gußſtätte wie die ſüdliche.
Reipzig — Reppen. 165
Meppen.
Reppen, Stadt, 1530 Einw., 2102 ha.
Quellen.
Rathaus: Die mittelalterlichen Archivalien find 1641 bis auf geringe Reſte verbrannt; die alteften
Urkunden betreffen z. B. Beſtätigung der Privilegien durch den Großen Kurfürſten; Pfarre: Kirchenbuch
bis etwa 1552 zurückreichend, Matrikel ven 1693. Urkunden über Reppen ſowie Eintragungen in die Kopiar-
bücher im Geheimen Staatsarchiv zu Berlin aus dem 13. bis 16. Jahrh. wurden z. T. von Riedel im
19., 20., 23., 21. Band, ſowie im 2. und 3. Band der 2. Abteilung feines Codex diplomat. Branden-
burgensis abgedruckt; das Landbuch Kaiſer Karls IV. im Geh. Staatsarchiv gab Fidicin heraus (Berlin, 1857).
Akten hauptſächlich des 16. und 17. Jahrhunderts ſewie Abſchriften von Urkunden des 14. Jahrhunderts in
Rep. 21. 130 und Rep. 78. III. X. 19. Materialien zur Geſchichte des 17. und 18. Jahrhunderts bieten
Beckmanns und Wohlbrücks Nachlaſſe im Geheimen Staatsarchiv (Rep. 92).
Literatur:
Eine Zuſammenſtellung faſt der geſamten das 13. bis 16. Jahrhundert betreffenden Nachrichten
bot Wohlbrück in den 3 Banden feiner Geſchichte des Bistums Lebus (Berlin, 1829— 1832) J, 588 f.,
607 f.; II, 100 f., 200 f. und beſonders III, 117-122. Über die neuere Zeit unterrichten Bratring,
Beſchreibung der Mark (Berlin, 1809): III, 263; Berghaus, Landbuch der Mark (Brandenburg, 1856):
III, 255 f., Sowie Wedekind, Sternbergiſche Kreischronik (Zielenzig, 1853), z. B. S. 89, 158 f., 236 f.
Geſchichle.
Der in Polen vielfach vertretene Name der in einem „wäſſerigen Grunde“ ge—
legenen Stadt iſt ſlawiſchen Urſprungs: es iſt in ihm der Stamm ryp-ati (= aufwühlen,
ſtechen, hauen) oder auch repa (= Rübe) zu ſuchen, aber nicht von ryba (= Fiſch).
Auf dem Wege nach Oſten, nach Poſen hin, wurde Reppen wohl ſchon um 1250
ein wichtiger Haltepunkt für die Kaufleute, die nach Überſchreitung der Oder bei
Frankfurt hier die erſte Raſt machten, wo ſich ein von Schleſien aus zur Warthe—
mündung hinziehender Handelsweg mit der vielbegangenen, weſtöſtlich gerichteten
deutſch-polniſchen Heerſtraße kreuzte. Daraus, daß 1373 ein „castrum Reppin“ er—
wähnt wird und daß Markgraf Jobſt 1403 dem Lebuſer Biſchof geſtattete, zu „Reppyn“
ein feſtes, „Burgfrieden“ genanntes Gebäude neu zu errichten, läßt ſich ſchließen, daß
hier ſchon von früh auf ein Kaſtell beſtand; in den vielen Fehden war es zerſtört
worden und ſollte nun wieder aufgebaut werden.
Die infolge ihrer ungeſchützten Lage vielen „Anfechtungen“ ausgeſetzte Stadt
wird verhältnismäßig ſpät urkundlich erwähnt, nämlich erſt 1329, als am 28. Juli
Markgraf Ludwig der Altere die Grenzen von „Newen Reppin“ beſtätigte; den Zuſatz
„Neu“ führte ſie im Gegenſatz zu dem heutigen Neuruppin, das damals einfach
Reppin hieß. Wie aus der in Frankfurt a. O. ausgeſtellten Urkunde hervorgeht, wurde
der Zins der vier Gewerke der Gewandſchneider, Fleiſcher, Bäcker und Schuhmacher
der Stadt überlaſſen, ebenſo wie die Abgaben von den regelmäßig ſtattfindenden
Jahrmärkten. Am 18. Februar 1335 erhielt Peſcho von Suebeſin durch denſelben
Herrſcher 10 Schock Groſchen jährlicher Hebung aus dem landesherrlichen Geleit zu
„Nyen Ryppin“, und eine Woche darauf gelobten die Ritter Stange und Dyſſen, die
166 Weſlſternberg.
ihnen verkaufte Stadt „Nyen Reppen“ in den Kriegen dem Markgrafen offen zu
halten. Der junge Wittelsbacher, Ludwig der Römer, übertrug 1353 feinem getreuen
Ritter Johann v. Waldow ganz „Reppin“ mit allen Nutzungen und Gerechtſamen und
behielt ſich dabei nur vor, daß ihm alle Zeit der Eintritt in die Stadt freiſtehen
ſollte. Um 1375 gehörte „Reppin“ wieder unmittelbar dem Landesherrn, wie aus
dem Landbuch Kaiſer Karls IV. hervorgeht; ihm hatte die Stadt an Orbede ebenſo—
viel wie Droſſen, nämlich 24 Mark oder 27 Schock 12 Groſchen, eine verhältnismäßig
große und die Bedeutung der Stadt kennzeichnende Summe, zu entrichten; vom Zoll
kamen alljährlich 100 Schock Groſchen ein. Doch die unmittelbaren Beziehungen zum
Landesherrn hörten bald wieder auf. In den Jahren 1403 und 1104 bereits erhielt der
Lebuſer Biſchof Johann v. Borſchnitz vom Markgrafen Jobſt die Erlaubnis, hier ein
Kaſtell neu zu errichten ſowie den jährlich rund 200 Schock Groſchen einbringenden
Zoll zu erheben, und 1409 wurde von Jobſt ſogar die geſamte Stadt dem Johanniter—
orden verpfändet, — eine Verſchreibung, die durch den zollerſchen Kurfürſten Friedrich II.
1417 beſtätigt wurde; doch ebenſowenig wie der Orden die ihm 1409 zugleich über—
tragene Vogtei über das Land Sternberg behauptete, waren auch ſeine Beziehungen
zu Reppen von Dauer.
Noch 1477 trieben die Bürger, als fie von dem fehdeluſtigen Hans von Sagan
angegriffen wurden, die Feinde mit heißem Brei zurück. Doch alles in allem war
die Entwicklung der Stadt, die 1437 bezeichnenderweiſe „Kleinen Reppyn“ genannt
wird, nicht den vielverheißenden Anfängen entſprechend vorwärtsgegangen. Manche
Umſtände hemmten die kräftige Fortentwicklung. Zuerſt die allzugroße Nähe Droſſens
und der beſonders privilegierten, den Verkehr der Umgegend aufſaugenden Stadt
Frankfurt, deren Bürger ſich im 16. Jahrhundert durch Kauf ſogar in den Beſitz der
Gerichtsbarkeit ſetzten. Sodann die geringe Ertragfäbigfeit der im „wäſſrigen Grunde“
gelegenen Gemarkung, die um 1850 von Berghaus, einem guten Kenner märkiſcher
Verhältniſſe, als ſchlecht, leicht und ſandig bezeichnet wurde. Endlich kam hinzu,
daß ähnlich wie auf Droſſen ſo auch auf Reppen von 1535 an das Übergewicht der—
zum Sitz der neumärkiſchen Behörden durch Markgraf Hans erhobenen ſtarken Feſtung
Cüſtrin drückte. Waldungen und Heiden, Walk-, Loh- und Schneidemühlen mußten
Bürgermeiſter und Ratmannen 1553 an Johann abtreten, und zwar „weil ſie in der
Schoßrechnung nicht hatten beſtehen können, um die Strafe zu wenden, welche ſie
deshalb wohl verdient hätten“.
Zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges waren in dem „armen, unvermöͤgen—
den“ Städtlein, wie ſich bei der Muſterung von 1623 herausſtellte, nur noch 251 Bürger,
von denen die meiſten lediglich mit Hellebarden bewaffnet waren. Sehr hatte man unter
den Schweden zu leiden. „Das Rathaus, auf dem Markt, — ſo heißt es im Beck—
mannſchen Manuſkript im Märkiſchen Muſeum — iſt beim Stalhanſiſchen Durchmarſch
Anno 1641 mit allen Dokumenten eingeäfchert worden, nachdem dieſe Volker viel
Stroh und ander Rauhfutter das Vieh zu futtern hinaufgebracht.“ Neue Kriegs—
gefahr drohte 1656, als die Kurfürſtin-Mutter, deren Sitz zu Droſſen war, vom
polnischen König einen in den Akten des Magiſtrats in Abſchrift erhaltenen Schuß:
Reppen. 167
brief erhielt. Doch die Stadt hatte noch „auf der einen Seite 3 fache Wälle und
doppelte Gräben“, auf der andern viel Sümpfe, ſo daß die polniſche Armee „nichts
darwieder ſchaffen konnte“.
„Die abgebrannten, verwüſteten und von den Soldaten niedergeriſſenen Häuſer—
lein“ wurden in der Folgezeit mit Beihilfe der Regierung wieder aufgebaut. Jakob
Paul v. Gundling rühmt in feinem Brandenburgiſchen Atlas 1724 (S. 306)
das gute Tuch, das hier aus der ſchönen Sternbergſchen und Polniſchen Wolle ver—
fertigt werde, und meinte, die Stadt, die durch Krieg und Brand zwar viel gelitten
hätte, wäre doch auf dem Wege, eine andere Geſtalt zu gewinnen, „indem die polniſche
Art zu bauen daſelbſten aufhören wird“. In friderizianiſcher Zeit wuchs die Zahl
der überwiegend mit Ziegel gedeckten Häuſer von 262 im Jahre 1719 auf 330 im
Jahre 1801, die Bevölkerung von etwa 1600 auf 2192 Menſchen. Die Tuchmacher
ſtellten damals auf 135 Stühlen für nahezu 50000 Reichstaler Waren her, die ſie
etwa zur Hälfte nach Leipzig, Hamburg und dem Reiche hin abſetzten. Es gab rund
36 brauberechtigte Bürger. Die „ganz gut gebaute“ Stadt war auf der einen Seite
ſeit 1730 nur mit Paliſaden, auf der anderen von dem Flüßchen Eilang umgeben.
Der Oberprediger war — ebenſo wie noch heute — Paſtor zu Groß- und Klein-Lübbichow.
So war der Stadt im 18. Jahrhundert eine kurze Nachblüte beſchieden. Nach 1815
aber ging die Tuchfabrikation, beſonders da Rußland ſeine Märkte verſchloß und die
Fabrikanten das Gewerbe nur auf 1 bis 2 Stühlen betrieben und nicht zum Groß—
betrieb übergingen, zurück, und das drückte auf die ganze Stadt! Dazu hatte ſie in
der Franzoſenzeit 30000 Taler Schulden gemacht und erzielte nur 1600 bis 1700 Taler
jährliche Einnahmen. Der 1830 abgetragene Kirchturm konnte deshalb bis 1853 nicht
wieder hergeſtellt werden. Immerhin ſtieg die Bewohnerzahl bis zu dieſer Zeit auf
3500 Seelen an; von den 368 Wohnhäuſern waren 1853 erſt 58 ganz maſſiv. In
neueſter Zeit hat das ſtille Ackerbürgerſtädtchen als Eiſenbahnknotenpunkt und ſeit 1904
als Sitz des Landratsamts für Weſtſternberg neue Bedeutung gewonnen. Freilich die
Bewohnerzahl hat ſich kaum vermehrt, zumal auch die Blüte der zeitweilig ſehr
emporſtrebenden Schuhmacherei nicht von Dauer war. Im Wappen iſt ein den
rechten Vorderfuß erhebender Hirſch mit ſchönem Geweih, der ſchon in dem „Sigil der
Stat Reppen“ von 1573 zu erblicken iſt.
Denkmäler.
Anlage und Befeſtigung der Stadt.
Wie Droſſen ſo dürfte auch Reppen, der erſte Raſtplatz für die von Frankfurt
nach dem Oſten ziehenden Kaufleute, zu jenen Städten der Provinz zu zählen ſein,
die um die Mitte des 13. Jahrhunderts emporgewachſen ſind, nachdem ſie durch die
Markgrafen Johann und Otto ihre ſtädtiſche Verfaſſung erhalten hatten. Die in
Aufzeichnungen im Reppener!) Rathaus von etwa 1740 erhaltene Nachricht, daß
) Dieſe Aufzeichnungen find allem Anſchein nach für den jüngeren Beckmann gemacht und zwar im An—
ſchluß an einen durch Friedrich II. am 19. November 1740 erlaſſenen Befehl, dem Profeſſor am Joachimstalſchen
Gymnaſium Bernh. Ludwig Becmann zur Vervollſtändigung der Märkiſchen Geſchichte feines Vetters, des
168 Weititernberg.
Kaiſer Otto III. auf feiner Wanderung nach Polen zum Grabe des heiligen Adalbert
ein Privileg erteilt habe, iſt geſchichtlich nicht glaubwürdig.
Volle Beſtätigung findet die eingangs ausgeſprochene Vermutung von einer
Gründung durch die Askanier bei einem eingehenderen Studium des Stadtplanes, der
die urſprüngliche Anlage und ſpätere Entwicklung ſelbſt heute noch unſchwer erkennen
läßt. Auch hier wird dieſe Arbeit weſentlich erleichtert durch den in der Karten—
kammer des Miniſteriums der öffentlichen Arbeiten aufbewahrten, im Jahre 1725 von
Euchler angefertigten Stadtgrundriß (Tafel 7). Hiernach erkennt man deutlich die
für eine Stadtgründung des 13. Jahrhunderts typiſche Anlage. Rechtwinklig ſich
kreuzende Straßenzüge zerlegen ähnlich wie bei anderen gleichzeitigen ſtädtiſchen
Gründungen, den im Grundriß annähernd rechteckigen Kern in ebenſolche Häuſer—
inſeln, wobei genau wie bei der im Jahre 1253 vorgenommenen Erweiterung von
Frankfurt inſofern zwiſchen Haupt- und Nebenſtraßen ein merklicher Unterſchied gemacht
wird, als jene, die Längsſtraßen, vor den Querſtraßen durch ihre größere Breite
deutlich hervortreten. Abgeſehen von der rings um den Stadtkern verlaufenden Wall—
ſtraße und außer der kleinen Pfarrgaſſe werden im Jahre 1713 (vgl. S. 167 Anm. 1)
von Seiten des Reppener Magiſtrats noch die Hinter-, die Droſſener und die Rehm—
gaſſe genannt. Im Euchlerſchen Plane führt die Fortſetzung der Hinterſtraße die
Bezeichnung Roſenſtraße, während die entſprechende Verlängerung der Droſſener Straße
die „Peterſiligen Straße“ heißt. Der Name der dritten Hauptſtraße dagegen iſt durch
die Bezeichnungen Schloß- und Mühlenſtraße ſchon vollſtändig verdrängt. Ergänzend
ſeien noch von den bedeutenderen Querſtraßen die Viehſtraße, deren Fortſetzung die
Gaſthofſtraße bildet, ferner die Herrenſtraße und endlich die ſogenannte Neue Straße
genannt, zu denen von den kleinen Verkehrswegen nur noch die Brauhausgaſſe als be—
merkenswertere Straße hinzutritt. Hervorgehoben ſei noch die Tatſache, daß der alte Plan
von Reppen auch in der Anzahl der urſprünglichen Feuerſtellen ſowie hinſichtlich der
Größe der bebauten Grundfläche, von Rathaus und Kirche abgeſehen, eine auffallende
Übereinſtimmung aufwies mit anderen gleichbedeutenden Gründungen wie etwa der
Städte Müncheberg oder Droſſen. Nur in einer Hinſicht ſcheint Reppen eine Aus—
nahme zu bilden. Während nämlich bei anderen ſtädtiſchen Gemeinweſen das
Vorhandenſein einer maſſiven Stadtbefeſtigung, deren Bau zumeiſt ſchon wie bei
Müncheberg im 14. Jahrhundert in Angriff genommen wurde, entweder an der Hand
urkundlicher Aufzeichnungen oder zum mindeſten durch die jüngeren aber genauen
Aufnahmen wie die Euchlerſchen Karten und nicht zuletzt durch noch vorhandene z. T.
umfangreiche Reſte wie bei Droſſen, Jüterbog oder Kottbus bezeugt wird, iſt bei
Reppen ein ähnlicher Nachweis von dem ehemaligen Vorhandenſein eines ſolchen
Schutzes nicht möglich; dagegen wird des öfteren, ſo z. B. auf eine Anfrage
Beckmanns berichtet, daß die Stadt mit Paliſaden umgeben ſei.
Profeſſors zu Frankfurt g. O., die gewünſchten Unterlagen zuſammenzuſtellen. Schon Friedrich Wilhelm IL
hatte am 15. April 1713 allen Magiſtraten aufgetragen, dem Hofrat und Hiſtoriographen Jakob Paul Gundeing
allen forderſahmen Willen zu erweiſen, ihm mit allen verlangenden Nachrichten an Hand zu gehen, die
nötigen Uhrkunden und Documenta vorzuzeigen und zu communiciren, auch mit ihm alles dasjenige zu
erwegen und zu berahtſchlagen, was zu der Städte Flor und zur Aufnahme ihrer Nahrung gereichen kann ...“
**
Weſtſternberg.
Reppen. Stadtplan nach Euchler.
Reppen. 169
Es iſt daher nicht unwahrſcheinlich, daß der bloß von einem Verhau!) umgebene
Ort, zu dem im Südoſten das Mühlentor, im Norden dagegen das Droſſener Tor den
Zugang vermittelte, durch die Eilang im Oſten, auf den übrigen drei Seiten aber
durch dreifachen Wall und Graben genügend geſchützt war. Berückſichtigt man noch die
ſumpfige Niederung, ſo ſcheint ein derartiger Schutz ohne feſte Mauern völlig aus—
reichend geweſen zu ſein, um ſelbſt größere feindliche Überfälle, wie den Angriff des
kampfesluſtigen Hans von Sagan im Jahre 1477 mit Erfolg zurückzuweiſen. Im
Schweden; die große Feuersbrunſt vom Jahre 1673 tat ihr übriges, ſo daß man
aus dem Bild, das die Schilderungen aus dem Ende des 17. und dem Anfang des
18. Jahrhunderts geben, keinen günſtigen Geſamteindruck von dem Zuſtand der Stadt
gewinnt. Zwar war das mit all feinen Dokumenten 1611 eingeäſcherte Rathaus ſofort
wieder „auf- und ausgebauet“ worden. Die mehrfach erwähnte Matrikel vom 23. Sep—
tember 1693 jedoch nennt das Hoſpital, mit dem gleichzeitig auch die heute noch z. T.
erhaltene Begräbniskirche erwähnt wird, völlig baufällig. „Des Ober-Pfarrers Hauß
nebſt denen darzu gehörigen Scheunen und Ställen“ war ebenfalls „ganz alt und hat“, wie
hinzugefügt wird, „die Bürgerſchaft 200 Thlr. zur erbauung eines neuen Pfarrhauſes ge—
wiedmet.“ In gleich ungünſtigem Lichte erſcheint auch der Zuſtand der Wohnung des
Diakonus ſowie der zugehörigen Scheunen und Ställe, ſo daß man annehmen darf, daß wie
in anderen Städten der Provinz ſo auch in Reppen am Anfang des 18. Jahrhunderts
eine umfangreiche Bautätigkeit einſetzte. Vielleicht gehörte dem oben erwähnten Bau—
jahr 1641 der Vorgänger des heutigen Rathauſes an, ein Fachwerkbau, der dann neuer—
dings wieder durch den jetzigen ſchematiſchen Backſteinrohbau verdrängt wurde, in dem
gleichzeitig mit den Räumen für die ſtädtiſche Verwaltung auch die Zimmer für das Amts—
gericht untergebracht wurden. Da auch alle anderen von den vorſtehend genannten Gebäuden
im 19. Jahrhundert, ſoweit ſie Beachtung verdienten, durch Neubauten erſetzt wurden, ſo
ſollen neben der kurzen Aufzählung einiger bemerkenswerter Privathäuſer nur die Stadt—
pfarrkirche und die Begräbniskapelle vor dem Droſſener Tor eingehender gewürdigt werden.
Die Sl. Kakharinen- oder Stadfpfarrkirche wird in der Matrikel von 1693
im Gegenſatz zu den als baufällig geſchilderten übrigen Gebäuden „ganz gemauert
und wohl ausgebauet“ genannt. Dieſe günſtige Beſchaffenheit des Gotteshauſes
nach dem Großen Kriege iſt darauf zurückzuführen, daß vornehmlich der aus Feldſteinen
errichtete frühmittelalterliche Kern der Zerſtörung leichter Widerſtand leiſten konnte.
Wenn in der gleichen Quelle der Turm als von Holz errichtet angeführt wird, ſo
dürfte ſich dieſe Schilderung auf einen jüngeren Ausbau über mittelalterlichem Unterteil
beziehen. Daß aber auch an dem Hauptgotteshaus die Stürme der Jahrhunderte
) Wenn auch eine ſolche Befeſtigungsart, zu der wahrſcheinlich auch die „leimernen“ Mauern
Droſſens gerechnet werden dürfen, in anderen Städten der Provinz bis jetzt nicht nachgewieſen werden
konnte, ſo iſt ſie doch im übrigen Deutſchland urkundlich bezeugt; ſie wird unter dem Namen „Hagen“
erwähnt für Stralſund bis zum Jahre 1274, für Holzminden und Seeſen im Herzogtum Braunſchweig bis
ins 18. Jahrhundert. Endlich hat der von Heinrich dem Löwen gegründete Stadtteil Hagen der Geſamt—
ſtadt Braunſchweig ſeinen Namen von dieſer Befeſtigung.
Baugeſchichte.
170 Weſtſternberg.
nicht ſpurlos vorübergegangen waren, zeigte ſich bald an dieſer mit dem „Holzturm“
verſehenen Weſthälfte. Nachdem nämlich ſchon im Jahre 1709, wie aus einer Auf—
zeichnung im Frankfurter Regierungsarchivs hervorgeht, plötzlich ein Teil des Gottes—
hauſes eingeſtürzt war, meldete im Jahre 1741 der Magiſtrat auf Beckmanns Anfrage,
daß der Turm, deſſen Knopf und Hirſch ein Sturm bereits 1725 herabgeworfen hätte,
ſich beim Winde in den letzten drei Jahren ſo ſtark bewegt habe, „daß er immer den
Einfall gedräuett, dahero“ ſo fährt der Bericht fort, „Gefahr und ſchaden zu verhüten,
derſelbige 1740 abgeriffen worden, und nunmehro die Kirche noch ohne Thurm ſtehet—
Die größte Glocke auf der Erden lieget, zu zweyen andern aber ein Gerüſte gemacht
worden, daß man doch zur Kirche leiten könne .. .“ Dieſem unhaltbaren Zuſtand
ſuchte man durch
eine Inſtandſetzung
in der zweiten Hälfte
des 18. Jahrhun—
derts zu begegnen.
Der am 6. April
1772 ausgefertigte
Anſchlag ſieht neben
dem Ausbau der ein—
gefallenen oberen
Turmhälfte auch ein
Umdecken des Daches
vor, ferner ſolle die
Kirche ausgeweißt,
die Gänge gepflaſtert,
Fenſter und Kanzel
eingeſetzt, ein neuer
Abb. 155. Reppen. Grundriß der St. Katharinenkirche. Altar angefertigt, ſo—
wie das eingefallene
Gewölbe in der Sakriſtei erneuert werden. Kleinere Ausbeſſerungsarbeiten werden gegen
Ende des Jahrhunderts verzeichnet, nachdem von dem Zimmermeiſter Marquart 1782 die
Hauptreparatur namentlich mit der Fertigſtellung der „doppelten Turmlaterne“ beendet
war. Jedoch kaum fünfzig Jahre ſpäter traf dieſen Erſatzbau das Schickſal ſeines Vor—
gängers. Er mußte ebenfalls wegen Baufälligkeit im Jahre 1831 abgetragen werden. Nun
begann die Gemeinde, deren Mitgliederzahl inzwiſchen erheblich gewachſen war, ſich nicht
bloß mit dem Plane einer Inſtandſetzung, ſondern auch mit dem Gedanken an eine Erweite—
rung der Kirche zu tragen. Achtundvierzig Jahre währten die Verhandlungen, die endlich mit
einem völligen Umbau des Gotteshauſes, deſſen Einweihung am 22. Dez. 1879 ſtattfand,
beendet wurden. Die Reppener St. Katharinenkirche war dem Schickſal nicht entgangen,
das auch der Droſſener Jakobikirche gedroht hatte; ſie war, bis auf einen kleinen Reſt
auf der Nordſeite, einem modern-gotiſchen Bauplan zum Opfer gefallen. Die Geſamtbau—
koſten betrugen, nach einer Zuſammenſtellung vom 8. Okt. 1885, 101700 Markts Pfennig.
Reppen. Il
Abb. 156. Reppen. St. Katharinenkirche. Nordkapelle.
Das umgebaute Gotteshaus zeigt ein im Grundriß (Abb. 155) einfach rechteckiges . Ban
a de 2 E 8 == = 3 ” , beſchreibung
Langhaus, einen eingezogenen, gerade geſchloſſenen, annähernd quadratiſchen Chor, eine
in der Nähe der Nordoſtecke jenes Bauteils errichtete nach Norden dreiſeitig geſchloſſene
Kapelle (Abb. 156) und den völlig neuen, im Grundriß quadratiſchen Backſteinturm an
12 Weſtſlernberg.
der Südoſtecke des Langhauſes. In dem Verbindungsbau zwiſchen dem die Sakriſtei
bildenden Turmuntergeſchoß und dem Chor liegt die Turmtreppe. Soweit die anläßlich
des Umbaues um etwa drei Meter erhöhten Umfaſſungsmauern aus ſauber bearbeiteten
Granitquadern beſtehen, dürften ſie einer frühmittelalterlichen Kirche angehört haben;
für die Richtigkeit biefer Vermutung ſpricht auch die für das 13. und 14. Jahrhundert
typiſche Anlage von Langhaus und Chor; hier ſind ferner auf der Außenſeite der Oſtwand
heute noch die ehemaligen in ihrer Dreizahl für dieſe Bauzeit ebenfalls charakteriſtiſchen,
fchlanfen, jetzt vermauerten Spitzbogenfenſter an ihren Umrißlinien deutlich ſichtbar.
Alle jetzigen Lichtöffnungen des Kirchenſchiffs und des Chores ſind modern und bieten
ebenſowenig etwas Bemerkenswertes wie die anderen der neueren Zeit angehörigen
Schöpfungen einſchließlich des Turmes. Dagegen beſitzt die Kirche in der aus Back—
ſteinen errichteten Nordkapelle einen wertvollen mittelalterlichen Baureſt. Ahnlich
wie die reichgeſchmückte aus Werkſtein hergeſtellte fürftliche Stiftung an der Frankfurter
Marienkirche ſpannt ſich hier das allerdings ungleich beſcheidenere, nur durch eine
reiche Profilierung hervorgehobene, oberhalb durch einen Maßwerkfrieß abgeſchloſſene
Backſteinportal zwiſchen die beiden nördlichen, ſchlichten Eckſtrebepfeiler, während die
über dem Fries ſitzende Mauerſchräge auch hier auf ein ehemals vorhandenes Schutz—
dach ſchließen läßt. Ein aus Rundſtab und Hohlkehle beſtehendes Profil umrahmt
die ſonſt ſchlichten Lichtöffnungen der Polygonſeiten und ein Maßwerkfries aus Back—
ſtein ziert unter dem Hauptgeſims die in ihrem oberen Viertel aus geſpaltenen Find—
lingen aufgemauerten Umfaſſungsmauern. Seiner Bauzeit nach dürfte dieſer im Innern
gewölbte Bauteil etwa gleichzeitig ſein mit der aus dem letzten Viertel des 14. Jahr—
hunderts ſtammenden Kapelle an der Frankfurter Marienkirche. Die Wetterfahne über
dem Dachfirſt der Kapelle zeigt die Jahreszahl 1683. Das Backſteinmaß beträgt
10,5 X 14,5 X 30 cm. Der Verband weiſt einen regelmäßigen Wechſel von 2 Läufern
und 1 Binder auf. Auf m Höhe kommen 16½ Schichten.
Außer einer doppelten Weſtempore aus Holz beſitzt die Kirche noch auf der
Nord- und Südſeite ebenfalls aus Holz eingebaute Emporen, durch deren Stützen
das Innere gleichſam in drei Schiffe geteilt wird; von ihnen ſind die Seitenſchiffe
flachgedeckt, während die freitragend konſtruierte Decke des Mittelſchiffs ſowie die des
Chorraumes ſatteldachartig in den Dachraum hineinreichend geſtaltet find. Der ge:
ſamte innere Ausbau iſt modern-gotiſch.
An nennenswerten älteren Gegenſtänden ſind vorhanden:
Zwei hölzerne Rundfiguren auf Konfolen an den Stirnſeiten des ſpitzbogigen
Triumphbogens ſtehend. Von ihnen ſtellt die Figur auf der Südſeite den Evangeliſten
Lukas, die Geſtalt auf der Nordſeite den Auferſtandenen dar. Allem Anſchein nach
ſtammen beide von einem ehemaligen Renaiſſancealtar.
Ein Olbild auf Leinwand hängt auf der Suͤdempore und zeigt die Ganzfigur
eines Geiſtlichen in der Tracht des 18. Jahrhunderts.
Ein jetzt noch zweiarmiger, meſſingener Kronleuchter in der Sakriſtei zeigt die
Inſchrift: „Christian Rehfeld: P. P. Burgermevster Anno 1667“,
Von den Abendmahlsgeräten ſind zu nennen:
Reppen. 173
Ein Abendmahlskelch, 20 em hoch, Silber, trägt die Jahreszahl 1822.
Eine Patene, ſilbervergoldet, mit Weihkreuz, dürfte dem 16. Jahrhundert angehören.
Eine Abendmahlsfanne aus Neuſilber ſtammt laut Inſchrift aus dem Jahre 1865.
Ein zweiter Kelch, eine Oblatenbüchſe ſowie eine Patene ſind modern.
Fünf Glocken find in drei Geſchoſſen des Turmes verteilt:
Die älteſte im Obergeſchoß mit 0,50 m Durchm. zeigt am Rand in ſpätgotiſchen
Minuskeln die Inſchrift: „Oesv (Jesu) gyt (gott?) maria“. Wende des 15. Jahrhunderts.
Die ſüdliche im mittleren Geſchoß mit 0,45 m Durchmeſſer und 18 em Höhe
läßt ſofort an ihrer geringen Höhe und der dadurch gedrückten Geſtalt ihre Be—
ſtimmung als Uhrglocke erkennen und dürfte dem 17. Jahrhundert angehören ſowie
vielleicht von dem Gießer Voillard ſtammen.
Die nördliche Glocke mit 1,16 m Durchmeſſer wurde ebenſo wie im unterſten
Geſchoß die öſtliche mit 1,30 m und die weſtliche mit 0,92 m Durchmeſſer von dem
Berliner Gießer Hackenſchmidt im Jahre 1812) gegoſſen.
Die Hofpitale oder Begräbniskirche vor dem Droſſener Tor wird in der
Matrikel von 1693 kurz als Kirche erwähnt, „worinnen die Leichenpredikten und
Parentationes gehalten werden.“ Dieſen Zwecken diente ſie auch noch während des
ganzen 18. Jahrhunderts, bis ſie dann im 19. Jahrhundert viele Jahre als Bretter—
magazin benutzt wurde. Erſt am 5. April 1875 wurde von dem Kreisbaumeiſter Giebe
ein Bauprogramm aufgeſtellt?), in dem ſämtliche Arbeiten aufgeführt wurden, die für
die notdürftigite Inſtandſetzung des Gebäudes zum Zwecke feiner Wiederverwendung
als Gotteshaus notwendig waren. Inwieweit dieſes Bauprogramm verwirklicht wurde,
läßt ein Vergleich mit dem heutigen Zuſtand erkennen.
Die Kirche, deren Breite bei einer durchſchnittlichen Länge von 16,20 m etwa
Sm beträgt, beſteht aus der vermittelſt Backſtein maſſiv aufgemauerten mittelalterlichen
Weſthälfte und einer in der Richtung nach Oſten in jüngerer Zeit vorgenommenen,
aus verputztem Fachwerk errichteten dreiſeitig geſchloſſenen Erweiterung. Das Backſtein—
maß beträgt an der Weſtfront 914 30 cm, an den beiden Langſeiten 8X 13,5X29 cm.
Auf Am kommen 19 Schichten. Der Verband weit einen regelmäßigen Wechſel von
einem Läufer und einem Binder auf. Die urſprüngliche heute noch im Innern ſpitz—
bogig geſtaltete Weſttür iſt jetzt zu einem Fenſter umgebaut; außer dieſer Lichtöffnung
führen noch auf der Süd- und Nordfeite der Weſthälfte des Baues je zwei nachträglich
erweiterte, ſtichbogig abgeſchloſſene Fenſter dem Innern Licht zu, während je eine rund—
bogige, tief herabreichende Lichtöffnung die entſprechenden Seiten des jüngeren Oſtbaues
) Vgl. Akten im Regierungsarchiv zu Frankfurt.
) Als notwendig werden nachſtehende Arbeiten verzeichnet: „1. Das Ziegeldach muß umgedeckt werden.
2. Von den 6 kleinen Fenſtern ſind 4 Stück zu vergrößern, um das nötige Licht nach Aufſtellung der doppelten
Emporen an den Frontwänden zu ſchaffen. 3. Das Pflaſter iſt ſtellenweiſe zu repariren und die Wände find
zu weißen. 4. Die Thür in der Nordfront wird vermauert und die im Weſtgiebel niedriger gemacht, um
auch an dieſer Wand eine Empore aufſtellen zu können . . . . Außerdem hat der Superintendent und der
Bürgermeiſter den Antrag geſtellt, über den Balken eine Bretterdecke zu legen .. .. auch ſoll am Eingange
des Kirchhofes ein Glockengerüſt gufgeſtellt werden .. . .“
5
174 WWeililernberg.
durchbricht. Außer dem erwähnten ehemaligen Weſtportal vermittelte einſt auf der
Südſeite eine Tür den Zutritt zum Innern. Eine dritte in der nordweſtlichen Ecke
angelegte ſpitzbogige Zugangsöffnung dient heute noch neben der zweiflügligen, auf der
nordweſtlichen Polygonſeite angebrachten Haupttür ihrem urſprünglichen Zwecke.
Wie am Außern die Strebepfeiler, fo weifen auch die Schildbögen im Innern
des mittelalterlichen Bauteils auf eine ehemalige Wölbung hin. Heute blickt man von
dem auf drei Seiten mit Emporeneinbauten verſehenen Innern in den offenen Dach—
ſtuhl. Die Zugangstreppe zu den Emporen liegt in der nordweſtlichen Ecke.
Den maſſiv aufgemauerten, noch mittelalterlichen Altartiſch ſchmückt eine jetzt
leider weiß überſtrichene, ſpätmittelalterliche Beweinung. Der darüber angebrachte,
ebenfalls weiß übertünchte, annähernd lebensgroße Kruziftrus dürfte ſpäteſtens aus
dem Anfang des 16. Jahrhunderts ſtammen (Abb. 157).
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Abb. 157. Meppen. Hoſpitalkirche, Altar.
Eine große Anzahl Grabdenkmäler auf dem in der Umgebung der Kirche ge—
legenen älteren Teil des Friedhofes gehört dem erſten Drittel des 19. Jahrhunderts
an. Bemerkenswert iſt das noch klaſſiziſtiſch aufgebaute Denkmal der Anna Charl—
Friederike Wilh. Bolfras verehelichte Herzberg, geb. 8. Jan. 1809, geſt. 21. Febr.
1831 (Abb. 158). Das gemeinſame Grabmal für den Ratszimmermeiſter Joh. Adam
Schultze, geb. 11. Sept. 1765, geſt. 17. Sept. 1826, und feine Frau Charl. Louiſe Schultze
geb. Herzberg, geb. 22. Okt. 1767, geſt. 2. Febr. 1850, zeigt ein von einer Vaſe befröntes
Poſtament mit Inſchrifttafel. Von zwei einfachen noch dem 18. Jahrhundert ange—
hörenden Grabplatten am Weſtende des älteren Teils des Kirchhofs iſt nur noch der
Stein des Johann Chriſtian Gottlieb Ungnad, „Statt Secretarius zu Reppen“, geb, den
27. Juni 1733, geft. den 21. Juni 1766, einigermaßen zu entziffern.
Von den monumentaleren Denkmalbauten des Friedhofes ſei das Erbbegräbnis der
Familie Herzberg (Abb. 159) genannt. Vier den Dreieckgiebel des Daches tragende
Reppen. 175
Säulen gliedern die Hauptfaſſade, in deren Achſe ein rundbogiges Portal den
Zugang vermittelt; zwei ebenfalls rundbogige, ſeitlich angebrachte Fenſter beleuchten
das Innere.
Von den älteren Wohnhäuſern ſind die beiden maſſiven Putzbauten, Frankfurter
Straße Nr. 5 (Abb. 160) und Richterſtraße Nr. 22 (Abb. 161), die bemerkenswerteſten.
Abb. 158. Reppen. Friedhof, Bolfrasſches Grabdenkmal—
Jenes landhausartig mitten in einem Garten gelegene Gebäude dürfte der Formgebung nach
der Wende des 18. Jahrhunderts angehören. Die nach der Straße zugekehrte eingeſchoſſige
Hauptfaſſade mit ihrem in das gebrochene Dach einſchneidenden zweigeſchoſſigen
Mittelbau zeigt über den von ſchmalen Liſenen flankierten rechteckigen Lichtöffnungen
die für die angegebene Bauzeit charakteriſtiſchen Girlanden, ſowie die gleichſam das
Hauptgeſims ſtützenden ſtraff geſpannten Konſolen. Ahnlich dekoratives Beiwerk ſchmückt
176 Weſlſlernberg.
den Mittelbau, deſſen von Pilaſtern eingefaßte, im Grundriß geſchwungene Vorlage
im Erdgeſchoß von dem rundbogigen Hauptportal durchbrochen wird.
Nicht viel älter dürfte das Haus Richterſtr. 22 ſein, deſſen von zwei kannelierten
Liſenen flankierte Straßenfront mit ihrem abgewalmten Giebel durch eine ebenfalls
kannelierte Mittelliſene halbiert wird. Die kräftig umrahmten rechteckigen Licht—
öffnungen des Giebelgeſchoſſes zeigen unter den Brüſtungen die für das Ende des
18. Jahrhunderts typiſchen Gehänge, während die ebenſo eingefaßten, mit Schluß—
ſteinen verſehenen Fenſter des erſten Obergeſchoſſes mit Konſolen geſchmückte Brüſtungen
Abb. 159. Reppen. Friedhof, Erbbegräbnis der Familie Herzberg.
aufweiſen. Der korbbogig geſchloſſene Zugang der linken Hälfte mit der ge—
nagelten Tür iſt urſprünglich, der rechteckige Ladeneingang dagegen gehört der neueren
Zeit an.
Von den übrigen maſſiven Putzbauten ſei nur noch das ebenfalls aus der Wende
des 18. Jahrhunderts ſtammende zweigeſchoſſige Haus Schloßſtr. Nr. 26 erwähnt mit
feinem liſenenflankierten Mittelbau und der Dreieckgiebelverdachung über dem forbbogig
geſchloſſenen Zugang, ferner das ebenfalls zweigeſchoſſige Haus Schloßſtr. 59 (Abb. 162) mit
dem vorgezogenen Mittelbau und den flankierenden Eckriſaliten. Sein für den Anfang
des 19. Jahrhunderts charakteriſtiſcher Balkoneinbau in der Achſe des Obergeſchoſſes
Reppen.
Kunftdenfm. d. Prov., Bedbg—
VI. 3.
Weſtſternberg.
5.
ße Nr.
traf
kfurter S
Fran
Haus
Meppen. H
160.
Abb.
178 Weſtſternberg.
erinnert an gleichzeitige Bauten des benachbarten Frankfurt. Einfacher geſtaltet ſind
endlich die ebenfalls hierher gehörigen Häuſer Richterſtr. Nr. 46, 50 und 54.
Die älteſten Häuſer der Stadt Reppen dürften unter den noch heute in überwiegender
Zahl vorhandenen Fachwerkbauten zu ſuchen fein. So gehört das zweigeſchoſſige Haus
Acarret
Farb
Abb. 161. Meppen. Haus Richterſtraße Nr. 22.
Schloßſtr. 11 mit dem vorgekragten Obergeſchoß nach der noch frühen Balkenproftlierung
zu ſchließen ſpäteſtens dem Ende des 16. Jahrhunderts an. Nicht viel jünger dürfte das
zweigeſchoſſige Fachwerkhaus Schloßſtr. 34 fein mit feinem der Straßenſeite zugekehrten ab—
gewalmten Giebel, ſowie das ebenſo aufgebaute Haus Herrenſtr. 4. Jüngere erwähnens—
werte Fachwerkhäuſer find ferner: am Kirchplatz das zweigeſchoſſige forſttechniſche Inſtitut,
Reppen. 179
Abb. 162. Reppen.
Anfang des 19. Jahrhunderts, und das
nicht viel ältere, eingeſchoſſige „zweite“
Pfarrhaus; in der Richterſtraße die
eingeſchoſſigen Häuſer Nr. 5 und 21,
ſowie der hauptſächlich wegen des
gebrochenen Daches erwähnenswerte
Fachwerkbau Nr. 58. In der Schloß—
ſtraße ſind Bauten dieſer Art die
Häuſer Nr. 27, 67 und 70. In der
Wallſtraße endlich beſteht namentlich
die Weſtſeite aus zumeiſt eingeſchoſſi—
gen Fachwerkhäuſern.
Bemerkenswerte Türen beſitzen
die Häuſer: Herrenſtr. Nr. 23, Fül—
lungstür aus dem Anfang des
19. Jahrhunderts; Richterſtr. Nr. 26,
genagelte Tür mit trefflich geſchmie—
detem Rokokobeſchlag; die ebenfalls
genagelte Tür Richterſtr. Nr. 44 zeigt
einen Meſſingbeſchlag aus der Wende
des 18. Jahrhunderts. Andere ge—
nagelte Türen befinden ſich u. a. in
der Schloßſtr. Nr. 15, 17, 21 und 22
(Abb. 163), ferner am Haus Nr. 27,
Haus Schloßſtraße Nr. 59.
Abb. 163. Reppen. Tür am Hauſe Schloßſtraße Nr. 22.
12*
180 Weſlſlernberg.
während das Haus Nr. 74
(Abb. 164) in derſelben Straße
ſich durch eine ſchön geſchnitzte
Rokokotür auszeichnet. Zum Schluß
ſeien noch die beiden genagelten
Türen Wallſtr. 21 und 14 genannt.
Isis Fu)
Handels Säpzig.
Häpzig, Angerdorf 5 km
nordöſtlich von Göritz. 1051 Einw.,
1374 ha.
Laut Urkunde vom 3. Fe—
bruar 1317 im Geheimen Staats—
archiv (Lebus Nr. 5) gehörte „Sa—
bytz“ dem Bistum Lebus (vgl.
Riedel, Codex XX, 201); die
Gemarkung von „Sebitz“ zählte
36 Hufen, davon 2 Pfarrhufen.
Nach der Reformation ging der
Ort ebenſo wie die übrigen bi—
ſchöflichen Güter in den Beſitz
des Landesherrn über und gehörte
bis etwa 1810 zum Domänen—
amt Frauendorf. Damals zählte
Abb. 164. Reppen. Tür am Hauſe Schloßſtraße Nr. 74. man zu „Sepzig“ oder „Seepzig“
278 Einwohner; darunter waren
ein Lehnſchulze, 10 Bauern, je 11 Koſſäten und Büdner; ein größeres Gut gab es nicht.
Das Patronat ſteht den Prinzen von Preußen zu, die ſeit 1844 Frauendorf beſitzen.
Die Kirche (Abb. 165 u. 166) iſt ein im Grundriß rechteckiger, verputzter Findlings—
bau mit einem über kreisrundem Sockel fünfſeitig geſtalteten Oſtſchluß, einer neueren
Backſteinvorhalle vor der Nordtür und einem
quadratifchen, in der oberen Hälfte aus ver—
putztem Fachwerk hergeſtellten Weſtturm, deſſen
ziegelgedecktes Pyramidendach eine Wetterfahne
mit der Jahreszahl 1829 trägt. Außer dem
erwähnten Nordportal führt noch ein zweiter
Zugang von Weſten her nach dem flachge—
deckten Innern der Kirche, deren Fenſter mit
flachen Korbbogen abgeſchloſſen ſind.
Der größte Teil der inneren Ausſtattung Abb. 165. Sapzig. Grundriß der Kirche.
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181
Reppen — Säpzig.
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Säpzig.
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) Nach der Beantwortung der Indagandaakte bei der Frankfurter Regierung vom Jahre 1814
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ahrhunderts vorgenommenen Erneuerungsbau zurück
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70 „von Grund auf neu erbaut“.
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182 Weſtſlernberg.
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Abb. 167. Säpzig. Kanzelaltar in der Kirche.
Der Kanzelaltar (Abb. 167), deſſen Aufbau ebenfalls aus der ſpäteren Barockzeit
ſtammt, beſitzt in der an den Ecken mit Säulchen verſehenen und in den Brüſtungs—
füllungen mit den Bildern der vier Evangeliſten geſchmückten Kanzel einen älteren
Säpzig — Sandow. 183
Renaiſſancereſt. Bemerkenswert iſt noch die
am Aufbau angebrachte Predigtuhr mit
vier gläſernen Behältern.
Die einfache Taufe enthält ein zin—
nernes Becken mit der Inſchrift: „Säpzig
1857
Ein achtarmiger Kronleuchter dürfte
mit dem Taufbecken gleichzeitig fein.
Zwei Altarleuchter (Abb. 168) aus
Bronze, 38 cm hoch, mit Meiſterzeichen am
Fuß, ſind ſpäteſtens dem 16. Jahrhundert
zuzuweiſen.
Zwei Zinnkelche, 23,5 cm und 21 em
hoch, mit zugehörigen Patenen, ſowie eine
zinnerne Kanne, 22 cm hoch, ſtammen
anfcheinend aus der Mitte des 19. Jahr-
hunderts.
Eine runde zinnerne Hoſtienbüchſe
mit der Deckelinſchrift: „Zur Saepzigschen
Kirche“ ſowie mit dem Namen Säpzig
auf der Unterſeite dürfte der zweiten Hälfte
des 18. Jahrhunderts angehören.
Zwei Glocken. Die öſtliche mit
0,78 m, die weſtliche mit 0,62 m Durch—
meſſer, beide ohne Inſchrift, mittelalterlich.
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Sandow.
Sandow, Straßendorf 15 km ſüd—
lich von Reppen. 1102 Einw., Landgem. 657 ha, Gutsbez. 2979 ha.
Sandow erſcheint im 14. Jahrhundert unter den befeſtigten Städtchen, „muni—
ciones“ und „opida“, des Landes Sternberg und gehörte laut Urkunde vom 24. De—
zember 1350 dem Johanniterorden, der den Ort zugleich mit anderen Gütern von
den v. Klepzig erkauft hatte (Geh. Staatsarchiv, vgl. Riedel, Codex XIX, 137), zur
Zeit der Abfaſſung des Karoliniſchen Landbuchs aber, um 1375, dem markgräflichen
Lehnmann, Ritter (miles), Johannes Sak (Ausg. von Fidicin, S. 37). 1486 beſtätigte
Kurfürſt Johann dem Orden das Eigentum dieſes Städtchens ſowie des Dörfchens
Bergen, nachdem er ſich überzeugt hatte, daß dieſe Güter, welche ehrbare Leute,
u. a. die Schaffe, als Lehen beſaßen, von alter Zeit her des Ordens Eigentum ge—
weſen ſeien. 1581 wurden die Gebrüder Dietrich und Dietlof v. Winterfeldt auf
Dallmin vom Ordensmeiſter mit Sandow belehnt, ein Jahr darauf aber vom Kurfürſten,
der Sandow gegen Ziebingen eingetauſcht hatte. Der Ort, in dem 1572 laut Erb—
Abb. 168. Säpzig. Altarleuchter in der Kirche.
184 Weſlſlernberg.
regiſter 14 Hüfner und 16 Koſſäten wohnten (vgl. Chriſtoph Senfft v. Pilſach, For—
ſchungen zur Brand.-Preuß. Geſch., 22. Bd., S. 450 f.), konnte ſich als Städtchen
nicht behaupten; 1809 wird es in Bratrings Beſchreibung der Mark Dorf genannt.
Das Gut gehörte ſeit etwa 1752 den aus Weſtfalen ſtammenden Piper, die 1736 von
Friedrich Wilhelm J. in der Perſon des Präſidenten der Oberrechenkammer geadelt
wurden. Das Rittergut ſamt Sierzig und Bergen beſaßen um 1828 die v. Burgsdorff;
1840 übernahm Freiherr Senfft v. Pilſach, der Gemahl einer v. Burgsdorff, den Beſitz
käuflich für 60000 Taler.
Die Kirche (Abb. 169) wurde an Stelle eines in der Nacht vom 10. zum 11. Juni 1798
niedergebrannten älteren Gotteshauſes im Jahre 1801 völlig neu erbaut. Die im
Grundriß rechteckige Anlage beſitzt einen der ganzen Weſtfront vorgelagerten, aus Vor—
halle und zwei flankierenden Türmen beſtehenden Bauteil. Die von einem ſchweren
Zinnenkranz befrönten und von je einer ins Achteck übergeführten ſchiefergedeckten
Pyramide abgeſchloſſenen Türme
zeigen in den Wetterfahnen die
Inſchriften: enz (Burgsdorff) und
4% (Burgsdorff). Das von je vier
Fenſtern auf der Süd- und Nordſeite
und von einer in der Mitte der Oſt—
ſeite angebrachten Lichtöffnung er—
hellte, flachgedeckte Innere (Abb. 170)
mit ſeiner Weſtempore wird durch
zwei Reihen ſchlanker Säulen mit
korinthiſierenden Kapitälen gewiſſer—
maßen in drei Schiffe geteilt.
Die heutige Stellung der urſprünglich hinter dem Altar angebrachten Kanzel
geht auf eine aus den Mitteln des Patrons beſtrittene, durch Adler im Jahre 1866
vorgenommene Inſtandſetzung zurück, die einen Koſtenaufwand von 5000 Reichstalern
erforderte. Gleichzeitig wurden auch die im Altarraum angebrachten Emporen entfernt.
Die Glasmalereien im Oſtfenſter, die im dreigeteilten Hauptfeld Chriſtus und die
vier Evangeliſten nach den bekannten Dürerſchen Vorbildern erkennen laſſen und aus
der königlichen Glasmalerei in Berlin ſtammen, ſind von der Baronin v. Senfft geb.
v. Block-Bibra geſtiftet.
Die Orgel, von Dünfel in Berlin, ſtammt aus dem Jahre 1869.
Eine Tafel zum Andenken an die Jahre 1813/14 hängt im Innern der Kirche.
Ein zinnernes Taufbecken mit aufgelegtem Ornament trägt am Rand die
Inſchrift: „C. K. Engel 17. 12 18937.
Ein einfacher Barockkelch, 25, cm hoch, Silber, mit zugehöriger Patene,
zeigt neben den Namen und den Wappen des Carl Heinrich Piper und ſeiner
Frau Carolina Friedericke geb. Lehmann noch die Jahreszahl 1798; Meiſter
Müller, Berlin.
Abb. 169. Sandow. Grundriß der Kirche.
Sandow. 185
Zwei Glocken. Die füdliche mit 0,65 m Durchmeſſer iſt von H. Lange in
Frankfurt a. O. 1842 gegoſſen. Die nördliche mit 0,51 m Durchmeſſer ſtammt von
dem gleichen Gießer aus dem Jahre 1847.
Das Herrenhaus (Abb. 170 iſt ein zweigeſchoſſiger, von Liſenen gegliederter, maſſiver
Putzbau. Das Jahr des Baues ſowie der Name des Bauherrn werden durch folgende
an der Südfront angebrachte Inſchrift: „J: C: FUCHS CON SUL FIRSTEN-
Abb. 170. Sandow. Inneres der Kirche, Blick nach Oſten.
WALDENSIS 1734“ genannt. Außerdem lieſt man den von einem Ornament
umrankten Spruch: „SOLI DEO GLORIA“ (= Gott allein die Ehre). Die beiden
im Norden und Süden anſchließenden Erweiterungsbauten ſowie der Vorbau vor dem
in der Achſe gelegenen Zugang gehören der Mitte des 19. Jahrhunderts an.
Von den Gegenſtänden im Innern des Herrenhauſes ſeien genannt: ſieben
Familienbilder, darunter das Bild des Friedrich Ehrentreich v. Burgsdorff und die
Bildniſſe zweier Herren v. d. Recke.
In der Bibliothek ſind erwähnenswert fünf Stammbäume, von denen einer
Bezug nimmt auf die Nachkommen des Georg Heinrich v. Burgsdorff, geb. den 26. April
1704, und der Theodora Jacobaea v. Burgsdorff, geb. am 7. Sept. 1713. Zwei
186 Weſtſternberg.
Abb. 171. Sandow. Herrenhaus.
andere Stammbäume endlich gehen zurück auf Karl Ehrentreich v. Burgsdorff,
geb. 1672, und Johanna v. Hackeborn aus Bahrendorf.
Eine Sonnenuhr in dem auf der Südſeite des Herrenhauſes ſich anſchließenden
Park ſtammt von Möllinger in Berlin, Anfang des 19. Jahrhunderts, mit der Inſchrift:
„Ich zähle nur die heiteren Stunden.“ (vgl. Kunſtdenkm., Stadt Frankfurt, S. 235).
Schmagorei.
Bchmagorei, Straßendorf 9,5 km öſtlich
von Droſſen. 572 Einw., Landgem. 546 ha,
Gutsbez. 1137 ha.
„Smagaria“, deſſen ſlawiſcher Name im
litauiſch-polniſchen Sprachgebiet oft vertreten iſt
und mit gora (Berg) zuſammenhängt, wurde im
13. Jahrhundert mit der Normalzahl von 64 Hufen
ausgeſtattet, darunter 4 Pfarrhufen, wie aus dem Bistumsregiſter im Geheimen Staats—
archiv zu erſehen iſt (Rep. 78 a. 14, fol. 25). Nach 1400 waren in „Smagerye“ die
Winning, Oynitz (Rep. 78. 49, fol. 1), dann die Slaberndorf anſäſſig, die nach
9 5 form
Abb. 172. Schmagorei. Grundriß der Kirche.
Sandow — Schmagorei. 187
dem Schoßregiſter von 1461 die Mehrzahl der Hufen beſtellten. Nachdem zeitweilig
Frankfurter Bürger hier begütert geweſen waren, erhielt 1536 Hartwig v. Slow
auf Klauswalde die Belehnung, deſſen Nachkommen auf zwei Ritterſitzen bis 1785
ſaßen; der Sohn des Martin v. Slow und der Margarete v. Mörner war der durch
Schillers „Wallenſtein“ bekannte Feldmarſchall. Nach 1785, zur Zeit als die
Abb. 173. Schmagorei. Kanzelaltar und Taufe in der Kirche.
Ihlows im Mannesſtamm erloſchen, kamen Dorf und Gut an Friedrich Gottlieb
v. d. Oſten (vgl. „Beſchreibung der Nachrichten von den Adlichen Dörffern des Sterns
bergſchen Creyſes“ im Regierungsarchiv zu Frankfurt); damals zählte man auf
34 Feuerſtellen 211 Einwohner, darunter nur 5 Bauern. Um 1840 gelangten die
Grafen v. Haslingen durch Erbſchaft in den Beſitz des Gutes, das ſie von 1849 ab
für 3250 Taler verpachteten und 1850 an den ſpäteren Landrat des Weſtſternberger
Kreiſes Bohtz verkauften; im Beſitze dieſer Familie befindet es ſich noch heute.
188 Weſlſlernberg.
Die Kirche (Abb. 172) iſt eine im Grundriß rechteckige Anlage, deren heute ver—
putzte, im Kerne mittelalterliche Umfaſſungsmauern aus Findlingen errichtet ſind. Der in
einem Abſtand von 35 cm von der Weſtfront des Gotteshauſes erbaute, im Grundriß
quadratiſche, verbretterte Holzturm!) zeigt über feinem ziegelgedeckten Pyramidendach
eine Wetterfahne mit der Inſchrift: 4. Der im Innern flachgedeckte Kirchenraum
(Abb. 173) mit ſeinen auf der ganzen Nordweſt- und der halben Südſeite eingebauten
Emporen wird durch Fenſter beleuchtet, die
ebenſo wie der in der Mitte der Südſeite
gelegene Zugang nachträglich umgebaut ſind.
Im Gegenſatz zu dem modernen Fußboden—
belag des Altarraumes iſt noch unter dem
Geſtühl der aus Backſtein mittelalterlichen
Formates hergeſtellte Boden erhalten.“)
Der Kanzelaltar zeigt ebenſo wie
die Taufe die ſtrengen Formen aus der
Wende des 18. Jahrhunderts. Das Chriſtus—
bild auf dem Altar gehört dem 19. Jahr—
hundert an. Die Vorgängerin der jetzigen
Taufe, ein ſtehender barocker Taufengel
(Abb. 174), wird noch in der Kirche auf—
bewahrt und trägt die Umſchrift: „H. Höne
Friedrich v. Ilow hab Gott zu Ehren d.
Taufe machen Lassen 1693.)
Die Orgel ſtammt aus neuerer Zeit.
Mehrere Gedächtnistafeln, darunter
eine gußeiſerne zur Erinnerung an einen im
Jahre 1870 gefallenen Mitkämpfer, hängen
an den Wänden.
Die Beleuchtungskörper ſowie der
Kruzifixus auf dem Altar und ſämtliche
Abb. 174. Schmagorei. Taufengel in der Kirche. aus Alfenide gefertigten Abendmahlsgeräte
wurden 1858 von dem Amtmann Bohtzgeſchenkt.
Zwei Glocken. Die ſüdliche von 0,78 m Durchmeſſer zeigt auf der Haube den
) Indagandaakte von 1814: „Der Kirchthurm iſt ganz von Holz, mit Dielen verkleidet, mit
Schindeln gedeckt und iſt von den Kirchengebäuden separirt.“ — Viſitationsprotokoll vom 23. Auguſt 1780:
„Der Thurm mit 2 Glocken iſt ebenfalls von der Familie v. Now, vor einigen Jahren gantz neu aufgeführt,
mit Brettern bekleidet, und in vollkommen guten baulichen Stand geſetzt worden“. —
) In der Matrikel vom 27. September 1693 heißt es: „Die Kirche iſt Jetzo umb undt umb guht
Mauerwerck, die Decke Holtzwerck und der boden Steinern, iſt nunmehr auff beyden Seiten mit einem ein—
fachen Ziegeldache gedeckt. Die Halle . . . ſoll reparirt werden... Der Thurm welcher nur ein glocken—
gerüfte zu nennen iſt gantz niedrig .. .“
) Die Matrikel (27. September 1693) beſagt: „Die Tauffe iſt gantz neu, beſtehet aus etwas bild—
ſchnitzer undt Tiſchlerarbeit .
Schmagorei — Seeſeld. 189
Gekreuzigten mit Maria, Magdalena und Johannes, ferner eine Madonna und das
Voillardſche Gießerwappen. Die Inſchrift am Halſe lautet: „Gegossen unter dem
Patronat des Caspar von Ilow und seiner Frau Barbara Elena g. v. Schmulken
(= v. Schmolke), ferner Haino Friederich Ilow. Gießer: Franciscus Sebastianus
Voillard, 1676“. Außerdem lieſt man am Rand, abgeſehen von der üblichen
Namensnennung des Predigers und der Kirchenälteſten ſowie der Bezeichnung eines
Bibeltextes: „Aus Antrib Godfridt Beils bin ich gegossen worden“. Die nördliche
mit 0,56 m Durchmeſſer zeigt am Hals eine Anzahl Medaillen mit Darſtellungen aus
der Lebens- und Leidensgeſchichte Chriſti ſowie das Symbol des Evangeliſten Matthäus.
In der Südweſtecke des ummauerten Friedhofes ſteht ein im Grundriß recht—
eckiger verputzter Backſteinbau, die Gruft der Familie v. d. Oſten. Der Bau zeigt am
Außeren ſchlichte Liſenengliederung, ſowie rechteckig umrahmte Fenſterniſchen mit ovalen
Lichtöffnungen in der Mitte. Der auf der Nordſeite gelegene Zugang zu dem von
einem Pyramidendach überdeckten Bau iſt nach oben korbbogig geſchloſſen. Das Innere,
in deſſen flacher Decke eine kreisrunde Offnung Zutritt nach dem Dachraum geſtattet,
birgt ſieben große Särge und einen kleinen. Ein zweiter, für die Ihlowſche Familie
errichteter Gruftbau wurde wegen Baufälligkeit um die Mitte des 19. Jahrhunderts
niedergelegt und das Gruftgewölbe durch eine Platte geſchloſſen.
Das Herrenhaus auf der Nordſeite der Dorfſtraße beſitzt noch gewölbte Keller
aus dem 17. Jahrhundert. Derſelben Zeit angehörige Kellerräume auf der Südſeite der
Dorfſtraße find Reſte eines zweiten, der Ihlowſchen Familie einſt gehörigen Gutshauſes.
Seefeld.
Heefeld, Angerdorf 6,5 km weſtlich von Droſſen. 316 Einw., 1163 ha.
Das von deutſchen Koloniften im 13. Jahrhundert mit einer Gemarkung
von 64 Hufen ausgeſtattete „Seveld“ ge—
hörte laut Urkunde vom 3. Februar 1317
im Geheimen Staatsarchiv dem Bistum
Lebus (vgl. Wohlbrück, Geſchichte des
Bistums Lebus II, 134, und Riedel, Codex
XX, 201). Von vornherein waren 4 Frei—
hufen für den Pfarrer ausgeſondert worden,
zu denen ſpäter noch 2 Hufen für die
Kirche kamen. Zur Zeit der Reformation
landesherrlicher Beſitz geworden, wurden Abb. 175.
Dorf und Vorwerk dem Amt Lebus, ſpäter
dem Amt Frauendorf unterſtellt. Während man im 15. Jahrhundert nur 15 Häuſer
zählte, waren um 1800 28 Feuerſtellen von einem Lehnſchulzen, 13 Bauern, 10 Büdnern,
insgeſamt 160 Menſchen, bewohnt.
Seefeld. Grundriß der Kirche.
Die Kirche (Abb. 175 u. 176) iſt ein im Kerne mittelalterlicher verputzter Findlings—
bau mit einer Fachwerkvorhalle vor dem Südzugang und einem von einer Pyramide
190 Weſlſternberg.
abgedeckten Dachaufbau über der Weſtfront. Der aus Backſtein errichtete, mit einfachen
Fialen geſchmückte und von einer Wetterfahne gekrönte, verputzte Oſtgiebel zeigt die
für den Anfang des 16. Jahrhunderts typiſche Maßwerkgliederung. Im Gegenſatz zu
den im Jahre 1784 ſtichbogig umgebauten Lichtöffnungen an den Längsſeiten zeigen
die Oſtfenſter, von denen das mittlere heute vermauert iſt, neben den abgetreppten
Leibungen noch den Spitzbogen. Die im Innern auf der Süd-, Weſt- und Nordſeite
eingebauten, im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts ebenfalls veränderten Emporen,
ſind mittelſt zweier Treppen
rechts und links vom Weſt—
portal zugänglich und ent—
halten ebenſo wie das Ge—
ſtühl noch verſchiedene Re—
naiſſancereſte. Der Fuß—
bodenbelag beſteht aus
quadratiſchen Flieſen von
30 cm Seitenlänge.
Der Kanzelaltar (vgl.
Tafel 8) weiſt an feiner Rück—
wand die Formenſprache
aus dem Anfang des 17.
Jahrhunderts auf, während
die Verzierungen über dem
eee * . Dedel jowie an der nach⸗
n träglich eingebauten Kan—
f zel etwa dem Ende des
Jahrhunderts angehören
dürften.?)
Die einfachere Taufe
in Kelchform mag mit
Abb. 176. Seefeld. Kirche von Nordoſten. der Rückwand des Altar—
aufbaues gleichzeitig ſein.
Das zinnerne Taufbecken mit kreisförmiger Vertiefung und ſechseckigem, mit
zwei Henkeln verſehenem Rand, trägt neben dem Wortlaut der Bibelſtellen: Joh. III
V. 5, Akt. CActa Apostolorum, Apoſtelgeſchichte) II, V. 38, ferner Mark. XVI, V. 16,
die Inſchrift: „Anno Christi 1693 den 18 April“ und „See Feldt Pastore Johanne
Bobertag. Crosna Silesio.“
Die Orgel ſtammt aus neuerer Zeit.
EN m
) Dal. Akten im Regierungsarchiv zu Frankfurt.
Nach Aufzeichnungen in den Akten des Frankfurter Regierungsarchivs bezeugt am 20. Oktober 1786 der
Pfarrer Loſſow dem Tiſchlermeiſter Henze aus Sonnenburg, daß er in der Kirche zu Seefeld „die erforderliche
Tiſchler Arbeit . . . . völlig zu Stande gebracht hat als nemlich die Stände; die Kanzel ins Altar gebracht
die Treppen, das Chor, die Lucken und alles erforderliche fertig gemacht, auch mit Farben Kantzel und Altar
angeſtrichen“.
x
Weſtſternberg. Tafel 8.
Seefeld. Kanzelaltar in der Kirche.
Da
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Seefeld. 191
Ein reichornamentierter, ſechsarmiger Meſſingkronleuchter (Abb. 177), gekrönt
von dem typiſchen Doppeladler, gehört dem 17. Jahrhundert an.
Zwei Tafeln zur Erinnerung an die Befreiungskriege und die Kämpfe von
1866 hängen an den Wänden.
Ein Zinnkelch, 24 em hoch, zeigt einfachere, ſpäte Barockformen.
Abb. 177. Seefeld. Kronleuchter in der Kirche.
Eine ſechseckige Kirchenflaſche aus Zinn, 18,5 cm hoch, dürfte dem Anfang
des 18. Jahrhunderts angehören.
Zwei Glocken hängen in dem nach dem Kirchenbuch i. J. 1786 umgebauten Glocken—
ſtuhl. Die ſüdliche mit 0,86 m Durchmeſſer zeigt am Rand in deutſcher Sprache nach—
ſtehende verſtümmelte ſpätgotiſche Minuskelinſchrift, deren einzelne Worte z. T. durch
kleine Reichsadler, z. T. durch Kreuze voneinander getrennt werden: „gsv ich ir mane dich
dorch biv o aller gytter gesv o aller unig“. Anfang des 16. Jahrhunderts. Die nörd—
liche von 0,85 m Durchmeſſer hat am Hals 18 Medaillen größtenteils mit Darſtel—
lungen aus der Lebens- und Leidensgeſchichte Chriſti; ebenfalls mittelalterlich.
192 Weſlſternberg.
Spudlow.
Spudloiv, Angerdorf 6 km
öſtlich von Göritz, 303 Einw., 1188 ha.
„Spudlow“ war eines der vielen
Dörfer, die laut Urkunde vom 3.11.1317
im Geheimen Staatsarchiv Biſchof
Stephan II. von den Markgrafen
Woldemar und Johann beſtätigt erhielt
(vol. Riedel, Codex XX, 201). Auf
der Gemarkung lagen, wie aus dem Bistumsregiſter des 15. Jahrhunderts erhellt,
54 Hufen, von denen von vornherein 4 für den Pfarrer ausgeſondert waren. Nach der
Reformation wurde das von einem Lehnſchulzen, 10 Bauern und wenigen Koſſäten
bewohnte Dorf, in dem kein Ritterhof beſtand, zum Domänenamt Lebus, ſpäter zum Amt
Frauendorf geſchlagen. 1844 wurde aus der Herrſchaft Frauendorf ein Fideikommiß
für die Prinzen von Preußen errichtet, denen daher das Patronat zuſteht.
Abb. 178. Spudlow. Grundriß der Kirche.
Abb. 179. Spudlow. Kirche von Süden.
Spudlow.
Die Kirche (Abb. 178 und 179), ein im
Kerne mittelalterlicher Findlingsbau, zeigt
eine langgeſtreckte, rechteckige Anlage mit
dreiſeitigem Oſtſchluß, deſſen mittlerer Poly—
gonfeite eine in neuerer Zeit aus Backſtein
errichtete,im Grundriß quadratiſche Sakriſtei
vorgelegt iſt. Eine Vorhalle vor dem mit
ſpätgotiſch profilierter Backſteinumrahmung
verſehenen ſpitzbogigen Südportal beſteht
ebenſo aus Backſteinfachwerk wie der Ober—
teil des im Grundriß quadratiſchen Weſt—
turmes. Der Turmunterbau dagegen tt
aus gebrannten Steinen größeren Formats
aufgemauert und wird wohl ſpäteſtens in
das 16. Jahrhundert zu ſetzen ſein. Die
ziegelgedeckte Pyramide trägt eine Wetter—
fahne mit der Inſchrift: T. Während die
Strebepfeiler an den Ecken des Oſtteils auf
eine urſprünglich zum mindeſten beabſichtigte
maſſive Wölbung ſchließen laſſen, zeigt die
Konſtruktion des Dachſtuhls, daß das jetzt
von rundbogig geſchloſſenen Fenſtern be—
leuchtete flachgedeckte Innere des Kirchen
ſchiffs in ſpäterer Zeit vorübergehend tonnen—
förmig
über
193
Kanzelaltar in der Kirche.
Abb. 180. Spudlow.
Abb. 181. Spudlow. Taufe in der Kirche.
deckt war. Außerdem bemerkt man noch einen älteren
Giebelreſt an der Oſtſeite des Turmes über dem
heutigen Dachanſchluß.
Das Kirchenſchiff beſitzt auf drei Seiten
Emporen, zu denen eine im Unterbau des Turmes
gelegene Treppe hinaufführt.
Der nachträglich zuſammengefügte Kanzel—
altar (Abb. 180) zeigt einen der ſpäteren Renaiſſance—
zeit angehörigen einfacheren Aufbau; die Kanzel
dagegen mit ihren Eckſäulchen und den reichen
Schnitzereien in den Brüſtungsfüllungen ebenſo
wie der zugehörige Deckel dürften etwas älter ſein.
Die Bemalung ſtammt aus neuerer Zeit.
Die einfache hölzerne Taufe (Abb. 181) iſt
barock. Ihr zinnernes Becken zeigt die Buchſtaben
M. S. und die Jahreszahl 1764.
Kunftdenfm. d. Prov. Brdbg. VI. 3. Weſtſternberg. 13
194 Weſlſternberg.
Die Orgel gehört der Mitte des 19. Jahrhunderts an.
Zwei Tafeln zur Erinnerung an die Befreiungskriege und an die Kämpfe von
1870 hängen an den Wänden.
Ein ſilbervergoldeter Kelch (Abb. 182), 26, cm hoch, mit einer zugehörigen
Patene zeigt an dem mit einem aufgenieteten Kruzifixus geſchmückten Sechspaßfuß
ebenfo wie an dem die Inſchrift IHESVS aufweifenden Knauf reicheres Renaiſſance—
ornament. Außerdem lieſt man auf der
Oberſeite des Fußes: „Jost von Karlwitz,
Haubtman auf Lebus vnd Fvrsten-
walde — Christofforvs Jaeger. Pfhar-
herr — Marcvs Matthias — Jvrgen
Coppe — Anno 1615“, während die
Unterſeite die Gewichtsangabe von 51 Lot
aufweiſt.
Eine runde Ziborienſchachtel aus
Zinn wurde laut Stempel 1774 angefertigt.
Ein Zinnkelch, 21, cm hoch, mit
zugehöriger Patene, ſtammt aus dem
19. Jahrhundert.
Ein zinnerner Deckelkrug, 22, cm
hoch, iſt datiert 1842.
Drei Glocken. Die ſüdliche mit
0,92 m Durchmeſſer goß George Hoff—
mann im Jahre 1721, die nördliche mit
0,72 m und die im nächſten Obergeſchoß
hängende mit 0,60 m im Durchmeſſer
wurden 1900 von Guſtav Collier in
Zehlendorf angefertigt.
Stenzig.
f Htemzig, Angerdorf 10 km öſtlich
Abb. 182. Spudlow. Kelch in der Kirche. von Göritz. 306 Einw., 1364 ha.
Laut Urkunde vom 3. Febr. 1317 im
Geheimen Staatsarchiv war „Stanck“ im Beſitz des Bistums Lebus (Riedel, Codex
XX, 201). Wie aus der durch biſchöfliche Regiſter des 15. Jahrhunderts bezeugten
Ausſtattung mit der auch im Kreiſe Lebus ſo häufig wiederkehrenden Zahl von
64 Hufen hervorgeht, war „Stentzk“ zur Zeit der deutſchen Koloniſation eingerichtet
worden, wobei man für den Pfarrer 4 Freihufen ausgeſondert hatte (Rep. 78 a. 14,
fol. 23, Geh. Staatsarchiv). Laut einer noch ungedruckten Urkunde vom 28. Sep—
tember 1502 bekannte Heinrich Kaull, Bürger zu Landsberg a. W., dem Lebuſer
Biſchof Renten im Dorfe „Stenzigk“ verkauft zu haben. Gleich Spudlow, Seefeld
Spudlow — Slenzig. 195
und anderen bifchöflichen Dörfern wurde der Ort, in dem kein Ritterſitz war, um
1560 landesherrlicher Beſitz. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wohnten in „Stenzig“
unter dem Amte Frauendorf ein Lehnſchulze, 10 Ganzbauern und 10 Büdner, insgeſamt
179 Menſchen. Das Dorf, wo ſich etwa 5382 Morgen an bäuerlichen Beſitzungen
befanden, teilte die Schickſale des Amtes, das 1844 ein königliches Fideikommißgut
der Prinzen von Preußen wurde, daher ſteht das Patronat dieſen Prinzen zu.
Die Kirche (Abb. 183 u. 184) zeigt eine im Grundriß rechteckige Anlage mit halb—
kreisförmigem Oſtſchluß!). Ihre überputzten Umfaſſungsmauern beſtehen im Kerne aus
Feldſteinmauerwerk, während der in der Achſe der Weſtfront ſitzende, nachträglich
hinzugefügte, im Grundriß quadratiſche Weſtturm mit ſeinem von einer Wetterfahne
gekrönten ziegelgedeckten Pyramidendach, voll—
ſtändig aus Backſtein aufgemauert iſt. Auch die
zwei auf der Oſtſeite vorgelegten Strebepfeiler
ſind nachträgliche Zutaten. Im Gegenſatz zu den
ſpäter erweiterten, ſtichbogig geſchloſſenen Licht—
Öffnungen an den Langſeiten dürften die beiden
ſchmalen Fenſter an dem halbrunden Oſtſchluß
urſprünglich ſein, während das zweiteilige Fenſter
Abb. 183. Stenzig. Grundriß der Kirche. an dieſem Bauteil dem N 16. Jahrhundert ange—
hören wird. Zwei ſpitzbogige Zugänge, der
eine auf der Südſeite, der andere auf der Weſtfront, vermitteln den Verkehr mit
dem flachgedeckten Innern. Das Turmportal jedoch iſt ſtichbogig geſchloſſen. Der
Fußboden beſteht z. T. noch aus Backſtein großen Formats. Eine kleine Niſche, rechts
unterhalb des zweiteiligen Fenſters, mag wohl als ehemalige Depoſitenniſche zu deuten
ſein. Die innere Ausſtattung gehört verſchiedenen Bauzeiten an; ſo zeigt der Stuhl
weſtlich vom Predigerſitz ebenſo wie die im Geſtühl des Schiffes mitverbauten Reſte
noch deutlich ſpätere Renaiſſanceformen.
) In des Inſpektors M. Heinsius handſchriftl. Annalen (Stadtarch. Frankf. a. O. Bd. IV, S. 338)
findet ſich folgende Beſchreibung: „Dz Kirchengebewd zu meiner Zeit war ſehr fein, rings herumb gemawert
mit feld v. gebacken ſteinen biß ans Dach, inwendig mit Spundtdielen vnd wol ausgearbeiteten Balken
darunter gezogen, geſchickt belegt. Der Altar war 1612 gebawet mit geſchnitzten Bildern von gemehlden
gezieret, mit ſtülen v. einem Chor wol außmundiret, ein Baptifterium von Holtz mit ein Deckel v. gemahlet,
mit Bildern ſo geſchnitzt.“
„Der Thurm war von lauter Holtz, doch zimlich hoch, von großen eichen Balken bekleidet mit Dielen
von oben biß vnten. Darin hingen 3 Glocken von gutem refonantß. An der Ecken nordweſt ſtund eine
ſehr alte groſſe Linde in zwo ſtemme aufgewachſen. Und im Winkel deß Kirchhoffs nord oft ſtund die
Kirchſcheüne, NB. [dazu am Rande der Seite, rechts N B.: „anitzo auf einen platz von der Kirchen etwaß
ab.“] darin dz gotteß getredig geſamlet wird. Derſelbe Kirchhoff war rings herümb mit feldſteinen v. Kalk
wol gemauret, eines mannes hoch, v. hatte Er Chriſtoff Jäger Pfarrer auf ſeine unkoſten ringß herumb
gegen Pfeiler ziehen laſſen, deſto baß ſolche mawr zu ſterken, ſo an der nordſeiten zimlich zerfallen waren.
Ligt erhaben auf einem Berge, vnd außer dem kirchhoff gen morgen auf einem ebenen Platz des Bergeß
hatte er 3 Linden geſetzt, die zimlich groß waren.“
13°
196 Weſlſlernberg.
Altar und Kanzel!) find um die Wende des 18. Jahrhunderts aus verſchiedenen
Stücken zuſammengeſtellt. Am Schalldeckel der Kanzel erkennt man die gleichen guten, dem
17. Jahrhundert angehörigen Formen im Gegenſatz zu der handwerksmäßigen Arbeit des
barocken Kanzelkorbes.
Auch die Taufe
iſt barock, zeigt aber
reicheren Ornament—
ſchmuck.
Das Taufbecken
aus Zinn trägt die
Inſchrift: „W. R.
Wilda Pastor. Jac.
Gro/wend. Dan.
Waldow. Jurati
MDCCLXXII.“
(1772).
Die Orgel iſt aus
neuerer Zeit.
Im Innern der
Kirche befinden ſich
noch:
Ein gemeinſamer
Denkſtein für den
Prediger David Rein—
hardt, geb. 1648, geſt.
1740, und für Frau
Urſula Katharina Ket—
tel, geb. 1671, geſt.
1739.
Eine hölzerne Ge—
denktafelmitbarocker
Blattwerkumrahmung
) In einem Schreiben
d. d. „Stentzig bei Droſſen,
d. 10. Jan. 1799“ bittet
der Pfarrer Joh. Chriſtian
Franke „um ein neues Altar
in der Kirche zu Stentzig,
und daß zugleich die Kanzel nach itzigem allgemeinen Gebrauche in das Altar geſetzt werden möge.“ Am
28. Dezbr. 1799 reichte Bauinſpektor Berger zu Frankfurt a. O. „Anſchläge zur erforderlichen Reparatur,
und Anfertigung einer neuen Kantzel bey der Kirche zu Stentzig, und verſchiedene Reparaturen in der Kirche
des Filials Spudlow Amts Frauendorff zur hohen Genehmigung“ ein. Das Oberbau-Departement ſetzte,
am 9. Februar 1800, die Koſten auf 200 Taler 3 Gr. 8 h feſt. (Regierungsarchiv in Frankfurt.)
Abb. 184. Stenzig. Kirche von Nordweſten.
Slenzig — Storkow. 197
für den Prediger Johann Michael
Hirſekorn, geb. 1696, geſt. 1747.
Eine hölzerne Tafel, eben—
falls mit reicher Barockum—
rahmung, zeigt eine handwerks—
mäßige Darſtellung der Aus—
gießung des heiligen Geiſtes
und dürfte der Zeit des Kanzel—
deckels beziehungsweiſe der Taufe
angehören.
Eine ovale Totentafel
(Abb. 185) für Gottlieb Buchholz,
geb. 4. Aug. 1826, geſt. 12. Juli
1846, ſitzt in einem reich ge—
ſchnitzten älteren Barockrahmen.
Eine von dem „Grafen de
la Rivallière“ 1816 geſtiftete
Tafel zur Erinnerung an die
Befreiungskriege ſowie eine
zweite zum Andenken an einen
Mitkämpfer von 1866 hängen
ebenfalls im Innern der Kirche.
Eine Votivtafel in der
Turmvorhalle nimmt Bezug auf
Mark. 14, V. 7 und iſt 1625
von dem Pfarrer Chriſtoph Jäger und den Kirchenvätern Hantz Großwendt und
Valtin Thieme geſtiftet.
Ein barockes Holzepitaph endlich dient dem Andenken des Karl Friedrich
Wilberg, geb. 26. März 1777, geſt. 22. Juni 1794.
Eine hölzerne Lichterkrone, mit ſechs unteren und vier oberen Armen, iſt eine
einfache barocke Arbeit.
Zwei zinnerne Altarleuchter, 44 cm hoch, ſind in neuerer Zeit bronziert.
Zwei Altarleuchter, die ebenſo wie der Kruzifixus aus Gußeiſen beſtehen,
gehören der erſten Hälfte des 19. Jahrhunderts an.
Eine Weinkanne aus Zinn, 22 cm hoch, iſt 1842 datiert.
Drei Glocken, Die ſüdliche mit 0,75 m, die mittlere mit 1,00 m und die nördliche
mit 0,60 m Durchmeſſer find von Guſtav Collier im Jahre 1900 gegoſſen.
Storkow.
Storkow, Straßendorf 12 km nordweſtlich von Reppen. 294 Einw., 1431 ha.
Im 14. Jahrhundert waren, wie aus einem Lehnbrief von 1351 erhellt (vgl.
Riedel, Codex XXIV, 54: nach Hackwitzſcher Abſchrift), zeitweilig die Frankfurter
Abb. 185. Stenzig. Totentafel in der Kirche.
198 Weſtſlernberg.
Bürger Hokemann „in Storkow über der Oder“
begütert, von deſſen 64 Hufen laut Regiſter des
15. Jahrhunderts die deutſchen Koloniſatoren
6 für Pfarrer und Kirche ausgeſondert hatten
(Geh. Staatsarchiv, Rep. 78 a. 14, fol. 23). Der
Lebuſer Biſchof Johann v. Borſchnitz, der das
Dorf von dem Ritter v. Oinitz erkauft hatte,
übereignete es am 29. Mai 1443 dem neuer- Abb. 186.
richteten Kollegiatſtift bei der Marienkirche zu
Göritz (vgl. Wohlbrück, Geſch. des Bistums Lebus II, 62). Nach der Reformation wurde
das Dorf Domäne, war ſpäterhin im Beſitze des Amtes Frauendorf und kam dann 1844
in den Fideikommißbeſitz der Prinzen von Preußen. Ein Ritterſitz beſtand nie; hier
wohnten um 1800 ein Lehnſchulze, 12 Bauern und 5 Büdner.
Die Kirche (Abb. 186 u. 187) beſteht aus einem aus Findlingen aufgemauerten,
rechteckigen Langhaus, einer in ſpäterer Zeit gebauten Backſteinvorhalle vor dem flach—
ſtichbogig geſchloſſenen Südzugang und dem im Grundriß quadratiſchen, nahezu der
ganzen Weſtfront vorgelegten verputzten Backſteinturm. Die Architektur dieſes Bauteils
läßt in der von einfachen Liſenen
gegliederten und von ſchlichten
rechteckigen Fenſtern durchbro—
chenen oberen Hälfte auf einen
im Anfang des 19. Jahrhunderts
vorgenommenen Umbauſchließen.
Hierfür ſpricht auch die In—
ſchrift: „Anno 1801“ in der
Wetterfahne des ziegelgedeckten
Turmpyramidendachs. Im Ge—
genſatz zu den nachträglich er—
weiterten ſtichbogig geſchloſſenen
Fenſtern des Schiffes ſind die
drei bedeutend ſchmaleren Licht—
öffnungen an der Oſtfront rund—
bogig geſtaltet. Von ihnen greift
das mittlere über die Scheitel
der beiden anderen in die Lünette
der tonnenförmig geſtalteten
Holzdecke.
Der Altaraufbau (Abb.
188), ein treffliches barockes
Werk aus dem Anfang des 18.
2 ı a Jahrhunderts, zeigt in feinem
Abb. 187. Storkow. Kirche von Nordwerten, von korinthiſchen Säulen und
0
Storkow. Grundriß der Kirche.
Abb. 188. Storkow. Inneres der Kirche, Blick nach Oſten.
200 Weitjternberg.
Pilaſtern ſowie von reichem Rankenſchnitzwerk eingeſchloſſenen Hauptfelde eine etwas
handwerksmäßig gemalte Abendmahlsdarſtellung. Die beiden vor den Pilaſtern ſtehenden
Figuren in dreiviertel Lebensgröße ſind, abgeſehen von ihrer manirierten, für die Zeit
ihrer Anfertigung charakteriſtiſchen Haltung, gute barocke Schnitzwerke. Der Aufſatz
in Geſtalt eines Dreiecksgiebels wird auf beiden Seiten von zwei Geſtalten, den Sinn—
bildern von Glaube und Liebe, eingefaßt und von einer halbkreisförmigen Offnung
durchbrochen, vor der das von Wolken umgebene Auge Gottes angebracht iſt. Wie
die Spruchinſchrift in der Kartuſche, ſo iſt auch die Bemalung des ganzen Werkes
leider nicht mehr urſprünglich.“)
Die Kanzel zeigt an ihrem an den Ecken mit Säulchen geſchmückten und in
den Füllungen mit reichem Schnitzwerk verſehenen Kanzelkorb ſowie an der gleichartig
behandelten Rückwand und an der Unterſeite des Kanzeldeckels dieſelbe Formenſprache
wie der Altar. Die an der Brüſtung des Aufgangs und an der Rückwand hand—
werksmäßig gemalten Bilder ſtellen Moſes und Johannes den Täufer und einen
ſegnenden Chriſtus dar.
Auch der größte Teil des Geſtühls ſowie ein jetzt im oberen Turmgeſchoß
aufbewahrter Taufengel find mit Kanzel und Altar gleichzeitig.
Eine Taufe aus Zinkguß gehört dem erſten Drittel des 19. Jahrhunderts an.
Ein kleiner, ſechsarmiger, meſſingener Kronleuchter dürfte in die gleiche
Zeit zu ſetzen ſein.
Zwei Glocken. Die öſtliche mit 0,8t m und die weſtliche mit 0,65 m Durch—
—
meſſer ſind 1802 von J. F. Thiele in Berlin gegoſſen.
Tornow.
Tornow, Angerdorf 5,5 Em öſtlich von Reppen. 236 Einw., Landgem.
509 ha, Gutsbez. 756 ha.
In der Urkunde über die Reppener Grenzen von 1329 (vgl. Wedekind, Stern—
bergiſche Kreischronik, 1853, S. 90) wird Tornow genannt, das im 13. Jahrhundert zur
Zeit der deutſchen Koloniſation eine Gemarkung von 64 Hufen, darunter 4 Pfarr- und 2
Kirchhufen, erhalten hatte (Geh. Staatsarch. Rep. 78 a. 11, fol. 25; Rep. 78. III, K 19).
In der Folgezeit ſaßen auf dem adligen Gut markgräfliche Lehnsmannen, zuerſt
Dietrich v. Weiſſenſee, ſpäter die v. Grünberg, Ende des 16. Jahrhunderts Chriſtoph v.
Löben aus dem Hauſe Döbernitz, zu Beginn des 18. Jahrhunderts die v. Mörner, um
1785 der Rittmeiſter v. Sydow (vgl. „Beſchreibung der Nachrichten von den Adlichen
Dörffern des Sternberger Creyſes“ im Reg.-Arch. zu Frankfurt). Damals zählte das
Dorf 153 Einwohner auf 30 Feuerſtellen. 1817 wurde das Rittergut, deſſen Wert auf
27614 Taler geſchätzt wurde, durch den Ordenskammerrat Schmiedecke gekauft und ver—
blieb ſeitdem im Privatbeſitz. Tornow, früher eine ſelbſtändige Pfarre, heute Schweſter—
kirche von Reppen, hat ein bis zum Dreißigjährigen Krieg zurückreichendes Kirchen—
buch, das u. a. Nachrichten über den ſchwediſchen General Stalhans enthält.
) In der Matrikel vom 4. Juni 1716 heißt es: „Der Althar, welcher noch neu von Holtz mit
Schnitz- und Schranckenwerck verſehen, mit Farben gemahlet, und Zier verguldet, desgleichen die Cantzel.“
Storkow — Trellin. 201
Die Kirche, ein einfacher rechteckiger Backſteinfachwerkbau aus dem Jahre 1741,
mit einer ebenſo ſchlicht aufgebauten Vorhalle vor dem Südzugang wurde im Jahre
1890 anläßlich des Baues des Backſteinturmes auch mit einer maſſiven Weſtfront
verſehen. Der alte Turm war ſchon 1840 niedergelegt worden. Das Innere beſitzt
eine flache Decke mit einem kreisförmigen Stuckprofil in der Mitte. Ein Teil der
Fenſterverglaſung iſt noch barock. Der in neuerer Zeit im Mittelgang und in der
Umgebung des Altars mit modernen
roten Flieſen belegte Fußboden zeigt
noch unter den Bänken in der vorderen
Hälfte Backſteine großen Formats, in
der hinteren Hälfte Findlinge.
Der barocke Kanzelaltar (Abb. 189)
iſt nachträglich zuſammengefügt. Hierbei
wurde der Unterteil des Kanzelkorbes
in roher Weiſe durchſchnitten.
Reſte eines alten barocken Taufge—
ſtells befinden ſich auf dem Kirchenboden.
Die Orgel ſtammt ebenſo wie die
Weſtempore aus der zweiten Hälfte
des 19. Jahrhunderts.
Ein einfaches zinnernes Taufbecken
iſt ohne Inſchrift.
Verſchiedene Kriegserinnerungs—
tafeln hängen an den Wänden.
Ein Kelch, 23,8 cm hoch, Alfenide,
mit zugehöriger Patene, iſt ebenſo wie
die Kanne laut Inſchrift ein Geſchenk
Friedrich Wilhelms III.
Zwei Glocken. Die ſüdliche von
0,50 m Durchmeſſer zeigt am Hals in
ſpätgotiſchen Minuskeln die z. T. ver—
ſtümmelte lateiniſche Inſchrift: „+ )Cre-
Abb. 189. Tornow. Kanzelaltar in der Kirche. gina 5 celi 0 letare o alleluia )« quia
quem % mervisti s“ (Freue dich,
Königin des Himmels, Hallelujah, denn welch' einen haſt du verdienſtlicherweiſe geboren).
Die nördliche mit 0,71 m Durchmeſſer iſt 1862 von Hackenſchmidt in Berlin gegoſſen.
Die urſprüngliche alte maleriſche Findlingsmauer des Kirchhofs iſt z. T.
noch erhalten.
Trettin.
Trettin, Straßendorf 13 km ſüdlich von Droſſen. 561 Einw., 1254 ha.
Laut Urkunde vom 2. Juli 1308 im Frankfurter Stadtarchiv verkauften die Mark—
202 Weititernberg.
grafen Otto und Waldemar „Dretthyn“ famt
der Mühle, der Gerichtsbarkeit, Abgaben und
Dienſten der Bauern für 400 Mark Silber
an die Bürger von Frankfurt (vgl. Riedel,
Codex XXIII,
7), und noch heute
gehört hier der
Kämmerei ein Vor—
werk. Nach Brat-
rings Statiſtik von
Abb. 190. Trettin. Grundriß der Kirche. Alk: 1809 zählte das
win
8
Abb. 191. Trettin. Kirche von Nordweſten.
Trellin. 203
Dorf auf 48 Feuerſtellen 279 Einwohner, darunter waren ein Lehnſchulze, 8 Ganz-,
2 Halbbauern, 16 Ganzkoſſäten, 11 Büdner und 10 Einlieger.
Die Kirche (Abb. 190 u. 191), ein überputzter maſſiver Bau, zeigt an dem recht—
eckig angelegten Langhaus ſowie an dem im Grundriß quadratiſchen Weſtturm ſchlechtes
Findlingsmauerwerk untermiſcht mit Backſtein und dürfte darnach dem ſpäteſten Mittelalter
angehören. Die beiden auf der Süd- und Nordſeite vor den entſprechenden Zugängen
Abb. 192. Trettin. Inneres der Kirche. Blick nach Oſten.
nachträglich hinzugefügten Vorhallen ſind aus Backſtein kleinen Formats errichtet.
Das ziegelgedeckte Pyramidendach des Turmes ziert eine achteckige Laterne mit welſcher
Haube. Die Lichtöffnungen ſind nachträglich umgebaut; ihre urſprüngliche Geſtalt
dürfte an einer Niſche zu erkennen ſein, die heute noch in der Mitte der Oſtwand
im Innern des auf der Weſt-, Nord- und Oſtſeite mit Emporen verſehenen Kirchen—
raumes (Abb. 192) ſichtbar iſt. Die Unterzüge der Decke zeigen ſpätgotiſche Profilierung.
Der nachträglich zuſammengebaute, in den einzelnen Teilen ſtark verſtümmelte
Kanzelaltar dürfte der Mitte des 17. Jahrhunderts angehören. Die den Aufbau
zierenden Figuren ſind nach ihren Symbolen als die vier Evangeliſten zu deuten.
Das Bild im oberen Aufbau ſtellt eine auf Holz gemalte Kreuzigung dar,
204 Weſlſlernberg.
Eine einfache Taufe aus Holz iſt barock. Ein zinnernes Taufbecken trägt die
Inſchrift: „Trettin 1736“, Meiſter L. Hfoffmann]., dahinter Hoffmannſches Wappen
mit Anker. Frankfurt.
Die Orgel gehört der neueren Zeit an.
Ein ſilberner, leicht vergoldeter Abendmahlskelch, 24,5 em hoch, mit zuge—
höriger Patene, trägt an der Unterſeite des Fußes die Inſchrift: „Trettiner Kirchen
1775 Kelch“. Meiſter L. C. Prevot, Frankfurt (vgl. auch Kunſtdenkmäler, Stadt
Frankfurt, S. 13, Abb. 29 desgl. Weſtſternberg, S. 115.
Ein Zinnkelch, 22,5 em hoch, iſt barock.
Zwei Glocken. Die öſtliche mit 0,58 m Durchmeſſer iſt 1817 von Hackenſchmidt
in Berlin gegoffen. Die weſtliche zeigt den Glockenſpruch: „GOTT GIB FRIED IN
DEINEN LANDE GLÜCK UND HEYL ZU ALLEN STANDE.“ Ge
goſſen von J. F. Schramm und „um einen halben Zentner verſtärkt“ im Jahre 1737.
Tſchernow.
Tlchernoſw, Straßendorf 8 Em oſtnordöſtlich von Göritz. 1224 Einw., 1892 ha.
Um 1354 gehörte die Hälfte von „Czernow“ den v. Uchtenhagen zu Sonnenburg
(vol. Wohlbrück, Geſchichte des Bistums Lebus, 1832, III, 436). 1401 ging ganz
Abb. 193. Tſchernow. Inneres der Kirche, Blick nach Oſten.
U *
Trellin — Wildenhagen. 205
„Czernow“ mitſamt dem Patronat durch Kauf von dem Ritter Jan v. Wulkow an
das Bistum Lebus über, wurde dann nach der Reformation ſäkulariſiert und ſpäter zum
Domänenamt Frauendorf geſchlagen. Während die Bistumsregiſter des 15. Jahr—
hunderts nur von 51 Hufen, darunter 4 Pfarrhufen, ſprechen, hatte „Tſcharnow“ oder
„Tſchernow“, Dorf und Vorwerk, um 1800 75 Hufen;
die Bevölkerung belief ſich ſchon damals auf 559 Seelen,
eine Zahl, die ſich im Verlaufe des 19. Jahrhunderts noch
mehr als verdoppelt hat.
Die 1824 abgebrannte Kirche wurde in den Jahren
1826 und 1827 unter Beibehaltung des in ſeiner unteren
Hälfte aus Feldſteinen errichteten Turmes wieder auf—
gebaut. Das Gotteshaus iſt ein einfacher, flachgedeckter,
im Grundriß rechteckiger Saalbau, deſſen Außenſeiten eine
für die angegebene Bauzeit charakteriſtiſche Pilaſterarchi—
tektur zeigen. Der nach dem Brande aufgeführte obere
Teil des Turmes iſt im Grundriß achteckig geſtaltet.
Durch die zwei Reihen einfacher achteckiger Stützen
wird das mit je einer Empore auf der Nord-, Weſt—
und der halben Südſeite verſehene Innere (Abb. 193) in Abb. ao.
drei Schiffe geteilt.
Die auf einer doriſchen Säule ruhende Kanzel lehnt ſich an die einſpringende
Ecke der in den Kirchenraum eingebauten Sakriſtei an.
Ein kleiner meſſingner, ſechsarmiger Kronleuchter mit einem Doppeladler als
Bekrönung gehört dem 17. Jahrhundert an.
Verſchiedene Tafeln zur Erinnerung an die Befreiungskriege ſowie an die
Kämpfe von 1866 und 1870/71 hängen an den Wänden.
Mehrere Totentafeln aus der erſten Hälfte des 19. Jahrhunderts ſowie ein
verſtümmelter barocker Taufengel (Abb. 194) und die Figur des Evangeliſten
Matthäus werden im Turmgeſchoß aufbewahrt.
Zwei Glocken. Die öſtliche mit 0,65 m und die weſtliche mit 0,54 m Durch—
meſſer ſind 1878 von Fr. Gruhl in
Kleinwelka bei Bautzen gegoſſen.
Tſchernow. Taufengel—
Wildenhagen.
Wildenhagen, Straßendorf 8,5
km ſüdöſtlich von Reppen. 458 Einw.,
Landgem. 764 ha, Gutsbez. 599 ha.
Im 13. Jahrhundert begründet,
hatte das Dorf von vornherein eine
Kirche, zu der 4 Hufen auf der 64 Hufen umfaſſenden Gemarkung gehörten. Der dortigen
Mühle geſchieht bereits in der Urkunde über die Grenzen der Stadt Reppen von
7 5 om
Abb. 195. Wildenhagen. Grundriß der Kirche.
206 Weſlſternberg.
1329 Erwähnung (Geh. Staatsarch., Rep. 78. III., R 19; vgl. Wedekind, Kreischronik,
S. 90). Laut Urkunden von 1459 und 1485 (vgl. Riedel XIX, 162 und XX, 168) ſaßen
auf den adligen Freihufen als markgräfliche Lehnsträger die v. Loſſow zu Bottſchow, ſpäter
die v. Slow, 1785 der Major v. Oppen; 1793 kaufte ſich für 23000 Taler v. Briefen
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Abb. 196. Wildenhagen. Kirche von Südweſten.
an, 1850 für 61000 Taler der Oberamtmann Müller. Seit 1893 gehört das Gut
den v. Bonin zu Bottſchow. .
Die Kirche (Abb. 195 u. 196), eine im Kerne ſpätmittelalterliche Anlage, deren
Umfaſſungsmauern aus Findlingen errichtet ſind, zeigt einen rechteckigen Grundriß
mit dreiſeitigem Oſtſchluß. Der Bau des in ſeinem Unterteil aus Backſteinen kleinen
Formats errichteten Weſtturmes mit ſeinem ziegelgedeckten Pyramidendach geht, wie
aus Beckmanns Nachlaß erhellt, ebenfo wie die Überhöhung der Umfaſſungs—
mauern der Kirche mit ihren erweiterten und wie der Südzugang korbbogig ge—
Tafel 9.
lltar in der Kirche.
2
.
Weſtſternberg.
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8 3
Wildenhagen
Wildenhagen — Zerbow, 207
ſchloſſenen Lichtöffnungen auf eine im Jahre 1725 vorgenommene Erneuerung zurück.
In der ſpäter aufgeſetzten Wetterfahne ſteht die Inſchrift: „W. C. E. V. IAO 1774“
(Wulff Chriſtian Erdmann v. Ihlow). Der Aufgang zu den Emporen des flachgedeckten
Kirchenraumes liegt in der Turmvorhalle.
Der Kanzelaltar iſt ein reicheres barockes Werk (Tafel 9).
Der einfache Tauftiſch enthält eine zinnerne Taufſchale mit geſchweiftem Rand.
Vorhanden ſind noch drei gußeiſerne Grabtafeln und zwar für Eleonore Erneſtine
Louiſe v. Oppen, geb. 25. Okt. 1772, geſt. 3. Nov. 1772 (Bruchſtück), ferner für Ernſt
Gottlob v. Oppen, geb. 24. Okt. 1711 zu Ernſtwalde in Preußen, geſt. 12. Juli 1785,
ſowie für Wulff Chriſtian Erdmann v. Ihlow, geb. 13. Okt. 1688, geſt. 5. Mai 1771.
Ferner zwei Gedenktafeln unter Glas für den Rittergutsbeſitzer Heinrich Penther,
geb. 5. Aug. 1820, geſt. 25. Jan. 1869, und für Georg Hugo Max Weidemann, geb.
25. Febr. 1855, geſt. 4. März 1874. Eine hölzerne Tafel zum Andenken an
Mitkämpfer von 1813 und 1870 ſowie einige Kriegsdenkmünzen hängen an der
Nordwand. Verſchiedene Bauernepitaphien mit Totenkronen ſchmücken die Wand
auf der Orgelempore.
Zwei Glocken. Die ſüdliche von 0,50 m Durchmeſſer trägt außer der Wieder—
gabe einer Madonna, einer Geißelung, eines Ritters, der Hirten im Stall zu Bethlehem
und eines St. Georg am Hals die Inſchrift: „o IHESVS o ANNA ο MARIA o
OSANNA IN EXCELSIS (= in der Höhe) e FRENTILGSHVSELER O, 16. Jahr-
hundert. Die nördliche mit 0,78 m Durchmeſſer trägt am Schlag den Glockenſpruch
vertieft: „AUS DEN FEUER FLOS ICH © JACOB ZUNCKEL GOSS
MICH, ALLEN CHRISTEN RUF ICH“ und wurde laut Auffchrift im Jahre
1751 durch die Witwe des Johann Friedrich Schramm umgegoffen.
Zwei Kartuſchen über den beiden Torpfeilern des Kirchhofzugangs zeigen das
v. d. Heydeſche Wappen mit der Unterſchrift E. C. v. d. H. Ao 1725 und das Shlowfche
Wappen mit den Buchſtaben WC EVI Ao: 1725 (Wulff Chriſtian Erdmann v. Ihlow).
Das Gukshaus, ein eingeſchoſſiger Bau, beſitzt einen Dreiecksgiebelaufſatz über dem
in der Achſe der Parkfront gelegenen Eingang. Zu beiden Seiten dieſes Eingangs
zählt man je drei ſtichbogig geſchloſſene Fenſter. Nach der ſchlichten Architektur und
dem gebrochenen Dach zu ſchließen dürfte das Gebäude der erſten Hälfte des 18. Jahr—
hunderts angehören.
Zerbow.
Zerbow, Straßendorf 7 km ſüdweſtlich von Droſſen. 249 Einw., Landgem.
621 ha, Gutsbez. 393 ha.
Die Kirche in „Czerbow“ wird um 1405 in Bistumsregiſtern im Geheimen
Staatsarchiv erwähnt (Rep. 78. a. 11. fol. 6); ihnen zufolge war „Szerbow“
mit 64 Hufen, von denen 4 dem Pfarrer zuſtanden, ausgeſtattet, woraus ſich ſchließen
läßt, daß es von deutſchen Koloniſten im 13. Jahrhundert begründet worden war. 1560
kaufte ſich hier der Hauptmann Peter v. Czannewitz auf Wüſtenhain bei Cottbus an.
1729 fiel das Lehngut an den Landesherrn zurück, und ſo wurde aus dem ehemals „adligen“
208 Weſlſlernberg.
ein „Königlich Preußiſches Dorf“ unter dem Domänen—
amt Neuendorf. 1846 gelangte das ehemalige Amts—
vorwerk für 44500 Taler an den Freiherrn Heinrich
v. Maltzahn und iſt heute im Beſitz des Ritterſchafts—
rats Douglas.
Die Kirche, inmitten eines von ſeiner alten
Feldſteinmauer noch umgebenen Friedhofs gelegen,
beſteht aus dem im Grundriſſe rechteckigen, im Kerne
mittelalterlichen Langhaus, einem modernen, der
Oſtwand vorgelegten fünfſeitigen Chor mit ſeitlichen
Anbauten, von denen der eine als Sakriſtei benutzt wird.
Ebenſo gehören der Weſtturm ſowie die Vor—
halle vor dem Südzugang der neueren Zeit an. Das
mit einem hölzernen Tonnengewölbe verſehene, ebenfalls
erneuerte Innere beſitzt eine Weſtempore.
Zwei barocke Leuchter (Abb. 197), je 45 cm
hoch, ſtehen auf dem einfachen Altartiſch.
Ein Kelch, 255 em hoch, Silber, iſt datiert
1714, Meiſter G. F. W., Frankfurter Arbeit.
Ein barockes, zinnernes Taufbecken mitgeſchweif—
tem Rand trägt den Stempel Gottlieb Liebe 1755.
Drei Glocken hängen in zwei Geſchoſſe des
Turmes verteilt. Die untere mit 1,05 m Durchmeſſer
trägt am Hals die ſpätgotiſche Minuskelumſchrift:
„ihesus xps (= christus) maria vnde berate anno LXXI ©“ (— 1471). Von den
beiden oberen trägt die öſtliche mit 0,67 m Durchmeſſer wiederum in ſpätgotiſchen
Minuskeln den Glockenſpruch: „e maria o hilf o vnd berate allles vege.“ Wende des
15. Jahrhunderts. Die weſtliche von 0,48 m Durchmeſſer iſt ohne Inſchrift und an-
ſcheinend ebenfalls noch mittelalterlich. Außerdem lieſt man auf dem Tragebalken
der großen Glocke
„Anno 1706.
Abb. 197. Zerbow. Leuchter in der
Kirche.
Ziebingen.
Ziebingen, Dorf
20 km ſüdlich von
Reppen. 3127 Einw.,
Landgem. 2551 ha,
Gutsbez. 1789 ha.
Laut „Kataſter der
lebuſiſchen Kirche“ im Abb. 198. Ziebingen. Grundriß der Kirche.
Zerbow — Ziebingen. 209
Geheimen Staatsarchiv (fol. 6) gehörte die Kirche in „Czebingen“ zur sedes Reppen.
1472 erhielten die v. Winning vom Kurfürſten Albrecht Achilles die Belehnung mit
21 Hufen; ihnen folgten die Loben (Geh. Staatsarchiv, Rep. 22. 179 a). Das Obereigen—
tum ſtand 1582 bis 1804 dem Johanniterorden zu, der dafür tauſchweiſe dem Kurfürſten
Sandow überlaſſen hatte. Laut Lehnbrief von 1751 ſaßen hier die v. Burgsdorff. Von dem
Komtur Joach. Friedr. Ehrenreich v. Burgsdorff erkaufte 1807, nach Akten im Familien—
archiv zu Alt-Madlitz, der Regierungspräſident Graf v. Finckenſtein Ziebingen „mit allen
Pertinenzien“ und übernahm „den Ausbau und die Ausmeublierung des neuen Wohn—
hauſes“. 1845 ging der Beſitz für
305000 Taler an das Königliche
Haus zur Bildung eines Fideikom—
miſſes für die Prinzen über, wurde
aber ſchon 1857 von der v. Fincken—
ſteinſchen Familie zurückerworben.
Der Ort war an einer viel be—
ſuchten Straße gelegen, hatten doch
ſchon Joachim II. und fein Bruder
Markgraf Hans 1539 verordnet,
daß alle von Süden herkommenden
Fuhrwerke, auf dem Wege nach
Frankfurt oder Cüſtrin, Ziebingen
zu paſſieren hätten. Daher erklärt
ſich die ſtarke Bevölkerung, die um
1800 auf 140 Feuerſtellen 522
Menſchen betrug und 60 Jahre
darauf ſchon auf 1600 Seelen an—
gewachſen war; zudem hatte bereits
im Zeitalter der Koloniſation die
Gemarkung eine das Normalmaß Abb. 199. Ziebingen. Kirche von Norden.
weit überſteigende Zahl von Hufen,
nämlich 70 erhalten, ſo daß 28 Ganzbauern, 29 Halbkoſſäten — eine ſonſt im
Lande Sternberg außer in Rampitz nicht erreichte Zahl — beſtehen konnten. Daneben
wurden faſt alle ſtädtiſchen Hantierungen und einige Gewerbe betrieben, weshalb die
Bewohner den Ort einen Marktflecken nannten, obwohl Jahrmärkte nicht abge—
halten wurden. Die Kirche gehörte damals noch zur Inſpektion Sonnenburg.
Die Kirche (Abb. 198 u. 199) iſt eine im Grundriß rechteckige Anlage mit
quadratiſchem, achſial vorgelegtem Weſtturm, deſſen ſchiefergedecktes, geſchweiftes
Dach eine Laterne mit einer ebenfalls mit Schiefer gedeckten, welſchen Haube trägt.
In der Wetterfahne lieſt man auf der rechten Hälfte: 1736 Ziebingen)/ auf der linken
G. v. F. (Graf v. Einckenstein) 1816 1
Hälfte: v. . (v. Burgsdorff) Das Gotteshaus wurde in den Jahren 1785
1893
Kunſtdenkm. d. Prov. Broͤbg. VI. 3. Weititernberg. 14
210 Weſlſternberg.
Abb. 200. Ziebingen. Inneres der Kirche, Blick nach Oſten.
Siebingen. all
bis 1786 an Stelle einer älteren Holzkirche neu erbaut‘) und anläßlich eines Umbaus
im Jahre 1866 um ein Drittel ihrer urſprünglichen Länge nach Oſten hin erweitert.
Gleichzeitig wurde an der Oſtecke der Nordſeite eine im Grundriß quadratiſche Sakriſtei
hinzugefügt und dem öſtlichen der beiden Südzugänge eine Vorhalle vorgelegt. Außer
dieſen beiden Türen und der Verbindungstür nach der Sakriſtei zu führt noch von Oſten
und durch den Turmunterbau von Weiten her ein Zugang nach dem Innern (Abb. 200).
Zwei Reihen übereinander angebrachter
ſtichbogiger Fenſter entſprechen den auf
der Süd- und Nordſeite im flachgedeckten
Kirchenſchiff eingebauten Emporen mit
Zugangstreppen in den vier Ecken des
Kirchenraumes.
Der ebenſo wie das geſamte Innere
im Jahre 1905 leider völlig überſtrichene
Kanzelaltar iſt ein reiches Werk aus
dem Anfang des 18. Jahrhunderts. Über
einem von joniſchen Säulen flankierten
Unterbau ſitzt rechts und links von reichem
Schnitzwerk und zwei kariatydenähnlichen,
die alte (Geſetzestafel) und die neue Heils—
lehre Lamm) verſinnbildlichenden Figuren
eingeſchloſſen die nicht minder reich ge—
ſchnitzte Kanzel. Singende und muſtzierende
Engel ſowie ein Pelikan beleben den Kanzel—
deckel und die reich umrankte Bekrönung
mit dem Burgsdorffſchen Alliancewappen,
während auf den geſchwungenen Ver—
dachungen zu beiden Seiten ruhende Ge—
ſtalten ſichtbar werden.
Der Taufſtein iſt modern⸗-gotiſch.
Die Orgel gehört ebenfalls der
neueren Zeit an.
Zwei meſſingene Kronleuchter ſowie
zwei Wandarme aus demſelben Metall
in der Nähe der Kanzel und fünfundzwanzig einfachere meſſingene Lichterhalter zeigen
z. T. die Formen der ſpäten Renaiſſance und der Barockzeit. Zwei ohne Dorn 69 cm hohe
ſilberne, reich ornamentierte Altarleuchter (Abb. 201) aus dem Ende des 17. oder dem
Anfang des 18. Jahrhunderts wurden in neuerer Zeit angekauft und der Kirche geſchenkt.
Abb. 201. Ziebingen. Leuchter in der Kirche.
) Am 28. Januar 1780 überreicht nach einer Aufzeichnung in den Akten des Regierungsarchivs zu
Frankfurt Joachim Friedrich Ehrentreich v. Burgsdorff Plan und Anſchlag des Maurermeiſters Andreas
3 l urg
Rumpelt aus Sommerfeld zum Neubau einer Kirche in Ziebingen. (Vgl. auch die Geſchichte der Ziebinger
Kirche von O. Kohtz in der Ziebinger Zeitung, November 1905.)
14*
Abb. 202. Ziebingen. Burgsdorffſches Epitaph in der Kirche
(nach einer Aufnahme im Beſitze des Herrn Pfarrers Richter in Görbitſch).
Weſtſternberg. Tafel 10.
dem Kirchſpiel.
—
=:
S
=
—
—
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—
—
—
N
x
jebingen.
5
*
Siebingen — Zohlow. 213
Ein reichgeſchnitztes Holzepitaph (Abb. 202) für Joachim Ehrentreich v. „Burgs—
torff“, geb. 28. Aug. 1665, geſt. 9. Juni 1710, befindet ſich im Innern der Kirche. Das
reiche Schnitzwerk eines konſolartigen Unterbaus hängt an der Südempore.
Eine Kartuſche mit Inſchrift zur Erinnerung an die Erneuerung der Kirche
wurde im Jahre 1905 an der Orgelemporenbrüſtung angebracht. Außerdem ſind noch
nennenswert:
Zwei gußeiſerne und drei hölzerne Kriegserinnerungstafeln.
Ein Marmorbildnis der Gräfin Anna Finck v. Finckenſtein, geb. 14. April
1852, geſt. 21. April 1861, das in einer durch eine Glasſcheibe geſchloſſenen Niſche
der Patronatsloge untergebracht iſt.
Ein Gedenkblatt an Wilhelm Maximilian Emil Reichsgraf Finck v. Fincken—
ſtein, geb. 26. Sept. 1777, geſt. 27. Jan. 1843, hängt ebendaſelbſt.
Ein auf Leinwand gemaltes Olbild, Chriſtus unter den Phariſäern, aus dem
Anfang des 19. Jahrhunderts, befindet ſich in der Sakriſtei. Es wurde von dem damaligen
Pfarrer Johann Gottfried Kadach (geb. den 6. Juni 1773) der Kirche geſchenkt.
Drei Glocken. Die öſtliche mit 0,81 m und die weſtliche mit 0,65 m Durchmeſſer
find von Johann Jacob Schultz aus Berlin in Croſſen 1710 gegoſſen. Die mittlere
von 0,85 m Durchmeſſer zeigt die Minuskelumſchrift: „so rex ss glorie © criste ©
(veni) [c] vm s pace.“ = O König der Ehren, Chriſtus, komme in Frieden).
Das Herrenhaus, ein am Anfang des 19. Jahrhunderts von Hans Chriſtian
Genelli errichteter Bau!) wurde leider vor etwa 10 Jahren einer durchgreifenden
Veränderung unterworfen. Nach Ausſage des jetzigen Beſitzers, Grafen Finck v. Fincken—
ſtein, ſind keine Gegenſtände von Denkmalwert vorhanden.
Die Bewohner des Ziebinger Kirchſpiels bewahren z. T. noch heute eine auffallend
farbenreiche Tracht (Tafel 10).
Zohlow.
Zohlow, Straßendorf Skm nord—
weſtlich von Reppen. 381 Einw., Land—
gem. 1069 ha, Gutsbez. 177 ha.
„Czawl“ lautete in Bistumsre—
giſtern des 15. Jahrhunderts im Ge—
heimen Staatsarchiv (Rep. 78 a. 11)
der ſicherlich ſlawiſche Name des von den deutſchen Koloniſten im 13. Jahrhundert
mit 54 Hufen, darunter 4 Pfarrhufen, ausgeſtatteten Dorfes, mit dem am 9. April
1428 der Frankfurter Bürger Große durch Markgraf Johann belehnt wurde (vgl.
Riedel, Codex XXIII, 183). 1554 ging „Zawl“ durch Kauf von dem v. Röbel
an Vicenz v. Wedel über. Zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges beſaß den Ritterſitz
der Kanzler des Kurfürſten Joachim v. Kökeritz (vgl. Beckmanns Nachlaß, Geh.
Staatsarchiv, Rep. 92. V D, Nr. 15, ſowie Lehnsakten von 1641 in Rep. 62. 260 a);
1) Vgl. Varnhagen van Enſe, Gallerie von Bildniſſen aus Rahels Umgang, Leipzig 1836, T. 1, S. 176.
Abb. 203. Zohlow. Grundriß der Kirche.
214 Weſtſternberg.
er führte im Wappen 3 Lilien. Um 1730 kam „Zohlow“, woſelbſt um 1800 9 Bauern
und 4 Koſſäten ſaßen, an den Landesherrn und wurde dem Domänenamt Neuendorf
unterſtellt. Heute iſt das Gut Privatbeſitz, das Patronat aber noch königlich.
Abb. 204. Zohlow. Kirche von Nordoſten.
Die Kirche (Abb. 203 u. 204), ein im Grundriß rechteckiger, mittelalterlicher Find—
lingsbau mit einem im Jahre 1737 aus Backſtein errichteten Weſtturm und einer
etwa gleichaltrigen Vorhalle aus demſelben Bauſtoff vor dem Südportal, wurde in
neueſter Zeit auf der Oſtſeite mit einer fünfſeitigen, ebenfalls aus Backſtein errichteten,
jedoch unverputzten Apſis verſehen. Ein ehemaliger Zugang auf der Nordſeite iſt
heute vermauert. Die vierſeitige, von einer welſchen Haube gekrönte Laterne über
dem Ziegeldach des Turmes ſchmuͤckt der brandenburgiſche Adler. Ein Teil des ſechs—
ſeitigen Flieſenbelags unter dem Geſtühl iſt barock.
Der barocke Kanzelaltar (Abb. 205) zeigt breit angelegtes Schnitzornament.
Sohlow. 215
Die übrige innere Ausſtattung einschließlich der Orgelempore mit ihren vor—
ſpringenden Seitenflügeln gehört mit Ausnahme einiger mitverbauter barocker Reſte
der neueren Zeit an.
Abb. 205. Zohlow. Kanzelaltar in der Kirche.
Eine Tafel zur Erinnerung an die Befreiungskriege hängt im Innern.
Ein einfacherer barocker Zinnkelch, 21, cm hoch, trägt die Jahreszahl 1786.
Eine ſechseckige Kirchenflaſche, 18 em hoch, dürfte ebenfalls dem 18. Jahr—
hundert angehören.
216 Weſtſternberg.
Reſte eines barocken Taufengels ſowie eine hölzerne Kartuſche aus derſelben
Zeit werden auf dem Kirchenboden aufbewahrt.
Zwei Glocken. Die öſtliche von 0,76 m Durchmeſſer zeigt am Hals die Inſchrift:
AVS DEM VEIWER FLOS ICH DIT ERICH BESLER ZW CVSTRIN
*
nt [I Te
Tr I Bi
Abb. 206. Zohlow. Bauernhaus.
GOS MICH“. Außerdem erkennt man auf der Haube drei geflügelte Engelsköpfe
und unter dem Schliebenſchen Wappen die weitere Inſchrift: „ANNA GEBORNE
SCHLIEIBIEN, H. JOACHIM von KOKERITZ CHVRE: BRAND: CANZ E-
LERS S. NACHGELASSENE WITTIB AVF ZOLO 1648“. Die weſtliche von
0,59 m Durchmeſſer zeigt auf der Nordſeite der Haube Maria und Johannes am Kreuze
und auf der Südſeite Adam und Eva am Baum der Erkenntnis. Außerdem erkennt
man am Schlag neben zwei kleineren Münzen eine größere mit dem Bildnis des
Großen Kurfürſten. Die Umſchrift am Hals der Glocke lautet: „+ VIGILANDVM
ET ORANDVM (= zum Wachen und zum Beten) ANNO MDCXLIX (= 1649)
SAMEL FINKE“,
Ein ſtrohgedecktes Bauernhaus (Abb. 206)
aus Fachwerk mit Vorlaube, deſſen vordere Hälfte
die Wohnungen und deſſen von der Straße ab—
gelegener Teil Okonomieräume enthält, liegt an
der Dorfſtraße unweit der Kirche.
2
—
HIT
Zweinert.
Zweinert, Angerdorf 5 km ſüdweſtlich
von Droſſen. 275 Einw., 1046 ha.
„Swinar“ war eines der vielen Dörfer, deren Beſitz dem Biſchof Stephan II.
Abb. 207. Zweinert. Grundriß der Kirche.
Zohlow — Zweinert. DAT
von Lebus am 3. Febr. 1317 laut Urkunde im Geheimen Staatsarchiv (Lebus Nr. 5,
vgl. Riedel, Codex XX, 201) durch die Askaniſchen Markgrafen beſtätigt wurde.
In Bistumsregiſtern des 15. Jahrhunderts wird der ſlawiſche Name „Swiner“ oder
„Czweyner“ geſchrieben (Rep. 78 a. 11, fol. 50 und 279), zu Beginn des 17. Jahr:
Abb. 208. Zweinert. Kirche von Südweſten.
hunderts jedoch Zweinert. Die durch die Regiſter bezeugte Einteilung der Feldmark in
Hufen, von denen je 4 dem Pfarrer und dem Lehnſchulzen gehörten, deutet auf eine
Gründung zur Zeit der deutſchen Koloniſation. Nach 1555 ſäkulariſiert, gehörte das
um 1800 nur 118 Einwohner zählende Dorf, wo kein Amtsvorwerk beſtand, zum Domänen—
amt Frauendorf. Das Patronat ſteht heute den Prinzen von Preußen zu (vgl. S. XII).
Die Kirche (Abb. 207 u. 208), ein im Grundriß einfach rechteckiger Findlingsbau
mit einem in ſeiner unteren Hälfte der ganzen Weſtfront vorgelagerten Turm, beſitzt
2
5
Zweinert. Kanzelaltar in der Kirche.
Abb. 209.
Zweinerl. 219
vor ihrem ſpitzbogigen Zugang auf der Südſeite mit dem abgetreppten Gewände eine
aus Fachwerk errichtete Vorhalle. Der ins Achteck übergeführte hölzerne Turmaufbau
mit ſeiner ſchlanken ſchiefergedeckten Pyramide gehört der neueren Zeit an. Von den
Lichtöffnungen ſind nur noch die drei ſpitzbogigen Fenſter in der Oſtwand mittel—
alterlich. Das flachgedeckte Innere hat auf der Weſt- und der halben Nordſeite
Emporen, deren Zugangstreppe in der nordweſtlichen Ecke liegt.
Abb. 210. Zweinert. Leuchter in der Kirche.
Der nachträglich zuſammengefügte Kanzelaltar (Abb. 209) zeigt im Gegen—
ſatz zu dem jüngeren Kanzelkorb eine Rückwand aus dem Anfang des 18. Jahrhunderts,
die in ihrer Geſamtheit ſowohl wie in den Einzelheiten ſtark an ganz gleiche Arbeiten
im Lebuſer Kreiſe, wie z. B. in Lichtenberg bei Frankfurt a. O. (vgl. Kunſtdenkmäler,
Lebus, S. 172, Abb. 168), erinnert.
Die kelchförmige Taufe mit ihrem einfachen meſſingenen Taufbecken iſt barock.
220 Weſtſternberg.
Die Orgel gehört der neueren Zeit an.
Ein kleiner ſechsarmiger meſſingener Kronleuchter mit einem Doppeladler als
Bekrönung gehört der ſpäten Renaiſſancezeit an.
Zwei meſſingene Altarleuchter (Abb. 210), 55,8 cm hoch, find barock.
Ali
iin
Abb. 211. Zweinert. Bauernhaus.
Eine hölzerne, eine eiſerne und eine marmorne Tafel zur Erinnerung an die
Kämpfe von 1813 und 1870 hängen in der Kirche.
Ein einfacher Barockſchrank ſteht im Turmunterbau.
Drei Glocken. Die ſüdöſtliche mit 0,55 m Durchmeſſer iſt ebenſo wie die weſtliche
mit 0,70 m Durchmeſſer aus Gußeiſen. Beide wurden im Jahre 1879 von den Bochumer
Vereinigten Gußſtahlwerken gegoſſen. Die nordöftliche mit 0,75 m Durchmeſſer fertigte
Lorentz Köckeritz im Jahre 1678 in Stettin.
Bemerkenswert iſt endlich noch die den Kirchhof einfriedigende alte Feldſteinmauer.
Ein Bauernhaus mit Vorlaube (Abb. 211) ſteht in der Nähe der Kirche.
Aurith .
Balkow.
Beelitz .
Bergen .
Biberteic, .
Biſchofſee n.
Bottſchow .
Buchholz
Döbbernitz.
Drenzig
Droſſen
Frauendorf.
Groß⸗Gandern
Klein-Gandern
Görbitſch .
Göritz
Gohlitz .
Gräden.
Grunow
Hildesheim
Klein-Kirſchbaum
Klauswalde
Kohlow
Kunersdorf
Läſſig
Laubow
Leichholz
Leiſſow.
Lieben
Orlſchaftsverzeichnis.
Ortſchaftsverzeichnis.
Seite
103
109
112
116
118
121
123
Groß-Fübbichow .
Klein-Fübbichow .
Matſchdorf
Neuendorf.
Oetſcher
Pinnow
Polenzig
Radach.
| Groß-Rade
Klein-Rade
Rampitz ;
Reichenwalde .
Reipzig .
Neppen .
Säpzig .
Sandow
Schmagorei
Seefeld.
Spudlow
Stenzig.
Storkow
Tornow
Trettin .
Tſchernow ..
Wildenhagen .
Zerbow.
Ziebingen .
Zohlow.
Zweinert
ID
1
—
222
Abb. Seite
I. Nordſeite der Jakobikirche zu Droſſen XVI
II. Kirche zu Reipzig XVII
III. Kirche zu Grunow XIX
b) Im Verzeichni
Abb. Seite
1. Aurith, Grundriß der Kirche 1
2 5 Kirche von Südoſten 2
3. 5 Inneres der Kirche . 3
4. 1 Bauernhaus, Grundriß. 4
55 7 75 Anſicht 4
6. 1 15 Inneres 5
7. Balkow, Blockhaus 6
8. 75 Grundriß des e vor
dem Umbau . 7
9. m Herrenhaus, Anficht 8
10. Beelitz, Grundriß der Kirche 9
11 75 Kirche, Kanzelaltar 10
12. 7 „ Taufe. 4
13. Biberteich, Grundriß der Kirche 12
14. 0 Juneres der Kirche 13
15. 1 Taufe in der Kirche 14
16. 5 Glockenturm. 15
17. Biſchofſee, Kelch in der Kirche 16
18. Bottſchow, Kelch in der Kirche 15
19. 15 Taufbecken in der Kirche a 17
20. Buchholz, Taufe 18
21. Drenzig, Grundriß der Kirche a)
22. 7 Taufbecken in der Kirche. 20
23. 7 Bauernhaus. 21
24. Droſſen, Mauer mit Weichhausreſt 27
25. 7 Mauerturm 28
26. 1 75 . 29
Sir 75 Jakobikirche, Grundriß 37
28. 75 7 Anſicht von Süd:
oſten . 38
29. 1 7 Inneres. 39
30. 5 5 nördliches Seiten—
ſchiff . BE)
31. 5 5 ſüdliches Seitenſchiff 11
. 77 1 Kanzel 11
Weſtſternberg.
Verzeichnis der Textabbildungen.
a) In den Einleitungen:
Abb. Seite
IV. Grabdenkmal des Miniſters v. Struenſee
auf dem Kirchhof zu Matſchdorf XXVII
V. Altere und neuere Zinngeräte in der
Kirche zu Frauendorf . XXIX
s der Denkmäler:
Abb. Seite
33. Droſſen, Jakobikirche, Taufſtein 15
31. 5 5 Taufſchuſſel. . 46
35. 75 75 Opferſtock 47
36. 5 7 Gedenktafel fur den
Oberbürgermeiſter
Kleiner 19
5 + 15 Prunkwappen 53
38. 77 17 Beſchlag. 54
39. 5 7 Kelch und Taufkanne 56
10. br Kelche Bl
41. ” Grundriß der Gertraudenkirche . 59
42. 55 Gertraudenkirche, Weſtanſicht 60
43. 7 Inneres der Gertraudenkirche 61
14. 7 Friedhof, Erbbegrabnis der Familie
Bennewitz. . 62
45. 75 „ Erbbegräbnis der Familie
Kraufe . . 63
16. h „ Grabmal 64
47. 75 Rathaus und Kirche 65
18. 7 Altes Rathaus auf einer Schutzen—
ſcheibe vom Jahre 1841 66
19. 5 Breite Straße, Blick nach Oſten 67
50. 75 Kirchſtraße . 68
51. 7 Jakobikirche, Südſeite, ü im B
grund das Pfarrhaus . Se)
52 m Lange Straße, Blick nach Nord:
weiten . e 71
ns} 75 Lange Straße, Blick nach Sud—
oſten 5 4 5
54. er Grundriß des Hauſes Poſtſtraße
Nr. 1 8 72
55. 75 Eingang zur Roſenſtraße 2 73
56. 15 Frankfurter Vorſtadt 74
el 7 Kietzer Straße 5 . 7⁵
58. 55 Fachwerkhauſer in der Parkstraße 76
Verzeichnis der Terfabbildungen.
Abb. Seite Abb. Seite
59. Frauendorf, Grundriß der Kirche 76 102. Laubow, Grundriß der Kirche 118
60. 75 Kirche von Südoften . 10 1 Kirche von Südoſten 119
61. 5 Denkmal in der Kirche 78 | 104. m Inneres der Kirche. 120
62. 5 Kelch in der Kirche 79 | 105. Leichholz, Grundriß der Kirchen. 121
63. 15 Taufkanne und Oblaten— 106. 05 Inneres der Kirche 122
fchachtel in der Kirche 80 | 107. 0 Denktafel in der Kirchen. 123
64. Groß-Gandern, Grundriß der Kirche 80 108. Leiſſow, Grundriß der Kirche 123
65. 15 Taufe in der Kirche 81109. m Kirche von Nordwerten . 124
66. Klein-Gandern, Grundriß der Kirche 82 | 110. 5 Bauernhaus 125
67. 75 Anſicht der Kirche von 111. Lieben, Grundriß der Kirchen. 125
Süden . 83 | 112. 7 Inneres der Kirche 126
68. Görbitſch, Herrenhaus 88 113. 75 Kelch in der Kirche 127
69. Göritz, Stadtplan 5 88 | 114. 5 Dorfſchmiede . „ e
1 Grundriß der Kirche . 89 115. Groß-Lübbichow, Kirche, Altar 128
71 15 Kirche von Nordoſten 90 116. Klein-Lübbichow, Grundriß der Kirche 129
72 15 Kirche, Kanzelaltar 92 117. 55 Kirche von Südoſten 129
73. Gohlitz, Grundriß der Kirche 93118. Pr Kirche, Altar 130
74 7 Kirche von Nordwerten . 94 119. Matſchdorf, Grundriß der Kirche 131
75. Grunow, Grundriß der Kirche 96 120. 7 Kirche von Nordoſten 132
76. 5 Kirche von Nordoſten . 9 AH: 75 Inneres der Kirche 133
1 5 Inneres der Kirche 98 | 122. er Grabdenkmäler der Familie
78. 15 Taufe in der Kirche 99 des Staatsminiſters
79. 17 Leuchter in der Kirche 100 Struenſee von Carlsbach 134
80. 0 Kelche in der Kirche . 101 | 123. > Herrenhaus 135
81. Hildesheim, Grundriß der Kirche .. 101 124. 5 Herrenhaus, Beſuchskarten
82. 15 Kirche von Südoften .. 102 aus der Sammlung v. Finckenſtein 136
83. Klein-Kirſchbaum, Grundriß der Kirche 103 | 125. Neuendorf, Herrenhaus 138
84. nn Kirche von Nord» 126. Pinnow, Grundriß der Kirche . 139
weiten „ e e 15 Kirche von Südoſten 139
85. 7 Gedächtnistafel für 128. 5 Inneres der Kirche. 140
die Ehefrau des 129. Polenzig, Grundriß der Kirche . 141
Friedrich v. Ihlow 105 130. 5 Kirche von Nordoſten 142
86. Klauswalde, Grundriß der Kirche .. 105 131. > Inneres der Kirche 143
87. 75 Kirche von Nordoſten . 106 132. hr Kirche, Altar 144
88 Pr Kirche, Kanzelaltar oz e 1 Bennewitzſches Epitaph in 1975
89. er Taufe in der Kirche .. 108 Vorhalle der Kirche 145
90. 55 Kelch in der Kirche . . 108 134. Radach, Grundriß der Kirche 146
91. Zinnteller in der Kirche 109 | 135 7 Kirche von Südoſten 147
92. Ger Grundriß der Kirche 109 | 136. Groß-Rade, Grundriß der Kirche .. 149
93. 77 Kirche, Südportal „ eee ar 5 Kanzelaltar in der Kirche 150
94. 55 „ Kanzelaltar . „ ae e 1 Wetterfahne in der Kirche 150
95. 177 Altargerate in der Kirche . . 112 139. Klein-Rade, Grundriß der Kirche. 151
96. Kunersdorf, Grundriß der Kirche .. 112 140. 7 Kirche von Südweſten . 152
97. Pr Kirche von Südweſten . 113 | 141. „ Inneres der Kirche 153
98. 5 Inneres der Kirche 114 142. Rampitz, Grundriß der Kirche 153
99. 5 Treppe in der Sakriſtei der 143. 15 Kirche von Südoſten 154
Kirche 115 | 144. 15 Inneres der Kirche . 156
100. Läſſig, Grundriß der Kirche . 146145. 75 Geflügelhaus . „ 07
101 75 Kirche von Südweſten . 117 146 Reichenwalde, Grundriß der Kirche 158
224 Weitjfernberg.
bb Seite | Abb. Seite
147. Reichenwalde, Geländer der Vorhallen— 176. Seefeld, Kirche von Nordoſten 190
treppe . 159 | 177. 5 Kronleuchter in der Kirche 191
118. 775 Flügelaltar in der Kirche 160 178. Spudlow, Grundriß der Kirche . 192
149. 7 Zinnleuchter in der Kirche 161 | 179. 75 Kirche von Süden 192
150. Reipzig, Grundriß der Kirche . 161 | 180, 1 Kanzelaltar in der Kirche . 193
151. 15 Kirche von Nordoſten 162 184. 75 Taufe in der Kirche . 193
152. 75 Predigtuhrgeſtell in der Kirche 163 | 182. 7 Kelch in der Kirche 191
153. 1 Abendmahlskelch in der Kirche 163 | 183. Stenzig, Grundriß der Kirche 195
154. 7 Zinngeräte in der Kirche . 164 | 184. „ Kirche von Nordweſten 196
155. Reppen, Grundriß der St. Katharinen— 185. 75 Totentafel in der Kirche 197
kirche . 170 186. Storkow, Grundriß der Kirche . 198
156. 5 St. e Nord- 187. 17 Kirche von Nordweſten 198
kapelle 17188. 15 Inneres der Kirche 199
157. br Hoſpitalkirche, Altar . 174 189. Tornow, Kanzelaltar in der Kirche. . 201
158. 75 Friedhof, Bolfrasſches Grab— 190. Trettin, Grundriß der Kirche 202
denkmal 175 191. „ Kirche von Nordweſten. 202
159. hr Friedhof, Erbbegräbnis der ee 192. 75 Inneres der Kirche . 203
milie Herzberg . 176 193. Tſchernow, Inneres der Kirche . 204
160. 5 Haus Frankfurter Straße Nr. 5 177 194. 75 Taufengel . 205
161. m „ Richterſtraße Nr. 22 . 178 | 195. Wildenhagen, Grundriß der Kirche 205
162. 7 „ Schloßſtraße Nr. 59 179 196. 7 Kirche von Südweſten . 206
163. 7 Tür am Hauſe Schloßſtraße 197. Zerbow, Leuchter in der Kirche . 208
N ; 179 198. Ziebingen, Grundriß der Kirche 208
164. 75 Tür am Bau Straß 199. m Kirche von Norden 209
N . 180 200. 75 Inneres der Kirche 210
165. Säpzig, Grundriß der Kirche 180 201 1 Leuchter in der Kirche 211
166. m Kirche von Werten 181 | 202 5 Burgsdorffſches Epitaph in
167. „ Kanzelaltar in der Kirche . 182 der Kirche . 212
168. 57 Altarleuchter in der Kirche 183 203. Zohlow, Grundriß der Kirche 213
169. Sandow, Grundriß der Kirche 181 | 204. 75 Kirche von Nordoſten . 214
170. a Inneres des Kirche 185 205. 75 Kanzelaltar in der Kirche .. 215
171. 1 Herrenhaus 186 206. 17 Bauernhaus 216
172. Schmagorei, Grundriß der Kiuche 186 207. Zweinert, Grundriß der Kirche . 216
173. 7 Kanzelaltar und Taufe in 208. 15 Kirche von Südweſten 217
der Kirche 187 | 209. 5 Kanzelaltar in der Kirche . 218
174. 7 Taufengel in der 1 183 | 210. 1 Leuchter in der Kirche 219
175. Seefeld, Grundriß der Kirche 189 | 211. 11 Bauernhaus . 220
Verzeichnis der Karlen und Tafeln. 225
Verzeichnis der Karten und Tafeln.
a) Karten:
Geographiſche Karte des Kreiſes Weſtſternberg. uberſichtskarte der im Verzeichnis erwähnten Orte.
9
b) Tafeln:
1. Balkow, Frauentrachten. 6. Droſſen, Altar in der Jakobikirche.
2. Droffen, Stadtplan nach Euchler. 7. Reppen, Stadtplan nach Euchler.
85 m Auſicht nach Merian. 8. Seefeld, Kanzelaltar in der Kirche.
4 75 Modell eines Hochaltars im Beſitz 9. Wildenhagen, Altar in der Kirche.
der katholiſchen Gemeinde. 10. Ziebingen, Trachten aus dem Kirchſpiel.
br 5 Jakobikirche, Anſicht von Süden.
Kunſtdenkm. d. Prov. Bröbg. VI. 3. Weſtſternberg. 15
Weſlſlernberg.
Verzeichnis der Familien, Stifter u. ſ. w.
Seite
ae ede 8
Albrecht Achilles, Kurfürſt . .. „ 24, 209
Albrecht Conrad, General XII
Alsleben, Präfident 119
Apetzko, Biſchof von Lebus. VI, 87
Areldus : 50, 56
v. Arnim, Joachim VIII
Arnold, Inſpektor. 134
Bache, M., Richter . e 92
Banner, ſchwediſcher General. .. „ IX
Beil, Familie 24, 50, 56, 189
Bennewitz, Familie XXIV, 58, 64, 146
v. Berg 10, 14% 9 80
v. Berger 105
Bielitz, Familie 2 50, 56
Bi hond G 5
Bloch, Johanne. 22
v. Block-Bibra 18
Blrüh (= Brühl, Andreak (Andreas) 118
v. Blumenthal, Georg, Biſchof von Lebus VIII
Bobertag, Joh., Paſtor 190
Bobertags, Marg. 18
Bocatius, Caſpar, Diakon . ER 52
Bohtz, Familien. XII, 187, 188
Bolfras, Wilh. 0 174
v.Bonin. 0 5 50 * 8
v. Borſchnitz, Johann, Biſchof von Lebus 87,
166, 198
Brackow, Peter „ „2
Brandenburg, Familie . 100, 101, 102
v. Bredow 2
v. Brieſ en 2908
b. Buche el)
Buchholz, Gottlieb 197
Büttner, Görge : 118
Buntſch Bong) ; vn, 12
v. Burgsdorff (Burgstorff, Borgsdorß) XI, XXVII.,
6, 129, 184, 185, 186, 209, 211, 213
Buſch, Geh. Juſtizrat. . XI, 106
v. Byzeski 9 118
Caſimir, König von Polen . IX
Seite
Clemens VL, Papſt. 2 87
Conrad, Erzbiſchof von Magdeburg re
Conrad, Biſchof von Lebus 87
Coppe, Jürgen . 2 191
v. ene Peter, 70 207
Daubitz, Caſpar 118
v. b, Deher, Johann, Viſchof v von Lebus 87
Douglas, Ritterſchaftsrat 208
Dumke, Joh. Friederika . 155
Duncktmigut 109
Dyſſen, Ritter. 165
v. Eichendorf, Heinrich. VII
Eick, Pfarrer 21
Elert, Familie . Da 146
Eliſabeth Charlotte, Kurfürſtin-Witwe IX
Ende, Chriſtoff . 118
Enden, Jacob 118
Engel, C. A. 184
Ertmut sr 82
Fabricius, Gottlieb, Paſtor 148
ln J. W. IR 161
Fendius, * 4
ee Prinz . x, XXIll, 155
Grafen Finck v. Finckenſtein XII, XXVI, 17,
132, 135, 138, 209, 213
Firnhaber 12
Fiſchbach, Carl FE 117
Franke, Joh. Chriſt., Prarrer . 196
Frenkelyn 161
Friedrich J., Kurfürſt N Friedrich VI.
| von Nürnberg) VII, 131, 146
Friedrich II., Kurfürſt VIII, 166
Friedrich J., König 34%
Friedrich II., der Große X, XXV, 87, 116, 135,
137, 138, 149, 167
Friedrich Wilhelm, der Große Kurfürſt
IX, XXIII, XXV, 30, 110, 129, 216
Friedrich Wilhelm J., König XII, 30, 77, 123,
168, 184
Friedrich Wilhelm III., König . 31, 137, 201
Friedrich Wilhelm IV., Könige 122
Verzeichnis der Familien, Stifter u. ſ. w.
Seite
Fuchs, J. C., Bürgermeiſter 185
Gabriel, Adam 118
v. Gaudi. } 86
Georg Wilhelm, Kurfürſt 137
Gerke, Martin. 118
Gieſe, Generalmajor . 25
Gladow, Bernd. Friedr.. 148
v. Grävenitz 17
Greber, Hans 4 164
Greilich, Erasmus, 0 157
Große, Frankfurter Bürger . 213
Großwend (Großwendt) 8 196, 197
v. Grüneberg (Grünberg, Grunenberg) VII, 6, 7,
128, 129, 139, 140, 146, 158, 200
Günter, Familie 137, 151
Haack, Familie . 79
v. Hackeborn 186
Hahn, Chriſtoff . 118
Hamann, Oberamtmann. 140
Hancke, C., Bürgermeiſter 92
Handke, Jakob. 8
Hans von Sagan, Herzog VII, 24, 29, 166, 169
Grafen v. Haslingen. XII, 159, 187
v. Heicking, ruſſiſcher Offizier 115
Heinrich der Löwe 169
Heinrich, Herzog von Schleſien VI
Hercke, Andres und Caſper . 161
Herrmann, Joh. Jacob, Ratmann 50
Herzberg, Familie „ 0 ale
v. d. Heyde (Heyden, Heide) . 106, 207
Heymann 3 127
nn David, Sekretär 2 50
Hirſekorn, Johann Michael, Prediger 197
Hoffmann, Joh. Wilh., Oberbürgermeiſter . 50
Hokemann . 93, 198
v. Holle IR
Horn, Familie : 146
Horneburg, Biſchof von Lebus VIII
Hübner, A. M. 64
Jäger, Chriſtophorus, Pfarrer XXIv, 194, 195, 197
v. Jena ee. 19
v. Ihlow (Slow, Illo) VII, XI, XXIV,
17, 82, 104, 128, 146, 148, 187,
188, 189, 206, 207
Joachim J., Kurfürſt . VIII, 24
Joachim II., Kurfürſt . 33, 87, 116, 149, 209
Jobſt von Mähren, Markgraf VII, VIII, XVIII,
23, 112, 165, 166
123
Ilowen,
105, 106,
Jobſt, Familie
227
Seite
Johann XXII., Papſt VI
Johann J., Markgraf IV, 167
Johann IV., Markgraf 192
Johann der Alchimiſte, 213
Johann, Kurfürft . ; 49, 183
Johann von Cüſtrin, Markgraf VIII, XII, 24,
30,
Johann Georg, Kurfürſt
33, 87, 137, 166, 209
24, 33, 76
Graf Johann Moritz von Naſſau, Herren—
meiſter X
Ka dach, Joh. Gottfr., Pfarrer . 213
v. Kalckreuth N 11
v. Kaphengſt apehingeſt) , ee, 144,402
Karbe, Landrat. 106
Karl IV., Kaiſer XVIII
v. Karlwig, Joſt 8 194
Katharina, Gemahlin des Hans von Cüſtrin
VIU, 137
Kaull, Heinrich . 194
Keller, Ernſt Tobias, Ratmann 50
Kettel, Urſula Catharina 196
v. Kettwig (Ketwig, Kettwich, Kettwic, Ket—
wick, u) IX, 84, 92, 95, 131, 132, 133
Keydel, J. G., Prediger. 92
v. e 135
Kleiner, Familie 3 18, 56
Kleiſt von Nollendorf, Selbmarfchall . 137
v. Klepzig. 2 19, 79, 100, 183
Klopſch, Ehrift. Wilh., S 110
DICHELEDER Er 2. 7
v. Knobelsdorff 0
v. Kökeritz Kokeritz) 110, 213, 216
v. Königsmarck 132
Koſer, Paſtor 17
Krauſe, Familie 664
Kuhlwein . , e e
Kuhmeiſe, Oberſt. 5 24
Kuntzius, Joh. David, Richter 50
Lange, Chriſtof. 101
Laub, Johann, Richter 52
Lehmann, Johann, Küſter 148
Leupoldt, Barth., Ratmann 52
Liphard ** 161
v. Löben (Lobbenn, Weben Lope) WII e,
103, 105, 146, 158, 159, 160, 200, 209
Lokietek, Wladislaus, Polenkönig VI
Loſſow, Pfarrer rl, 190
v. Loſſow (Loſſo) VII, XI, 17, 19, 79, 80, 84, 82,
100, 121, 146, 158, 160, 206
15*
228 Weſtſternberg.
Seite Seite
Loudon (Laudon 9 ..... 113 Penther, Heinrich, Rittergutsbeſitzer. .. 207
Loze, Marti’ꝭn nn... 106 Peregrinus Dirzislaus), Kaſtellan . . 153
v. Lucke 14148 Grafen v. Perponcher⸗Sedluitzey 82
v. Ludwig (Ludewich) . . .. 110, 129, 134 Peſcho van Swebeſin (Schwiebus) 105, 165
Ludwig der Baier, Kaiſe r! D ipe?ßnn Eee
Ludwig der Ältere, Markgraf 1, 33, 105, 165 | Porkus, Genera ... .. 24
Ludwig der Römer, Markgraf 1, 23, 139, 166 v. Prittwitz, Rittmeiſter . ... 146
v. Lüderitz „„ „ „„ „ 77 Prosnacius, Martin, Predigen
Lutkelius, Paulus, Kuſtos. „ ern „„ 412
d. Maltzahn, Freiherrn Ai d if,
v. Mandelsloh .. „„ „„ „„ 12 eld Neck en, NE
Mangold, Johannes, i VIII, 24, 88 s. Reden 32 A
Martini, Martin, Bürgermeifter . ... 52 —Rehfeld, Chriſtian, Bürgermeister 3
d. Marwi z 1460 Nein bavde Soi Prediger u
Matthias, Marcus 194 Graf Neon
v. Medem, Freiherren „124% 122, 128 Richter, A M;; ?N.
Meißner, Peter 1418 Niedel, Prediger,.
Metzner, Friederike 82 | v.Riffelmann . XII, 84, 86, 100, 132
Metzner, Joh 8 Ritlingen, Ehriftna. . .. . 134
Meurer, Martin, Ratnann . .. 52 | Graf de la Rivalliere XII, XXVvIII, 115, 197
W Meydeb urg 2 Röbel, a
b. Meyerink, Genera 4 Rh rr ee
v. Minkwitz, Hans 87 Rotenburg, Jacob 96, 99
v. Mörner „ͤð ù ũÜ 87 00 och (noise 123, 126
dien la Motte, General ar. 487 Sack, Gebrüdere 2 2.2 re
Müller, Oberamtmann 206 Sack, Johannes BT VII, 183
Müller, Johann, Bürgermeiſter .. 18, 53. Sadewaßer, Apotheke
v. MünchowW̃wwwW̃w̃w 132 Schaffmñr]ʃ;'kt
Mylex, Blrgermeiſes Schafe), 7
Myler, Johann, Richter .. „„ 52 Schefiſch hh
v. Nauendorf (Newendorf, Nawendorf) 8 e Metten 3
Neumann, Familie . .. „ Schlabrendorf Slaberndorß) 24, 96, 186
Neumann, Franz, 1 VIII a Eſaias, Ratmann 52
Nile, . 8 ... 164 v. Schlieben (Sliwen) IX, 11, 154, 216
Nitzsike, D. F., Kanter 333 Schmid ee? 2
v. Oinitz On . ö VII, 431, 154, 186, 198 | Schmiedede, onen e
b. Oppen A, 80, 88, 0 207 b Schmorze Schüufen
v. d. Oſten 48 189 Schober, Samuel Friedrich er
Oi Air, Kale 8 Se BE: 7
Otto III., Markgraf .. IV, 167 Schönberg, Georg Benedikt Friedr. kr Archi⸗
Oro I, Marge, 10
Oer der Finne, Maorkgraßß
Paetſchigen, Joh. Friederike. . . 155
v. Pannewitz IH e
Pape, Andreas, Paſ top 06
Pape, Wilhelm, Eigentümer . .. 22
Mapis, one 118
v. Papppi ß, EERTER 103, 146
Pauly, Fam ie A 88
diakon 50
Schramm, Superintendent. .. N
Schramm, Ehrift. Georg, Diakon.. 50
Schreck, Lorenz, Profeſſor der Rechte .. 151
Schroeer, Bürgermeiſte er 2
v. d. Schulenburg. .. 3 ZERIR
Schultz, Carl Auguſt, Bihgermeifter . 0
N Joh. Adam, Ratszimmermeiſter . 174
Schulz, Mort JAsE
Verzeichnis der Familien, Slifler u. j. w.
Seite
Schulze, Gottfried 5 115
Grafen v. Schwarzenberg . 137, 155, 156
v. Seidlitz Fe N 137
v. Selchow (Selcho) . 11, 12, 14, 16, 106, 126
Senfft v. Pilſach, Freiherren XII, 132, 184
Seſſelmann, Friedrich, Biſchof „VIII
Siepmann, Chriſt. Friedr., Hülfskämmerer . 50
Sigismund, König von Polen 24
v. Sprenger 127
Sſaltykow, ruſſiſcher e 113
Stalhans, ſchwediſcher General 166, 200
Stange, Ritter 165
Stegemann, Daniel Auguſt, 1 100
Stellmacher, Bernhard, Ratmann 52
Stephan II., Bifchof von Lebus . VI, 192, 216
Stern, Leonhard, Bürgermeiſter 52
v. Stoſch. 8 8
Struenſee von Carlsbach XXVIII, 132, 135
v. Sydow . 128, 129, 140, 200
v. Tauentzien e , e, , e
v. Thiele, Generalmajor . 8
Thieme, Valtin 197
v. Thierbach 160
v. Thümen, Veit VIII
een, J e, 185
Toepffer, Pfarrer. 1
Töpper, Hans. n 118
Trautwein, Joh. Chriſt., Ratmann 50
v. Uchtenhagen 204
Ungnad, Joh. Chriſt. Goltl. 174
Der ns? 118
Seite
| Walburg-Tzfcheow . 99
Walde, Adam 8
Waldemar, Markgraf VI, 161, 192, 202
Waldemar, Der falſche, Markgraf VI
v. Waldow VII, IX, XI, 166
Waldow, Daniel 9 196
Wales 0
Walther, David 1 Pfarrer 50
Warmbor ne. 82
Wecker, Sebaftian . ale)
v. Wedeln. 123, 213
Wedel. 3 X
Weidemann, Georg Hugo Mar . 207
v. Weiſſenſee, Dietrich, Vogt. 139, 200
Weimann 938
v. Weſenbeck er 8% 7% 8, 12, 15
v. Widawſki, Chriſtina Loyſa s1
Wilberg, Carl Friedr. 197
Wilbrand, Erzbiſchof von Magdeburg 23
Wilda, W. R., Paſtor 196
v. Winning (Wynnyng, Winnig) VII, XI, 18, 81,
84, 100, 140, 146, 158, 186, 209
Wilhelm, Biſchof von Lebus 23, 87
Wins, Martin . 129
v. Winterfeldt (Wiuterfeld) IX, XI, 77, 84,
104, 105, 183
v. Wulkow, Haupfmann . VI
Wulkow, Jan . 205
v. Zaſtrow 158, 159
Zellfiſch, Martin . 106
v. Ziethen 135
230 Weſlſternberg.
Meiſterverzeichnis.
Seite
Allapdt, Johann, Male. ee
Berg, Zimmermelſte r Re 3
Berger, Bauinfpektor eee En RE TE
Bergman, Michell, Ziingieger '..... .. Meyer An N ee
Besler, Dietrich, Olockengießen, une se ee ⁵
Behyſen, R., SUberichnitenä)l 2 0. ran Em a RE NE GER R ) E EEE
Birkenhagen, Maurermeiſt r N TE
Boumann, Regierungsraa . ö
Bücker, Irgelbauerrrr SRH NE
Bügler, Carl, Glaſermeiſte !; d ᷑ ũ V) EEE
Ghodiowiecki, D., Malet1.AtW
Collier, Guſtav, Glockengieſe n g , ERRE
de Co ninck, David, Male m
Drooch Slot, Spoit Cpnelisz (ſiehe J. . S), Male) ys
Duchter, Daniel Ulerich, Molzbilöhaner 2 Ä
Duͤnſel, Orgelbauer , e ae ker non Bor. 184
Ewald, Joh Gottit.,, Simmermeifter. 22 k )
Flaminius, Resierüngss nd Bürge
Francke, Goktfried, Siogengiereun. 2. Re
Finde, Samuel, Gfodengiepevis ı 20.2 N
Fincken, Chriſtian, Glockengießennmd Ä
Fiſcher, (Gebr; Glockengießenrnr,‚‚‚d
Geittner, W., Glockengie ßend ᷑ 2T⅜:T!b⅛Iÿ
Genelli, Baumeiſte n ST ST EEE
Siebe, Kreisbaumeiſter᷑rr N N EE
Golofski, Ferdinand, Glaſe ee
Großheim, Gottlieb, Glockengieß er!) „%
) Carl Ferdinand Rudolph Beyſen, Sohn des Domänenpächters Friedrich B., geb. 16. Mai 1818
zu Harnekopf im Oderbruch (Kreis Oberbarnim, bei Wriezen), erwarb am 30. November 1847 das Bürger:
recht in Frankfurt g. d. Oder und gründete dort ein Goldwarengeſchaft, das ſpäter fein Sohn Max B.
(geb. 15. Dezember 1854, geſt. 13. Juli 1905) fortſetzte. R. Beyſen ſtarb am 29. Oktober 1889. Das Ge—
ſchäft beſteht noch jetzt, wenn auch unter anderer Firma.
Joſt Conelisz Drooch Sloot, gewöhnlich Droogsloot genannt. Einer der fruchtbarſten
holländiſchen Maler des 17. Jahrhunderts. Maler von Dort oder von Gorcum, wurde 1616 in die
St. Lukasgilde zu Utrecht als Meiſter aufgenommen, und von 1623 bis 1624 bekleidete er die Stelle eines
Dekans dieſer Anſtalt. 1638 wählte ihn das „St. Hiobs-Gaſthuis“ zum Regenten. Das ſpäteſte Datum
auf feinen Bildern iſt 1655. Er ſtarb in Utrecht. Seine Werke find in Utrecht ſehr zahlreich; fie find
jedoch nicht von ſonderlicher Bedeutung. (Jahrmärkte, Kirchweihen, Bauerntanze, auch zeitgeſchichtliche und
bibliſche Motive.)
) Vgl. Seite 5, Anmerkung. Großheim verzogen am 16. November 1864 nach Minden. In Franke
furt a. O. wohnte er Lindenſtraße Nr. 16.
Meiſlerverzeichnis.
Gruhl, Fr., Glockengießer
Grund, Tiſchler 5 5
Haberkern, Carl, ee
Hackenſchmidt, Glockengießer .
Helling, Carl Gottlieb, Se e
Heintze, Ch., Glockengießer .
Henze, Tiſchlermeiſter x
Hermann (Familienname nicht zu 1 e
Herrmann, Tobias, Baumeiſter
Hiebel, Gottlieb, Zimmerpolier
Hofmann, Georg, Glockengießer
Hoffmann, L., Zinngießer
Humber, Silberſchmied
Huſeler, Glockengießer
Köckeritz, Lorentz, Glockengießer
Koppin, Maurermeiſter
Krüger, Franz, Maler
Lambert, Nicholas, Uhrmacher
Lange, H. Ch., Glockengießer!“)
Lehmann, Abraham, Maurermeiſter
Liebe, G., Zinngießer 8 5
Lorenz (Familienname nicht zu entziffern), Glockengießer e
Loſchetter, Schieferdecker
Marquart, Zimmermeiſter . ;
Maukiſch, Johann George, Glockengießer
Meurer, J. P., Stückgießer
Meyer, Glockengießer
Meyer, Goldſchmied ;
Michel, Th., Maurermeiſter
Mockert, Zimmermeiſter .
Möllinger, Uhrmacher
Müller, Silberſchmied
Münchhoff, Landbaumeiſter
Neumann, Maler
Neumann, Georg, Baumeilker.
Pauſt, M., Glockengießer
Prevöt, L. C., Goldſchmied
Reyher, Maler
Rubon, C., Glockengießer
Rumpelt, Andreas, Maurermeiſter
Schadow, Bildhauer .
Schilling, Franz, Olokenaieket
Schmidt, Landbaumeiſter
Schober, Maurermeifter .
Scholtz, Johan Carl, eee
) Heinrich Chriſt. Lange, geb. 1791 zu Langenſalz in Schleſien,
Geſtorben am 14. Dezember 1857. Er wohnte
als Glockengießer das Bürgerrecht in Frankfurt a. d. Oder.
Breite Straße Nr. 4 in Frankfurt g. O.
231
Seite
95, 125, 156, 205
21
. 9
173, 201, 204
N 9
XXV, 129
XXVI, 190
7
XXIII, 34
XXV, 95, 160, 194
160, 204
5 8 91
XXII, 207
XXV, 220
21
137
I 85
18, 85, 117, 146, 164, 185
A So, 181
XXVI, 101, 156, 208
XX, 105
91
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XXVI, 58
XXVI, 59
XXVII, 102
XXVI, 29
119
6
186
184
20
91
XXIII, 106
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115, 204
137
7, 134
211
XXVII, 134
12, 84, 109
20, 89
XXVI, 8, 9
erwarb am 18. Oktober 1826
939
Schramm
Schramm
Schultz,
Schultz,
Schultze,
Schulze,
Weſtſlernberg.
a
1, J. F., Glockengießer
1, J. F., Witwe, Glockengießer
Zimmermeiſter :
Joh. Jac., Glockengießer .
Johann Gottl., Zimmermeiſter
Samuel, Zimmermeiſter .
Sieber, Tiſchlermeiſter
Siedler,
Bauinſpektor
Specht, Johann Friedrich, Kupferſchmied
Suchel, Greger, Baumeiſter
Tam, Sraelbalier
Thiele,
Tile, 5,
Ulrich, C
Voillard
Voß und
J. F., Glockengießer
Goldſchmied
F., Glockengießer .
„Franz, Glockengießer
Sohn, Glockengießer
Weber, Samuel, Glaſergeſelle .
Wenzel,
Wetzſtein,
Ambroſ., Glockengießer 5
Johann Kaſpar, Tiſchlermeiſter
Wurm, Maurermeiſter
Zernbach,
Zimmern
Zunckel,
98 Ke
DEN,
F. W.,
"HB,
S
Bee
a
M., Bauinſpektor
nann, Bauinſpektor
Jacob, Glockengießer
Meiſterinitialen:
lch in der Kirche zu Lieben.
„Kelch in der Kirche zu Klauswalde, Frankfurter Arbeit.
Barockkelch in der Kirche zu Görbitſch, Frankfurter Arbeit
„Os, Kelch und Patene in der Kirche zu Laſſig, Berliner Arbeit
Barockkelch in der Jakobikirche zu Droſſen, Berliner Arbeit
Kelch in der Kirche zu Zerbow, Frankfurter
Arbeit .
Patene in der Kirche zu Klein-Gandern, Frankfurter Arbeit
Abendmahlskelch in der Kirche zu Gohlitz, Frankfurter Arbeit
E 15 Zinnkelch in der Kirche zu Laubow 8
I. C. M., Kelch in der Kirche zu Klein-Lübbichow, Berliner Arbeit
J. 0 s (ſiehe Drooch Sloot)
„Abendmahlskanne in der Kirche zu lenz
L.
9 5 a in der Kirche zu Reipzig, Frankfurter Arbeit.
O. M., Brodteller in der Jakobikirche zu Droſſen, Berliner Arbeit
8.
Sh
ar Kelch in der Kirche zu Reichenwalde, Berliner Arbeit?
8., Zinnleuchter in der Kirche zu Hildesheim, Frankfurter Arbeit
XXV, XXVI,
95, 99,
Seite
XXV, 204
XXVII, 207
1, 2, 3
XXV, 129, 213
121,
20
33
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58
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146
164
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101
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Die Kunstdenkmäler der Provinz
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